Amnesty International kritisiert fehlenden Datenschutz in Messaging-Apps

21. Oktober 2016 Kategorie: Backup & Security, Mobile, Social Network, Software & Co, geschrieben von: André Westphal

amnesty-internationalAmnesty International hat einen Report namens „For Your Eyes Only?“ veröffentlicht, in welchem sich die Non-Profit-Organisation elf Tech-Unternehmen und deren Umgang mit Datenschutz sowie Privatsphäre zur Brust genommen hat. Einen großen Schwerpunkt haben dabei Messenger und soziale Netzwerke wie Facebook, Skype aber auch Snapchat gebildet. Die Ergebnisse werden schon jetzt kontrovers diskutiert, denn es gibt einige Überraschungen. So hat Amnesty International etwa Facebooks Messenger-Apps (Facebook Messenger, WhatsApp) mit 73 / 100 Punkten als am besten bewertet.

Auf Platz 2 findet sich dann Apple mit seinen Anwendungen FaceTime und iMessage sowie 67 /100 Punkten. Die dritte Position belegt Telegram mit ebenfalls 67 /100 Punkten. Die Top 5 werden abgerundet durch Google mit Allo, Duo, Hangouts und 53 / 100 Punkten sowie Line mit 47 / 100 Punkten. Amnesty International hat dabei fünf wesentliche Fragen als Grundlagen genommen:

1. Erkennt die jeweilige Firma Online-Bedrohungen auf die Meinungsfreiheit und Bedrohungen der Privatsphäre als Gefahren für seine User und arbeitet sie in seine Richtlinien ein?

2. Nutzt der Anbieter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als Standardeinstellung?

3. Weist das Unternehmen seine Nutzer auf Bedrohungen der Privatsphäre und der Meinungsfreiheit hin und wie geht das Unternehmen mit Verschlüsselung allgemein um?

4. Gibt der Anbieter Details zu staatlichen Anfragen zur Herausgabe von Daten öffentlich und transparent für alle preis?

5. Veröffentlicht das Unternehmen technische Details zu seiner Art der Verschlüsselung?

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Amnesty International gibt dabei zu Protokoll, dass man dennoch keinen der Messenger empfehlen wolle und auch keine Urteile zur Sicherheit der Plattformen insgesamt abgeben könne. Es sei in der Untersuchung vorwiegend um die Bedeutung von Meinungsfreiheit und Privatsphäre gegangen, welche die Unternehmen durchschimmern ließen.

Zudem wolle man auf Probleme bei Anbietern wie BlackBerry und dem BlackBerry Messenger aufmerksam machen, die etwa auf Anfragen von Amnesty International gar nicht geantwortet hatten. Außerdem gebe es Versäumnisse bei beispielsweise Telegram, welche zwar im Telegram Messenger Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anböten – jene aber im Gegensatz zu WhatsApp nicht als Standard aktivierten.

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Auch Microsoft wird von Amnesty International kritisiert: Jene nutzten eine schwache Verschlüsselung bei Skype. Bei Snapchat heißt es, dass der Anbieter sich zwar auf dem Papier für Privatsphäre stark mache, aber in der Praxis kaum Maßnahmen ergreife, um Nutzerdaten abzusichern und auch kaum Informationspolitik betreibe.

Facebook sei hingegen am transparentesten und weise Nutzer auch regelmäßig auf neue Bedrohungen und allgemeine Entwicklungen zum Datenschutz hin. Das ist natürlich irgendwo ein wenig ironisch, bedenkt man Facebooks aktuelle Auseinandersetzungen mit deutschen Datenschützern. Facebooks eigener Messenger wird dabei etwas schlechter bewertet als WhatsApp.

Pavel Durov von Telegram hat sich übrigens direkt über den Report aufgeregt und Amnesty International Stimmungsmache unterstellt. Falls ihr Interesse habt, findet ihr das komplette, englischsprachige PDF hier. Eine kurze Zusammenfassung gibt es ansonsten auch nochmals bei Amnesty International.



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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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