OnePlus 9 Pro bremst die Performance vieler Apps bewusst aus

Vor einigen Jahren gerieten mehrere Hersteller ins Visier, weil sie im System recht zwielichtige Optimierungen für Benchmarks durchführten: Nur in den Test-Anwendungen stand die volle, ungedrosselte Leistung der Hardware-Komponenten zur Verfügung bzw. es wurden zusätzliche Optimierungen vorgenommen, um in Benchmarks besonders gut dazustehen. Mittlerweile scheint man das ad acta gelegt zu haben, doch im Falle von OnePlus gibt es nun eine andere Vorgehensweise, um die Software anzupassen.

Die Kollegen von AnandTech haben ein wenig mit dem OnePlus 9 Pro experimentiert und ein ungewöhnliches Verhalten entdeckt. So wage OnePlus da einen Blick in die Grauzone der Performance-Optimierung. Schlimmste Mogelei sei es nicht, allerdings durchaus ein überraschendes Verhalten. So arbeitet OnePlus nicht mehr mit einem Whitelisting, das Benchmarks mehr Power zur Verfügung stellen würde, sondern umgekehrt mit einem Blacklisting. Einige Apps werden also bewusst in der Leistung beschränkt und dürfen nicht auf die schnellsten Kerne des SoCs zugreifen.

Das Ergebnis ist im Groben dadurch dasselbe wie bei alten Tricksereien: Die Benchmark-Ergebnisse haben wenig Bezug zur tatsächlichen Leistung. Aufgefallen war dies, weil das OnePlus 9 Pro in Browser-Benchmarks deutlich schlechter abschnitt als Konkurrenzmodelle, weil die Blacklists bei Chrome und Co. greifen. Ausgebremst werden damit gezielt Apps wie WhatsApp, Facebook, Chrome, YouTube, Instagram, die Kamera-App, Firefox, Amazon, Twitter, Twitch, Pokémon Go! und viele mehr. Ausgeklammert sind aber offenbar bewusst einige beliebte Spiele. Etwa konnte „Genshin Impact“(hier mein Bericht) die volle Leistung des OnePlus 9 Pro abrufen.

Der Kritikpunkt von AnandTech ist nun vor allem, dass OnePlus dafür sorge, dass die Benchmark-Ergebnisse noch weniger mit der Realität zu tun hätten, als es ohnehin schon der Fall sei. Zudem sei die Frage, warum OnePlus so vorgehe. Zu vermuten ist, dass man so schlichtweg die Energieeffizienz erhöhten wollte, weil man keine andere Möglichkeit fand, mit Konkurrenten mitzuhalten. Laut den Kollegen könne man die Vorgehensweise von OnePlus aber nicht einfach als generelle Optimierung mit einem Daumen nach oben abtun, da bewusst nicht alle Apps gleich behandelt würden. So lege OnePlus die Blacklists ganz gezielt vor allem für viel verwendete und verbreitete Apps an.

Dadurch komme es etwa zu dem Szenario, dass der beliebte Browser Chrome auf dem OnePlus 9 Pro eine deutlich schlechtere Performance liefere als Vivaldi, den OnePlus nicht auf die Blacklist setzte. Möglicherweise ist übrigens auch das OnePlus 9 von den Anpassungen betroffen – das konnte man bei AnandTech nur schlichtweg nicht testen. Was sagt ihr zu der Strategie von OnePlus?

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31 Kommentare

  1. Eine chinesische Firma bevorzugt chinesische Apps…. wie verwunderlich :D?

    • André Westphal says:

      Hä? Wie kommst du zu dieser Aussage. Das geht absolut null aus dem Artikel hervor.

      • nee steht nicht drinnen, aber die Beispiele der Apps, die genannt sind, sind alle amerikanischer Herkunft, soweit ich das sehe. Ob das bewusst ist, keine Ahnung und möchte sicher keine Verschwörungstheorien in die Welt setzen, da gibt es genug momentan davon.

        • André Westphal says:

          OnePlus bremst auch seine eigenen System-Apps, wie die Kamera, aus. Das wird also nichts mit der Herkunft der Entwickler zu tun haben, sondern einfach mit der Verbreitung der Apps bzw. der Wahrscheinlichkeit der Nutzung.

        • Es geht doch viel mehr darum in Benchmarks (ohne Drosselung) die volle Power zu zeigen und dann hinterrücks die Leistung (und somit den Akkuverbrauch) im Alltag zu beschneiden. Somit schneidet man sowohl in Leistungstests als auch Akku-Tests besser ab als als Hersteller, die nicht drosseln.

          OxygenOS wird für den westlichen Markt entwickelt. In China kommen die Geräte mit HydrogenOS.
          Ich denke da werden für den jeweiligen Markt einfach die wichtigsten, alltäglichen Apps abgedeckt. Bleibt halt noch die Frage offen ob es unter HydrogenOS mit chinesischen Apps auch passiert.

