Mega, Hyper, Super, Duper Ultra HD: 4K-Sein oder Nicht-4K-Sein, das ist hier die Frage

7. Februar 2016 Kategorie: Hardware, geschrieben von: André Westphal

ultra hd premium thumb Ultra HD…4K…Ja, mir ist bewusst, dass 4K streng genommen für mehrere native Auflösungen und weitere Raffinessen steht (genau wie Ultra HD) und sich nicht allein auf die Auflösung von 3840 x 2160 Bildpunkte herunterbrechen lässt. Doch was aktuell um das „Next Big Thing“ des Heimkinos vor sich geht, lässt mich als langjährigen Heimkino-Enthusiasten den Kopf schütteln. Versteht mich richtig: Ultra HD (Premium) ist eine feine Sache, wenn es denn richtig umgesetzt wird. Doch was ich derzeit an Meldungen zum Thema vernehme und selbst an Eindrücken sammeln konnte,veranlasst mich euch hier sowohl eine kleinen Ausschnitt aus den bisherigen Infos anzubieten, als auch meine persönliche Meinung als Filmfan vollkommen ungefiltert vom Stapel zu lassen.

Zunächst solltet ihr bedenken: Meine Meinung ist stark eingefärbt. Ich besitze seit Anfang 2008 einen HD-Fernseher, habe mir später einen 65-Zoll-High-End-Plasma von Panasonic als Zentrum meines Wohnzimmer auserkoren und kaufe tatsächlich bis heute aktiv optische Datenträger. Über 1000 Blu-rays befinden sich in meiner Sammlung, vielleicht sind es noch weit mehr. Denn irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Ja, ich gebe es zu: Phasenweise war die Sammelleidenschaft bei mir so schlimm, dass ich bis heute bestimmt über 100 Filme im Regal verstauben lasse, die ich zeitlich einfach noch nicht ansehen konnte. Von sträflich vernachlässigten Klassikern wie „Carlito’s Way“ über Anime wie „Samurai Champloo“ bis hin zu Blockbustern wie „Sin City 2: A Dame to Kill for“ quillt meine Sammlung ungesehener Perlen (?) über. Vermutlich wird einiges so lange vor sich hin modern, bis der Disc-Rot die Blu-rays ohnehin das Zeitliche segnen lässt.

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Ja, ich bin einer der Filmfans, die extra mehrere Blu-ray-Player besitzen, um auch Region-A-Importe problemlos ansehen zu können. Selbst in meinem PC werkelt tatsächlich eines der ersten Blu-ray-Laufwerke, das sogar HD-DVD abspielen könnte. Praktisch genutzt habe ich das Laufwerk zwar nur für ein oder zwei Filme, aber geschenkt. Meine zuvor auch nicht unbedingt kleine DVD-Sammlung habe ich, soweit es möglich gewesen ist, auf Blu-rays umgerüstet. Fast ist es mir peinlich, dass ich mir sogar einen Film wie „Kevin Allein zu Haus“ erst vor wenigen Monaten nochmals neu in der zweiten Blu-ray-Auflage gekauft habe, da ein neues Master die Bildqualität merklich gesteigert hat. In meinem Regal tummeln sich mittlerweile Importe aus den USA, UK, Frankreich, Spanien, Italien, Schweden und Holland.

Warum ich euch das erzähle? Vermutlich möchte ich damit klarmachen, wer ich aus Sicht der Industrie wohl sein müsste: der typische Early Adopter, der direkt auf den Zug für Ultra HD aufspringt. Doch nun kommt die „Überraschung“: Ultra HD reizt mich aktuell gar nicht. Das kann und wird sich vielleicht noch ändern. Doch was aktuell aus dem „Next Big Thing“ fürs Heimkino gemacht wird, lässt mich bestenfalls mit den Schultern zucken – oftmals sogar den Kopf schütteln. Um meine Gedanken zu ordnen, fasse ich für euch einmal die wichtigsten Punkte zusammen, die mich am Erfolg von Ultra HD zweifeln lassen.

