Jabra Elite 85h im Test angehört: Für den Moment gemacht

Ich hatte bereits in meinem Artikel zum ersten Firmware-Update der Jabra Elite 85h angedeutet, dass ich an einem Test der Over-Ear-Kopfhörer bastele. Mittlerweile habe ich rund drei Wochen Zeit mit den Kopfhörern verbracht, um euch meinen ausführlichen Eindruck mitteilen zu können. Im Handel sind die Jabra Elite 85h bereits erhältlich und kosten 299,99 Euro.

Die direkte Konkurrenz der Jabra Elite 85 sind beispielsweise die Bose Quiet Comfort 35 Wireless Headphones II, welche aktuell für rund 280 Euro zu haben sind. Nun bin ich absolut kein Bose-Fan, muss dem Hersteller aber lassen, dass jenes Modell sich im Bereich der kabellosen Over-Ear-Kopfhörer mit Active Noise Cancelling (ANC) als Messlatte etabliert hat. Da greifen die Jabra Elite 85h also einen harten Gegner an.

Auf der CES 2019 konnte ich die Kopfhörer ja schon kurz antesten und war vom Ersteindruck begeistert. Aber auf so einer Messe kann man nur unter spezifischen Bedingungen reinhören. Was zählt, das ist am Ende, wie sich die Kopfhörer in der Praxis schlagen. Jabra will sich dabei von der Konkurrenz durch seine „Momente“ absetzen. In Verbindung mit der App Jabra Sound+ können die Elite 85h nämlich ihre Klangeinstellungen automatisiert an eure Hörumgebung anpassen.

Beispiel: Ihr steigt in den Zug und brettert über die Gleise. Dann können die Elite 85h automatisch in den Moment „Pendeln“ schalten. Hier ist etwa das ANC aktiviert. Steigt ihr aus, wollt ihr die Durchsagen am Bahnhof mitbekommen, also schaltet der Kopfhörer in den Modus „Öffentlich“. Dabei aktiviert sich der Hearthrough-Modus und die Mikrofone nehmen Umgebungsgeräusche für euch auf, damit ihr trotz der Kopfhörer alles mitbekommt.

Technische Daten der Jabra Elite 85h

  • Active Noise Cancellation (ANC): Digital Hybrid ANC – nutzt vier der acht Mikrofone
  • Passive Noise Cancellation: Ja
  • Geräuschreduzierung bei ausgehenden Anrufen: Ja, nutzt dafür sechs der acht Mikrofone
  • Schutz vor Windgeräuschen: Ja
  • Zugriff auf digitale Assistenten: Ja, über dedizierte Taste
  • Adaptive Audio via Smart Sound
  • Speaker: ø40 mm
  • Allgemeiner Frequenzbereich: 10 Hz bis 20 kHz
  • Frequenzbereich beim Musikhören: 10 Hz bis 20 kHz
  • Frequenzbereich beim Telefonieren: 150 Hz bis 6800 Hz
  • Mikrofone: 6 x MEMS, 2 x ECM
  • Mikrofon-Empfindlichkeit: MEMS (-26 dBV/Pa), ECM Feedback (-32 dBV/Pa), MEMS Feedforward (-35 dBV/Pa)
  • Mikrofon-Frequenzbereich: MEMS (100 Hz bis 8 kHz), ECM Feedback (200 Hz bis 8 kHz), MEMS Feedforward (13 Hz bis 8 kHz)
  • On-Ear-Erkennung: Für Auto-Abspielen und -Pausieren von Musik sowie Beantworten und Stummschalten von Anrufen
  • Akkulaufzeit: Bis zu 42 Stunden ohne ANC / Bis zu 36 Stunden mit ANC
  • Akkugröße: 500 mAh
  • Aufladedauer: ca. 2,5 Stunden
  • Schlafmodus
  • Standby-Zeit: 1 Jahr
  • Schnittstellen: Bluetooth 5.0, USB Typ-C, 3,5 mm
  • Unterstützte Bluetooth-Profile: HSP v1.2 , HFP v1.7, A2DP v1.3, AVRCP v1.6, PBAP v1.1, SPP v1.2
  • Kabellose Reichweite: Bis zu 10 m
  • Gekoppelte Geräte: Bis zu acht Stück, zwei Verbindungen parallel
  • Maße / Gewicht: 195 x 82 x 225 cm / 296 g
  • Lieferumfang: Headset, USB-Typ-C-Kabel (30 cm), Audiokabel (120 cm), Flugzeug-Adapter, Schutztasche, Kurzanleitung
  • Preis: 299,99 Euro

