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Samsung, 8K und die Kontrastmodulation: Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“

8K: Einig ist man sich in der Industrie, dass hier die Zukunft der Fernseher liegt. Es sind bereits zahlreiche 8K-TVs am Markt zu haben, wenn auch aktuell noch zu hohen Preisen. Dass jene fallen werden und 8K langfristig 4K ablösen wird, ist jedoch so sicher wie das Amen in der Kirche. Unstimmigkeiten gibt es hingegen dabei, was 8K abseits der Bildpunkte an sich wirklich ausmacht. Und da hat ein Thema die letzten Wochen besonders geprägt „Kontrastmodulation„. Auf der CES 2020 konnte ich dazu viele Eindrücke und Meinungen sammeln, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Vielleicht beeinflusst das am Ende ja auch eure Kaufentscheidung.

Dazu sollte man den Hintergrund kennen: LG hat Samsung vorgeworfen, dass die bisherigen QLED-Modelle des Herstellers gar kein echtes 8K bieten würden. Formal böten die TVs zwar die erforderlichen 7.680 x 4.320 Pixel, doch es hapere an einem anderen Punkt: der Kontrastmodulation. Deswegen grenzt LG seine 8K-Fernseher dann auch als „Real 8K“ von Samsung ab. Nicht nur ihr kratzt euch jetzt vielleicht dennoch am Kopf. Kontrastmodulation? Was ist das denn überhaupt? Wer nun im Web stöbert, der findet dazu zwar einige technische Erläuterungen, die sind für Laien aber entweder viel zu abstrakt oder einfach ungenau.

Im obigen Bild von der CES-Keynote LGs verdeutlicht es ein Bild schon recht gut: Die Kontrastmodulation soll auch die Auflösung eines Displays beschreiben, aber nicht durch Bildpunkte an sich. Vielmehr ist damit gemeint, wie gut sich die einzelnen Pixel quasi voneinander visuell unterscheiden lassen. Ich vereinfache es ganz stark: Ihr seht einen weißen und einen schwarzen Pixel direkt nebeneinander. Im Idealfall liegen beide Pixel absolut trennscharf nebeneinander mit harten Kanten ohne Übergänge. Jeder Pixel ist also klar unterscheidbar.

Je höher der in Prozenten angegebene Wert der Kontrastmodulation liegt, desto klarer ist diese Abgrenzung. Darauf spielt LG nun an: Bei den eigenen Modellen und einem Grid mit allen einzelnen Pixeln, komme man da selbst auf einen Wert von 90 %. Um die Zertifizierung der CTA zu erhalten, sind mindestens 50 % notwendig. Samsung liegt mit seinen QLED-TVs aus dem Jahr 2019 aber deutlich darunter. Deswegen behauptet LG, dass Samsung eben kein echtes 8K bieten könne. Es seien quasi zwar die einzelnen Bildpunkte durchaus vorhanden, das nütze aber im Alltag ja nichts, wenn sie bei entsprechenden Inhalten sozusagen schwammig ineinander übergehen.

Nun ahnt ihr vielleicht, dass diese Argumentation so ihren Haken hat: Denn im Alltag starrt man nicht auf einzelne Pixel und üblicherweise liegen auch nicht permanent weiße und schwarze Bildpunkte exakt nebeneinander. Das ist auch bekannt und so wird eigentlich empfohlen bei der Kontrastmodulation mehrere Messungen durchzuführen. Man sollte sich also nicht nur alle einzelnen Pixel anschauen und prüfen wie dann jeweils ein schwarzer und ein weißer Pixel nebeneinander wirken, sondern auch beispielsweise testen, wie es bei größeren Mustern aussieht. Ich sage mal als Beispiel, wie präzise Pixel-Muster mit jeweils vier weißen und danach vier schwarzen Pixeln visuell abgetrennt sind.

Pikanterweise legt die ICDM, welche LG gerne zitiert hat und auch für die CTA-Zertifizierung herangezogen wurde, aber gar nicht konkret einen minimalen CM-Schwellenwert von 50 Prozent bei mindestens 33 Millionen aktiven Pixeln fest. Man nennt 50 % nur sehr vorsichtig als mögliche Empfehlung für bestimmte Bedingungen. Florian Friedrich von FF Pictures, der von Samsung auf der CES 2020 als Gast geladen wurde und uns in geschlossener Runde zum Thema Kontrastmodulation Rede und Antwort stand, erklärte dann auch, dass die umstrittene Passage in einer neuen Version der Richtlinien entfernt werden würde.

