HDR-Gaming am Samsung UE55KS8090: Es werde Licht

28. Januar 2017 Kategorie: Games, Hardware, geschrieben von: André Westphal

HDR war auf der CES 2017 bei den TV-Herstellern quasi DAS Thema. Auch die HDMI Association hat nachgelegt: HDMI 2.1 wurde vorgestellt und bietet Dynamic HDR. Besonders LG war ebenfalls eifrig dabei HLG, HDR10 und auch Dolby Vision mit all seinen Vorzügen anzupreisen. Samsung wiederum bestärkte vor allem beim Technical Briefing, dass HDR und dynamische Metadaten den nächsten Schritt in die Zukunft des Heimkinos markieren.

Ich selbst hatte nun die Chance an einem Samsung UE55KS8090 in den letzten Wochen ausgiebig mit HDR zu experimentieren. Zu meiner eigenen Überraschung hat mich vor allem HDR-Gaming extrem begeistert.

Samsung hatte mir bereits vor der CES 2017 den UE55KS8090 aus dem letzten Jahr als Leihgerät für einige Wochen überlassen. Der Sinn des Ganzen sollte auch sein, dass ich nochmal ein SUHD-Flaggschiff frisch vor Augen habe, bevor ich mir die 2017-Serien ansehe.

Für den Testzeitraum wanderte der 55-Zoller mit nativen 3.840 x 2.160 Bildpunkten, HDR10 und der Zertifizierung für Ultra HD Premium bei mir ins Schlafzimmer und wurde direkt mit der Nvidia Shield Android TV, der Sony PlayStation 4 Pro sowie der Xbox One S verkabelt.

Ich war selbst ein wenig baff, da mir nun nochmals bewusst wurde, dass fast alle meine Gerätschaften schon für Ultra HD gerüstet sind – mir aber eben immer noch ein TV fehlt. Bisher halten mich so manche Ungereimtheiten bei vielen UHD-TVs ja immer noch vom Kauf ab.

HDR-Gaming am Samsung UE55KS8090: Es werde Licht

Die Xbox One S verfügt ja über ein Laufwerk für Ultra HD Blu-ray, so dass ich auch einige Filme teste konnte – dazu werde ich aber noch in einem separaten Post etwas plaudern.

Verraten kann ich schon einmal, dass meine Eindrücke insgesamt zu Ultra HD Blu-ray und 4K-Streaming deutlich gemischter sind als zum HDR-Gaming. Das liegt übrigens aber keineswegs spezifisch am Samsung UE55KS8090, sondern allgemein an den aktuellen Techniken.

Für das Ultra HD Gaming hielt dann aber nicht nur die Xbox One S her, sondern auch die noch recht junge PlayStation 4 Pro. Allerdings unterstützen zwar derzeit viele Spiele an der PS4 Pro natives oder (häufiger) hochskaliertes Ultra HD, HDR-Einbindung ist aber deutlich seltener.

Beispielsweise haben „Watch Dogs 2“, „Rise of the Tomb Raider“ oder auch ‚“Dishonored 2″ in Ultra HD wirklich Spaß gemacht – ohne HDR fehlte mir persönlich aber der Wow-Effekt. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Spiele zwar nativ in höheren Auflösungen als 1080p berechnet werden – aber nicht mit vollen 3.840 x 2.160 Bildpunkten.

Üblich sind vielmehr Zwischenstufen wie 3200 x 1800 Bildpunkte. Sieht aber bei Checkerboard-Upscaling durch die Konsole trotzdem wirklich erstaunlich gut am UE55KS8090 aus.

HDR-Gaming am Samsung UE55KS8090: Es werde Licht

Doch um zu HDR-Gaming zurückzukommen: Spiele, die tatsächlich auch HDR einbeziehen, sind schwerer zu finden. Ich konnte beim Testen allerdings die bereits in meinem Besitz befindlichen „Deus Ex: Mankind Divided“, „Final Fantasy XV“ und „Uncharted 4: A Thief’s End“ mit HDR-Unterstützung ausprobieren.

Alle drei Spiele hatte ich auch zuvor ohne Ultra HD / HDR an meinem alten 1080p-TV (Panasonic Viera TX-P65VT50E)  gezockt, so dass ich einen Vergleich im Kopf hatte.

An der Xbox One S ist die Liste der Titel mit HDR-Unterstützung sogar noch überschaubarer, so dass ich mich in diesem Fall auf „Forza Horizon 3“ beschränken musste. Aber fehlende Quantität muss ja nicht für fehlende Qualität sprechen.

„Forza Horizon 3“ nutzt HDR dezent aber gekonnt: Speziell die Darstellung des Himmels profitiert – allerdings nimmt man den bei den rasanten Fahrten je nach Perspektive nicht immer zur Kenntnis.

Die Sonne im australischen Outback scheint gefühlt nun allerdings auch eine ganze Ecken knalliger. Auf Screenshots lässt sich HDR leider nicht entsprechend wiedergeben, so dass ihr euch wohl auf meine Beschreibungen verlassen oder selbst Eindrücke sammeln müsst. „Forza Horizon 3“ war dabei das erste Game, das ich mit HDR ausprobiert habe. Besonders prägnant ist die HDR-Darstellung natürlich wenn man einmal innehält und sich ein Panorama betrachtet.

Die gesteigerten Kontraste, die größeren Unterschiede zwischen Hell und Dunkel, sorgen für sehr schöne Bilder, welche das ohnehin oftmals malerische Setting des Rennspiels aufgewertet haben. Aber während HDR hier für mich auf jeden Fall ein netter Bonus ist, wäre es für mich noch kein Kaufargument.