Wie ihr an den Angaben ersehen könnt, sollten die Jabra Elite 85h besonders tiefe Bässe bieten, zumindest im Hinblick auf die harten technischen Daten und auch bei Telefonaten punkten, da sie Umgebungsgeräusche herausfiltern können. Davon soll euer Gesprächspartner profitieren. Doch Datenblätter sind natürlich eine Sache, der Alltag ist eine andere. Bevor ich aber auf den Klang, die Zusatzfunktionen und die App eingehe, soll es im nächsten Abschnitt erst einmal um Ausstattung und Verarbeitung gehen.

Ausstattung und Verarbeitung

Die Jabra Elite 85h nutzen eine Materialkombination aus Stoff, Kunstleder, Memoryschaum (Ohrpolster), Plastik und Metall für die Gelenke, welche dadurch haltbarer werden. Die Bügel passen sich eurem Kopf an, ihr könnt sie nicht über einen Schieber in der Größe verstellen. Der Tragekomfort war in meinem Testzeitraum bei längerem Tragen über mehrere Stunden sehr gut. Das ist bei derartigen Over-Ear-Kopfhörern essentiell, denn nicht umsonst liegt ein Flugzeug-Adapter bei, damit auch auf Langstreckenflügen die Nutzung möglich ist.

Auf dem Foto darf mein Vater dann mal das erste Mal in seinem Leben als Model herhalten – auch für ihn passte der Tragekomfort übrigens. Natürlich muss man dazu sagen: Jeder Kopf ist anders. Nur weil die Elite 85h bei mir super sitzen, muss das nicht für alle Leser gelten. Ausprobieren ist das Stichwort. Was ich kritisieren würde: Die Ohrmuscheln könnten gerne ein Stück größer sein. Meine Ohren erhalten ein wenig Druck auf den Ohrläppchen, auch wenn das im Alltag nicht störte.

Im Lieferumfang liegen, neben dem Headset an sich, der erwähnte Flugzeug-Adapter, eine Transporttasche, ein 3,5-mm-Audio-Kabel sowie ein Aufladekabel für USB Typ-C bei. Dass Jabra auf USB Typ-C und nicht mehr das ältere Typ-A setzt ist vorbildlich und leider bei Kopfhörern noch nicht selbstverständlich. Neben der dedizierten Taste für Sprachassistenten ist auch eine Taste zum Stummschalten vorhanden.

Eine coole Sache ist, dass man die Jabra Elite 85h via 3,5-mm-Klinke nutzen kann. Sie arbeiten dann aber nicht passiv, angeschaltet sein müssen sie trotzdem. Auch ist es möglich, die Kopfhörer via USB aufzuladen und zeitgleich zu benutzen. Sehr hilfreiche Sache: Wenn ihr die Jabra Elite 85h unterwegs mal kurz abnehmen müsst, etwa weil ihr einen Bekannten auf der Straße trefft, pausieren sie die Wiedergabe automatisch. Setzt ihr sie wieder auf, geht es da weiter, wo ihr aufgehört habt.

Mir persönlich gefällt die Verarbeitung der Kopfhörer sehr gut: Ohrmuscheln und Bügel verfügen an der Außenseite über einen Stoffüberzug. Somit hat man keine Probleme mit Fingerabdrücken. Generell machen die Jabra Elite 85h einen sehr dezenten und hochwertigen Eindruck. Packt man die Kopfhörer in die beiliegende Tasche, biegt man die Ohrmuscheln nach außen und kann die Scharniere lockern, um sie einzuklappen. Derlei Mechanismen müssen robust sein, damit das Headset nicht nach ein paar Wochen knartscht oder auseinander fällt. Hier machen die Metallscharniere von Jabra einen langlebigen Eindruck.

Die App Jabra Sound+

Die App Jabra Sound+ ist bekannt: Ich habe sie in meinem Test der Jabra Elite 65t vorgestellt. Nutzt man die Anwendung in Verbindung mit den Elite 85h besteht aber Zugriff auf andere Funktionen. Firmware-Updates beherrscht die App natürlich, etwa lud ich über die Anwendung natürlich direkt nach Verfügbarkeit das Update auf 1.2.2 (1031), welche einen Bug im Bezug auf die maximale Lautstärke und die Basswiedergabe behebt. Die Anwendung bietet die wichtigsten Kernfunktionen klar gegliedert an.

