Spieß umgedreht: Facebook geht gegen Stopp der Datenweitergabe von WhatsApp vor

whatsapp artikel logoIm August änderte WhatsApp seine AGB, Daten dürfen von WhatsApp automatisch durch das Akzeptieren der AGB auch an Facebook weitergegeben werden. Es gab einen Aufschrei der Datenschützer, der Facebook allerdings wenig beeindruckte. Bis zum 27.September, da gab es dann nämlich eine Verwaltungsanordnung vom Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, die WhatsApp den Austausch von Daten mit Facebook untersagt. Daran hält sich WhatsApp / Facebook auch. Allerdings hat Facebook beim Verwaltungsgericht Hamburg nun einen Antrag auf Aussetzung der sofortigen Vollziehbarkeit der Verwaltungsanordnung gestellt, wie der Hamburgische Datenschutzbeauftragte gegenüber heise online erklärt.

Betroffen sind in Deutschland immerhin rund 35 Millionen Nutzer, deren Privatsphäre durch diese Datenweitergabe in Gefahr ist. Facebook sieht dies natürlich anders und stellt in dem 81-seitigen Eilantrag fest, dass sich deutsches Recht – trotz eines entsprechenden Urteils des Europäischen Gerichtshofes – hier nicht auf den Datentransfer anwenden lässt. Facebook möchte logischerweise die Vorteile der Übernahme zu Gunsten anderer Facebook-Dienste umsetzen.

Zu erwähnen ist hier noch, dass Facebook damals WhatsApp nur unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen durfte, dazu gehörte auch die Trennung der Daten von Facebook und WhatsApp. Deutschland ist übrigens nicht das einzige Land, in dem WhatsApp und Facebook Ärger mit den Datenschutzbehörden haben. Auch in den USA, Indien, Großbritannien, Spanien und Italien wurden bereits Schritte gegen den Datentransfer eingeleitet.

Wenn man versteht, wohin sich Technologien entwickeln, kann man Facebook schon ein bisschen verstehen. Es ist halt eine Gratwanderung, gerade Dienste, die persönlich auf den einzelnen Nutzer zugeschnitten sind, können nur funktionieren, wenn die Systeme so viele Daten wie möglich von jedem einzelnen Nutzer haben. Ob diese Dienste allerdings so toll sind, dass man dafür seine Privatsphäre aufgeben müsste? Das Problem hätte sich recht einfach vermeiden lassen, wenn man einfach ein Opt-In-Verfahren genutzt hätte. Dann müsste der Nutzer erst einmal aktiv werden, um die Daten weitergeben zu lassen. Es ist verständlich, dass dies nicht jeder möchte und auch das gute Recht des Einzelnen, einen Dienst einfach nicht mehr zu nutzen. Aber dann fühlt man sich ja gleich ausgeschlossen. Geht also auch wieder nicht.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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21 Kommentare

  1. Badischer Revoluzzet says:

    Dann hoffe ich mal als Nicht-Facebook-Nutzer, bzw. Nicht-Whatsapp-Nutzer, dass das Gericht die Weitergabe meiner Daten untersagt.

  2. Karl Kurzschluss says:

    Soziale Netzwerke funktionieren tatsächlich nur, wenn alle Beteiligten dazu bereit sind, möglichst viele Informationen über sich zu veröffentlichen. Mit ist schleierhaft, warum Manche irgendwie nicht verstehen, daß Geheimniskrämerei nicht Sinn und Zweck eines solchen Netzwerkes sind. Ich grinse immer nur wenn ich sehe, wie Manche ihre Namen verstümmeln oder alle möglichen Versuche starten, um möglichst unerkannt zu bleiben. Was bitte wollen die bei Facebook & Co.? Oder die ständigen Wichtigtuer, die den „Facebook-AGBs“ widersprechen. Sind die ein wenig dämlich? Vermutlich ist das so. Nochmal: Wer bei dem Spiel nicht mitspielen will, der soll halt draussen bleiben. Es ist so einfach.

  3. @Karl Kurzschluss tja deshalb hat man keinen Facebook Account und möchte nichts damit zu tun haben. Durch den Aufkauf bin ich nun aber doch irgendwie den ihr Kunde geowrden. Dazu kommen noch die ganzen Unbeschwerten, die ihrer Freunde verkauft haben, indem sie ihr Adressbuch hochgeladen oder Gesichter getagged haben. Es kann ja sein, dass dir das alles völlig egal ist aber sieh dich bitte dann nicht als Referenz.

  4. @Karl: die meisten waren schon im Spiel (sprich Whatsapp-Nutzer), bevor die Spielregeln geändert wurden (sprich WA von Facebook gekauft wurde). Nun wird halt der Schiedrichter gefordert. Oder forderst du ein Spiel ohne Schiedrichter?

