Diercke Weltatlas als App für Windows, OS X, iOS und Android – falls die Schule mitspielt

Na, wer kennt ihn nicht, den Diercke Weltatlas? Google Maps auf Totholz quasi, sackteuer und dennoch auch heute noch ein Pflichtkauf in vielen Schulen. 320 Seiten geballte Kartenpower für 29,95 Euro. Regte mich zu meiner Schulzeit schon auf, da wir den Schinken kaum nutzten, aber immer mitschleppen durften, regt mich heute noch auf, da ich diesen nun für meine Tochter bezahlen darf, benutzt wird er ebenfalls nur selten. Jetzt gibt es den Diercke Weltatlas auch als App für PC, iPad und später auch für Android. Zu einem Bruchteil des normalen Preises, super Sache, oder?

Diercke_digital

An sich ja und ich gehe davon aus, dass viele Schüler von der digitalen Version profitieren werden. 3,99 Euro werden pro Jahr fällig, je nachdem wie lange dieser Atlas in einer Schule genutzt wird, lässt sich da schon was sparen. Aber nicht nur das, die digitale Version spart vor allem Gewicht in den sowieso schon gnadenlos überfüllten, für die Kleinen viel zu schweren, Schulranzen.

Genug gemeckert, inhaltlich ist der Diercke Weltatlas top, egal ob digital oder auf Papier. Die digitale Version punktet zudem noch mit Zusatzinhalten, wie zum Beispiel topographischen Übungsspielen. Verfügbar ist sie bereits für PC, Mac und das iPad, eine Android-Version folgt am 1. September 2015. Aktuell kann man sich die digitale Version zum Frühbucher-Preis sichern. Das liegt daran, dass noch nicht alle Karten vorhanden sind. 3,99 Euro werden so für eine 2-Jahres-Lizenz fällig. Später kostet der digitale Diercke Weltatlas dann 3,99 Euro pro Jahr.

Die Windows-Version bietet zudem den Vorteil, dass man sie auf einem USB-Stick installieren kann und diesen dann an beliebigen PCs nutzen kann. Die Lizenz ist personengebunden und kann auf bis zu drei Geräten genutzt werden. Den Vorteil der USB-Stick-Installation gibt es nur für Windows, OS X-, iOS- oder Android-Nutzern steht diese nicht zur Verfügung. Alle Details zu den Lizenzen und dem Frühbucher-Angebot findet Ihr bei Diercke (dort ist auch der aktuelle Kaufvorgang erklärt).

Folgende Funktionen bietet die digitale Version des Diercke Weltatlas:

– alle Karten des neuen Diercke Weltatlas in digitaler Form
– komplett durchsuchbar („Vollregister“)
– dynamische Legende
– Karten in Ebenen zerlegbar: individualisierbar und differenzierbar
– ausgewählte Karten in 3D
– Karten im interaktiven Zeitvergleich
– Speichern und Weitergeben von eigenen Karten (mit Zeichnungen und Notizen)
– zahlreiche digitale Werkzeuge für innovative Kartenarbeit
– incl. Zugang zum Diercke-Premium-Bereich (Diercke Globus Online, Diercke Coach)
– Topographische Übungsspiele

Klingt alles ziemlich toll – für moderne Schulen, die nicht meinen, sämtliche digitale Geräte aus den Klassenzimmern zu verbannen, weil sie es nicht mit den Schülern geregelt bekommen. Denn das dürfte das Hauptproblem der digitalen Version sein. Nicht in allen Schulen dürfen Laptops oder Tablets (von Schülern) genutzt werden. Aber vielleicht sind es auch genau solche Programme, die Schulen mal zu einem Umdenken anregen. Träumen darf ja wohl noch erlaubt sein.

Wäre die digitale Atlas-Version an Eurer Schule (oder an der Eurer Kinder) erlaubt? Würdet Ihr diese bevorzugen oder doch lieber zur Papier-Ausgabe greifen? (Danke Daniel!)

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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26 Kommentare

  1. Hans Solo says:

    „zu wenig genutzt“

    kaufen müssen, 2x in 6 Schuljahren verwendet.

