Tile: Neues Tracker-Line-up ausprobiert

Keine Ahnung, ob ihr auch zu denjenigen gehört, die wichtige Alltagsgegenstände, wie das Portemonnaie oder das Schlüsselbund, hin und wieder irgendwo liegen lassen? Im Grunde neigt in meinem Fall meine ganze Familie dazu und um da die Panik zu nehmen, kann man seine Habseligkeiten ja optional mit einem kleinen Tracker versehen – wie den Exemplaren von Tile.

Das Unternehmen Tile bietet solche Bluetooth-Tracker seit Jahren an und hat in diesem Jahr sein Line-up modernisiert. So ist beispielsweise der Klingelton, den die Dinger von sich geben, nun besser zu hören. Aber Tile führt auch einen neuen „Tile Ultra“ ein. Jener kann neben Bluetooth dank Ultrabreitbandtechnologie in einer AR-Ansicht auf dem Smartphone gesucht werden, so wie es Apple zuletzt für die Find-My-Funktion in Verbindung mit UWB-tauglichen iPhones vorgestellt hat.

Tile war so freundlich, mir die neuen Tracker – bis auf den Ultra – den Tile Sticker, Tile Mate, Tile Pro und den Tile Slim zukommen zu lassen, damit ich die neuen Funktionen ausprobieren kann. Natürlich habe ich direkt sowohl mein Portemonnaie als auch sämtliche Schlüsselbunde im Haus damit ausgestattet. Zudem wurde meine kleine Sicherungsfestplatte mit dem Sticker bestückt. Das Gerät neigt nämlich auch dazu, sich vor mir zu verstecken. Nutzer von Tile-Trackern erkennen bereits, dass sich das Design minimal geändert hat, vor allem aber der Tile Pro nun anders als bisher aussieht.

Bis auf den Sticker besitzen alle Tiles einen eingewölbten Druckknopf auf dem Gehäuse, womit sich unter anderem das eigene Smartphone wiederfinden lässt, sobald man diesen doppelt drückt. Das geht sogar dann, wenn das Smartphone auf stumm gestellt worden ist. Ich befürchte, dass auch diese Funktion hier hin und wieder ihre Anwendung finden wird.

Der Tile Sticker hat jenen Knopf an der Seite, hier war die Oberfläche des Geräts vermutlich zu klein, als dass man den Druckknopf dort hätte platzieren können. Die wichtigsten Key-Facts könnt ihr dem obigen Screen entnehmen. Dort ist zu erkennen, dass der den lautesten Klingelton von sich geben kann und dadurch über eine größere Distanz zu hören ist, wenn man ihn suchen muss. Auch seine Reichweite zum Wiederfinden liegt mit 120 Metern weit über den 76 Metern der anderen Geräte. Dafür hält seine Batterie nur maximal ein Jahr statt drei Jahre, wie es beim Rest der Fall ist.

Auch die Sache mit dem nicht existenten Batterietausch bei einigen Tiles ist weiterhin ein Thema. Weder die Tile Mate, noch die Tile Sticker können manuell die Batterie getauscht bekommen. Ihr müsst sie also neu erwerben, wenn der Akku sein Lebensende erreicht hat. In der App gibt es dafür sogar eine „Ersetzen“-Funktion und ihr bekommt einen Rabatt auf neue Tiles, wenn ihr eure alten einlöst. Wenigstens verspricht das Unternehmen für die Geräte bis zu 3 Jahre Laufzeit. Anders sieht das beim neuen Tile Pro aus, jener soll maximal ein Jahr durchhalten. Bei ihm kann man aber die Batterie eigenhändig tauschen.

Ihr solltet also abwägen, ob ihr geschätzt alle drei Jahre neue Tracker für jeweils mindestens 25 Euro erwerben wollt, oder ob ihr lieber rund 35 ausgebt und dafür jedes Jahr für wenige Euros eine neue Batterie einsetzt. Vorausgesetzt natürlich, ihr benötigt so einen Tracker.

Eine handelsübliche CR2032 sitzt im Tile Pro

Der Tile Sticker heißt so, weil er auf der Rückseite eine kleine Klebefläche besitzt, damit man ihn auf den meisten Oberflächen anbringen kann. Zumindest auf das Gehäuse meiner Festplatte bezogen, kann ich behaupten, dass der Kleber kräftig hält. Den Scheckkarten-großen Tile Slim habe ich in meinem Portemonnaie verstaut. Der Slim ist zwar etwas breiter als eine handelsübliche Geldkarte oder ein Personalausweis, dafür sollte er sich aber in vielen Geldbörsen ohne Probleme in den vorgefertigten Schlitzen unterbringen lassen.

