Enemy Mine: Wie ein Stück Hardware vom Feind zu meinem Freund wurde

11. Juli 2015 Kategorie: Hardware, Privates, Smart Home, geschrieben von:

Gewichtsprobleme. Hatte ich irgendwie schon immer. Ob ich nun damals Fußball spielte oder nicht – ich hatte schon immer mehr auf den Rippen – mal mehr, mal weniger. Veranlagung? Ich weiss es nicht, es ist mir auch völlig egal, da mein Übergewicht keiner Krankheit geschuldet ist. Man ist bequem, ernährt sich vielleicht zudem falsch. Mehr rein als der Körper verbrennt – und irgendwann bekommt man die Quittung für sein Fehlverhalten.

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2005 begann ich hier – damals noch ausschließlich mit privaten Themen – zu bloggen. Ich befand mich 2005 gewichtstechnisch auf dem absteigenden Ast. 2001 bis 2004 arbeitete ich als Technischer Leiter im Beruf des IT-Systemelektronikers bei einem örtlichen PC-Dealer. Sitzender Job, zu viel und ungesundes Essen – da habe ich mal eben in der Zeit mächtig zugelegt, bis ich dann die Notbremse zog.

Ich wechselte den Job und war stehend und laufend unterwegs – den ganzen Tag. Dazu stellte ich meine Ernährung etwas um und vermisste wirklich gar nichts. Die Bewegung im Job glich alle meine Eskapaden aus. Eigentlich klasse – und so schrumpfte ich bis Mitte 2008 auf 95 Kilo, was bei meiner Größe eigentlich immer noch zu viel ist, bezogen auf meine Erscheinung aber genau passend (siehe auch das Bild in meinem privaten Blog). Ich war rund herum mit mir zufrieden, hatte den dicken Menschen abgestreift und schwor mir, nie wieder dort zu landen, wo ich herkam.

Doch das Leben wirft einem auch Knüppel zwischen die Beine und so kam alles anders. Wer es genau wissen möchte, findet in meinem Beitrag zum zehnjährigen Blogjubiläum alle Informationen. Letzten Endes wurde meine Berufung Blogger. Mit dem Platz am Schreibtisch kamen alte Gewohnheiten, die mangelnde Bewegung machte sich bemerkbar. Es gibt immer Leute, die sprechen davon, dass es Dinge wie „Ich habe keine Zeit“ nicht gebe, da man sich immer Zeit nehmen könnte. Witziger Satz, einfach dahingesagt wenn es denn klappt. Ich fand einfach keine Zeit, das Ganze zu kompensieren – und so kamen die Kilos. Ich unternahm viel – vor allem viel halbherzig.

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Wenn man nicht krankhaft dick ist – oder die Seele nicht krank ist, dann ist man einfach selber Schuld. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Versuche, wieder eine ansehnliche Silhouette zu bekommen, waren zahlreich – die Erfolge nicht der Rede wert. Ganz im Gegenteil – durch das Brechen meiner eigenen Vorsätze, das Ignorieren meiner eigenen Erfolgsrezepte wurde ich immer fetter. Nein, kein Jojo-Effekt, so etwas kenne ich nicht – ich nahm halt langsam immer mehr zu und ignorierte es. Und mich. Dann packt man die kleineren Klamotten halt weg und kauft sich größere.

Im März 2010 hatte ich dann schon wieder 15 Kilo mehr als die besagten 95 drauf. Hier kommt nun die Withings Online-Waage ins Spiel. Die bekam ich damals – und vor fünf Jahren gab es halt noch nicht so den Markt für Fitness-Geschichten und die ganzen Tracker. Und so trackt diese Waage seit 64 Monaten ohne Tadel mein Gewicht. Und hier muss man mal wieder viele Schwätzer auf den Boden der Tatsachen holen: Menschen sind verschieden. Alle. Es gibt Dampfplauderer, die behaupten, dass Fitness-Tracker helfen. Und es gibt welche, die sagen: bringt alles nichts. Beide haben Unrecht. Und beide haben Recht.