1. Upscales so weit das Auge reicht

Die ersten Ultra HD Blu-rays kommen fast alle, zumindest was die Auflösung betrifft, ohne Ultra HD aus. Es handelt sich lediglich um Upscales von nativem 2K-Material. Fangen wir bei Warner Bros an:  Die bisher angekündigten Filme des Vertriebs, „The Lego Movie“, „Mad Max: Fury Road“, „Man of Steel“, „Pacific Rim“, „Pan“ und „San Andreas“ sind allesamt Upscales von 2K-Material. Ähnlich sieht es bei 20th Century Fox aus. „Exodus: Götter und Könige“, „Fantastic Four“, „Kingsman: The Secret Service“, „Life of Pi“, „The Martian“, „Wild“ und auch einer meiner Lieblingsfilme, „X-Men: Days of Future Past“, basieren nur auf 2K-Material. „The Martian“ wurde zwar in 5K gedreht, bleibt aber aufgrund der Post-Production bei 2K stehen. Einzig „The Maze Runner“ basiert auf einem 4K-Digital-Intermediate, was aber ausgerechnet hier seinen Sinn verfehlt. Denn „The Maze Runner“ wurde größtenteils nativ in 2K gefilmt.

Bei den anderen Vertrieben sieht es größtenteils sehr ähnlich aus. Wer nun annimmt: „Na ja, das sind eben so Startprobleme, später wird schon alles nativ in Ultra HD vorliegen“, der redet sich die Ausmaße schön. Denn das Problem sind die digitalen Zwischenstufen der Produktion. So gut wie alle (sicherlich über 90 %) der größeren Filmproduktionen der letzten Jahrzehnte basieren auf sogenannten Digital Intermediates in 2K. Auf diesen digitalen Zwischenstufen basiert die gesamte Kette der Post-Production. Das betrifft Peter Jacksons „Herr der Ringe“ genau so wie J. J. Abrams „Star Trek“. Es wäre also in Zukunft nur möglich das Gros der Filme nativ mit 3840 x 2160 Bildpunkten für Veröffentlichungen abzutasten, wenn die gesamte Post-Production neu durchgeführt würde. Dass sich das selbst bei Top-Titeln vermutlich nicht rechnet, ist logisch. Daher müssen wir bei Ultra HD langfristig damit leben, dass selbst Produktionen der jüngeren Zeit größtenteils Upscales sein werden.

life of pi ultra hd

Klar, es bleiben potentielle Mehrwerte durch 60p, HDR und eine verbesserte Kompression. Das will ich nicht kleinreden, denn gerade HDR verspricht deutlich mehr Vorteile bei der Bildqualität als die schiere, erhöhte Auflösung. Dennoch gibt es hier ein Problem und angesichts der vollmundigen Werbung der Studios, sollte man das keineswegs herunterspielen.

2. 3D ist tot

Meinen Panasonic Viera TX-65-VT50 habe ich mir anno dazumal nicht nur wegen der Diagonale ins Wohnzimmer gestellt, sondern auch wegen stereoskopischem 3D. Tatsächlich schaue ich immer noch ab und an ganz gerne mal Animationsfilme in 3D und bin großer Fan des oftmals verspotteten „Gimmick-3Ds“. Doch die Hersteller haben 3D längst abgeschrieben. Man wollte 3D zum Standard im Heimkino machen, jeder sollte sich eine Brille auf die Nase setzen und in die dritte Dimension vorstoßen. Ein ähnliches Spielchen läuft aktuell mit VR und ich sage Virtual Reality einen ähnlich schnelllebigen Hype voraus. Denn es ist nunmal so: Wer entspannt im Heimkino sitzt, hat meistens keinen Bock sich die 3D-Brillen auf die Nase zu setzen, seine Augen anszustrengen und am Ende bestenfalls einen kleinen Tiefeneffekt zu sehen. Gerade wenn Kumpels und die Familie dabei sind, schmeißt man die 2D-Version ein und fertig ist die Kiste. Einer hat immer Kopfschmerzen, findet die Brillen unbequem oder will sich mit den anderen nebenbei unterhalten, ohne sich wie Mr. oder Mrs. Ober-Geek vorzukommen.

sammys abenteuer 3d

Ultra HD enthält 3D deswegen gar nicht mehr im Standard. Kein Hersteller hat irgendwelche Pläne oder Wünsche 3D nachträglich zu implementieren. 3D ist über die Blu-ray 3D hinausgehend tot.