In meinem Test konnte ich sowohl den Sticker als auch den Slim und den Mate problemlos draußen bei Wind auf eine Entfernung von circa 25 Metern hören. Zum Wiederfinden im Haushalt oder auch draußen im Garten, auf dem Parkplatz oder wo auch immer, dürfte das in den meisten Fällen reichen. Den Tile Pro habe ich zum Test meinem Sohn gegeben, der jenen auf den gut 100 Meter entfernten Spielplatz mitgenommen hat. Zwischenzeitlich hatte die App den Tracker für knapp 2 Minuten verloren, was vermutlich an Störquellen gelegen haben wird. Anschließend konnte ich das Gerät dann aber wieder mit „Signalstärke niedrig“ in der App sehen. Das Klingeln nahm ich bei abnehmendem Wind wahr. Auf eine Distanz von gut 60 bis 70 Metern war das Klingeln des Pro also noch problemlos zu hören. Ich habe zwar derzeit keinen Vergleich zu den „alten“ Modellen, finde diese Reichweiten aber absolut in Ordnung.

Wer seine Tiles inklusive zu sicherndem Gegenstand verliert, kann jene in der App als verloren markieren. Fortan wird jeder andere Tile-Nutzer mit seinem Smartphone (die im Hintergrund installierte App vorausgesetzt) automatisch eine Meldung an euch verschicken, wo euer Tracker gefunden worden ist. Alles geschieht dabei anonym, sodass hier kein Datenschutzkonflikt zu befürchten sein sollte. Ihr könnt zudem kostenlos einer weiteren Person (jene muss ein Tile-Konto besitzen) den Zugriff auf euren Tile ermöglichen, sodass im Notfall auch jene Person für euch danach suchen kann. In der App wird euch auf einer Karte die zuletzt geloggte Position des Trackers angezeigt, also die Position kurz bevor ihr aus dessen Reichweite gekommen seid.

Damit aber nicht genug. Die neuen Tracker haben allesamt einen eigenen QR-Code aufgedruckt, sodass im Grunde jeder, der ein Smartphone besitzt, diesen Code scannen und euch darüber benachrichtigen kann, dass euer Tracker gefunden wurde. Wer Siri, Alexa oder den Google Assistant fragen möchte, wo sein jeweiliger Tracker zu finden sein könnte, der kann das über die App einrichten.

Ebenfalls positiv hervorzuheben ist, dass sämtliche Tracker des neuen Line-ups gemäß IP67-Zertifizierung vor Wasser und Staub geschützt sind, was bedeutet, dass sie maximal eine halbe Stunde bei maximal einem Meter Tiefe unter Wasser bleiben könnten, ohne Schaden davonzutragen. Ausprobiert hab ich das nicht, wohl aber sämtliche Tracker mal bei Regen auf den Rasen geworfen und dort eine halbe Stunde liegen gelassen…

Sollte niemanden verwundern: Die Geräte funktionierten danach noch problemlos. Wer zusätzlich noch Geld lassen möchte, der kann sich für den Premium-Service von Tile anmelden. Jener kostet einen festen Beitrag. Ihr erhaltet dann ein paar Boni, wie eine verlängerte Garantie, jedes Jahr neue Batterien nach Hause per Post (für unterstützte Geräte), könnt unendlich vielen Personen die Ermächtigung geben, eure Tracker in deren App zu sehen, sie klingeln zu lassen und auf der Karte wiederzufinden und dürft außerdem die intelligenten Benachrichtigungen aktivieren. Letztere sind meiner Meinung nach die einzige nützliche Funktion des Premiumangebots, denn sie erinnern euch über eine App-Pushbenachrichtigung, wenn ihr festgelegte Bereiche (wie euer Zuhause) ohne euer getracktes Portemonnaie oder das Schlüsselbund verlasst.

Der nicht von mir getestete Tile Ultra soll Anfang 2022 erscheinen und dank seiner UWB-Technologie per AR-Funktionen in der App wiedergefunden werden. „Punkt- und Ortungssuche“ nennt sich das. Wie Tile mitteilt, arbeite man eng mit Google zusammen, um spätestens mit Android 12 in der Lage zu sein, unterstützte Smartphones mit dem Tile Ultra zu verwenden. Wie wir es von Apple bereits gesehen haben, werden vermutlich auch alle iPhones ab dem iPhone 11 damit funktionieren.

Tile hat seine Produktpalette meiner Meinung nach in diesem Jahr sinnvoll optimiert. Einen Grund, deswegen jetzt seine bisherigen Tracker direkt durchzutauschen, sehe ich dennoch nicht. Wohl aber dann, wenn die Batterien der alten Modelle ihr Lebensende erreicht haben. Dann kann man durchaus in eine höhere Klingeltonlautstärke, IP67-Zertifizierung und eine größere Reichweite investieren. Die Sache mit den Batterien bleibt für die einfachen Tracker von Tile natürlich weiterhin ein Knackpunkt, den man für sich abwägen muss.