Ein zentrales Feature sind dabei die Momente bzw. der SmartSound. SmartSound meint nichts anderes, als das eingangs von mir erwähnte, automatische Umschalten zwischen verschiedenen Momenten. Aktuell gibt es drei Momente zwischen denen die Elite 85h bzw, die App Sound+ automatisch wechseln: Pendeln, Öffentlichkeit und Privat. Über die Mikrofone erkennen die Kopfhörer automatisch die Geräuschkulisse und so erfolgt der Wechsel zwischen den Profilen. Letztere könnt ihr nachträglich anpassen und müsst euch nicht mit den Voreinstellungen begnügen.

So könnt ihr etwa für den Modus Pendeln andere Equalizer-Einstellungen setzen, als für den Modus Öffentlich. Ab Werk betrifft der Wechsel zwischen den Momenten nämlich in erster Linie das ANC und den Hearthrough-Modus. Beim Moment Pendeln ist das ANC angeschaltet und logischerweise Hearthrough deaktiviert. Gedacht ist dieser Moment etwa für Bus- und Bahnfahrten. Beim Modus Öffentlich ist es entgegengesetzt, damit ihr eure Umgebung wahrnehmen könnt. Der Modus Privat deaktiviert sowohl ANC als auch Hearthrough. Ihr könnt all diese Modi offline nutzen. Laut Jabra werden auch keine Daten weitergetratscht.

SmartSound ist aber derzeit mehr ein Gimmick: So funktioniert das Umschalten leider nicht immer korrekt. Beispiel: Am letzten Wochenende besuchte ich eine Freundin in Laboe. Die Busfahrt war ein gutes Szenario, um Smart Sound zu testen. Tatsächlich: Wartend an der Bushaltestelle am Kieler Hauptbahnhof, aktivierte sich von alleine die Einstellung „Öffentlich“. Im Bus schalteten die Elite 85h automatisch in den Moment „Pendeln“. Erstmal ist das klasse.

Problem: Hielt der Bus an Haltestellen, vermeinten die Elite 85h, dass ich wohl nun den Bus verlassen würde – also wurde der Moment „Öffentlich“ aktiviert, obwohl ich ungerührt auf meinem Sitzplatz verblieb. Setzte der Bus seine Reise fort, wechselten die Elite 85h zurück in „Pendeln“. Auch bei einigen (nicht allen) Stopps an Ampeln wiederholte sich dieses Szenario. Letzten Endes sollte Jabra hier noch optimieren. Ist natürlich ein Balanceakt: Wechseln die Kopfhörer zu langsam zwischen den Momenten, wird das Kunden stören. Schalten sie, wie in meinem Fall, zu aggressiv um, passt das auch nicht. Vielleicht können Updates SmartSound da noch verbessern.

Zusätzlich ihr noch euren persönlichen Moment anlegen. In jenen könnt ihr zwar nicht automatisch wechseln, ihn aber eben als viertes Profil nutzen. Ihr könnt, wie auch bei den anderen Momenten, hier ANC an- oder ausschalten, Hearthrough aktivieren bzw. deaktivieren und am Equalizer herumspielen. So gibt es zum einen die Möglichkeit zwischen verschiedenen Voreinstellungen auszuwählen und andererseits die Option selbst an der Kurve herumzudoktern. Für meine Hörgewohnheiten passte generell als Basis der Equalizer-Modus „Sanft“ ganz gut.

Über die App Jabra Sound+ könnt ihr weitere Informationen zu Jabra, den Elite 85h und weiteren Produkten abrufen, den Sprachassistenten auswählen, welcher über die dedizierte Taste an den Kopfhörern aufgerufen werden soll, hängt natürlich davon ab, welcher Assistent an eurem Smartphone verfügbar ist und die Sprache der Stimmansagen ändern. Denn als Voreinstellung plaudern die Elite 85h auf Englisch mit euch.

Zuletzt gibt es noch in der App den Bereich „Entdecken“, der euch auf Firmware-Updates, Promo-Aktionen oder sonstiges Treiben rund um Jabra und die Elite 85h hinweist. Während meines Testzeitraumes ploppte dort eben das erwähnte Firmware-Update auf. Insgesamt ist die App Sound+ in Verbindung mit den Elite 85h ein verlässlicher Begleiter. Allerdings gibt es einen Stolperstein, auf den ich noch unter den weiteren Anmerkungen etwas ausführlicher eingehe.

