Augen auf beim TV-Kauf: Darauf solltet ihr bei Ultra-HD-Angeboten achten

21. November 2016 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: André Westphal

lg-55zh7709-uhd-tv-thumbnailDas Ende des Jahres naht – und damit bald auch die CES 2017, welche Anfang Januar stattfindet. Ich persönlich freue mich dieses Mal besonders auf die Messe, weil ich darauf hoffe, dass viele Hersteller Ultra-HD-Fernseher zu attraktiven Preisen vorstellen. 2017 könnte das Jahr sein, in dem die Hardware endlich reift. Da ist es kein Wunder, dass aktuell nahezu alle Hersteller bzw. Händler aggressiv die Generationen von diesem Jahr raushauen. Zugreifen kann sich zwar lohnen, ihr solltet aber unbedingt auf einige Faktoren achten, zu denen sich größtenteils sogar die Datenblätter der Anbiete ausschweigen. Um euch eine kleine Hilfestellung beim Durchstöbern der Sales zu geben, habe ich hier einige Punkte aus meiner eigenen Recherche gesammelt.

Wer meine Beiträge hier im Blog verfolgt, hat wohl mehr als deutlich mitbekommen, dass ich mich unheimlich für Ultra HD interessiere. Gleichzeitig habe ich mehrfach meinem Frust mit aktueller Hardware Luft gemacht: Welche Rolle wird Dolby Vision in Zukunft spielen? Wird HDMI 2.1 auch für HDR 10 dynamische Metadaten mit sich bringen? Und wann kann ich mich abseits der Marketing-Schlagwörter auf die technischen Daten verlassen, ohne seitenlange Forenthreads zu wälzen, um den Angaben auf den Grund zu gehen? In letzter Zeit habe ich viel recherchiert, da auch mich die aktuellen Angebote von Amazon, Media Markt, Saturn und Co. nahezu verführt hätten. Doch jeder der Fernseher, der mich interessierte, hatte mindestens einen deftigen Haken. Die wichtigsten Stolperfallen möchte ich daher hier für euch zusammenfassen. Die Reihenfolge ist beliebig, denn je nach euren Vorlieben und Sehgewohnheiten könnte der eine oder der andere Punkt schwerer wiegen.

1. RGBW-Panels

Aktuell kommen vor allem in Einstiegs-Fernsehern mit Ultra HD oftmals nur RGBW-Panels zum Einsatz. Vor allem LG setzt jene ein – etwa bei seinen Serien UH600V und UH6109. Ausgewiesen wird das durch den Hersteller aber nicht. Die Konkurrenz von Samsung hat bereits recht deutlich über RGBW-Panels hergezogen, wie ihr hier nachlesen könnt. Dort gibt es auch zusätzliche, technische Details, die ich hier nicht mit allen Feinheiten wiedergeben will, weil der Beitrag dadurch allein schon den Rahmen sprengen würde. Worauf es ankommt: RGBW-Panels  setzen anstelle der klassischen RGB-Pixel teilweise weiße Pixel ein. Dadurch verbessert sich zwar die Lichtausbeute, jedoch fehlen nun farbige Pixel, so dass dadurch zwangsweise die Farbauflösung leidet.

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Oft werden TVs mit RGBW-Panels in Foren als „Fake 4K“ bzw. „Fake Ultra HD“ kritisiert. Am Ende gewinnt man eben Helligkeit, büßt dafür aber Schärfe ein. Die Technik hat Vor- und Nachteile, ich persönlich würde mir aber keinen Fernseher mit RGBW-Panel kaufen – wodurch z. B. viele LG-Modelle leider herausfallen. Gerade jene werden aktuell oft sehr günstig angeboten. Schade ist, dass LG die RGBW-Panels nicht transparent in seinen Datenblättern ausweist. Bevor ihr also bei einem vermeintlich tollen Angebot zuschlagt, rate ich euch kurz im Einzelfall zu recherchieren. Allerdings setzen nur einige Hersteller, wie eben LG, RGBW-Panels ein. Samsung verzichtet beispielsweise darauf – würde seine eigene Pressemitteilung sonst ja auch ad absurdum führen.

2. 8-bit vs. 10-bit

Echtes HDR10 funktioniert nur vollständig, wenn der Hersteller ein 10-bit-Panel einsetzt. Das garantiert die verbesserte bzw. erweiterte Farbdarstellung. Das ist bei aktuellen Fernsehern aber im Grunde erst ab der Oberklasse der Fall. Ein Beispiel: Amazon bietet heute den LG 55UH7709 mit 55 Zoll, HDR und Dolby Vision sowie RGB-Panel für gerade einmal 949 Euro an. Muss doch einen Haken haben? Ja, leider ist das in der Tat so. Denn erst wenn man abseits der Händler- und Herstellerseiten recherchiert, stößt man darauf, dass der LG 55UH7709 nur ein 8-bit-Panel nutzt. Technisch kann der TV also gar kein natives HDR unterstützen.

Wieso gibt LG es dann dennoch an? Nun, der spezifische Fernseher ist nur ein Beispiel für etwas, das auch andere Hersteller haargenau so handhaben: Das Gerät nutzt gewiefte Techniken wie FRC (Frame Rate Control) bzw. Dithering, wodurch quasi bei der Farbdarstellung trotz 8-bit-Panel 10-bit-Darstellung „erschummelt“ wird. Je nach Hersteller und Modell kann das allerdings mal gut oder mal schlecht funktionieren. Wer aber HDR wirklich in guter Qualität nutzen möchte, sollte auf ein echtes 10-bit-Panel achten. Leider wiesen dies auch viele Hersteller in ihren Datenblättern nur sehr intransparent oder gar nicht aus.