  2. FriedeFreudeEierkuchen says:

    Das wird jetzt OT. Du schreibst:
    „moderne Schulen, die nicht meinen, sämtliche digitale Geräte aus den Klassenzimmern zu verbannen, weil sie es nicht mit den Schülern geregelt bekommen“

    Wie stellst du dir eine Regelung vor? Hast du konstruktive Ideen, wie man Medienkonsum und -missbrauch im Unterricht verhindern kann? Hast du dich mit Leuten zusammen gesetzt, um Lösungen zu finden?

    Hast du schon mal erlebt, wie kreativ und subversiv Schüler mit Technik umgehen? Da wird technisch gemobbt, spioniert, gespielt, angegeben oder konsumiert.
    In der letzten Zeit habe ich immer mal wieder Eltern gehört die die Freigabe von elektronischen Geräten im Unterricht fordern. Konkrete, konstruktive Lösungsvorschläge habe ich noch nirgends gesehen. Oft scheint es daran zu liegen, dass sich viele Eltern nicht vorstellen können, welche Dynamik ein ein Haufen netter junger Menschen bekommen kann. Eine Horde Schüler hat speziell in den Hochphasen der Pubertät wenig Empfänglichkeit für Vernunft.

    Auch dein Kind ist in der Schule anders wie zuhause, dafür sorgt alleine schon die Gruppendynamik. Selbst wenn sie zuhause vernünftig auftritt, kann das in der Schule völlig anders sein. Es hat schon gute Gründe, warum viele Schulen die Geräte verbieten oder stark einschränken. Sprech mal privat mit Lehrern darüber. Du wirst ziemlich gruselige Geschichten hören. Und danach vielleicht eher verstehen, warum Schulen private Geräte im Unterricht verbieten.

  3. Bin gerade ein bisschen schockiert, dass man Kindern in der Schule anscheinend auch heute noch beibringt, wie man mit einer gedruckten und als Buch zusammengehefteten Weltkarte umgeht. Was soll das? Wozu?

  4. @Jan Filter: Find ich persönlich sinnvoll. Wir lernten und verstanden damals durch analoges suchen… mit Google merkst du dir einfach nichts mehr freiwillig. Du bist ja durchgehend an der Quelle. Wenn man aber Dinge in Büchern suchen muss und Verknüpfungen bilden muss, sich durch die Einzelnen Rubriken lesen muss, dann bleibt da einfach mehr hängen. Früher wußte man auch mindestens die Rufnummern der ganzen Familie. Frag heute mal nich der eigenen Nummer! 😉
    Ich bin für beide Welten offen, aber etwas offline hat nocht niemanden geschadet.

  5. @Jan Filter – Bücher? Wozu in unserer digitalen Welt. Es gibt keine Tafeln (mit Kreide) mehr (zumindest in unserer Gegend) und es läuft eine weit gediehene Diskussion darüber, den Kindern nicht mehr die Schreibschrift, sondern nur noch Druckschrift zu bei zu bringen. Wer kann denn noch einen Fahrplan lesen und warum? Gibt ja App’s.

  6. @Jan Filter: Da fällt mir gerade eine kleine Studie ein. Jugendlichen wurde für ein paar Tage ihr Smarty weggenommen. Sie mussten sich verabreden wie früher, mit dem Zug wohinfahren, ein günstiges Ticket finden und ein bestimmtes Hotel suchen. Sie waren alle überfordert. Die wenigsten konnten einen Fahrplan richtig lesen und mussten zum DB-Schalter um die Sache zu regeln. Das Hotel haben sie garnicht gefunden. So grundlegende Dinge verlernt man, wenn man sich nur noch auf Technik verlässt.

