Sony PlayStation 4 Pro: Begrabbelt und besabbelt

12. November 2016 Kategorie: Games, Hardware, geschrieben von: André Westphal

sony-playstation-4-proMeine Überschrift ist eventuell nicht die gescheiteste, aber „ausgepackt und angefasst“ habt ihr auch schon 100 mal gelesen. Und letzten Endes ist es bei der neuen PlayStation 4 Pro seitens Sony sicherlich erwünscht, dass man etwas genauer Hand anlegt und auch ein paar Blicke auf die Reize der neuen Konsole für gehobene Ansprüche schmeißt. Ich selbst habe lange mit mir gehadert und war unsicher, ob ich denn nun zur PS4 Pro greife – da ich keinen Ultra-HD-TV besitze. Letzten Endes gierte allerdings ohnehin ein guter Kumpel nach meiner bisherigen PS4. Und ich war dann doch zu neugierig darauf in Games wie „Rise of the Tomb Raider“ die neuen Pro-Modi anzutesten.

Nochmals der Hinweis: Ein Ultra-HD-TV fehlt mir aktuell noch. Es gibt schlichtweg aktuell kein Gerät, das meinen Ansprüchen genügt. So ist mir die ganze Geschichte rund um dynamische Metadaten in Dolby Vision und der kommenden HDR- / HDMI-Revision derzeit noch zu unsicher. Zumal es ohnehin noch wenig Content gibt, den ich unbedingt mit 3.840 x 2.160 Bildpunkten begaffen müsste. Ich besitze aktuell einen Panasonic Viera 65VT50 und da ist der „Leidensdruck“ bei mir nunmal nicht besonders hoch. Das soll für euch die Erklärung sein, warum ich die PS4 Pro leider nicht im Hinblick auf ihre 4K-Fähigkeiten prüfen kann. Ich gebe euch hier also den reinen Blick eines Gamers, der weiterhin in 1080p zockt. Sicherlich bin ich aber nicht der einzige, der in jener Auflösung an der neuen PlayStation 4 Pro daddelt.

ps4-pro-mit-controller

Kleine Rekapitulation: Die diese Woche erschienene Sony PlayStation 4 Pro weist folgende, technische Daten auf:

CPU: AMD „Jaguar“ mit acht Kernen und 2,1 GHz Takt
GPU: AMD Radeon auf Polaris-Basis mit 4,2 TFLOPs Leistung und 911 MHz Takt
RAM: 8 GByte GDDR5 – plus 1 GByte DRAM für System-Anwendungen
Festplatte: 1 TByte (austauschbar)
Maße: 295 x 55 x 327 mm
Gewicht: ca.3,3 kg.
Laufwerk: Blu-ray
Schnittstellen: Dreimal USB 3.1 Gen , AUX, Ethernet, Wi-Fi 802.11 ac, Bluetooth 4.0 (LE), HDMI 2.0, Optical
Stromverbrauch: Maximal 310 Watt
Preis: 399 Euro

Die größten Neuerungen sind die gänzlich neue GPU auf Basis der frischen Architektur AMD Polaris,welche z. B. auch die Grundlage der neuen Grafikkarte Radeon RX 480 bildet. Auch liegt der GPU-Takt mit 911 statt wie bisher 800 MHz etwas höher. Bei der CPU hat sich dagegen weniger getan: Es handelt sich grundsätzlich um den gleichen Chip wie bisher. Allerdings hat Sony bei der PS4 Pro den Takt von 1,6 auf 2,1 GHz nach oben geschraubt. Zudem liegt nun mehr zusätzlicher DRAM für System-Anwendungen und Apps wie Netflix vor – 1 GByte statt wie zuvor 256 MByte. Auch soll die interne Festplatte jetzt mit der Schnittstelle SATA 3.0 arbeiten, so dass sich die Verwendung von SSDs nun eventuell etwas mehr lohnt. Auf ein Laufwerk für Ultra HD Blu-rays hat Sony bei seiner PS4 Pro verzichtet – im Gegensatz zu Microsoft und der Xbox One S.

