HDMI 2.1 bietet wohl optimiertes HDR mit dynamischen Metadaten

18. März 2016 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: André Westphal

ultra hd premium thumbZum aktuellen Status von Ultra HD bin ich skeptisch: Es gibt für mich einfach noch zu viele Fragezeichen bezüglich der Kompatibilität. Als Fan optischer Medien blicke ich zudem etwas resigniert auf die Tatsache, dass das Gros der Ultra HD Blu-ray nur hochskaliertes Material als Grundlage nutzen wird. Dazu kommen hohe Preise für die ersten Player und Fernseher, die meine Ansprüche an die Bildqualität noch nicht wirklich erfüllen. Meine Skepsis wird nun durch einen weiteren Faktor verstärkt, den jeder potentielle Käufer aktueller UHD-TVs zumindest mitberücksichtigen sollte: Die nächste Schnittstelle, HDMI 2.1, steht bereits in den Startlöchern. Sie soll HDR (High Dynamic Range) enorm verbessern, dürfte aber erst ab den TVs des Jahres 2017 Unterstützung finden.

Dazu ist festzuhalten: Offiziell ist HDMI 2.1 noch nicht. Es ist aber kürzlich ein Whitepaper (hier einzusehen) des Herstellers Philips durchgesickert, das interessante Ausblicke geliefert hat. Demnach soll HDMI 2.1 Unterstützung für dynamische Metadaten für HDR einführen. Das klingt erstmal ziemlich langweilig, hätte aber potentiell in der Praxis große Auswirkungen auf die Bildqualität. So predige ich seit jeher, dass Ultra HD weniger durch die schiere Auflösung, als durch HDR und die erweiterten Farbräume die Bildqualität verbessert. Dynamische Metadaten für HDR wären nun der nächste, große Schritt.

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Aktuell erlaubt HDMI 2.0a nur statische Metatdaten für HDR. Grob gesprochen bedeutet das, es werden für HDR einmal Einstellungen gesetzt und über den gesamten Film durchgezogen. Dynamische Metadaten würden es aber erlauben, die Einstellungen in jeder Szene anzupassen und sich dabei an den Fähigkeiten der vorhandenen Hardware zu orientieren. Da jeder Fernseher spezifische Charakteristika für die maximale Helligkeit, die Kontraste und den Farbumfang mit sich bringt, würde dadurch möglich die Bildqualität nochmals zu verbessern. Dynamische Metadaten würden auch den Mitarbeitern von Mastering-Teams die Arbeit erleichtern: Statt wie beschrieben eben ein einziges Mal für den Film HDR-Einstellungen festzulegen, könnten sie beim Mastering je nach Szene angepasste Angaben vornehmen. Das Resultat wäre eben viel mehr Finesse und Anpassungsfähigkeit.

Zu bedenken ist aber: HDR10, der aktuelle Standard für HDR auf Ultra HD Blu-rays, setzt noch ausschließlich auf statische Metadaten. Als Konkurrenzformat gibt es Dolby Vision – hier sind dynamische Metadaten ausdrücklich vorgesehen. Kein Wunder, dass Dolby sein Dolby Vision daher auch bewusst als „Premium HDR“ vermarktet. Philips selbst hat zusätzlich eine eigene Alternative zu HDR10 in petto, die ebenfalls dynamische Metadaten unterstützt. Selbst wenn aber HDMI 2.1 nun grundsätzlich ermöglichen sollte die dynamischen Metadaten einzubinden, müsste jenes aber auch noch für HDR10 verankert werden.

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Dank dynamischer Metadaten wird es auch möglich sein HDR-Inhalte in deutlich verbesserter Qualität zu SDR (also Standard Dynamic Range, wie wir es kennen) zu konvertieren. Neben HDMI 2.1 soll übrigens auch DisplayPort 1.4 dynamische Metadaten unterstützen. Es ist also davon auszugehen, dass es sich hier keineswegs um ein unwichtiges Nischen-Feature handelt.

Wie ihr herauslest: Es verbleiben jedoch noch einige Fragezeichen. Etwa ist offen, wann HDMI 2.1 kommen wird. Allerdings besteht eben das Potential zukünftige UHD-TVs und auch Ultra HD Blu-ray gehörig in der Bildqualität aufzuwerten. Dabei ist leider sehr fraglich, ob bestehende Fernseher über ein reines Software-Update auf HDMI 2.1 und Kompatibilität zu dynamischen Metadaten umgerüstet werden könnten. Ich vermute die Antwortet lautet „Nein“. Und das schließt für mich den Kreislauf: Wer aktuell einen UHD-TV kauft, sollte das auch dieses Jahr im Bewusstsein tun, dass die Technik noch lange nicht ausgreift ist und vermutlich in wenigen Monaten nochmals gehörige, technische Sprünge folgen.

Klar, das ist der ewige Kreislauf der Technik: Was man heute kauft, ist morgen schon veraltet. Allerdings vermute ich, dass die hier von mir genannten Hintergründe, die bereits für Ultra-HD-Fans kompliziert sind, den Durchschnittskäufer im Discounter komplett verwirren. Genau deswegen könnte ich persönlich aktuell niemandem guten Gewissens zum Kauf eines hochpreisigen UHD-TVs raten. Eine schöne Diskussion zum Thema findet sich übrigens im Forum von blu-ray.com – dort empfiehlt sich sicherlich auch in Zukunft das Mitlesen.


 

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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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