ANC und Klang

Einer der Hauptgründe, aus denen viele Nutzer die Elite 85h in Erwägung ziehen dürften, ist das ANC. Von diesem Aspekt war ich dann auch auf der CES 2019 sehr beeindruckt, es kommt mir aber vage so vor, als ob die Leistung beim finalen Test nicht so gut ist, wie es auf der Messe den Anschein hatte. Ich selbst besitze keine Vergleichs-Kopfhörer, konnte bei einem Freund aber kurzzeitig die eingangs erwähnten Bose Quiet Comfort 35 Wireless Headphones II heranziehen, welche in identischen Situationen auf der Straße oder im Bus nach meinem Eindruck einen besseren Job beim ANC erledigen: Will man die Umgebung komplett ausblenden, sind an den Jabra Elite 85h höhere Musiklautstärken notwendig.

Das ANC an den Jabra Elite 85h ist nicht schlecht, aber könnte definitiv aggressiver / effizienter arbeiten. Am besten funktioniert das ANC naturgemäß bei relativ konstanten Geräuschen, wie eben Motoren von Bussen, Zügen oder Flugzeugen. Sporadisch auftretende Störgeräusche sind schwieriger herauszufiltern. Die Elite 85h erledigen grundsätzlich keinen schlechten Job, können sich aber eben nicht an der Spitze platzieren.

Auch beim Klang liegen die Jabra Elite 85h im Mittelfeld. aptX, ihr erkundigt euch gerne in den Kommentaren danach, bieten diese Kopfhörer leider nicht – damit können aber auch die Bose Quiet Comfort 35 Wireless Headphones II nicht aufwarten. Wer darauf Wert legt, ist in dieser Preisklasse mit den Sony WH-1000XM3 gut beraten, die für ebenfalls 299 Euro mit aptX aufwarten und genau wie die Bose Quiet Comfort 35 Wireless Headphones II im Bezug auf den ANC stärker punkten.

Beim Klang hätte ich mir von den Jabra Elite 85h mehr Differenzierung gewünscht. Generell ist der Sound gut und die Stereo-Separation konnte ich bei Liedern wie Seigmen „The World Revolves Around You“ das direkt mit einigen Stereo-Spielereien beginnt, überzeugend wahrnehmen. Allerdings höre ich gerne Musik, die eine Wall of Sound erzeugt und viele Nuancen bietet, wenn man genauer hinhört. Als Beispiel sei My Bloody Valentine mit „Sometimes“ genannt, dessen Akustikgitarre als Kontrast zu einer Mauer von Gitarren dient und bei den Elite 85h mehr Präsenz vertragen könnte.

So ist der Klang der Jabra Elite 85h zu breiig für meinen Geschmack. Hier kann man mit dem Equalizer zwar nachhelfen, erreicht aber trotzdem nicht so überzeugende Ergebnisse wie bei anderen Modellen in diesem Preisbereich. Das soll nun beileibe nicht bedeuten, dass die Elite 85h schlecht klängen – das Gegenteil ist der Fall. Der Post-Punk von Desperate Journalist erschallt so schraddelig, wie er sich anhören soll und die Beats und Synthies von Observer Drift „Camcorder“ sind glasklar. Es fehlt aber an den feinen Nuancen. Wer nach dem besten Klang in dieser Preisklasse sucht, ist bei anderen Modellen eine Ecke besser beraten.

Was den Hearthrough-Modus betrifft, kann Jabra die Konkurrenz hingegen übertrumpfen. So werden die Umgebungsgeräusche oder Stimmen sehr klar über die Mikrofone aufgenommen. Somit hat diese Option, welche Jabra exzessiv für seine Momente hervorhebt, definitiv ihren Sinn. Hier sticht man die Konkurrenz von Bose im wahrsten Sinne des Wortes glasklar aus (*hust*). Der Wert dieser Funktion ist nicht zu unterschätzen, zumal man über einen Tastendruck manuell in den Hearthrough-Modus wechseln kann.

Telefonate

Vielleicht keine Überraschung, wenn man die Kompetenzen von Jabra kennt, welche Headsets für Geschäftskunden und den Einsatz in Großraum-Büros fertigen: Während die Jabra Elite 85h bei Klang und ANC eher im Mittelfeld spielen, positionieren sie sich bei der Anrufqualität ganz vorne. Ich habe erneut den Vergleich mit dem Bose-Modell meines Kumpels gesucht und da ist der Gewinner klar. Das betrifft sowohl die Klarheit der Stimmen als auch die Geräuschunterdrückung. Hier kommen Jabra in vollem Ausmaß die Erfahrungen zugute, die man mit seinen Office-Headsets sammeln konnte. Zum Telefonieren sind die Elite 85h erstklassig geeignet.