  5. @Karl Kurzschluss: „…möglichst viele Informationen über SICH zu veröffentlichen…“ Das ist ok, aber wenn informationen über DRITTE gleich mit veröffentlicht werden, dann ist das nicht ok. Ich blocke Werbung, indem ich meine Handynummer nicht allgemein veröffentliche, aber durch die Hintertür macht das dann Facebook?

  6. Karl Kurzschluss hat hier etwas ganz gravierend falsch verstanden. Hier geht es maßgeblich um Whatsapp und nicht um Facebook.
    Whatsapp ist kein soziales Netzwerk, möchte jetzt aber trotzdem Daten inklusive des ganzen Adressbuches an Facebook weitergeben. Ob da jetzt Namen/User vorhanden sind, die weder Facebook oder Whatsapp nutzen spielt dabei keine Rolle. Die Daten werden trotzdem weitergeben, alles mit dem abnicken der AGB’s.
    Lehnt man diese ab, wird man einfach ausgeschlossen.
    Die Personen, die du in deinem Adressbuch hast und deren Namen einfach weiter gegeben werden, können sich dagegen nicht wehren und dich macht das im Grunde zu einem Straftäter, da du gegen Datenschutzgesetze verstösst.
    Whatsapp und Facebook scheint das aber völlig wurscht zu sein.
    Sollte jeder wissen, was er macht…. 😉

  7. @Karl Kurzschluss, ist das dien Name? Wenn nicht hast du beim schreiben gegrinst oder gilt das nur für die Anderen? Zitat: „Ich grinse immer nur wenn ich sehe, wie Manche ihre Namen verstümmeln…“ 😉

  8. Karl Kurzschluss says:

    @werner67 Du bist tatsächlich jemals schon mal auf dem Smartphone von einem Werbeanruf belästigt worden? Wie geht denn das? Ich bin seit Jahren bei WhatsApp und Facebook, meine Nummer ist dort bekannt. Anrufe von Werbefritzen habe ich noch nie erhalten.

  9. Bei aller berechtigter Kritik, aber wer meint, die betreiben einen Dienst für 1 Mrd. User aus reiner Wohltätigkeit, hat etwas ganz grundlegendes an unserem Wirtschaftssystem nicht verstanden. Die Übernahme durch facebook ist auch nichts wirklich neues. Wem das Geschäftsgebaren nicht passt, kann sich jederzeit abmelden.

  10. @zavov: Richtig! Gut, dass du alles im Griff hast. Warum brauchen wir eigentlich Kartellbehörden und Gesetze? Kostet doch nur Geld. Kann doch jeder aufhören, die Dienste des (Quasi-)Monopolisten nachzufragen. Weg also mit den Bedenkenträgern ggü. großen Monopolisten. Lasst den Markt in Ruhe und den Stärkeren ihre Opfer.

  11. @AO Stimmt, ich hatte ganz vergessen, dass wir in einer Vollkaskogesellschaft leben, in der das eigene Mitdenken nicht mehr angesagt ist.

  12. An den Autoren: Wo wird hier ein Spieß umgedreht? Will Facebook den Datenschützern das Veröffentlichen von Daten untersagen lassen?

  13. @karl Kurzschluss
    Erstens geht es primär um den Daten- und Persönlichkeitsschutz bei Messenger – und der ist scheinbar nahezu überall Thema, nur bei WA eben nicht.
    Und zweitens lassen sich sehr wohl ’soziale Netzwerke‘ erfolgreich betreiben (XING und JAPPY nur beispielhaft genannt), ohne den Daten- und Persönlichkeitsschutz unentwegt mit Füßen zu treten, wie es eben emsigst FB macht.

    Und nicht zu vergessen: Die Gebahren der Zuckerberg’chen Datenkrake geht jeden an! Man ist direkt betroffen, ohne je selbst mit FB&WA& INSTA gehändelt zu haben!
    Und das darf und kann nicht sein!

  14. @ Sascha: wenn Mitmenschen wie Karl K. die Zusammenhänge nicht verstanden haben, ist das eine Sache … aber von jemandem, der mit an einem Blog schreibt, sollte man dies schon verlangen können …

    Zitat: „Ob diese Dienste allerdings so toll sind, dass man dafür seine Privatsphäre aufgeben müsste?“

    Darum geht es hier doch überhaupt nicht, es geht nicht um die eigene Privatsphäre! Die Unverschämtheit ist, dass persönliche Daten von unbeteiligten Dritten, die mit WA / FB nichts am Hut haben, auf deren Server übertragen und verknüpft werden, ohne dass sie sich oder der Nutzer von WA / FB dagegen wehren könnten.