Design und Ausstattung

Der Lieferumfang der PS4 Pro ähnelt stark jenem der PS4: Es liegt ein kleiner Kopfhörer bei, ein HDMI-Kabel (jetzt die aktuellere Version 2.0 statt wie anno dazumal 1.4), eine Kurzanleitung, ein USB-Kabel zur Aufladung des Controllers und der DualShock 4. Hier handelt es sich, genau wie bei der PS4 Slim, um eine aktualisierte Version. So sieht man bei der neuen Version nun auch an der Vorderseite die Lightbar durchschimmern. Finde ich persönlich äußerst beknackt, da mich die Lightbar ohnehin von Anfang an genervt hat. Da man mittlerweile das Licht herunterregeln darf, kann ich aber damit leben. Positiv ist, dass man mit dem Controller nun auch kabelgebunden via USB zocken kann.

ps4-pro-back

Warum man das wollen sollte? Ganz einfach, wenn der Controller auflädt, zieht man so nicht wieder via Bluetooth Strom aus dem Akku. Eventuell könnten einige Spieler bei der Datenübertragung via USB auch geringere Latenzen bemerken. Mir fiel das beim Anspielen zwar nicht bewusst auf, aber vielleicht gibt es da empfindlichere Naturen als mich. Hardcore-Multiplayer-Zocker dürften hier die richtigen Ansprechpartner sein.

Gaming

Ich konnte bisher zwei für die PlayStation 4 Pro optimierte Spiele antesten: „Uncharted 4: A Thief’s End“ sowie „Rise of the Tomb Raider“. Bei dem erstgenannten Titel wird das Spiel in höherer Auflösung gerendert – die Framerate verbleibt aber auch an der PS4 Pro bei 30 fps. Auf meinem 1080p-TV mit 65 Zoll Diagonale wird das Bild zwar wieder herunterskaliert, das sollte aber in der Praxis dank der höheren, nativen Auflösung trotzdem zu verbesserter Kantenglättung durch SuperSampling und einem minimal schärferen Bild führen. Hier muss ich allerdings sagen, dass selbst auf meiner üppigen Diagonale bestenfalls ein Placebo-Effekt entsteht. Im Standbild kommt mir die Bildqualität tatsächlich etwas ruhiger vor, aber ob das nun Einbildung oder tatsächlich vorhanden ist, lässt sich schwer sagen. Ballere ich mich wiederum mit Nathan Drake durch die malerischen Schauplätze des Games, könnte ich wohl auch an meiner alten PS4 sitzen – ein wahrnehmbarer Unterschied fehlt.

Anders sieht es bei „Rise of the Tomb Raider“ aus: Hier habe ich alle Modi durchprobiert und sehe den größten Mehrwert in jenem mit der offenen Framerate. Während das Spiel an der Basis-PS4 auf 30 fps begrenzt ist, kommen hier meistens zwischen 50 und 60 Bilder pro Sekunde zustande. Zwar wird die Spielerfahrung dadurch etwas unkonstant, da das Game eben manchmal die Geschwindigkeit anzieht und an anderer Stelle runterfährt, aber das bin ich als PC-Gamer gewöhnt. Allgemein fühlt sich „Rise of the Tomb Raider“ im Modus „Higher Frame Rate“ jedoch deutlich geschmeidiger an, als im Standard-Modus. Auch der 4K-Modus ist nicht übel und führt dann eben an 1080p-TVs wieder zu einem ruhigeren Bild mit weniger Flimmern und Kanten.

Der Modus für die „Enriched Visuals“ bringt z. B. verbesserte Tessellation, optimierte anisotrope Filterung, mehr dynamische Pflanzen, verbesserte Licht- und Schatteneffekte und weniger Pop-In durch erweitertes LOD mit sich. Hier muss man allerdings sagen, dass sich die vielen, kleinen Detailveränderungen z. B. im oben verlinkten Tech-Video super anhören, sie während des Gameplays aber deutlich weniger auffallen, als eben die angehobene Bildrate. Ja, das Spiel sieht besser aus! Das merkt man aber vorwiegend in den eher ruhigen Momenten, wenn man Zeit hat sich ein wenig umzusehen. Wer „Rise of the Tomb Raider“ schon gezockt hat, weiß jedoch, dass es jene Augenblicke im spannungs- und actiongeladenen Gameplay eher selten gibt. In erster Linie hat mich bei diesem Game also der Modus mit der nach oben offenen Framerate überzeugt. Hier hoffe ich, dass auch andere Entwickler so vorgehen. Square Enix arbeitet etwa daran „Final Fantasy XV“ an der PS4 Pro in 1080p mit 60 fps laufen zu lassen. Das Update für die PS4 Pro soll zwar leider erst nach dem Release erfolgen, wäre für mich aber schon eine Bekräftigung meines Kaufs, da ich mich unheimlich auf das JRPG freue.

