Huawei nova 2 im Test: Supernova oder kleines Lichtlein?

30. August 2017 Kategorie: Hardware, Mobile, geschrieben von: André Westphal

Ich habe selbst eine ganze Zeit das Huawei nova Plus aus dem letzten Jahr als mein Hauptgerät verwendet. Da war ich natürlich sehr auf die nächste Generation dieser Reihe gespannt. Ich konnte mich bereits vor Release über mehrere Wochen mit dem neuen Huawei nova 2 beschäftigen, das in Deutschland zum Preis von 399 Euro für euch zu haben ist. Erleuchtet das Phone den Smartphone-Markt wie ein Stern am Nachthimmel oder liegt hier eher bestenfalls eine magere Funzel vor?

Huawei hat mit dem ersten Nova bzw. dem Nova Plus nicht unbedingt einen Kassenschlager hingelegt: Die Verkaufszahlen blieben, soweit ich das mitbekommen habe, hinter den Erwartungen zurück. Offenbar wagte man sich aber dennoch an einen Nachfolger und so liegt nun das Huawei nova 2 vor. Auch eine Plus-Variante erscheint zusätzlich. Letztere stockt in erster Linie die Diagonale auf 5,5 Zoll auf. Ihr wollt wissen, was das Huawei nova 2 bietet? Hier sind zunächst die technischen Daten.

Display: LCD, IPS-Panel, 5 Zoll, 1.920 x 1080 Pixel, 443 ppi
Abmessungen und Gewicht:  142,2 x 68,9 x 6,9 mm; 143 Gramm
RAM und Speicher: 4 GByte / 64 GByte (erweiterbar via microSD um bis zu 128 GByte)
Prozessor: Huawei Kirin 659, Octa Core, 4x 2,36 GHz (ARM Cortex A53), 4x 1,7 GHz (ARM Cortex A53)
Kamera:  12 + 8 Megapixel
Videoaufnahme:  1080p bei 30 fps
Front-Kamera:  20 Megapixel
Akku: 2.950 mAh Akku (fest verbaut)
Betriebssystem: Android 7.0 (Nougat) mit der Oberfläche EMUI 5.1
Schnittstellen:  Dual-SIM, Wi-Fi 802.11 b/g/n, GPS, microSD, USB Typ-C (2.0), 3,5 mm Audio, 4G LTE, Bluetooth 4.2
Weiteres: Fingerabdruckscanner an der Rückseite, Gyroskop

Wie man sieht, ist das Huawei nova 2 im Bezug auf die Daten ein ordentlich ausgestattetes Mittelklasse-Smartphone. Auch ein Gyroskop ist nun mittlerweile an Bord – wichtig für VR-Anwendungen. Dabei handelt es sich um das erste Gerät, das den neuen SoC Kirin 659 einspannt. Was jener so auf dem Kasten hat, verrate ich euch noch später im Abschnitt zur Leistung. Zunächst lohnt es sich aber einen Blick auf den Bildschirm und die Verarbeitung zu werfen.

Display und Verarbeitung

Das Huawei nova 2 bietet ein Display mit einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Bildpunkten, was im Ergebnis auf der Diagonale von 5 Zoll zu einer Pixeldichte von 443 ppi führt. Das passt, sieht scharf aus und entspricht auch in der Darstellungsqualität dem Preis: So ist das nova 2 kein Smartphone, das beim Bildschirm einen Wow-Effekt auslöst – wie vielleicht das Dolby-Vision-fähige Pendant des LG G6 oder der 4K-Bildschirm des Sony Xperia XZ Premium. Aber das sollte man von einem Mittelklasse-Gerät auch nicht unbedingt erwarten.

Stattdessen liefert das Huawei nova 2 eine solide Vorstellung ab – auch bei direkter Sonneneinstrahlung. An der Farbwiedergabe hatte ich ebenfalls nichts zu meckern: Videos sehen natürlich aus und wer mit den Voreinstellungen nicht zufrieden ist, kann die Farbtemperatur auch selbst anpassen. Auch einen Modus um die Augen zu schonen hat Huawei integriert – hier werden dann die Blauanteile reduziert.