    Es wäre schon hilfreich für das Verständnis, wenn diese Zusammenhänge auch von den Autoren des Blogs richtig und vollständig dagestellt werden würden. Danke!

  15. Wer prüft eigentlich nach, dass tatsächlich alle (persönlichen) Daten bei WhatsApp bleiben und nicht zu Facebook wandern? Das kann „aus versehen“ doch mal passieren oder nicht! Also das ist mir zu undurchsichtig, daher bin ich leider raus und bleibe bei Threema. 😀

  16. Dann hoffe ich das Facebook mit seinem formellen Protest auf die Nase fliegt. Auf der Welt gibt es in vielen Ländern Gesetze an die sich auch ein Social Network halten muss. Facebook und WA sind nicht Gott und werden/sollen es auch nie werden. Wer nur Daten scheffeln will um Umsatz u. Gewinn zu generieren bekommt eins aufs M***.

  17. Eduard Schneeden says:

    Was alles rauskommt, wenn man Handy-Nummer miteinander verknüpft, musste Max Schrems („Facebook-Rebel“) selber am eigenen Leibe erfahren:

    https://www.youtube.com/watch?v=QA0Kj-efq70

    35 Min. Youtube die es wert sind, angesehen zu werden!

  18. @Eduard Schneeden: Was kommt denn dabei raus? Was hat der Rebell denn am eigenen Leibe erfahren müssen? Jedenfalls nichts, was wirklich dramatisch wäre, zumindest geht das aus den „35 Min. Youtube die es wert sind, angesehen zu werden“ nicht hervor.

  19. Das Hauptproblem ist hier aber eigentlich, ob BDSG anwendbar ist und damit der Hamburger Datenschützer überhaupt zuständig ist.
    Die Frage nach der „datenverarbeitenden Stelle“ muss geklärt werden.
    Wenn das passiert ist, kann man sich Gedanken über den § 28 BDSG machen. Ich finde das unbefriedigend, ist aber leider so.
    Vielleicht wird dann aber zukünftig pro BDSG entschieden und wir wären damit einen Schritt weiter.
    Im Moment bedeutet das eigentlich nur, wenn alles schief geht, bleibt Caspar mal wieder auf seiner Rechtsauffassung sitzen. 🙁

  20. @: Karl Kurzschluss:
    Andere haben es ja schon angesprochen, aber nochmal:
    Was du bei WhatsApp und/oder Facebook an Daten preis gibst ist deine Sache.
    Aber ich als Nicht-Nutzer von WhatsApp UND Facebook bin eben auch in der Datenbank von WhatsApp und (jetz auch) von Facebook.
    Warum? Weil WhatsApp-Nutzer der Nutzung des GESAMTEN Telefonbuchs/Kontakte ihres Smartphones zustimmen, ganz egal ob diese selbst WhatsApp nutzen oder nicht.
    Und mir passt es eben nicht, daß ich als Nicht-Nutzer weder gefragt wurde (von den WA-Nutzern die meine Nummer haben) noch dieses untersagen/rückgängig machen kann.
    Wer hat dir das erlaubt? Oder hast du wirklich alle Nicht-Nutzer gefragt ob sie einverstanden sind?

    Ach übrigens: Ich bekam vor einiger Zeit (noch bevor die neuen Datennutzungsbestimmungen zur Weitergabe der Daten an FB gültig wurden) eine SMS von WhatsApp, ob ich nicht deren Daten nutzen wollte.
    Absender der SMS war (angeblich) mein Neffe. Ich fand es aber gleich merkwürdig das der Name meines Neffen nur in Großbuchstaben angezeigt wurde, in meine Kontakten aber mit Groß/Kleinschreibung gespeichert ist (so wird er auch angezeigt, wenn mein Neffe mir wirklich eine SMS schickt). Mein Neffe hat mir aber versichert, das er die SMS nicht geschickt hat oder irgendein Bonus oder ähnliches erhalten hat (für das vermitteln/werben oder ähnliches) von WhatsApp. Es war auch nicht sein Schreibstil (wir schreiben uns immer im hiesigen Dialekt) und eben nur die Anfrage zur Nutzung und einen Link zur WA-Seite.
    Damit dürfte doch ziemlich klar sein, warum WA ALLE Kontakte haben/nutzen möchte.

  21. Es ist doch ganz einfach. Facebook wurde bei der Übernahme WhatsApps, von den europäischen Kartellbehörden untersagt die Kundendaten zu verknüpfen. Dieses Verknüpfung ist geschehen, somit ist der Kauf nicht mehr rechtskräftig.
    WhatsApp darf in Europa nicht mehr angeboten werden!

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