Derzeit gibt es ansonsten noch nicht so viele Games, welche die Fähigkeiten der PS4 Pro ausnutzen. Eine offizielle Liste Sonys hatte ich ja bereits im Blog vorgestellt. Nun ja, Jahre alte Games wie „inFamous: Second Son“ oder „The Last of Us: Remastered“ muss ich nun kein zweites Mal durchzocken. Interessanter ist die angekündigte Pro-Unterstützung für z. B. „Horizon: Zero Dawn“, „Watch Dogs 2“ oder eben „Final Fantasy XV“. Wichtig wäre aus meiner Sicht aber, dass die kommenden Triple-A-Blockbuster direkt zum Launch die Fähigkeiten der PS4 Pro ausnutzen. Auch für „Watch Dogs 2“ soll der Patch etwa erst Wochen später folgen. Das ist aus meiner Sicht Käse, denn bis dahin habe ich den Titel doch eh bereits durchgezockt. Nun ja, noch ist die PS4 Pro eben neu, also haken wir das mal unter den Kinderkrankheiten des Launchs ab.

Bedenklicher sind aktuelle Feststellungen von Digital Foundry (siehe Video): Obwohl Sony eigentlich vorschreibt, dass kein einziges Spiel an der PS4 Pro mit niedrigeren Bildraten als an der alten PS4 laufen soll, gibt es Titel, in welchen genau das passiert. Als Beispiel nennen die Kollegen „The Last of Us: Remastered“ im nativen 4K-Modus. Schade ist das vor allem, da jemand wie ich in diesem Fall einen Nachteil hätte: Auf meinem 1080p-TV wird das Bild herunterskaliert und ich zocke weiter mit 1.920 x 1.080 Bildpunkten, aber mit schlechteren FPS als an meiner alten Konsole. Denn eine Möglichkeit das Rendering in der höheren Auflösung abzuwählen, fehlt. Auch hier hoffe ich, dass Sony und die Entwickler in Zukunft bedachter vorgehen.

Lautstärke und Sonstiges

Da bei den Multimedia-Fähigkeiten der PS4 Pro im direkten Vergleich mit der PS4 im Grunde nur wenige Veränderungen eingetreten sind, springe ich gleich weiter zur Lautstärke und sonstigen Anmerkungen. Wobei: Die PS4 Pro beherrscht nun 4K-Streaming via Netflix und (wohl in naher Zukunft auch Amazon Prime) mit HDR. Ein Update für die YouTube-App der Konsole soll ebenfalls bald folgen. Falls ihr also keinen Amazon Fire TV oder eine Nvidia Shield bzw. anderweitige, kompatible Android-Box mit 4K-Unterstützung Zuhause stehen habt, könnte das für euch relevant sein. Außerdem kann die PS4 Pro, entsprechendes Wi-Fi-Netzwerk und schnelle Verbindungen vorausgesetzt, Remote Play und Share Play nun in 1080p nutzen. Zudem generiert die Share-Funktion nun Gameplay-Clips und -Screenshots in höheren Auflösungen, als an der Standard-PS4. Je nach Game sind Videos in 1080p und Screenshots mit vollen 3.840 x 2.160 Bildpunkten möglich. Ihr streamt gerne via YouTube? Das geht nun ebenfalls in 1080p mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde.

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Anzumerken ist ebenfalls noch kurz: Sony hat genau wie Microsoft die Touch-Buttons wieder gegen haptische Tasten ersetzt. Zurück zu den Wurzeln geht es also. Ursache ist wohl auch hier, dass sich gerade Gamer mit Haustieren über die Touch-Buttons beschwert hatten, da Mr. Kater oder Frau Samtpfote gerne im Vorübergehen versehentlich die Konsole aus- oder angeknipst haben. Das sollte nun nicht mehr so einfach geschehen. Im Kontrast zur PS4 Slim ist zudem der Optical-Port erhalten geblieben und es prangt nun ein dritter USB-Anschluss an der Rückseite. Das Design der PS4 Pro finde ich im Vergleich mit meiner Launch-PS4 übrigens weniger gelungen. Für mich sieht die PS4 Pro aus wie eine Big-Mac-Variante der PS4 Slim, die ich ebenfalls nicht sonderlich hübsch finde. Ist aber Geschmackssache. Dagegen begrüße ich die matte Oberfläche der Konsole, die wesentlich weniger Staub anzieht als das Hochglanz-Plastik meiner alten PS4.