Geht man von der Darstellung und Software zur Verarbeitung über, so muss ich einen Minuspunkt geben: Mein Testmuster wurde direkt mit einem Kratzer auf dem Display geliefert. Erst fiel mir jener nicht auf, da ich das Huawei nova 2 zum Herumexperimentieren in meinen eigenen vier Wänden nutzte. Doch als ich dann mein Stubenhockerdasein ad acta legte und frohen Mutes mit dem nova 2 draußen Fotos knipste, erspähte ich das kleine Ärgernis. Und tatsächlich verzichtet Huawei beim nova 2, wie anno dazumal auch schon beim ersten nova / nova Plus, komplett auf Gorilla Glass. Das war bei meinem nova Plus nie ein Problem: Ich hatte das Smartphone etliche Male beim Joggen dabei, stets in der Jackentasche und nutzte es ohne groß nachzudenken, so wie man sein Phone eben nutzt.

Dass das Huawei nova 2 nun schon nach dem Auspacken am Bildschirm einen kleinen Makel aufweist, hinterließ mich nachdenklich. Kann einfach Zufall bzw. Pech gewesen sein – und ich weiß nicht, wer das Sample vorher schon in der Hand hatte bzw. inwiefern damit herumgespielt wurde. Doch der Einsatz von Gorilla Glass wäre hier einfach beruhigender gewesen. Offenbar sollte für potentielle Käufer also eine Displayschutzfolie Pflicht sein. Man sieht den kleinen Kratzer nur beim richtigen Licht – aber ich denke jeder von euch weiß, sie sehr einen so ein minimaler Makel verrückt machen kann, hat man ihn einmal erst entdeckt.

Abseits dessen ist die Verarbeitung des Huawei nova 2 sehr hochwertig: Die Vorderseite ist komplett mit Glas überzogen, während die Rückseite auf Glas verzichtet und wie schon bei den ersten nova kühles Metall bietet. Mir gefällt das Design der Rückseite beim nova 2 deutlich besser als bei der ersten Generation: Die Kamera ist nicht mehr durch eine Leiste optisch abgesetzt und das Huawei-Logo gibt sich so dezent, dass es nur beim richtigen Licht zu sehen ist. Ich mag dieses Understatement. Der dünne Ring um den Fingerabdruckscanner reflektiert das Licht leicht, was ebenfalls ein schöner Design-Akzent ist – auf solche Details kann es durchaus ankommen.

Was mir bei meinem nova Plus wiederum etwas besser gefallen hat, war, dass das Metall an der Rückseite quasi leicht angeraut wirkte. Beim Huawei nova 2 handelt es sich um seine sehr glatte Oberfläche, so dass der Grip etwas schlechter ist. Super: Für Fingerabdrücke ist das nova 2 aufgrund des Verzichts auf Glas deutlich weniger anfällig als viele Konkurrenzmodelle. Kein großer Fan bin ich davon, dass der Kopfhöreranschluss an der Unter- bzw. nicht der Oberseite des Smartphones sitzt. Unten findet ihr natürlich auch den Anschluss für USB Typ-C (technisch aber nur USB 2.0).

An der linken Seite ruht wiederum der Slot für zwei SIM-Karten oder eben die Kombination aus einer SIM plus microSD-Karte. An der rechten Seite befinden sich die Lautstärkewippe und darunter der Power-Button. Beide sind, wie der Rahmen, aus Metall und fühlen sich haptisch wertig an – ausreichend Widerstand, nichts wackelt.

Leistung

Das Huawei Nova 2 ist das erste Smartphone mit dem neuen SoC Kirin 659. Jener bietet insgesamt acht Kerne, die allesamt auf der Architektur ARM Cortex A53 basieren. Vier der Kerne sorgen für Leistung und takten mit 2,36 GHz, die anderen vier werkeln mit 1,7 GHz vor sich hin. Zum Vergleich: Der Kirin 960 aus dem Honor 8 Pro und Huawei P10 arbeitet zwar ebenfalls mit acht Kernen, bietet neben vier Kernen der Reihe ARM Cortex A53 mit 1,8 GHz aber auch vier leistungsfähige Brummer der Sorte ARM Cortex A73 mit 2,4 GHz Takt.  Das hier also keine Flaggschiffleistung erwartet werden darf, zeigen auch die Benchmark-Ergebnisse.