  7. Atlas über diesen Weg erreichen könnten. Wenn deine Tochter mit dem Tablet erscheint und die App hat, ein anderer Schüler jedoch nicht diese Möglichkeit hat, müsste er ja mit dem Buch erscheinen und es kaufen. Keine Lösung. Anders sieht es aus, wenn man diese Versionen vielleicht auf den PCs im Computerraum installiert oder wenn wie an meiner Schule 20 Tablets für den Unterricht angeschafft wurden. Irgendwas stimmt in letzter Zeit mit der Kommentarfunktion hierhier oder mit SwiftKey nicht(mobil)

  8. @NeNeNe: Da bin ich ganz bei Dir. Was wir seinerzeit intuitiv gelernt haben, nämlich mit Büchern, Fahrplänen und – wichtig! – Kombinationsfähigkeit und Ausprobieren die Welt zu erkunden und verstehen zu lernen, fehlt vielen Kindern heutzutage komplett. Nur noch Apps, Apps, Apps – ohne sind sie völlig hilflos. Klar, ich benutze auch ein Smartphone und ein Tablet, aber ich weiß eben noch, wie’s auch anders geht. Ein bisschen Analoges in unserer voll durchdigitalisierten Welt kann nichts schaden, im Gegenteil. Man strengt die Grütze mehr an und ich finde, der Erkenntnisgewinn ist auch nachhaltiger. Hey, und ich muss mir keine Sorgen machen, dass der Akku vom Buch oder vom Fahrplan leer ist.

    Zum Thema: ich hatte den Diercke Weltatlas damals häufig benutzt in Erdkunde, der war nachher richtig abgenutzt. Vor 15 Jahren habe ich mir auch mal einen neuen gekauft, einfach weil man teilweise besser in Karten blättern kann als mit der Maus durch den Bildschirminhalt zu navigieren. OK, vielleicht bin ich auch hoffnungslos oldschool…

  9. @FriedeFreudeEierkuchen
    Dein Name ist Programm, oder?
    Für das vernünftige Nutzen von digitalen Geräten in Schulen ist natürlich irgendwo ein Anfang nötig, damit die von Dir geschilderten Szenarien eben garnicht erst eintreffen.
    Medienkompetenz zu erlangen ist heutzutage ein unbedingtes Muß, da es keine Option mehr ist, sondern im späteren Berufsleben ein KO-Kriterium ist.
    Was also tun?
    Idealerweise müsste der Umgang mit digitalen Geräten Teil des Schulrahmenplanes sein, in den bestehenden Unterricht integriert werden. Konzepte für die Zukunft auf politischer Ebene sind dringend erforderlich.
    Gerade diejenigen wie du, die an Schulen arbeiten, vor allem wenn Sie sich offensichtlich auch für Technik interessieren oder kompetent sind, sollten den Weg für die Zukunft ebnen und nach Lösungen suchen. Schade, dass hier der Ärger offensichtlich schon so groß ist, daß es dafür schon keinen Raum mehr gibt.

  10. Lernen, Verknüpfungen zu finden oder generell analoges Suchen und meinetwegen auch den Umgang mit gedruckten Büchern kann man ja meinetwegen unterrichten, ich wundere mich ja auch nicht darüber, dass Schulen immer noch mit gedruckten Büchern arbeiten. Aber Atlanten? Das ist einfach extrem praxisfern, das ist doch das Problem. Und schwer und teuer sind sie auch. Und völlig nutzlos. Und „wo was liegt“ lernt man doch eben gerade nicht, wenn man pro Land eine oder zwei Seiten hat, sondern da wäre ein Globus (oder sein digitales Pendant) sehr viel geeigneter.

    Übrigens ist es für das Verständnis von Mathematik normalerweise deutlich sinnvoller, den Umgang mit dem Rechenschieber zu beherrschen als einen digitalen Taschenrechner zu benutzen. Da scheint aber irgendwie niemand hin zurück zu wollen.

  11. Grim Fandango says:

    Generell mag ich eher Bücher als Apps, aber bei Atlanten ist der Umstieg auf Digitales durchaus sinnvoll. In unserer bekloppten Welt kann man sich ja nicht sicher sein, welche Länder es morgen noch gibt. Es wird ja ständig überfallen, annektiert, fusioniert und umbenannt. Wenn ich meinen Kindern meinen alten Diercke zeige (ja, den habe ich noch), dann ist das immer ein großer Spaß.