Außerdem bietet das Jabra Elite 85h eine Taste zur Stummschaltung der Mikrofone bei Telefonaten: Sprich, man kann z. B. zwischendurch kurz den Ton abschalten, falls man etwa einem Kumpel in unmittelbarer Nähe mit einem Kommentar etwas stecken möchte, bevor man das Telefonat fortsetzt. Ist auch nützlich, wenn man Audio- / Video-Gruppen-Chats verwendet.

Außerdem beherrschen die Jabra Elite 85h die parallele Verbindung zu zwei Endgeräten. Das mag auf den ersten Blick nicht oft hilfreich erscheinen, kann für manche Anwender aber enorme Vorteile bieten: So ist es möglich, z. B. am Tablet oder Laptop ein Video mit Ton anzusehen, aber bei einem Anruf über das Smartphone dennoch sofort zu reagieren.

Hier kann man übrigens noch als Exkurs anmerken: Ja, es ist mit den Jabra Elite 85h möglich Videos anzuschauen, ohne dass ein merklicher Lag eintritt. Das bedeutet, die Lippenbewegungen sind nicht versetzt. Die Synchronität von Bild und Ton passt bei Verwendung der Jabra Elite 85h.

Ich habe auch Telefonate am Bahnhof, an der Bushaltestelle oder beim Einkaufen in ungewohnter Klarheit führen können. Meine Gesprächspartner waren überrascht, als ich erklärte, dass ich gerade unterwegs sei, weil man im Hintergrund nichts hörte. Das ist ein Pluspunkt für die Jabra Elite 85h, den man im Kopf behalten sollte.

Weitere Anmerkungen

Jabra fährt mit seinen Apps eine kritikwürdige Strategie: So benötigt man für die Elite Sport immer noch die alte App Jabra Sport Life sowie den Jabra Service. Das ist ein Problem, wenn man die Jabra Elite 85h parallel am selben Smartphone nutzt. Denn dann erscheint gleich nach dem ersten Start der App Sound+ folgende Meldung.

Da mag sich einer denken: „Na gut, dann deinstalliere ich den Jabra Service eben.“ Das kann man machen, allerdings manövriert man sich damit in eine Zwickmühle. Schreitet man das nächste Mal dann nämlich freudig zum Sport und möchte sein Workout über die App Sport Life von Jabra in Verbindung mit den Elite Sport erfassen, dann kommt einem folgende Meldung entgegen.

Das ist schon rätselhaft: Eigentlich wünschen sich Hersteller doch, dass die Kunden mehrere Produkte von ihnen kaufen und nutzen. Wer nun aber sowohl die Jabra Elite Sport und die Elite 85h an einem Smartphone verwendet, dem wird das unnötig erschwert. Entweder man kann den Jabra Service immer wieder neu installieren bzw. deinstallieren oder man muss damit leben, dass in der App Jabra Sound+ die Momente nicht mehr zuverlässig umschalten. Mich würde das als Kunde ärgern, wenn ich Fan der Marke wäre und deswegen mehrere Produkte nutzen möchte – der Hersteller selbst mir aber Steine in den Weg legt.

Ansonsten kann ich an dieser Stelle noch zur Akkulaufzeit anmerken, dass jene beeindruckend ist. So kommen die Angaben der Dänen, bis zu 36 Stunden mit ANC und 42 Stunden ohne ANC, absolut hin – sie sind eher tief gestapelt. Klar, solltet ihr aber bedenken, dass die Akkulaufzeit davon abhängt, wie oft ihr zwischendurch telefoniert und mit welcher Lautstärke ihr Musik hört. Anzumerken ist auch, dass die Elite 85h offiziell über keine Schutzklasse verfügen, laut Jabra aber gegen Regen geschützt sind, was auch in der zweijährigen Garantie berücksichtigt sei.

Fazit

Die Jabra Elite 85h sind für Jabra ein Vorstoß in das Segment der Bluetooth-Kopfhörer mit Active Noise Cancelling, in dem derzeit die Konkurrenz von Bose dominiert. Dabei bietet das aktuelle Modell von Jabra ein Für und Wider. So garantieren die Jabra Elite 85h eine erstklassige Anrufqualität. Auch der Hearthrough-Modus sticht heraus und erlaubt es in hoher Qualität über die Mikrofone die Umgebung wahrzunehmen. Er ist pfeilschnell per Tastendruck zu- oder abschaltbar.