3. Otto-Normalverbrauchern kann Ultra HD egal sein

Die meisten Zuschauer kleben nicht wie ich vor der Mattscheibe – 2,3 Meter Abstand bei 65 Zoll. Doch das ist ungefähr der ideale Sitzabstand, um 1080p bei meiner Bildschirmgröße auszunutzen. Doch was soll nun mit Ultra HD werden? Klar, wer im Fachhandel mit der Nase am TV klebt, staunt über den Detailreichtum der ohnehin überschärften Hersteller-Demos. Doch nimmt man daheim bei 4 Metern Abstand von 55 Zoll Diagonale auf dem Sofa Platz, fragt spätestens die bessere Hälfte, gegenüber der man den neuen TV rechtfertigen muss, was sich denn nun am Bild geändert habe. Es ist schlichtweg so, dass die meisten Zuschauer ihr Wohnzimmer nicht nach dem TV ausrichten, sondern ihren TV dem Wohnzimmer entsprechend aufstellen. Das ist auch völlig ok so. Doch dadurch bringt die Auflösung von 3840 x 2160 Bildpunkten auch nur einem Bruchteil der Zuschauer einen greifbaren Vorteil. (HDR ist eine andere Geschichte). Doch genau mit der Auflösung argumentiert das Marketing. Die Folge ist aktuell, das selbst bisherige HD-Enthusiasten in den üblichen Communities abwinken. Was uns zum nächsten Punkt führt.

4. Auch vielen Enthusiasten ist Ultra HD einerlei

Ich habe ziemlich früh in Communities wie dem Hi-Fi-Forum, bei Blu-ray.com oder Bluray-Disc.de die Stimmung rund um HD und Blu-rays verfolgt. Damals war die Begeisterung allgemein enorm. Man hat sich aber nicht nur über die erhöhte Auflösung gefreut, sondern auch über die größeren Diagonalen und schlichtweg die Flachbildschirm-Technik an sich. Endlich kein Röhren-Geschoss mehr auf dem Fernsehtisch stehen haben! Immer noch stöbere ich gerne in den genannten Foren und in anderen Medien. Was ich wahrnehme, ist, dass selbst die Enthusiasten dieses mal entweder abwarten wollen oder Ultra HD aussitzen möchten. Die einen schwärmen immer noch von ihrem Kuro, die anderen wünschen sich OLED statt Ultra HD und die nächste Partei hat so viel Geld in HD gepumpt und sieht so wenig subjektive Mehrwerte für sich in Ultra HD, dass der Kauf einer frischen Gerätekette nicht zu rechtfertigen ist.

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Eine Ausnahme gibt es: Beamer-Besitzer. Jene sind wohl die Gruppe, die tatsächlich am meisten von Ultra HD haben dürfte. Doch um einen hochwertigen Beamer auszureizen benötigt man die entsprechenden,räumlichen Gegebenheiten, so dass hier der Kreis weiter zusammenschrumpft.