  12. Die Aktualität ist ein guter Punkt. Ich habe meinen ersten Atlas damals Anfang der 90er gekriegt. Die waren damals schön billig, weil Diercke sie alle halbe Jahr ändern und neu auflegen musste wegen der ganzen Umbrüche damals. Habe dann Zeit meines Schullebens mit einem zwar günstigen aber nicht aktuellen Atlas gearbeitet. Geht natürlich – aber ist das optimal?

  13. Mein Diercke ist im Laufe der Zeit auseinander gefallen. Den gibts nicht mehr in meinem Haushalt. Einen Duden aus der Schulzeit gibts noch. Ist mir ebenso wie der Diercke damals vom ‚Lande Berlin übereignet‘ worden. – Aufgrund der Aktualität ist eine App sicherlich sinnvoll, auch vom Tragen. Ich weiß gar nicht wie oft ich den Atlas nach Ankündigung durch den Lehrer tatsächlich mitnehmen musste und wie oft er dann wirklich verwendet wurde. Finde es aber eigentlich schon ganz schön, wenn die Kinder das mit einem Atlas zumindestens mal üben. Eine App kann ja vielleicht ebenso in den Unterricht eingebaut werden, vielleicht auch für bestimmte Themen vertiefend.

  14. @nenene:
    Und reiten können wir auch nicht mehr, wenn unser Auto mal stehen bleibt!

    Ja, die Verabredungen laufen heutzutage anders, man sagt nicht mehr „um 12:15 am Karstadt am Osteingang“ sondern „gegen 12 in der Stadt, ich ruf dich an“. Ist halt so.

    Technischer Fortschritt verlangt andere Skills, hier z.B. richtig im Internet zu suchen, nicht alles bei Facebook rauszuposaunen etc.

  15. Sascha Ostermaier says:

    @FriedeFreudeEierkuchen: Ich kenne genug gruselige Geschichten von Lehrern. Denen begegne ich meist mit einem müden Lächeln. Fakt ist, dass sich viele – nicht alle! – Lehrer gerne aus der Verantwortung ziehen, wenn es um zeitgemäße Unterrichtsformen geht. Da fallen dann so geistreiche Sätze wie „Wir haben doch schon ein digitales Klassenbuch.“ (welches übrigens einige der Lehrer mangels Interesse nicht raffen). Es wird sich einfach gegen Veränderung gewehrt und gerne auch damit begründet (wie auch hier in manchen Kommentaren), dass es ja sinnvoll sei, ältere Methoden beizubehalten. Kotzen könnte ich jedes Mal, wenn ich so etwas höre. Wenn die Kinder aus der Schule sind, sollen sie sich einen ebenso rückständigen Arbeitgeber suchen, damit sie das, was sie in der Schule gelernt haben, auch anwenden können? Das heutige Schulsystem arbeitet an einer modernen Wirtschaft vorbei. Bis auf ein paar Vorzeigeschulen gibt es so etwas wie modernes Unterrichten nicht. So lange digitale Geräte als Spielerei von Schulen belächelt werden, wird sich da auch nichts ändern. Man sollte halt langsam einmal einsehen, dass es immer digitaler wird, da kann man an Totholz so lange festhalten, wie man will. Und wenn es Probleme mit digitalen Geräten gibt, dann hagelt es halt Verbote oder Strafen, die Ursache wird aber nicht beachtet, die Schüler nicht für einen entsprechenden Umgang erzogen. Das sollen dann ja bitte die Eltern erledigen. Natürlich kann man solche Dinge nicht von jetzt auf gleich umsetzen. Fängt man aber nie damit an, wird sich auch nie etwas ändern.

  16. @sascha
    super Kommentar!

  17. @sascha: Grundsätzlich stimme ich dir zu, dass die Schulen meist einen veralteten Unterricht bieten bzw. teils überholte Inhalte mit teils veralteten Methoden. Was aber die Erziehung angeht sind natürlich auch die Eltern gefragt, den ein Lehrer in der Sekundarstufe I bekommt ja Schüler, die schon ein bestimmtes Medienverhalten bzw. Medienkompetenz haben (oder nicht). Hier muss also sowohl von Seite der Eltern, gerne auch schon in Kita und Grundschule dran gearbeitet werden.
    Und wenn man als Lehrer vor einer Klasse (be-)stehen soll, steht man im Wettbewerb mit allen anderen Aufmerksamkeit anziehenden Faktoren. Wie das mit allerlei aktiver Hardware in Schülerhand und ständiger Kommunikation über diese gelingen soll, konnte mir noch niemand aufzeigen. Trotzdem bin ich dafür, die vorhandenen Geräte der Schüler zu nutzen, nur braucht es auch dafür klare Regeln und eine entsprechende Didaktik für Lehrer.
    Und schließlich muss dann auch mal wieder analog eingeübt werden – nur wer ‚digitale und analoge Kompetenzen‘ drauf hat, ist wirklich fit für die Welt nach der Schule.

