Vault 7: Wikileaks öffnet die Spionage-Grabbelkiste der CIA

Ein paar Jahre nach den NSA-Enthüllungen von Edward Snowden geht es dem nächsten Geheimdienst enthüllungstechnisch an den Kragen. Wikileaks veröffentlichte heute den ersten Teil von „Vault 7“, so wurde das bisher größte Archiv vertraulicher Dokumente der Behörde getauft. Eigentlich sollten diese Enthüllungen keinen mehr groß überraschen. Interessant sind sie dennoch, wollen sie doch beispielsweise belegen, dass jegliche Smartphones abgehört werden können oder Smart TVs zum Mikrofon umgewandelt werden. Zu diesem Zweck wurde reichlich Malware entwickelt, das Ganze scheint aber außer Kontrolle geraten zu sein.

Der erste Schwung des Leaks umfasst bereits 8671 Dokumente und Dateien aus einem isolierten Netzwerk der CIA. Außer Kontrolle geraten bedeutet in diesem Fall, dass die Malware und die Hacking-Tools nicht mehr nur im Besitz der CIA sind. Ich möchte gar nicht ins Detail gehen, das würde ja gar kein Ende nehmen.

Aber man sollte sich einmal mehr bewusst machen, dass staatliche Behörden durchaus in der Lage sind, Dinge zu bewerkstelligen, die einem Anwender vielleicht nicht so gefallen. So sollen zum Beispiel auch die Verschlüsselungen von WhatsApp, Telegram und den von Kommentatoren immer wieder als Vorzeige-Sicherheits-Messenger gelobpreisten Signal für die CIA kein Problem darstellen, da die Daten bereits abgegriffen werden, bevor sie verschlüsselt sind.

Windows, iOS, Android, Linux, macOS? Angeblich keine Hürde für die CIA, die das Ganze weltweit einsetzt, um die Informationen zu erhalten, die man möchte. Anti-Viren-Programme? Viele angreifbar. Schon die Pressemitteilung von Wikileaks lässt einen nur noch mit dem Kopf schütteln, da muss man nicht einmal einen Blick in die veröffentlichten Dokumente werfen.

Was besonders sauer aufstößt sind dann allerdings Details wie das Sammeln von „Zero Day“-Lücken, die dann natürlich auch ausgenutzt werden. Nach den Snowden-Leaks wurde zwischen der damaligen Regierung und den Geheimdiensten ein Abkommen getroffen, dass gefundene Lücken an die Unternehmen weitergegeben werden. Denn wenn die Lücke einer findet, kann sie jeder finden, so werden alle Nutzer der Gefahr ausgesetzt, angegriffen zu werden, auch wenn sie vielleicht nicht auf dem Schirm der CIA sind.

Aber wie gesagt, ins Detail möchte ich gar nicht gehen. Wer sich für die „Vault 7“-Enthüllungen interessiert, wird bei Wikileaks fündig, lest das aber besser zu einem Zeitpunkt, zu dem Ihr eh schon schlechte Laune habt, besser wird sie dadurch garantiert nicht.

Was ich mich bei solchen Veröffentlichungen immer nur frage: Wenn die Geheimdienste tatsächlich so toll alles abhören können, warum es dann so viele Ereignisse gibt, die ach so überraschend kommen. Liegt es an den gesammelten Datenmengen, die nicht rechtzeitig ausgewertet werden? Liegt es am Desinteresse der Regierung an den eigenen Bürgern? Sind die Behörden vielleicht doch nicht so gut aufgestellt, wie uns die Leaks glauben machen wollen?

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Sascha Ostermaier

*Mitglied der Redaktion 2013 bis 2019* Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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38 Kommentare

  1. …wer mal sehen mag, was für groteske Prävention durch Datenabgleiche betrieben wird, wird übrigens hier fündig: https://play.google.com/store/movies/details?id=AeVhBn0LB9Q – schon Straßentheater in London war ein Haftgrund zur Hochzeit von William & Kate.

  2. „Was ich mich bei solchen Veröffentlichungen immer nur frage: Wenn die Geheimdienste tatsächlich so toll alles abhören können, warum es dann so viele Ereignisse gibt, die ach so überraschend kommen. “

    Für die Beantwortung der Frage müssten alle hier einen Aluhut aufhaben; Da das aber nicht gewährleistet ist überlasse ich die Antwort jedem selbst 😉

  3. Wow Leute, selbst auf Golem gibt dazu es treffende und lesenswertere Kommentare als hier. Und das will schon echt was heißen.

