iPad Pro 10.5 Testbericht: Volle Kraft voraus mit iOS 11

19. August 2017 Kategorie: Apple, iOS, Mobile, geschrieben von: caschy

Das neue iPad Pro 10.5 ist schon etwas länger auf dem Markt. Mittlerweile habe ich auch genügend Zeit mit dem iPad Pro 10.5 verbringen können, um ein paar Worte zu hinterlassen. Ob das Gerät nun für jeden was ist, das muss man mit sich vorher abmachen, ich behaupte einfach mal, dass sehr, sehr viele Menschen mit dem Vorgänger nicht aktualisieren müssen, des Weiteren auch vielen Anwender das günstige neue iPad ausreicht, welches sicherlich seinen Teil dazu beitrug, dass das iPad wieder positiver in den Quartalszahlen von Apple zu finden ist.

Die technischen Spezifikationen lasse ich mal hier raus, denn diese finden sich bereits alle in unserem Blog:

Apple iPad Pro mit 10,5 Zoll vorgestellt

Mir geht es in diesem Bericht eher um das Gefühl, welches ich in Verbindung mit dem iPad Pro 10.5 hatte und was sich alles im Herbst ändern wird. Ich nutzte früher gerne das Mini, weil ich es als reines Tablet zum Konsumieren und für unterwegs klasse fand, für echtes Arbeiten war es meistens aber dann doch nichts.

Ich bin seit Generation 1 iPad-Nutzer und habe immer versucht, auch mit den Tablets etwas zu machen. Produktiv. Für Film, Foto und Medien sind die Tablets natürlich auch zu gebrauchen, aber ich wollte natürlich auch immer einen Mehrwert haben, sonst muss man sich ja kein iPad kaufen.

Haptik und Verarbeitung

Muss ich eigentlich nicht viel schreiben: Für das gezahlte Geld darf und wird der Kunde Premium-Qualität verlangen und bekommen. Die Designsprache ist identisch geblieben. 480 Gramm ordentliche Verarbeitung ohne auffällige Spaltmaße oder sonst so.

Zuletzt arbeitete ich mit dem iPad Pro 9.7, ein Gerät, welches mit Pen und Tastatur schon eine Ecke besser war im Bereich der Produktivität, allerdings musste ich in meinem Anwendungsfall sagen: Ich kann einfach nicht alles machen in meinem beruflichen Bereich – oder ich brauche für Tasks zu lange. Ich beneide Menschen, die alles mit der Kiste machen können, was sie wollen, bei mir ist das alles nur teilweise möglich, was aber nicht dem iPad geschuldet ist, sondern meiner Arbeitsweise.

Nun also das iPad 10.5. Mehr Display im Gehäuse. Schmalere Ränder. Wenn man sich den Trend der letzten Monate anschaut, dann ist es der, dass immer mehr das Display in den Mittelpunkt rückt, Ränder als out bezeichnet werden. Ich verstehe da jeden, auch wenn mich beispielsweise die Ränder am iPhone nicht stören, wie sie es bei jedem anderen Gerät auch nicht wirklich tun, wenn die Ränder im….Rahmen bleiben. Als Negativ-Beispiel fällt mir immer sofort Sony ein. Beim iPad 10.5 denkt man sich erst einmal: Klasse, mehr Display. Das macht optisch definitiv eine Ecke aus, gerade, wenn man multimedial unterwegs ist, das ist schon ziemlich gut. Das Mehr an Display bezahlt man auch in den Maßen, während das 9.7er 240 x 169,5 mm misst, kommt an beim iPad Pro 10.5 auf 250,6 x 174,1mm.

Das Display

Und da wir beim Display sind, lasst uns auch da mal bleiben. True Tone erwähne ich hier nicht noch einmal separat, sondern verweise da auf meinem Test mit dem iPad Pro 9.7. Nur so viel dazu: Das Angezeigte soll wesentlich natürlicher wirken – und dies wird durch die Analyse der Umgebung realisiert. Das ist wahrscheinlich eine Funktion, die Konsumenten kaum wahrnehmen, wer allerdings mit dem Gerät arbeitet, speziell im Bereich der Farben, der wird es zu schätzen wissen, wie auch die Abdeckung des kompletten DCI-P3-Farbraum und die Unterstützung von HDR. Zum Vorgänger hat man zudem noch eine Verbesserung in Sachen Helligkeit nachgeschoben, auch eine Sache, die in bestimmten Situationen erfreut. Die große Neuerung ist ProMotion.