  18. @FriedeFreudeEierkuchen: Dein Beitrag zeigt ja auch nicht wirklich die eingeforderte Kreativität, sondern konzentriert sich auf die möglichen negativen Effekte. Ist ja ein Prinzip das wir in DE öfter finden: Solange etwas nicht ausschließlich und garantiert positive Ergebnisse zeigt gehört es verboten. Elektronische Arbeitsmittel werden negiert, weil es ja bisher auch ohne ging. Auf die selbe Weise werden Prototypen einer Notebookklasse torpediert, weil ja nicht garantiert ist, dass alle Notebooks der Kinder absolut leistungsgleich sind. Da ist es dann scheinbar besser, wenn alle Kinder mit den herkömmlichen Mitteln arbeiten müssen, das dann auch garantiert.

  19. @ Sascha:
    „Und wenn es Probleme mit digitalen Geräten gibt, dann hagelt es halt Verbote oder Strafen, die Ursache wird aber nicht beachtet, die Schüler nicht für einen entsprechenden Umgang erzogen. Das sollen dann ja bitte die Eltern erledigen.“

    Verstehe ich dich richtig, dass du meinst, die Schule sei dafür verantwortlich, die Kinder zu einem sinnvollen und verantwortungsvollen Umgang mit ihren digitalen Geräten zu erziehen?
    Das ist nicht dein Ernst, oder?
    Wer wenn nicht die Eltern hat die verd* Pflicht, die Kinder zu erziehen?

  20. Sascha Ostermaier says:

    @Tchooe: Nein, das verstehst Du falsch.

  21. @ Sascha: Magst du mir erklären, was du stattdessen mit dem von mir zitierten Satz aussagen möchtest?

  22. @Sascha: na ja, ich denke, die Diskussion läuft auf mehreren Ebenen. Aber nun alle als doof und rückständig zu bezeichnen finde ich absolut unangemessen

  23. Seel Achs says:

    Ich denke, dass es letztlich darauf hinausläuft, dass die Schulen für den Umgang mit der neuen Technik schon vernünftige Konzepte und Regeln aufstellen müssen. Ein gewisses Maß an Medienkompetenz sollte schon von den Eltern vermittelt werden, aber auch die Schule wird dazu beitragen müssen. Und natürlich ist bei Verwendung von Technik immer das Risiko da, dass was nicht funktionieren kann – also ist bei den Lehrern (mehr) Improvisationstalent gefragt. Also alles etwas, das Zeit erfordert – und die ist bei Lehrern oftmals recht knapp.

    Ich habe mir die Atlas-Software jetzt mal angeguckt (auch ich habe noch einen staubigen Diercke mit der DDR im Regal stehen). Wenn ich mir angucke, was bei meinen Kindern sonst so in der Schule „digital“ unterrichtet wird, dann ist der Atlas ein echter Meilenstein. Bislang gibt’s – wenn es hochkommt – mal ein sogenanntes „digitales Schulbuch“, das dann aber nur einfache 1:1 PDFs vom Schulbuch sind.
    Bleibt zu hoffen, dass sowas wie diese Software mal als Beispiel für andere Bücher herhalten kann und die Schulen/Lehrer dann solche Angebote auch nutzen und zu schätzen lernen. Ohne einen vernünftigen digitalen Anteil am Unterricht werden wir allerdings wahrscheinlich noch in 10 Jahren auf dem Stand von heute sein (der ja auch oft schon der Stand von vor 10 Jahren ist).