AnTuTu bescheinigt dem Huawei nova 2 obige Punktzahlen. Da holte z. B. das Huawei nova Plus der ersten Generation mit dem Qualcomm Snapdragon 625 letztes Jahr insgesamt eine sehr, sehr ähnliche Punktzahl. Allerdings waren beim letztjährigen Modell die Ergebnisse bei CPU und RAM höher, dafür aber bei der 3D-Leistung und UX schlechter.

3DMark spuckt obige Punktzahl aus. Für Gelegenheitsspiele reicht das Huawei nova 2 aus.

PCMark Work weist dem Smartphone obige Leistung zu. Schlecht schlägt sich der Kirin 659 hier auch nicht.

Geekbench kommt zu obigen Punktzahlen. Das nova Plus holte letztes Jahr etwa im Single-Core-Bereich eine höhere Punktzahl spielte aber niedriger beim Multi-Core-Score und auch sehr deutlich niedriger bei RenderScript.

In GFXBench kann das Huawei nova 2 in „Car Chase“, dem aktuellen Standardtest für Smartphones, 186,3 Frames rausholen. Grob vergleichbar sei das laut dem Benchmark mit dem Motorola Moto X Pro, einem High-End-Gerät von Anfang 2015.

Letzten Endes spiegel die Benchmark-Ergebnisse wider, dass das Huawei nova 2 ein Mittelklasse-Smartphone ist und eine entsprechende Leistung mitbringt – nicht mehr und nicht weniger. Im Alltag läuft das Gerät jedenfalls ausreichend schnell: 4 GByte RAM reichen aus, damit Apps flugs starten und auch der Wechsel von beispielsweise Spotify zu WhatsApp und zurück keine Schwierigkeiten bereitet. Wer also nicht unbedingt spielen muss oder andere, leistungshungrige Anwendungen benötigt, wird mit der Performance des Huawei nova 2 im Alltag absolut gut hinkommen.

Kameras

Die Dual-Kamera des Huawei nova 2 folgt ganz dem Trend hin zu derartigen Setups. In diesem Fall hilft der zweite Sensor, wie etwa auch beim Xiaomi Mi6, beim Zoomen, so dass ein zweifacher, verlustfreier Zoom möglich ist. Natürlich gibt sich Huawei bei diese Modell ebenso der Vorliebe für einen Modus mit künstlichem Bokeh hin. Das Ergebnis seht ihr auf dem letzten meiner Fotos bei Mr. Wasserhahn.

Insgesamt ist die Kamera in Ordnung, allerdings auch nicht überragend: Vergleicht man etwa mit dem Nova Plus aus dem letzten Jahr, ist kein besonderer Sprung erkennbar und es kommt je nach Lichtverhältnissen etwas zum Absaufen von Details, da das nova 2 ziemlich schnell und sehr aggressiv nachfiltert. Außerdem besteht eine gewisse Tendenz zur Überbelichtung – der Himmel wird beispielsweise schnell weiß statt blau, wie ihr etwa am fünften und siebten Bild erkennen könnt. Der Detailgrad bewegt sich generell im mittleren Bereich und die Nachschärfung ist mir persönlich auf einigen Bildern zu offensichtlich.

Am Ende würde ich die Hauptkamera als „in Ordnung“ bezeichnen, da hätte aber durchaus mehr drin sein können – lieber eine qualitativ bessere Single-Kamera etwa. Besser schlägt sich im Vergleich dafür die Frontkamera mit bombastischen 20 Megapixeln. Wir wissen aber auch alle, dass die Anzahl der Megapixel an sich erstmal noch nicht so viel aussagt – denn kleinere Pixel haben letzten Endes auch viele Nachteile. Doch wie ihr seht kann man, abgesehen jetzt vom Motiv, ganz gute Selfies mit dem Huawei nova 2 knipsen. Die letzten beiden Bilder zeigen mich einmal übermüdet ohne Verschönerung und dann mit maximaler Beautify-Power. Da lässt sich zwar nicht viel retten, aber ich finde, dass das Ergebnis etwas dezenter ausfällt als bei so manch anderem Gerät. Wer also die Verschönerungen ein wenig in Gange bringt, kann immer noch ganz vernünftige Resultate erzielen.