„Deus Ex: Mankind Divided“ wurde 2016 nachträglich über einen Patch an der PS4 Pro sowohl für erhöhte Auflösungen als auch HDR flott gemacht. Als ehemaliger Pen-and-Paper-Rollenspieler, der jahrelang Shadowrun gespielt hat, war das Cyberpunk-Game für mich wie alle vorherigen Serienteile natürlich ein Pflichtkauf.

Auch bei „Deus Ex: Mankind Divided“ empfand ich die HDR-Einbindung wiederum als kleine aber feine Aufwertung. Das triste aber oft von Sonnenlicht durchflutete Prag der Zukunft wirkt dank HDR eben… na ja, etwas weniger trist, sondern wärmer.

Hier verändert HDR also sogar die Atmosphäre ganz leicht. Im relativ düsteren Golem City, einem späteren Abschnitt im Spiel, hat mir der HDR-Effekt besonders zugesagt.

Durch die weiteren Abstufungen zwischen Hell und Dunkel sowie die prägnante Beleuchtung dieses Slums empfand ich die Inszenierung hier als noch eine Spur intensiver.

Mit Abstand mein persönlicher Favorit mit HDR ist aber ganz eindeutig „Uncharted 4: A Thief’s End“ technisch ist das Spiel ohnehin das wohl beeindruckendste PS4-Game. Das gilt doppelt,wenn man an der PS4 Pro mit HDR zockt. Der Abschnitt 12 („At Sea“), in dem man mit seinem Bruder Sam diverse Inseln bei perfektem Südsee-Wetter erkundet, ist schlichtweg atemberaubend.

Hier ist die HDR-Erfahrung wirklich auf einer ganz anderen Ebene als die normale 1080p-Variante. Tritt man beispielsweise aus einer dunklen Höhle wieder ins Sonnenlicht, blickt auf das sich im Wasser brechende Sonnenlicht oder lässt die Kamera auf einer Anhöhe langsam kreisen – das sieht wirklich großartig aus.

Selbiges gilt auch, wenn man durch Passagen geht, in denen die Bäume einen Teil des Lichts blockieren: Einfallende Sonnenstrahlen sehen nun deutlich realistischer und heller aus. Tritt man einen Schritt vor in einen Spalt, durch den Licht strömt, verschieben sich auch die Kontraste und die Helligkeit ganz sanft.

„Uncharted 4: A Thief’s End“ war insgesamt – Filme inbegriffen – die HDR-Erfahrung, die mich am meisten beeindruckt hat. Die Einbindung ist hier perfekt gelungen und wertet Nathan Drakes ohnehin erstklassiges Abenteuer nochmals auf. Solltet ihr einen HDR-fähigen TV und eine PS4 Pro besitzen: Lasst euch diese Erfahrung definitiv nicht entgehen!

„Final Fantasy XV“ kann fast mit Mr. Drakes Abenteuern mithalten: Im RPG von Square Enix kurvt man viel mit dem Auto durch die Gegend oder läuft durch die Pampa. Allerdings habe ich den HDR-Effekt mit der gleißenden Sonne und den knalligeren Farben als teilweise etwas übertrieben empfunden.

In „Uncharted 4: A Thief’s End“ nahm man schlichtweg wahr, dass Licht und Schatten und die Kontraste nun realistischer wirkten. Hier wurde quasi mit Präzision gearbeitet und die Qualitätssteigerung ist so organisch, dass gerade dadurch der Wow-Effekt entsteht.

In „Final Fantasy XV“ denkt man quasi: „Ah ja, das ist HDR.“ Allerdings ist das Ergebnis immer noch eindrucksvoll und läge in meiner persönlichen Rangliste auf Platz 2.

Ergebnis: Ich werde noch zu HDR bei Filmen etwas schreiben, sage aber schonmal klar, dass ich beim Zocken den größten Spaß mit der Technik hatte. Speziell „Uncharted 4: A Thief’s End“ war in HDR eine Erfahrung, die ich so in dieser Qualität wirklich nicht erwartet hatte.

Das war für mich tatsächlich vergleichbar mit den ersten 3D-Filmen, die ich im Kino sah. Falls ihr euch wundert: Ja, natürlich hatte ich HDR vorher schon auf Messen gesehen, in Märkten und bei Kumpels damit herumgespielt.

Aber es war für mich schon etwas anderes nun ganz gemütlich zuhause im Bett mit persönlich abgestimmten TV-Einstellungen HDR-Gaming auszutesten und über mehrere Wochen Eindrücke zu sammeln.

Dabei hat sich für mich auch bestätigt: Die erhöhte Auflösung ist nett, aber HDR ist der wirkliche Vorteil der aktuellen TV-Generationen. Speziell wenn ihr Gamer seid: Die Spieleerfahrung profitiert teilweise wirklich enorm.

Das Manko ist eben, dass HDR je nach Spiel unterschiedlich eingebunden wird und somit auch die Wirkung variiert. Außerdem unterstützen aktuell eben nur eine Handvoll an Titeln das Feature. Aber ich gebe zu, dass mich die Zeit mit dem Samsung UE55KS8090 hier extrem angefixt hat.

HDR-Gaming ist somit etwas, das aus meiner Sicht einen neuen Meilenstein markiert, der hoffentlich bald noch stärker ins Rampenlicht rückt.


 

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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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