Es muss einfach passen. Der Mensch, der viel läuft, der kann dies ohne Tracker machen, logo. Aber es gibt welche, die laufen mit Tracker und erfreuen sich an Erfolgen. Beides geht, beide Menschen machen es richtig – so wie sie wollen. Mir half die Waage nicht, auf mein Gewicht zu achten. Kein bisschen. Unheilvoll verkündete sie mir bei jeder Messung lediglich, dass ich fetter werde.

Hier hat man nun mehrere Optionen. Man tut etwas dagegen und feiert Erfolge. Man sucht die Schuld überall – nur nicht bei sich selbst. Oder man ignoriert den Spaß und verfällt in eine Lethargie. Doch das ist nicht gut, lediglich ein unheilvoller Bote dessen, was noch kommen wird. Denn nach dem seelischen Schmerz folgt der körperliche.

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Man ist kurzatmig – und dies ist leider nur ein Anzeichen, welches man merkt. Man tut seinem Körper keinen Gefallen, das weiss man. Man spürt es leider zu wenig. Dennoch – so ein Körper und eine Seele können was ab – und so schleppte ich Mehrgewicht herum und legte noch eine Schüppe Kilos drauf. Passiert einfach so, wenn man Gewohnheiten nicht ablegt. Und mal eine Woche Schmalhans Küchenmeister walten lassen entschädigt halt nicht für Monate und Jahre des Nichtstuns.

Ich wurde Papa – und schon da änderte sich einiges in mir. Man trägt mehr Sorge in sich. Nicht nur für den kleinen Menschen da – sondern man beginnt, sich Sorgen um sich zu machen. Soll Papa schon außer Atem sein, wenn er zwei Minuten mit dem Kind getobt hat? Oder einfach mal mit 40 den Arsch zukneifen, weil der Körper das Ganze nicht verträgt?

Dazu gesellten sich dann die vermehrten Fotos, die man so macht. Kennen junge Eltern sicherlich. Auf den Fotos ist man dann auch selber – und man denkt sich „Boah – was sehe ich auf den Bildern fett aus“. Doch das ist die falsche Denke. Man sieht nicht auf Bildern fett aus – man ist fett. Aber – das sagt einem natürlich keiner. Maximal in einem Nebensatz, teils scherzhaft. Letzten Endes weiss man es selber. Und so wurde die Waage vom Feind zum Freund. Ich sah die steigende Kurve – und im Gegensatz zum echten Leben ist die Waage umgedreht – der Weg hoch einfach – der Abstieg schwer.

Die Withings Waage wurde in Sachen Interface in den Jahren immer besser, die dazugehörige App trotz schlechter Nachrichten mein Begleiter auf Android und iOS. Sie sollte im Mittelpunkt meiner Bemühungen stehen. Enemy Mine – geliebter Feind.

Nach meinem Dänemark-Trip im Februar sollte es losgehen. Und es ging los. Gefühlt verzichte ich auf nichts. Ich ernähre mich seit Monaten wieder anders, Obst und Salate (mit frischem Parmesan und Hühnchenstreifen) stehen mehrmals in der Woche auf meinem Programm. Was mir früher half, hilft mir auch heute wieder. Ich verzichte weitestgehend auf Fleisch – was man kaum glauben kann, wenn man mir auf Instagram folgt.

Aber ich konsumiere es einfach anders. Fette Wurst und so? Eigentlich gar nicht mehr. Gehe ich an den Grill, dann grille ich mir nicht – wie früher – Unmengen irgendeines Fleisches, sondern esse lieber ein großes und ordentliches Stück Fleisch vom Schlachter meines Vertrauens. Es ist schon ein Unterschied, ob man wässrige Lappen des Discounters nimmt, oder eben ein Stück gutes Fleisch (nein, natürlich gibt es auch gutes Fleisch beim Disconter, aber auch viel Mist).