5. Streaming ist für viele die Zukunft

Jahrelang war ich ein Verfechter physischer Datenträger. Statt MP3 herunterzuladen, habe ich CDs und sogar DVD-Audio gekauft. Und heute kaufe ich immer noch aktiv Blu-rays, statt mich auf Streams zu verlassen. Doch selbst bei mir lässt die Kauflust spürbar nach. Meine Freundin hat Amazon Prime Instant Video abonniert. Wir wohnen zusammen, ich kann es mitnutzen. Und die Industrie macht es einem nicht leicht: Wozu soll ich „Halt and Catch Fire: Staffel 1“ im Handel für 40 Euro auf Blu-ray erwerben, wenn ich im Streaming-Abo sogar schon die Staffeln 1 und 2 ohne Mehrkosten abrufen darf. Mir schwirrt zumindest noch im Kopf umher, dass die Blu-rays Bonusmaterial und freilich die bessere Bildqualität bieten. Doch hier regiert selbst bei mir das pragmatische Denken: Für eine Serie, die ich mir voraussichtlich ohnehin nur einmal ansehe, kann ich guten Gewissens keine 40 Euro ausgeben, wenn ich sie auch in guter Qualität legal und ohne Mehrkosten ansehen kann.

netflix-logo

4K-Streams gibt es bereits, während die Ultra HD Blu-ray erstmal zu Potte kommen müssen. Klar, auch hier werden die physischen Medien in der Qualität den Streams überlegen sein. Aber genügt das wirklich noch, um mehr als die absoluten Enthusiasten zu erreichen, für jene eben noch die letzten 2 % Qualitätssteigerung entscheidend sind? Ich denke das eben nicht. Und warum auch? Wandere ich heute an meinen Blu-ray-Regalen entlang, denke ich ebenfalls: Du sammelst dir hier ne ganze Menge Plastikmüll an. Es gibt Ausnahmen, Lieblingsserien und -Filme wie „Space Dandy“ (!), „Ghostbusters“ oder meinen jüngst für weniger als 10 Euro erstandenen Import zu „Tinker, Tailor Soldier, Spy“ als edel aufgemachte Deluxe Edition mit Roman, Soundtrack und Buch-Verpackung. Da hat man haptisch und optisch echte Mehrwerte. Doch ob ich nun den nächsten Wegwerf-Comic-Film im Regal stehen habe oder mir mein Hirn via Stream wegballere – im Grunde ist das, lege ich die Hand aufs Herz, einerlei.

Mein Fazit

Ich bin soweit, dass ich gerne einen Monitor mit Ultra HD besäße, da das für mich tatsächlich in der Produktivität Vorteile haben könnte. Sobald ein neuer PC anstünde, wer weiß: Eventuell begeistert mich auch das Gaming bei 3840 x 2160 Pixeln. Aber sorry, im Heimkino sehe ich für mich persönlich in Ultra HD mittelfristig keinen Sinn. Ein Player für voraussichtlich 500 Euro, um dann vorwiegend hochskaliertes 2K-Material abzuspielen – das halte ich für überdimensioniert. HDR ist fein, aber die Macken der LCD-Geräte lassen mich daran zweifeln, wie gut die Kontraste und Schwarzwerte am Ende im Vergleich zu meinem Plasma tatsächlich wahrnehmbar sind. Und wenn selbst ein Major wie Warner Bros. für 2016 gerade einmal 35 Filme ankündigt, von denen ich fast alle angekündigten sowieso bereits besitze, dann hält sich meine Begeisterung einfach in Grenzen. Die ersten deutschen Ultra HD Blu-ray werden Dokumentationen und Titel der Busch Media Group wie das sicherlich hochkarätige „Die Verfluchten der Pampas“ sein. Ein verlockendes Angebot, doch bei mir springt der Funke da nicht über.

Meine Prognose: Die Ultra HD Blu-ray wird die nächste Laserdisc. Sie wird einige Enthusiasten erfreuen, aber am Massenmarkt vorüber gehen. Es wird eine feste Nische geben, mit wenigen Veröffentlichungen, die dann aber nur anspruchsvolle Anwender anvisieren. Die Verkaufszahlen von DVD und Blu-ray werden dominieren, aber weiterhin abnehmen, während das Gros sich bei Netflix und Amazon Prime Instant Video, Maxdome, Watchever und Co. vergnügt. Trotzdem bin ich gespannt, wie es mit Ultra HD weitergeht. Wie seht ihr das ganze? Plant ihr schon den Umstieg, zuckt ihr mit den Schultern oder ist die Technik für euch eine Totgeburt?



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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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