    Und @Sascha
    „Und ja, ich lache gerne über die Aluhut-Fraktion, auch zwei Jahre später noch. Und vermutlich auch noch in weiteren zwei Jahren. Vielleicht verstummt mein Lachen mal, wenn ich hier aufgrund eines solchen Spionage-Falls zuhause abgeholt werde.“

    Ich kann dir nur wünschen, mal etwas derartiges zu erleben, aber mangels politischem Interesse und den dazugehörigen öffentlichen Äußerungen wirst du da wohl nicht besonders qualifiziert zu sein.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Andrej_Holm#Politik

  4. @Tom

    Andrej Holm gehört auf Grund seiner Stasi und SED Vergangenheit weder in politische noch sonstige öffentliche Ämter.

    Oder willst Du ernsthaft gerade den Diskurs um die Entlassung eines Stasi-Spitzels, der seine Vergangenheit bei der Einstellung vertuscht hat, als Argument für das Fehlverhalten heutiger Behörden anführen? Absurd.

  5. Es geht mir doch nicht um seine Kündigung. Wenn jemand bei einem beginnenden Beschäftigungsverhältnis falsche Angaben macht und dafür rausfliegt, wird das vermutlich seine Berechtigung haben. Es geht um die Verhaftung 10 Jahre davor. Zitat wikipedia:
    „Die Verhaftung stieß auf Kritik, weil sich die Verdachtsmomente weniger auf konkrete Handlungen als mehr auf gentrifizierungskritische Äußerungen in wissenschaftlichen Publikationen Holms stützten.“

    Absolutes OT, da 10 Jahre später und damit für den Fall 2006 uninteressant:
    So viele Altnazis, wie im letzten halben Jahrhundert noch in deutschen Ämtern beschäftigt waren, scheinen extreme politische Ansichten da kein Ausschlusskriterium zu sein.

  6. @Tom: wenn wir was in Berlin zuviel haben, dann Altkommunisten und Stasisympathiesanten

  7. ist es sicher das Anschläge etc wirklich verhindert werden sollen? Ich denke nicht, nicht in deren Interesse! Im Übrigen haben auch deutsche Staatssicherheitsbehörden jede Menge Sicherheitslücken und Angriffstools lagern.

    @Xtrep aber alte und neure Nazis gibt es ja noch nicht genug

  8. @Xterp
    Falls das ein Seitenhieb auf meine etwas beiläufige Verurteilung seiner ehemaligen Stasi-Mitgliedschaft war, sei beruhigt. Ich verabscheue jede Art der Unterdrückung, egal, von welcher Seite. (Ich bin aber auch nicht aus Berlin.)

    Ich hielt es nur in diesem Kontext für unwichtig. Oder haben ehemalige Spitzel in einer Demokratie ihr Recht auf die Unschuldsvermutung verwirkt ?

  9. @egal
    „Ist es sicher das Anschläge etc wirklich verhindert werden sollen? Ich denke nicht, nicht in deren Interesse!“
    Vorsicht. Mit solchen Aussagen gilt man in den unpolitischeren Blogs gerne mal als Aluhut.
    (Auch wenn sie absolut logisch sind. Ein Geheimdienst lebt von Spannung in der Gesellschaft, nur so wird sein Etat gesichert [/erhöht].)

  10. @Tom: Stasi-Spitzel sind per definitionem schuldig, und zwar in dem Sinne, als dass sie keine öffentl. Ämter bekleiden dürfen, denn der „neue“ dt. Staat möchte in seinem Apparat keine ehem. Feinde der Demokratie beschäftigen. Genau deshalb gibt es ja die Fragebögen.

  11. @Xterp „Stasi-Spitzel sind per definitionem schuldig“: Fairerweise ist anzumerken, die Stasi im Osten genauso von altNazis aufgebaut worden ust wie die Geheimdienste in westDeutschland, Stasi-IMs daher mit der Wiedervereinigung pauschal als schuldig behandelt wurden (Ausnahme: IM Erika), so daß deren individuelle Schuld seltenst festgestellt wurde. Die Verstrickungen gesamtdeutscher Geheimdienste in die NSU-Morde und deren Vertuschung dokumentiert aber, daß das im Westen nie besser war.

    Und ein BND, der heute noch Selektoren in Xkeyscore am DE-CIX Knotenpunkt eingibt, nach denen private Kommunikation und Betriebs- & Geschäftsgeheimnisse zu ausländischen Geheimdiensten geschaufelt werden, ist auch nicht in der Demokratie angekommen.

  12. @db: ach Gott, das ist genau die Verharmlosigkeit durch Relativierung, die ich meinte

  13. Xterp, nur daß Du hier derjenige bist, der mit seinen antikommunistischen Scheuklappen aus dem Kalten Krieg das gesamtdeutsche naziErbe, Gehlen & Co bis einschließlich zu den NSU-Morden verharmlost und darüber gar nicht erst zu demokratischen Freiheitswerten wie Informationelle Selbstbestimmung kommst.