  24. FriedeFreudeEierkuchen says:

    @Sascha @zoula @mstuebner: ihr habt mich zwar jetzt alle mehr oder weniger in die Rolle des ewig gestrigen gestellt, aber ich habe von euch keine konkreten Lösungsvorschläge oder Konzepte gehört.
    Zu meinem Background: ich habe als Mediengestalter mehrere Jahre Lernsoftware entwickelt, kenne mehrere (jüngere) Lehrer und habe viel Kontakt zu Jugendlichen. Ich schaue also mit einer gewissen Erfahrung und einiger Auseinandersetzung auf das Thema.
    Hat von euch jemand die Kritik ernsthaft und lösungsorientiert mit der Schule und den Lehrern besprochen? Ich habe eure Beiträge gerade nochmal einen durchaus fortschrittlich denken Lehrerin vorgelegt, die wo es geht auch (eigentlich an der Schule verbotene) Smartphones im Unterricht zu lässt. Ihre Anmerkungen aus der Praxis sind zu lang für den Blog hier. Es würde jetzt total ausufern.
    Kurz zusammengefasst:
    1) Es hat sich immer wieder gezeigt, dass es schwierig ist über verschiedenste Geräteklassen hinweg gleichwertigen Unterricht anzubieten. Das fängt bei den verschiedenen OS-Welten an, geht bei Display- und Speichergrößen weiter etc. Wie willst du Inhalte streamen, wenn nicht alle Geräte ruckelfrei wiedergeben können? Wie soll ein multimedialer Einsatz über verschiedenste Geräte hinweg aussehen? Welche Software soll die Plattform sein? Wer testet das? Wer macht das Troubleshooting im Unterricht?
    2) Es fehlen Konzepte für den pädagoschen Einsatz. Von euch habe ich den Tenor heraus gehört: Computer und Smartphones sind modern, müssen deshalb in den Unterricht. Das ist noch kein Konzept. Was wollt ihr mit den Geräten vermitteln? Wo seht ihr einen Zugewinn zu herkömmlichen und vor allem haptischen Methoden? Es gibt genügend Studien, dass schreiben und notieren am Gerät weniger nachhaltig funktioniert, wie handschriftliche Arbeit. Darüberhinaus verkümmern bereits jetzt viele „analoge“ Fähigkeiten (wurde oben schon angesprochen).
    3) Um Mediendidaktik sinnvoll umzusetzen, braucht es Zeit und das bedeutet der Lehrplan muss an anderen Stellen entschlackt werden. Das ist ein strukturelles Problem der Kultusministerien. So hat z.B. die Verkürzung von G9 auf G8 in keinem Bundesland zu nennenswerten Kürzungen beim Inhalt geführt (habe damals zumindest im Fach Physik beruflich dazu recherchiert). Mit dieser Haltung wird auch keine Zeit frei, um Mediendidaktik einzuüben (ein sehr komplexes Lernfeld).
    4) „Solange etwas nicht ausschließlich und garantiert positive Ergebnisse zeigt gehört es verboten. Elektronische Arbeitsmittel werden negiert, weil es ja bisher auch ohne ging.“
    Weitgehend vorurteilsbehafteter Quatsch. Die letzten ewig gestrigen Lehrer gehen in den nächsten Jahren in Rente. Es gibt aber faktische Probleme mit elektronischen Geräten, die bisher noch nicht gelöst wurden. Und zu deinem ersten Satz: experimentiert wurde mit den Schülern über die Jahre genug. Halbgare und unüberlegte Konzepte braucht niemand mehr.
    5) Aus meiner beruflichen Praxis weiß ich, dass multimediale Entwicklung teuer ist – deutlich teurer wie ein Schulbuch. Diese harte Realität hat mich letztendlich meinen Traumjob gekostet – es kam zu wenig Geld, um davon genügend Entwickler bezahlen zu können. Und wir haben für den größten Schulbuchverlag Deutschlands gearbeitet!
    Ich habe auch gelernt, dass nicht jede mögliche mediale Umsetzung auch wünschenswert ist. Ich habe tolle physikalische Experimente interaktiv programmiert. Nur: ein realer Versuch an Geräten bringt den Kids nachhaltigere Lerneffekte. Wir sind nicht nur Kopfmaschinen, sondern haben auch einen Tastsinn, der evolutionär tief in unseren Lernstrukturen verhaftet ist.
    6) Kinder sind ziemlich schrecklich erfinderisch, wenn es um Mobbing und Quälereien geht. Und auch das bravste Kind lässt sich durch die Gruppendynamik zum Mitmachen hinreisen. Gefilmte Demütigungen, hochgeladene Peinlichkeiten und ähnliches sind ein sehr reales Problem an Schulen und führen mangels Kontrollmöglichkeiten zu Verboten. Selbst mir bekannte sehr vernünftige und reflektierte Kinder haben bei solchen Aktionen schon mitgemacht. Nachher tat es ihnen aufrichtig leid, aber die Dynamik war größer. An vielen Schulen ist genau das der Punkt, wo der Schutz der Schüler vor technischen Experimenten geht. HAbt ihr dafür eine wirkliche Lösung? Dann her damit. Hunderte Lehrer wären begeistert!
    7) Elektronik und Software reißen an vielen Stellen sehr große Lücken in den Schuletat, vor der wachsende personelle Aufwand für IT. Das könnte man natürlich sehr leicht mit viel mehr Geld für die Schulen lösen, aber wer von euch mag dafür höhere Steuern bezahlen?
    Ich kenne eine Schule, die durch Anschaffung von e-Whiteboards kein Geld mehr für dringend benötigte Klassenräume hatte – geschweige denn von Geld für die ganzen Inklusionsaufgaben. Unter dem Strich brachte die Technik also ein didaktisches Minus.
    8) Zur Diercke App: ich habe sie noch nicht gesehen, stelle es mir aber schwierig vor, eine ehemals für DIN A4+ gemachte Karte auf einem winzigen Display darzustellen. Entweder man sieht nur einen groben Überblick oder man zoomt weit rein und verliert den Überblick. So kenne ich den Effekt von meinem Navi und meinen digitalen Kartenwerken für die Tourenplanung. So eine digitale Karte macht für mich auf einem e-Whiteboard oder einem großen Screen viel Sinn. Aber als App für das Smartphone? Selbst ein Tablett sollte mit 10′ scheint mir noch zu klein zu sein.