Bleibt ProMotion aktiviert, so arbeitet das Display dynamisch. Maximal erreicht das iPad Pro hier 120 Hertz, der Vorgänger schafft nur die Hälfte. Diese Darstellung kann sich aber negativ auf den Akku auswirken und so sorgt die Dynamik dafür, dass die Bildwiederholfrequenz angepasst wird. 120 Hertz braucht man sicher nicht, wenn man E-Books liest. Wer allerdings ein gepflegtes Spiel macht, der wird den Unterschied vielleicht sehen können. Schnelle Bewegungen können runder ablaufen. Aber ganz ehrlich, so aus meiner Warte: Ich persönlich würde, Stand jetzt, nicht aus diesem Grunde vom Vorgänger aktualisieren.

Übrigens: Wer den Mehrwert nicht sieht, der kann ProMotion abschalten: Einstellungen > Bedienungshilfen > Display-Anpassungen > Bildrate beschränken. Macht aber keinen Sinn, da tatsächlich Unterschiede sichtbar sind bei 120 Hertz.

Ohne Frage: Für mich ist das Display eines der Highlights, weil es einfach ab Werk Dinge richtig macht, die eigentlich so gar nicht auffallen – erst, wenn sie fehlen.

Die Leistung

Unter der Haube setzt Apple auf einen A10X-Chip. Quasi noch einmal eine Schüppe mehr im Vergleich zum iPhone 7, hier kommt bekanntlich der A10 zum Einsatz. Will man Benchmarkwerten glauben, dann stellt das iPad Pro 10.5 nicht nur die Mitbewerber in den Schatten, sondern auch seinen Vorgänger. Hier stellt sich natürlich immer die Frage, was man mit der Rechenpower anfangen will. Ihr wollt auf zwei Jahre hinaus die neusten Spiele spielen? Willkommen, das könnt ihr. Aber auch an Anwender ist gedacht, denn es gibt ja zig Produktionstools in Sachen Film, Musik und Co, die sicherlich mehr Leistung verbrauchen als ich benötige – denn streng genommen könnte ich wohl auch mit einem älteren Gerät gut klarkommen, da mein Hauptgebiet Text ist.

Und wenn euer Hauptgebiet Netflix, Amazon Video und irgendein „altes“ Spiel ist, dann braucht ihr sicherlich auch nicht das iPad Pro 10.5, sondern greift logischerweise zum Einstiegsmodell. Aber diese Art der Nutzer hat man mit dem Pro auch gar nicht im Visier, sondern jene, die wirklich ernsthaft damit arbeiten, die für sich das iPad als Hauptgerät sehen. Egal was ich machte: Es erledigte ruckelfrei seine Arbeit.

Für die Benchmarkfreaks:

Kleiner Hinweis dazu in eigener Sache: Mein Test lief in zwei Schichten ab: einmal normal mit dem Stand von iOS 10, bevor ich dann auf iOS 11 wechselte, um schon einmal die neuen Funktionen zu testen. Grundsätzliche Aussagen zu Akku und Leistung beziehen sich auf die finale Version des Betriebssystems.

Die Arbeit

Kommen wir zum Alltag mit dem iPad Pro 10.5. Mein Testgerät verfügt über einen Apple Pencil und das Keyboard von Apple. Damit ist man sicherlich ausreichend ausgestattet, wenn man in dieser Richtung arbeiten will. Apple gibt an, dass in Verbindung mit dem neuen Display auch der Apple Pencil flotter unterwegs ist, also eine geringere Latenz aufweist. Nun habe ich keine entsprechende Uhr, die solch kleine Zeiten messen kann, ich kann nur sagen, dass der Pencil quasi instant das zu „Papier“ bringt, was ich so mache.

Ob ich also nun einen Stift und Papier nutze oder iPad Pro nebst Apple Pencil spielt keine Rolle. Das war wirklich sehr smooth alles. Randnotiz: Ich merkte dass ich schon lange nicht mehr klassisch geschrieben habe. Während mir Tippen langer Texte nichts ausmacht, so sieht es beim echten Schreiben anders aus. Bereits nach wenigen Sätzen schmerzt meine Hand. Kennen sicherlich viele von euch auch.