Friedrich erklärt, dass das Messen der Kontrastmodulation per se durchaus sinnvoll sein, aber nicht so, wie es LG nun im Marketing verkaufe. Man dürfe nicht einzelne Messungen herausgreifen, sondern müsste quasi eine Kurve erstellen – für viele einzelne Messungen. Also wie verhält es sich, wenn man ein Gitter mit einzelnen Pixeln verwendet, dann jeweils zwei weiße und zwei schwarze Pixel, dann drei, dann vier und so weiter. Genau das wird aber aktuell nicht berücksichtigt – auch nicht in der neuen CTA-Zertifizierung.

Samsung selbst schweigt übrigens weiter zum Thema Kontrastmodulation, ging aber natürlich smart vor, indem man einen externen Experten zur CES 2020 einlud, der für das Unternehmen eher günstige Ansichten vertreten konnte. Muss man eben alles mit ein wenig Vorsicht genießen – LG hätte dann eben jemand anderen eingeladen, der sich auf die andere Seite geschlagen hätte. Doch wichtiger ist: Was heißt das nun für euch? Gibt es ein Happy End?

Das gibt es tatsächlich, denn wie mir Sang-Won Byun, Manager Smart TV CE, Samsung Electronics GmbH, bestätigt hat, gehört das Thema Kontrastmodulation nun gewissermaßen zum alten Eisen. Die neuen 8K-QLED-Modelle des Jahres 2020 erfüllen nämlich auch die CTA-Anforderungen. Das wies man ja auch schon in der Pressemitteilung zum QLED Q950TS klar aus. Ich fragte übrigens auch nach, ob Samsung dann auch mit dem CTA-8K-Logo bzw. der entsprechenden Zertifizierung seine Fernseher bewerben wolle. Da würde LG nämlich sicherlich relativ dumm gucken.

Dazu erklärte Byun, dass man sich darüber aktuell noch Gedanken mache. Für wichtiger halte man Logo und Zertifizierung der 8KA. Kein Wunder, denn in jener Organisation ist Samsung eben auch selbst ein Gründungsmitglied. Möglich ist aber eben durchaus, dass die neuen QLED-TVs von Samsung dann sowohl das 8KA- als auch das CTA-Logo tragen werden. Zumindest erfüllen die neuen Fernsehgeräte eben die Anforderungen und LG kann nicht mehr so wirklich mit „Real 8K“ gegen die TVs sticheln. Jedenfalls greift das Argument dahinter, der Verweis auf die Kontrastmodulation, eigentlich nicht mehr. Ein Geniestreich des Marketings war die ganze Sache seitens LG natürlich dennoch.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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21 Kommentare

  1. Hier werden sich Sorgen um 8K Geräte gemacht, und das wo 4K nicht einmal gefühlt die Hälfte der Menschen erreicht hat, vom entsprechenden Programm hierzulande ganz zu schweigen.

    • Ich stimme dir 100 % zu, aber das ist letztendlich nicht die Schuld der Entwickler solcher Technologien, denn diese bleibt eben nicht stehen.

    • benjamin Blaufus says:

      Das was du aber beschreibst ist ein deutsches Problem und nicht das Problem der hersteller. Schau doch mal Japan China Amerika die sind da alle viel weiter wie wir und da kommen die hersteller eben her.

      • Die USA ist bei DVB genausoweit wie wir hier in EU, einzig das Streaming bietet 4K im Mainstream. kostenslos gibt es da auch nichts in 4K
        In Japan /China bekommt man reines Propagandafernsehen der ÖR in 4K (wenn man das „Öffentliche“ mal streicht). Fast alles andere ist da auch nur HD upscaling zu einem ABO Preis

  2. Also sollte man jetzt in der Entwicklung aufhören? Oder gar nicht mehr darüber diskutieren?
    Zurück zu SD gehen? Zurück zur Röhre? Zurück zum S/W Fernsehen?

    Oder was soll der dumme Spruch?