Die Lautstärke empfinde ich sowohl während des Menüs, des Streamings als auch des Zockens als nahezu identisch zu meiner Launch-PS4. Dazu sei erwähnt, dass ich ein relativ leises Exemplar erwischt hatte. Jenes konnte man auch bei längeren Partien aus 2 m Entfernung beim Spielen so gut wie nie heraushören. Aufgrund der Serienstreuung habt ihr eventuell aber andere Erfahrungen mit der PS4 erlebt bzw. werdet sie vielleicht auch mit der PS4 Pro erleben. Ich kann nur von meinem Exemplar ausgehen. Und das ist beim Zocken wirklich leise.

Zu Virtual Reality muss ich übrigens ebenfalls meinen Mund halten: Mir persönlich war die PlayStation VR zu teuer bzw. mein Interesse an Virtual Reality einfach zu gering, um zuzuschlagen. Ich befürchte für mich würde es haargenau so enden wie vor einigen Jahren mit der Wii: Wenige Tage würde ich enthusiastisch mit der VR-Brille herumspielen und danach läge sie für immer ungenutzt in der Ecke. Falls ihr euch eine PlayStation VR gegönnt habt, dürfte sich der Kauf der PS4 Pro aber für euch noch mehr lohnen, als für mich: Mehrere Spiele wie „DriveClub VR“, „Super Stardust Ultra VR“ oder „Robinson: The Journey“ sollen Updates erhalten und ebenfalls von der Mehrleistung der PS4 Pro profitieren.

Mein Fazit

Wenn ich ganz ehrlich bin, waren 399 Euro vielleicht ein stolzer Preis, um ein paar kleine, grafische Verbesserungen an meinem 1080p-TV zu genießen, während ich nun an der PS4 Pro zocke. Allerdings ist der Modus mit der gesteigerten Bildrate in „Rise of the Tomb Raider“ hoffentlich ein Fingerzeig auf das, was da noch kommen könnte. Allerdings wäre wünschenswert, dass die Publisher in Zukunft nicht erst Wochen oder gar Monate nach dem Launch von Triple-A-Titeln ihre Pro-Patches nachschieben, sondern die Games bereits zur Veröffentlichung in optimierter Version ausliefern.

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Ob ich somit anderen 1080p-Gamern das Upgrade empfehlen würde? Wenn der Geldbeutel nicht gerade überquillt, dann wohl aktuell eher nicht. Vielleicht solltet ihr erstmal abwarten wie viele Titel die PS4 Pro langfristig ausnutzen und wie schnell die Aktualisierungen zur Stelle sind. Sollte ich etwa bei „Final Fantasy XV“ wochenlang auf einen Pro-Patch warten müssen, habe ich das Spiel bis dahin vermutlich schon durchgespielt. Anders sieht es freilich insgesamt aus, wenn ihr einen Ultra-HD-TV besitzt oder PlayStation VR nutzt. Dann entfaltet die PS4 Pro weitere, deutliche Mehrwerte – nicht nur bei Spielen, sondern auch beim Streaming.

Die Verarbeitung der PS4 Pro ist ausgezeichnet, die Lautstärke angenehm und der Preis aus meiner Sicht gerechtfertigt. Falls ihr noch keine PlayStation 4 besitzt, würde ich euch z. B. auf jeden Fall zum Kauf der Pro raten: Die 100 Euro Aufpreis sichern euch ab, falls ihr z. B. 2017 zu einem neuen Fernseher wechseln wollt oder eben doch Bock auf bessere Bildqualität oder mehr FPS verspürt. Irgendwo hat ja auch mich das gelockt. Schade, dass Sony auf ein Laufwerk für Ultra HD Blu-rays verzichtet hat. Dadurch behält jedenfalls auch die Xbox One S ihre Daseinsberechtigung.

Insgesamt ist die Sony PlayStation 4 Pro eine feine Konsole und auch wenn ich nun viel Geld ausgegeben habe, um in „Rise of the Tomb Raider“ mit ein paar Frames mehr zu zocken, hoffe ich sehr, dass sich die Investition durch beispielsweise „Watch Dogs 2“ oder „Final Fantasy XV“ noch rentiert. Vielleicht schlage ich ja auch 2017 bei einem neuen Ultra-HD-Fernseher zu, dann bin ich zumindest schon einmal abgesichert. Wie sieht es denn bei euch aus? Habt ihr zur PS4 Pro gegriffen, geht euch die neue Konsole am Allerwertesten vorbei oder wollt ihr noch abwarten, wie sich die Unterstützung durch Games entwickelt?



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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 1442 Artikel geschrieben.