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Wichtig ist: HDR-Unterstützung oder bewusst vage gehaltene Formulierungen wie „HDR-Verarbeitung“ oder gar Marketing-Schlagworte wie „HDR Super“ erlauben keinerlei sichere Rückschlüsse auf den Panel-Typ. Falls ihr nach einem Fernseher sucht, den ihr auf lange Sicht nutzen wollt, würde ich sehr empfehlen ein Modell mit 10-bit-Panel zu kaufen. Auch hier verbleibt dann leider meistens nur die Oberklasse, was viele, aktuelle Angebote entwertet. Doch bei jenen gibt es ohnehin noch weitere Probleme mit HDR

3. Edge LED, Kontrast und Helligkeit

HDR und Dolby Vision nutzen besonders starke Helligkeitsunterschiede / Kontraste, um Weiß und Schwarz sowie die Farben zu betonen. Wer aber einen Fernseher mit Edge-LED-Beleuchtung nutzt, fragt sich vielleicht, wie die Hintergrundbeleuchtung das erreichen soll? Zurecht, denn schließlich stecken nur an den Rändern der Geräte die Beleuchtungen. Das führt in der Praxis zu Effekten wie Backlight Bleeding / Clouding bzw. am Ende einer sehr ungleichmäßigen Ausleuchtung. Im Alltag kann es passieren, dass ihr bei einem dunklen Bild, meinetwegen einer Nachtaufnahme in einem Film, deutlich wahrnehmt, dass die Mitte des Bildes dunkler ist als die Ecken links und rechts. Hier gibt es aber nicht nur Unterschiede zwischen Edge LED und dem qualitativ überlegenen Direct LED / Full LED, sondern auch eine enorme Serienstreuung. Für HDR spielt die Hintergrundbeleuchtung jedenfalls eine große Rolle, denn gerade hier kommt es auf die Feinheiten bei Farben sowie Licht und Schatten an.

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Deswegen gibt es etwa auch nur so wenige Fernseher mit der Kennzeichnung für Ultra HD Premium. TVs mit Ultra HD Premium müssen gewisse Standards bei der maximalen Helligkeit aber auch bei den Schwarzwerten erfüllen. Wollt ihr aktuell auf der sicheren Seite sein, ist das also durchaus eine Hilfe.

4. 50 Hz

Im Einstiegssegment bieten die meisten Ultra-HD-Fernseher leider nur 50 Hz. Wie wichtig oder unwichtig das für euch ist, hängt davon ab, wie empfindlich ihr bei der Bewegtbilddarstellung reagiert. Stark vereinfacht: Je höher die Hz-Zahl eines TVs, desto flüssiger werden Bewegungen dargestellt. Es ist z. B. deswegen kein Wunder, dass die Hersteller zu 1080p-Zeiten mit geradezu irrsinnigen Hz-Werten wie 2.500 Hz (bei meinem Panasonic TX-P65VT50E) hantiert haben, um ihre Fernseher zu bewerben.

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Aktuell ist es darum ruhiger geworden, da gerade Einstiegs- aber auch Mittelklasse-TVs mit Ultra HD meistens nur 50 Hz bieten. Das kann gerade bei Games ein Nachteil sein, da eine erhöhte Anfälligkeit für Motion Blur besteht. Schnelle Bewegungen sehen dann verschwommen aus. Auch für die Fußballfans unter euch kann dies aber ein durchaus wichtiger Aspekt sein. Achtet also darauf, gerade wenn ihr am TV zocken wollt, Geräte mit mehr Hz zu erwischen. Auch hier kann man sich aber leider nicht wirklich auf die Herstellerangaben verlassen, da jene meistens mit allerlei Denken um die Ecken zu ihren Hz-Angaben kommen. So lohnt es sich auch hier im Einzelfall erstmal zu recherchieren, wenn ein Anbieter etwa „200 Hz“ ausweist – oft sind es de facto dann aber technisch streng genommen nur 100 Hz.

Fazit

Es gibt noch deutlich mehr Feinheiten, auf die ihr achten könnt – bei vielen geht es aber um persönliche Vorlieben. Input-Lag,die Anzahl der HDMI-Anschlüsse, Smart-TV-Funktionen… Ich habe bewusst in diesem Post vier technisch eher komplexe Aspekte herausgegriffen, zu welchen sich die Hersteller leider meistens ausschweigen – selbst in den offiziellen Datenblättern. Das ist schade, denn mir persönlich vergeht so nahezu wieder die Lust am Kauf eines Ultra-HD-TVs, da ich bei jedem einzelnen Modell oft selbst in den gängigen Foren nur mit viel Mühe Details herausfinde. Diese Recherche kann ich euch deswegen auch in diesem Beitrag leider nicht abnehmen. Denn von Modell zu Modell gibt es jeweils eigene Tücken. Vielleicht helfen euch die genannten Ansatzpunkte aber ja schon ein wenig, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Zumal es sich derzeit ohnehin anbietet nicht vorschnell bei einem vermeintlichen Schnapper auf den Bestellbutton zu klicken: Es hat ja seine Gründe, dass aktuell so viele Fernseher günstig zu haben sind – zum Beispiel bei Amazons Cyber Monday Woche. Die CES 2017 steht wie gesagt fast schon vor der Tür. Dann folgen die neuen TV-Generationen und die Lager wollen geleert werden. Am Ende sollte aber auch eines klar sein: Seht ihr einen Fernseher, der euch rundum überzeugt, dann könnt ihr 8-bit natürlich auch 8-bit sein lassen und das Auge die Entscheidung treffen lassen. Ich selbst warte jedenfalls weiter bis Januar und werde mich dann vermutlich wieder lange über die neuen Ultra HD TVs des Jahres 2017 belesen.



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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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