Ich schmecke mehr. Ich genieße mehr. Ich lernte wieder, die Mahlzeit vor mir wertzuschätzen. Und das ist nicht nur auf Fleisch bezogen, sondern auch auf den gemischten Salat oder eben mein Obst. Die gefährlichen Zwischendurch-Snacks habe ich abgeschafft. Die, die man eben nebenher isst – Bildschirmarbeiter kennen das vielleicht. Man isst bei der Arbeit oder beim Zocken am Computer etwas – doch der Körper registriert das gar nicht. Es stellt sich keine Sättigung großartig ein – und obwohl der Blutzuckerspiegel eigentlich etwas anderes suggerieren sollte – er macht es einfach nicht.

Nun ja – und so lebe ich einfach seit ein paar Monaten wieder anders. Ich verzichte auf nichts und leide auch keinen Hunger. Und wenn ich am Wochenende Bock habe, dann gibt es halt Pizza und Bier. Das merkt man dann auch auf der Waage – man nimmt aber nicht wirklich zu, wenn man sich belohnt – man nimmt einfach langsamer ab, wenn man konsequent ist. 20 Kilo habe ich seitdem abgenommen, das ist heute quasi das Gewicht, welches ich im Juli 2010 hatte – also vor round about fünf Jahren.

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5,5 Kilo davon entfernt, mein Einstiegsgewicht auf der Withings Waage zu unterbieten, als ich diese im März 2010 betrat. Das ist natürlich ein schickes Gefühl und auch der Körper bedankt sich merklich. Die Kurzatmigkeit verfliegt und man packt große Klamotten weg und holt Eingemottetes wieder aus der Kiste. Nie freute ich mich mehr, alte Klamotten anziehen zu dürfen. Doch letzten Endes ist es für mich noch ein weiter Weg, denn über kurz oder lang müssen noch 20 Kilo Ballast weichen – dann bin ich da, wo ich vor sieben Jahren war und eigentlich gar nicht weg wollte.

Die Withings Waage? Die hilft mir wirklich. Mittlerweile gibt es neue Modelle und auch zahlreiche andere Hersteller haben bereits ähnliche Lösungen auf dem Markt. Ich bin sehr zufrieden und würde wahrscheinlich jederzeit wieder zu einem dieser Geräte greifen. Dennoch ist das natürlich kein Heilmittel. Doch die Waage hilft mir persönlich. Sie nimmt mir das Tracking ab – und das mag ich als Statistik-Freak.

Aber: ich wurde viele Male auf mein persönliches Blog angesprochen, wie ich denn die Visualisierung des Gewichtes hinbekomme. Dazu braucht ihr eigentlich keine Hightech-Waage mit Internet-Anbindung wie die meine. Es gibt unzählige Apps, die eure Ergebnisse tracken und visualisieren können. Nichtraucher haben auch kein Gadget um ihre Erfolge zu tracken, auch das Gewicht kann von Hand eingegeben werden – und so langt eigentlich auch Omas Waage (die mit dem grünen Fellbezug!!!), um euch zu kontrollieren – sofern ihr dies den wollt.

Was ich letzten Endes damit sagen will: in meinem Leben spielt Technik eine große Rolle, seit fünf Jahren gehört da kurioserweise eine vernetzte Waage zu – wer hätte das gedacht? Sie reiht sich tatsächlich in eine ganz kleine Hardware-Range ein, die ich über diesen langen Zeitraum auch nutzte. Lediglich meine Teufel Motiv 2 als Beschaller in meinem Arbeitszimmer sind länger dabei – und die Sonos-Lautsprecher und ein Synology NAS sind ebenfalls auf dem Wege dorthin.

Lasst euch nicht von irgendeinem erzählen, dass ihr ein Gadget zum Lifetracking zwingend benötigt. Pauschal ist diese Aussage natürlich Blödsinn. Wenn ihr allerdings etwas ausprobiert und es bringt euch irgendetwas – dann nutzt es. Und selbst wenn es euch nur – wie in meinem Fall – das Protokollieren irgendwelcher Zahlen abnimmt. Und wenn ihr ein Stück Technik habt, welches euch im Leben hilft (obwohl ihr das niemals dachtet) – dann lasst ruhig einmal hören.

In diesem Sinne: allen Lesern ein schönes Wochenende – lebt, genießt – und vergesst bei allen Widrigkeiten euch und eure Lieben nicht.


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Über den Autor:

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. Persönliches Blog. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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