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13 Kommentare

  1. Oliver Wegner says:

    Bei Non-Replaceable geht mir das dann aber doch zu weit. Ich verstehe nicht warum man das macht. Da lohnt sich weiterlesen kaum. Ein absolutes No-go für mich und mein Umfeld.

  2. Jonas Wagner says:

    Witzig, dass AirTags in dem Artikel mit keinem Wort erwähnt werden.

  3. Wenn der verlorengegangene Gegenstand außer Reichweite ist und man dann auf andere Tile-Nutzer angewiesen ist, die vermutlich rar gesät sind kann man nur hoffen, dass die Batterie nicht vorher leer ist bevor ein Nutzer in den nächsten Monaten in die Nähe kommt. Das war mit ein Grund dafür eher auf die Samsung Smarttags zu setzen, wäre ich Apple User dann natürlich die Airtags. Eine „Slim“ Version für das Portemonnaie hätte ich aber bei Samsung dann doch gerne noch im Portfolio, die Samsung Dinger sind schon vergleichsweise dick, aber geht gerade noch.

    Generell sind so Tracker schon sehr praktisch für Schlüssel, (Foto-)rucksack, Auto, Fahrrad, eScooter etc

    • In Duisburg gibt es eine ganze Menge von Tile-Nutzern, während es auf dem Land schon schwieriger ist. Tile ist aber schon ganz gut verbreitet.

  4. Irgendwie geht folgende Information für den unbedarften Nutzer ein wenig unter:

    Das ganze Suchen&Finden steht und fällt mit dem Netzwerk. Liegt der Schlüsselbund also beispielsweise an irgendeiner Straßenecke bringt der tollste Tracker nichts wenn das Netzwerk der „Suchenden“ zu klein ist. Sprich, bei Tile sind nur aktive Tile User mit installierter App potentielle Finder. Bei Apple beispielsweise sieht das schon anders aus, da ist jedes halbwegs aktuelle iPhone und iPad auf der Straße automatisch an der Suche beteiligt. Die Wahrscheinlichkeit dass der verlorene Gegenstand gefunden wird ist also wesentlich höher.

  5. Air Tags sind für meine Begriffe bezüglich des Trackings unschlagbar, weil irgend ein Apple Gerät in der Nähe genügt um die Teile zu tracken … die Idee hier ist zwar technisch inzwischen die gleiche, nur setzt sie andere Tile-Nutzer in der jeweiligen Nähe voraus. Die sind denn doch vergleichsweise viel dünner gesät.

  6. War früher selbst Tiel-Nutzer, verwende mittlerweile aber auch AirTags. Der Funktionsumfang der AirTags (v. a. die Anzahl der beim Suchen helfenden Geräte) ist einfach besser. Dazu kommt, dass nicht-ersetzbare Batterien ein Unding sind.

    Zugute halten muss man Tile, dass sie mit dem Slim immer noch einen der interessantesten Formfaktoren anbieten. Sowas würde ich mir auch von Apple wünschen.

  7. Das Thema kann nur dann gut laufen, wenn es fest in Android implementiert wird – und zwar für alle (halbwegs aktuellen) Android-Phones (z.B. als Google Play Service).
    Nur dann, wenn ein Netzwerk – ähnlich zum bestehenden „Apple find my“ – vorhanden ist, dann kann das mit dem Trackingnetzwerk etwas werden.
    Angeblich arbeitet ja Google schon daran (vielleicht wissen wir ja nächste Woche mehr darüber):
    https://stadt-bremerhaven.de/google-soll-an-funktion-aehnlich-apples-find-my-tuefteln/

    BTW: Wollte nicht Apple eine Android-App anbieten, die die AirTags aufspüren lassen soll?
    https://stadt-bremerhaven.de/apple-kuendigt-verbesserungen-beim-datenschutz-fuer-airtags-an-aufspuer-app-fuer-android-kommt-noch-dieses-jahr/

  8. Daniel Schlapa says:

    Was haltet ihr von:
    https://chipolo.net/de/

    • Jonas Wagner says:

      Habe aus Interesse die AirTag kompatible Version davon bestellt. Sieht besser aus, ist etwas größer, regulär etwas günstiger und kann kein UWB. Würde es in Zukunft nicht mehr kaufen und bei den AirTags bleiben. Kann jedoch nur für iOS sprechen.

  9. Habe zwei Tile Pro mit wechselbarer Batterie. Finde sie an sich ganz gut. Was mich aber wirklich geärgert hat war, dass man nicht darüber benachrichtigt wird, wenn die Batterie leer ist. Ich bin dadurch relativ lange mit leeren Tiles rumgelaufen, bis ich es gemerkt habe.
    Als ich die Batterien dann gewechselt habe, wurde irgendwann später angezeigt, dass es mal langsam Zeit wäre, die Batterien zu wechseln. Und selbst das kam nicht per Pop-up, sondern erst als ich die App geöffnet hatte.

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