Akkulaufzeit

Was die Akkulaufzeit betrifft, so habe ich mit PCMark Work 2.0 im Akkutest das folgende Ergebnis zustande gebracht:

Wer hier im Blog schon länger mitliest, kennt auch den Ablauf vom Akkutest in PCMark: Wir drehen die Helligkeit manuell auf 50 %, lassen Wi-Fi an und dann wird der Akku des Smartphones über den Test von 100 bis auf 20 % entladen. PCMark spielt in dieser Zeit laufend unterschiedliche Videos ab und lässt geht unterschiedliche Anwendungsszenarien durch. Rechnet man nun von dem Ergebnis, sehr ordentlichen sieben Stunden und 20 Minuten, etwas hoch, sollte das Huawei nova 2 insgesamt laut PCMark auf etwa neun Stunden und eine Viertelstunde Laufzeit kommen.

Auch in der Praxis kommt das hin: Je nach Nutzung kommt man mit dem Huawei nova 2 also gut über einen oder auch zwei Tage. Natürlich variiert die Laufzeit aber stark: Ich höre z. B. viel via Bluetooth Musik, was natürlich ganz gut am Akku zieht. Gehe ich dann noch Joggen und habe Bluetooth, mobile Daten und GPS laufen, sieht es anders aus als wenn das Smartphone mal einen Tag beim Arbeiten nebenbei herumliegt. Deswegen sind Aussagen zur Laufzeit natürlich immer mit Vorsicht zu genießen. Jedenfalls war ich in diesem Bezug mit dem Huawei nova 2 aber beim Testen voll und ganz zufrieden.

Sonstige Anmerkungen

Man kann mit dem Huawei nova 2 auch telefonieren – kaum zu fassen, ich weiß. Das klappt auch ohne Auffälligkeiten. Der Lautsprecher des Smartphones klingt tendenziell wiederum beim Anschauen von Videos etwas dünn, aber das liegt natürlich auch an der relativ kompakten Größe des Geräts, die sich auch auf den Lautsprecher auswirkt.

Vom Fingerabdruckscanner des Huawei nova 2 bin ich sehr begeistert: Ich hatte keine einzige Fehlerkennung, selbst dann nicht, wenn ich meinen Finger nur recht beiläufig auf die Rückseite legte, in der Hoffnung bei dem für mich noch ungewohnten Gerät den Scanner zu erwischen. Das ist top!

Ebenfalls positiv: Bei den „Top-Apps“, unter denen bei Huawei und Honor gerne Bloatware bis zum Anschlag versammelt wird – siehe das Honor 9 – beschränkt man sich auf Facebook, Instagram und Booking.com. Auch auf vorinstallierte Spiele verzichtet Huawei. Ob ihr das nun als Pluspunkt oder Minuspunkt bewertet, bleibt euch überlassen. Ich finde gut, dass man das System ab Werk relativ sauber hält.

Fazit

Das Huawei nova 2 ist ein gutes Mittelklasse-Kamera, bei dem ich mir vor allem von der Dual-Kamera doch etwas mehr versprochen hätte. Nicht falsch verstehen: Die Fotos sind in dieser Preisklasse in Ordnung, aber mehr eben auch nicht. Als sehr, sehr schwierig empfinde ich insgesamt aber die Preisempfehlung: 399 Euro soll das Huawei nova 2 kosten. Für diesen Preis macht Huawei sich über seine Tochter Honor aber viel zu starke Konkurrenz. Denn für 399 Euro bekommt ihr auch das durchgängig in allen Belangen überlegene Honor 9. Da würde zumindest mir die Entscheidung leicht fallen.

Betrachtet man das Huawei nova 2 für sich, liegt hier ein ordentliches Mittelklasse-Smartphone vor, das aber zum Launch-Preis einfach zu teuer für das Gebotene ist. Ansonsten könnte man das Gerät mit seiner soliden Performance, der guten Optik und Haptik sowie dem erstklassigen Fingerabdruckscanner also durchaus empfehlen.  Am Ende ist das Problem, dass das Huawei nova 2 per se zwar nichts falsch macht, aber eben auch nicht aus der Masse an Mittelklasse-Smartphones heraussticht. Sollte der Preis sich noch anpassen, dann wird ein weiterer Blick sich lohnen.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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