    Zusammengefassst: das Thema ist zu komplex für Plattitüden und leeres Gemecker. Man bräuchte viel mehr Geld, entschlackte Lehrpläne und Eltern, die Erziehung als eigene gesellschaftliche Verantwortung begreifen und dies nicht an die Schulen outsourcen wollen. Viel potentiell innovative Energie geht an den Schulen für das Troubleshooting und Einüben elementarster Verhaltensweisen drauf. In der Realität bleibt somit kaum Zeit, über vollgestopfte Lehrpläne hinaus neue Wege zu erproben. Blickt man auf die letzten 50 Jahre Schulentwicklung zurück, hat man nicht sehr große Hoffnung auf Änderung. Und erstaunlicherweise sind an vielen Schulen die Eltern ein großer Bremsklotz. Was sie nicht aus ihrer Schulzeit kennen, kann nicht gut sein.

  25. @ FriedeFreudeEierkuchen:
    Vielen Dank für deinen ausführlichen Diskussionsbeitrag!
    Du schreibst mir aus der Seele. Ohne sinnvolles Konzept geht so etwas nämlich gar nicht. Schnellschüsse, die auf einer verkürzten und einseitigen Sichtweise beruhen und die oftmals nach hinten losgehen, braucht kein Mensch.

  26. Gartenzwerg says:

    Mag sein, dass die App durchaus Vorteile hat gegenüber einem Buch. Aber wenn man sein Kind mit einem iPad in die Schule schickt, und die die anderen keins haben, würde es entweder angefeindet oder gehänselt – dann doch lieber als Buch. Und mangelnde Aktualität ist auch nicht schlimm: Unser Lehrer hat uns damals erklärt, aus welcher Zeit die die Atlanten stammen, was nicht mehr stimmt und so eine kleine Geschichtsstunde daraus gemacht, das war auch nicht verkehrt.

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