Ich kritisierte damals in meinen Berichten, dass das iPad für mich kein Laptop-Ersatz ist. Ist es für viele wahrscheinlich auch noch nicht. Die Sache ist ja immer einfach: Ich muss Vorteile haben, wenn ich Plattform A gegen B eintausche. Man will keine Kompromisse eingehen. Wenn ich als Student alles was ich so täglich brauche, mit dem iPad erledigen kann, dann schleppe ich kein Notebook rum, was vielleicht weniger Akkulaufzeit hat und nicht so kompakt ist. Mit iOS 10 kamen dann die ersten Möglichkeiten a la SplitView und Co, die Neuerungen in iOS 11 sind für mich allerdings als wichtiger zu bezeichnen. Ich behaupte sogar, dass iOS 11 für das iPad wesentlich wichtiger ist als für das iPhone.

Gerade im Bereich des Multitaskings konnte Apple zulegen, mir macht es mittlerweile viel mehr Spaß mit iOS 11 zu arbeiten. Ich kann schneller sehen, was wo passiert, denn ich kann das Dock immer schnell hochziehen um zu sehen, ob meine bevorzugte App neue Mitteilungen für mich parat hat, des Weiteren kann ich Apps aus dem mittlerweile dynamisch agierenden Dock schnell zusätzlich in den Fokus rücken.

Das ist für mich ein großer Pluspunkt und ich sage mal bereits jetzt im Vorfazit, dass iOS 11 gerade den Menschen eine gehörige Erleichterung bietet, die mehr mit dem iPad machen als Surfen oder Netflix gucken. Einige der iOS-11-Neuerungen habe ich separat als informellen oder How-To-Beitrag beschrieben, damit ihr wisst, was auf euch zukommt:

iOS 11: Apple erklärt neue iPad-Funktionen in Videoserie

iOS 11 kann per 5-maligem Drücken des Powerbuttons Touch-ID deaktivieren

iOS 11: Mails per Drag & Drop als eml-Dateien in Dateien-App exportierbar

iOS 11: Dateien-App beherrscht Abspielen von FLAC-Dateien

iOS 11: „Beim Fahren nicht stören“ nutzen

iOS 11: File-App Dateifreigabe nutzen

iOS 11: Karten-App mit freiem Flyover-Modus

iOS 11: Notizen-App erkennt Handschrift

iOS 11 hat mit „Echo“ und „Spotlight“ neue iMessage-Effekte im Gepäck

iOS 11: Bildschirm lässt sich aufzeichnen

iOS 11: Screenshots erstellen und bearbeiten mit dem iPad

iOS 11: So funktionieren „Direkte Notizen“

iOS 11 kann automatisch Apps auslagern (und du auch manuell ohne Datenverlust)

Apple AirPods bekommen mit iOS 11 eine wichtige Funktion

Apple AirPods: iOS-11-Gesten bleiben unter iOS 10 erhalten

Multimedia

Das iPad kommt logischerweise nicht nur für die Arbeit zum Einsatz, sondern musste in den letzten Wochen auch multimedial herhalten. Während ich schreibe, höre ich Musik. Hier greife ich gerne zur Mixcloud-App und lasse mich nebenher mit Musik berieseln. Das nicht nur während des Schreibens, ich habe das iPad Pro in der letzten Zeit auch fast überall genutzt.

Abends auf der Couch, wenn ich Zeit für Zeitvertreib in Form von Dokus und Serien hatte, morgens zum Lesen meiner Nachrichten und auch das Anschauen von Videos im Bett und das Hören von Musik, während ich unter der Dusche stand, gehörten zum Programm. Alles sehr gut machbar, auch nebenher ließen sich durch Bild-in-Bild-Video Inhalte neben der Arbeit gut konsumieren. Die vier Lautsprecher im iPad Pro haben für mich einen sehr guten Klang und ich frage mich eigentlich dauernd, wie man das in Zukunft machen will. Viel mehr wird man aus der flachen Kiste nicht herausholen können. Das ist schon beeindruckend.

Akku

Auch der Blick auf den Akku muss erlaubt sein, hier hatte ich aber nur unter iOS 10 drauf geachtet, denn die Betaversion von iOS 11 möchte ich nur ungerne als Referenz nehmen. Apple nennt 10 Stunden, ich konnte das Biest aber schon früher kleinspielen. Hier war es dann aber so, dass ich das iPad Pro zur Navigation nutzte, dementsprechend LTE und GPS gefragt waren. Im Mischbetrieb sollte aber jeder auf locker 8 bis 9 Stunden kommen, wer über Apples Software Filme schaut, der wird auf die angegebene Zeit kommen. Schön, wenn man sich keinen Kopf um den Akku machen muss.