Auch die exzellente Verarbeitung spricht für die Jabra Elite 85h. Dass die Möglichkeit vorhanden ist auch via 3,5-mm-Audio und sogar beim Aufladen Musik zu hören, erfreut. Eine weitere Feinheit, die Bonuspunkte bringt: Es sind zwei Geräte parallel verwendbar, so dass man gleichzeitig am Laptop ein Video ansehen und dennoch am Telefon einen Anruf annehmen kann. Die Akkulaufzeit der Elite 85h ist ebenfalls fantastisch.

Leider könnte der Klang der Elite 85h differenzierter sein. Zwar ist das Gebotene gut, doch die Konkurrenz bietet zum gleichen Preis mehr. Auch der ANC arbeitet, entgegen meiner ersten Eindrücke von der CES 2019, nicht so effektiv wie bei anderen Headsets. Vielleicht kann Jabra da noch per Firmware nachhelfen. Das wäre auch bei den Momenten sinnig, welche in einigen Szenarien automatische Klangeinstellungen anlegen. Funktioniert tatsächlich im Alltag, doch es gibt auch Fehlzündungen.

Alles in allem sind knapp 300 Euro für einen Kopfhörer eine Hausnummer. Es kommt drauf an was man hier will: Wer unterwegs nicht nur Musik hört, sondern auch viel telefoniert und beim Pendeln regelmäßig in Situationen kommt, in denen der Hearthrough-Modus eine Rolle spielt, der darf die Jabra Elite 85h der Konkurrenz sorglos vorziehen. Wer den besten ANC und den besten Sound sucht, macht aber anderswo wohl das bessere Geschäft. Als Allround-Lösung in dieser Preisklasse sind die Elite 85h, auch wegen der exzellenten Verarbeitung, meines Erachtens aber zu empfehlen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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5 Kommentare

  1. sehr guter umfangreicher Test!
    tja, beim wichtigsten Kriterium: der Klang! gepatzt.
    ist so, wenn beim Monitor alles toll ist ausser das Bild…

    • André Westphal says:

      Also der Klang ist gut, aber im direkten Vergleich eben nicht das Beste, was man in dieser Preisklasse bekommt. Kommt eben auch drauf an, was man mit dem Kopfhörer vorhat / nutzen möchte.

  2. Ich finde es schwierig zu sagen, dass diese Kopfhörer gut zum telefonieren sind.

    Das kommt immer auf die Umgebung an.
    Ich habe noch keinen Kopfhörer gefunden der zum Beispiel in einem lauten und offenen Büro klar kommt.

    Hier muss einfach technisch bedingt ein Microphone direct vor den Mund, ansonsten hören die Kollegen auf der anderen Seite den ganzen Büroräum.

    Also immer bedenken wie und wo der Kopfhörer beim telefonieren genutzt werden soll.

    • André Westphal says:

      Dafür hat Jabra ja z. B. auch seine Office-Headsets – der Elite 85h ist da natürlich nicht das erste Gerät, was man wählen würde – so wird er ja auch nicht beworben. Ich hab da hauptsächlich mit dem Bose verglichen, da ich auf den glücklicherweise Zugriff hatte. Und da liegt der Jabra eben sehr eindeutig vorne.

      Ist jedoch vielleicht auch nicht die größte Überraschung, weil Jabra da eben viel Kompetenz im Hause hat :-).

    • Plantronics hat mit dem Voyager 8200 wohl was gutes im Angebot. Ich hab mal einen kurzen Eindruck des Vorgängermodells gewinnen dürfen. Wäre das nicht preislich schon knapp oberhalb der 300,-€ gewesen, ich hätte es mir direkt gekauft. Für privat ohne ausreichende Nutzung ist mir das nur einfach zu teuer, erst recht auf Verdacht das 8200er für über 400,-€ (Hersteller UVP).
      Der Besitzer hat übrigens gesagt, auch das Telefonieren in Umgebungen, wie du sie beschrieben hast, wären damit kein Problem. Vielleicht ist kannst du mit dem Hinweis ja was anfangen.

      EDIT: Ähh… könnten statt des Voyager auch die BackBeat gewesen sein, ist mir gerade aufgefallen. Sicher weiß ich nur noch, dass der Besitzer eine Ladeschale dafür auf dem Schreibtisch hatte und es so bullige Dinger wie die Voyager oder die BackBeat Pro 2 waren. Da kommen so viel Geräte nicht infrage.

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