    Btw: 8K soll auch in der Medizin eingesetzt werden um zb Krebs früher zu erkennen, ist schon ziemlich scheisse, oder?

    • Ist da dann aber nicht die Kontrastmodulation doch wieder wichtig? Hm.. ;D

    • „8K soll auch in der Medizin eingesetzt werden“ – aber vermutlich eher bei der Aufnahme und nicht bei Wiedergabe? Sonst müsste der Arzt ja enorm gute Augen haben.

      • Das erledigt zukünftig ohnehin eine KI; bereits jetzt hat Dr. Computer eine bessere Erkennungsrate bei Hautkrebs. Aber für die KI sind höhere Auflösungen nicht von Nachteil.

        • Das ist richtig aber der KI ist es glaube ich ziemlich egal wie groß und welche Auflösung der Bildschirm hat. 😉

          • Eben! Schon hart was manche dem Marketing alles abkaufen… 😉

          • Die Größe des Bildschirms ist nicht entscheidend, die Auflösung durchaus.

            • Damit das klar wird: Der KI ist der Bildschirm komplett egal, sie benutzt ihn nicht.

              • Spätestens dann wenn man die Aufnahmen zoomt muss die KI bzgl der Interpolation eingreifen. Und wenn die Algorithmen nach 8k optimiert sind dann greifen auch die die Auflösungseinschränkungen bzgl der Auflösung des Bildschirms. Kann mir nicht vorstellen das die KI auf alles mögliche optimiert, sogar auf Auflösungen abseits von 8K für die es kein Anzeigegeräte gibt. Also sogesehen ist der KI der Bildschirm sicherlich nicht egal

    • Einfach 8K überspringen und direkt auf 16K gehen. 😀

    • Was soll denn der Quatsch? Warum sollte man zurück zu niedrigeren Auflösungen gehen? Er hat völlig Recht. 4K ist noch nicht mal massentauglich und hier wird über 8K diskutiert, was aktuell (und in den nächsten Jahren) wohl 98% der Nutzer nicht bekommen werden. Geräte vielleicht, aber halt keinie Inhalte. Entwickelt werden kann viel und das ist auch gut so.

    • Medizinische Monitore (z. B. für die Teleradiologie) müssen ohnehin andere Anforderungen als ein TV-Monitor erfüllen.
      Die müssen u. a. regelmäßig kalibriert werden (wäre ja ziemlich blöd wenn durch ein paar falsch dargestellte Pixel eine falsche Diagnose erfolgt).

      Sicherlich wird es da (wenn es soweit ist) auch eine medizinische Norm für die Kontrastmodulation geben, die muss aber gar nichts mit einer Definition für den Einsatz als TV-Monitor zu tun haben.

  3. Bei den dentalen Befundungsmonitoren ist derzeit eine Auflösung von 2-2,3 MP durchaus üblich, siehe z.b. https://frenz-it4you.de/befundungsmonitore-dental/

    Also selbst von 4K ist man da noch ein gutes Stück entfernt. Von den Preisen wollen wir da gar nicht anfangen. Der 21″er Eizo liegt da bei ca. 1000,00 EUR Netto.

  4. Danke für den Beitrag!
    Frage: Kann man oder wird dieses für die 8K-TV’s der Jahre 2018/2019 softwareseitig nachgestellt oder ist das ein Hardwarethema? Danke für Rückmeldung.

  5. Schön wäre es wenn die Unterhaltungsindustrie gleich mitziehen würde, das ist in Deutschland eher ein Wunschdenken. Unsere GEZ Gebühren werden eher für Dicke Pensionen benutzt, anstatt das Geld in Technologie zu investieren. Muss ein Öffentlich Rechtlicher Redakteur noch fette Pensionen kassieren, obwohl er bis zu 9900€ im Monat verdient hat? Zum Glück bezahlt der dumme deutsche Michel ohne sich zu beschweren. Bei solchen Pensionskosten werden wir in 10 Jahren noch keine 4K Sender bekommen.

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/horrende-rentenausgaben-oeffentlich-rechtliche-rentneranstalt-14043338.html

    • Was soll der Beitrag jetzt? Soll der ARD jetzt in 8K produzieren? Dann würde ich von Geldverschwendung reden. 2k reicht für das normale Fernsehprogramm aus, meinetwegen 4k für Filme.

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