Die Kamera

Dass ich mal ein paar Worte zur Kamera eines iPads verliere, ist wieder einmal bemerkenswert, belächle ich doch seit jeher die iPad-Fotografen. Liegt aber einfach daran, dass ich immer eine bessere Kamera zur Hand hatte als die, die im iPad ist. Mit dem iPad Pro 10.5 hat man da aber nachjustiert und setzt Technologie ein, die auch im iPhone 7 zum Einsatz kommt.

Nicht, dass ich das iPad nun zum Fotografieren nutze, aber es ist gut, dass ich es könnte. Und hierbei meine ich nicht das von mir praktizierte Vorgehen, dass ich mit Scanbot irgendwelche Dokumente zwecks OCR und Archivierung abfotografiere, ich meine „echte Fotos“. Einfach mal ausprobieren und schauen, eventuell – je nach Bedingung – auch mal HDR zuschalten. Toll für den, der es braucht.

Abschließende Worte

Kann das iPad Pro 10.5 mein Notebook ersetzen? In manchen Situationen kann ich da mit Ja antworten. Dennoch könnte ich mein Notebook nicht einfach so 1:1 gegen ein iPad Pro tauschen, da mir hier viel zu viele lieb gewordene Tasks und Dinge fehlen würden, die sich so noch nicht für ich ändern lassen. Dennoch ist das iPad Pro eine hervorragende Arbeitsstation, wenn man seine Arbeitsabläufe verinnerlicht hat. Diese Arbeitsstation kann ich aber nur mit Einschränkungen empfehlen, wenn ich an unterschiedliche Nutzerarten denke. Gelegenheitsnutzer? Da reicht doch das Einsteigermodell und eventuell eine Hülle mit Tastatur. Dazu iOS 11 und man ist gleich eine Menge produktiver unterwegs. Wer braucht es also? Leute, die ihren Alltag und ihren Beruf auf dem iPad erledigen können. Zeichnen, Bildbearbeitung (schaut euch Affinity an!), Schreiben (ich nutze u.a. Bear im Abo, 16 Euro im Jahr).

Gerade wenn man die Chance hat, dass iPad beruflich zu nutzen und es dementsprechend als Arbeitsmittel steuerlich abzusetzen, ist es noch eine ganze Ecke interessanter, man hat auf jeden Fall mindestens zwei Jahre Ruhe, wenn nicht noch mehr, aber solch waghalsige Aussagen von +2 Jahren mag ich nicht treffen.

Und wer sich das iPad anschafft, der muss eventuell Zusatzkosten bedenken. Das iPad kostet in der WLAN-Version ab 729 Euro, LTE-Konnektivität ist ab 889 Euro zu haben. Dazu gesellt sich unter Umständen noch ein Tastatur-Case, wenn man ordentlich arbeiten will, gegebenenfalls noch der Apple Pencil. Der liegt bei 109 Euro, das Smart Keyboard schlägt dann mit 179 Euro zu Buche.

Das ist sehr viel Geld, welches man nur ausgeben sollte, wenn man ernsthaft mit dem Gerät arbeitet – oder man für sich persönlich die Ausgabe rechtfertigen kann. Für mich hat das neue Gerät in Symbiose mit iOS 11 gezeigt: Es geht auch anders und man kann für vieles auch mal das MacBook MacBook sein lassen. Dabei kommt es mir zugute, dass das iPad Pro so kompakt ist. Ich habe eine Tasche, die auf Trips eh dabei ist, wo Handy, Geldbörse, Fishermans Friend und Co landen. Und in jene Tasche, die ich ganz günstig im Urlaub schoss (ich brauche keine iPad-Ledertasche aus Bergziegenpenisleder für 300 Euro, wobei es schon geiles Zubehör gibt, was mich sehr anspricht), passt genau das iPad Pro. Wunderbar.

Meine Pro-Liste: Spitzenleistung und noch Reserven, tolle Lautsprecher, sehr gute Verarbeitung, tolles Display, gute Kamera, mit iOS 11 bald noch besser.

Meine Contra-Liste: Leider kein 3D Touch, das ist eine Funktion, die ich teilweise echt vermisse beim iPad. Ebenfalls ist funktionell Luft nach oben. Das Biest hat soviel Power. Man stelle sich eine Dockingstation für Zuhause vor, die das iPad Pro zum Rechner macht, mit vielen Vorteilen eines Desktops. Anstrengungen diverser Hersteller gab es da ja bereits, vielleicht kann auch Apple dies mal realisieren – in richtig gut.

Apple iPad Pro 10.5 bei Apple

Apple Pencil bei Apple


Über den Autor: caschy

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