  14. @Xterp
    Laut Wikipedia-Artikel (und dessen Quelle) ist es rechtlich so, „dass, wenn „Holm seine Biographie bei der Einstellung offen gelegt“ hätte, seine „Einstellung auch nach den aktuell vorliegenden Informationen möglich gewesen“ wäre.“,

    Aber keine Ahnung, wieso ich das grade auszudiskutieren versuche, zumal, Stichwort Relativierung, es von meiner Seite ursprünglich darum ging, dass Holm wegen eines falschen Verdachts, basiert auf von Geheimdiensten ausgespähten Informationen, auf Verdacht festgenommen wurde und ich das als Beispiel für Fehler und/oder Willkür von Überwachung und deren Folgen anführen wollte, was dann von deiner Fixierung auf seine Vergangenheit, die mir bis dato nichtmal bekannt war und die mich vermutlich auch in Zukunft nicht weiter beschäftigen wird „relativiert“ (Ich weiß, dass das in dem Kontext nicht passt) wurde. Das nur noch dazu.

    @db
    Zum NSU-Verfassungsschutz-Komplex würde ich dir spontan zustimmen, aber „IM Erika“ ? Wirklich ? Was ein Schwachsinn…

  15. Und @Team des Blogs:

    So: (http://www.nachdenkseiten.de/?p=37327) sähe ein kritische Beitrag zum Thema aus, auch wenn er mir am Ende zu sehr ins „Anti-Mainstream“-Lagerdenken abschweift.

    Nur, damit ihr mal einen Vergleich habt.

  16. Tom, beim Komplex IM Erika oder auch der vorgeblichen Bürgerrechtler-Vergangenheit von Herrn Gauck geht es nicht darum, ob Gerüchte stimmen, sondern um die Tatsache, daß ausgerechnet an derart herausragenden Fällen eben nicht dieselben Prüf-Maßstäbe angelegt wurden, wie sonst – die Legendenbildung ist dann die zwangsläufige Folge dieser Werte-Bigotterie, aber das ist hier nur ein von Xterp hochgeschaukeltes Randthema, was aber immerhin die Abgrenzungsprobleme moderner Überwachung bloßstellt, die letztlich Bürgerrechte genauso mißachtet wie die Stasi, nur halt mit dem Vorwand statt Sozialismus angeblich Demokratie zu verteidigen.

  17. @db
    „oder auch der vorgeblichen Bürgerrechtler-Vergangenheit von Herrn Gauck“
    Offen gestanden könnte mir die Vergangenheit von Gauck nicht egaler sein. Fakt ist, dass er unter dem Deckmantel „Freiheit und globale Verantwortung“ grundrechtswidrige Militäreinsätze außerhalb Deutschlands zu legitimieren versucht, was ihn als Bundespräsidenten, der die Mehrheit der deutschen Bevölkerung repräsentieren sollte, m.E. untragbar macht.

    “ was aber immerhin die Abgrenzungsprobleme moderner Überwachung bloßstellt, die letztlich Bürgerrechte genauso mißachtet wie die Stasi, nur halt mit dem Vorwand statt Sozialismus angeblich Demokratie zu verteidigen.“
    Da muss ich dir teilweise widersprechen, da ich vermute (ich war nicht in nennenswertem Alter dabei), dass damals 1. die Überwachung und Bespitzelung jedem bewusst war und 2. aufgrund der Bespitzelung deutlich mehr (rein quantitativ) Menschen existentiell vernichtet oder weggesperrt wurden als heute (bis jetzt). Das die aktuellen Geheimdienste (egal, von wo, der BND hat der NSA ja zB. bereitwillig geholfen) mit einer tatsächlichen Demokratie allerdings nicht zu vereinbaren sind, da sind wir uns einig.

    Um es mit einem Zitat zu sagen, von (ich vermute, bin mir jedoch nicht sicher) Volker Pispers: „Hätte die Stasi die heutigen Überwachungsmethoden gehabt, gäbe es sie noch.“

  18. Tom, ich gehe selbst sozialisiert in der britischen Besatzungszone davon aus, daß den meisten DDR-Bürgern die analoge Stasi-Überwachung genauso bekannt und egal war wie heute den gesamtdeutschen Bundesbürgern die digitale, und wenn Bürgerrechtler kein Gehör mehr finden, weil angeblich der repräsentative Bürgerrechtler im Schloß Bellevue residiert, dann ist mir diese Propaganda nicht egal – Staat & Politik sind dazu da, Probleme zu lösen und nicht, sie zu schaffen oder zu vertuschen, und das Grundrecht auf Informationelle Selbstbestimmung war immerhin noch dazu angelegt, als westdeutsche Bürgerrechtler es dem Bundesverfassungsgericht abgerungen hatten.

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