Spieß umgedreht: Facebook geht gegen Stopp der Datenweitergabe von WhatsApp vor

20. Oktober 2016 Kategorie: Android, iOS, Mobile, Social Network, geschrieben von: Sascha Ostermaier

whatsapp artikel logoIm August änderte WhatsApp seine AGB, Daten dürfen von WhatsApp automatisch durch das Akzeptieren der AGB auch an Facebook weitergegeben werden. Es gab einen Aufschrei der Datenschützer, der Facebook allerdings wenig beeindruckte. Bis zum 27.September, da gab es dann nämlich eine Verwaltungsanordnung vom Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, die WhatsApp den Austausch von Daten mit Facebook untersagt. Daran hält sich WhatsApp / Facebook auch. Allerdings hat Facebook beim Verwaltungsgericht Hamburg nun einen Antrag auf Aussetzung der sofortigen Vollziehbarkeit der Verwaltungsanordnung gestellt, wie der Hamburgische Datenschutzbeauftragte gegenüber heise online erklärt.

Betroffen sind in Deutschland immerhin rund 35 Millionen Nutzer, deren Privatsphäre durch diese Datenweitergabe in Gefahr ist. Facebook sieht dies natürlich anders und stellt in dem 81-seitigen Eilantrag fest, dass sich deutsches Recht – trotz eines entsprechenden Urteils des Europäischen Gerichtshofes – hier nicht auf den Datentransfer anwenden lässt. Facebook möchte logischerweise die Vorteile der Übernahme zu Gunsten anderer Facebook-Dienste umsetzen.

Zu erwähnen ist hier noch, dass Facebook damals WhatsApp nur unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen durfte, dazu gehörte auch die Trennung der Daten von Facebook und WhatsApp. Deutschland ist übrigens nicht das einzige Land, in dem WhatsApp und Facebook Ärger mit den Datenschutzbehörden haben. Auch in den USA, Indien, Großbritannien, Spanien und Italien wurden bereits Schritte gegen den Datentransfer eingeleitet.

Wenn man versteht, wohin sich Technologien entwickeln, kann man Facebook schon ein bisschen verstehen. Es ist halt eine Gratwanderung, gerade Dienste, die persönlich auf den einzelnen Nutzer zugeschnitten sind, können nur funktionieren, wenn die Systeme so viele Daten wie möglich von jedem einzelnen Nutzer haben. Ob diese Dienste allerdings so toll sind, dass man dafür seine Privatsphäre aufgeben müsste? Das Problem hätte sich recht einfach vermeiden lassen, wenn man einfach ein Opt-In-Verfahren genutzt hätte. Dann müsste der Nutzer erst einmal aktiv werden, um die Daten weitergeben zu lassen. Es ist verständlich, dass dies nicht jeder möchte und auch das gute Recht des Einzelnen, einen Dienst einfach nicht mehr zu nutzen. Aber dann fühlt man sich ja gleich ausgeschlossen. Geht also auch wieder nicht.



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Über den Autor: Sascha Ostermaier

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