      • Ich bin Besitzer eines Onplus7 und voll zu frieden. Aber wenn ich lese das Onplus so trickst wie beschrieben, dann finde ich es als unferschämt, sich damit bessere Ergebnisse zu erzielen. Dann dürfte Oneplus auch den Preis nicht so hoch ansetzen, denn wer so die Nutzer an der Nase herum führt hat es nicht verdient, sein Handy so teuer an Kunden zu verkaufen. Wenn ich viel Geld für so ein Handy bezahle möchte ich auch nicht beschissen werden.

    • Die Benchmark wurde gepatcht. Na und

  2. So ein Sch**ß!!! Lässt einfach den User bestimmen, welche Apps den Akku stark, mittel oder schwach belasten dürfen!

    • Ich denke mal, dass die bei One+ eher die Überhitzung der Cores im Blick hatten!
      Kurz gesagt fürchteten die Leute, dass die schlecht programmierten Apps den Prozessor zu stark erhitzen könnten (was durchaus möglich ist – vor allem bei allen genannten Apps, die ja statt echte Android-Anzeigen-Elemente zu nutzen schlicht Webseiten anzeigen und alle per Javascripts implementiert wurde)

  3. Richard Rosner says:

    Wundert mich jetzt nicht mehr. OP war von Anfang an mehr Hype als was brauchbares, jetzt gehen sie halt noch weiter den Bach runter. Sicherlich kein Verlust

  4. Was soll der Dreck? Performance zurück halten? Geht gar nicht! Ein Grund mehr one Plus nicht mehr zu kaufen

  5. Das iPhone ist und bleibt eben das einzige Smartphone.

    • Richard Rosner says:

      Nein. Apple sieht es ja selbst nicht als Smartphone, sondern eben als iPhone. Mal ganz davon abgesehen, dass ein verlogenes Möchtegern-Startup nun wirklich nicht repräsentativ ist

    • DragonHunter says:

      Wenn Apple nur eine weisse Weste dabei hätte. Die haben aber auch mit der Leistung rumgespielt, damit der Akku die versprochene Zeit durchhält.
      Und erst nach einem grossen öffentlichen Aufschrei haben sie die Funktion nachgerüstet, dass der User selbst entscheiden kann, ob er Leistung oder Akkulaufzeit haben will.
      So „smart“ war die Nummer auch nicht.

    • Danke dir dafür Dirk 🙂

  6. Mag ja sogar sinnvoll sein, aber ich würde die Liste gerne selbst bearbeiten können. Und nicht mit voll Leistung heisst ja auch nicht unbedingt langsam…

  7. Hat vielleicht auch was mit dem Snapdragon 888 zu tun. Das Mi11 hat jauch Probleme mit der Hitzeentwicklung.
    Verstehe sowie so nicht wer solch schnellen Prozessoren braucht. Mein Pixel 5 läuft mit einem „Mittelklasse“ Chip abolut flüssig, Alle Apps starten extrem schnell auch Bilder die gemacht wurden sind schnell berechnet..

    • Verstehe auch nicht was mit einem so schnellen Prozessor wie beim Pixel 5 soll.
      Auch mit anderen Prozessoren funktioniert es super.

  8. Was ich jetzt nicht verstanden habe: Merke ich davon als Nutzer was? Also läuft z.b. chrome spürbar träger als auf einem S21 oder so?

  9. Beim OnePlus 9 Pro habe ich exemplarisch die Camera App ins Auge gefasst. Dort ist Performance wichtig. Also habe ich alle 4 schnellen Kerne abgeschaltet. Die Camera App startet deutlich langsamer, das Bild im Sucher ist stark verzögert. Mindestens ein schneller Kern muss aktiv sein, sonst merkt man dies deutlich.
    Bei der Camera App kann ich somit nicht bestätigen, dass hier künstlich gebremst wird.

    • Richard Rosner says:

      Du ziehst hier wohl falsche Schlussfolgerungen. Ich weiß nicht, wie du Kerne abgeschaltet haben willst, aber wenn du die generell abgeschaltet hast, ist das kein Wunder. Denn dann läuft alles auf LITTLE und bremst natürlich auch die Kamera App aus

      • Offenbar habe ich mich missverständlich ausgedrückt.
        Die schnellen Cores (3x Big + 1x Prime) habe ich nicht grundsätzlich abgeschaltet, nur eben kurzfristig, um das mit der Camera App nachvollziehen zu können. Und wie gesagt, ohne die 4 großen resp. ohne einen großen Kern merkt man sofort, dass es langsamer ist. Ergo würde man es merken, würde die Camera App auf den Little laufen.
        Abschalten der Kerne ist einfach, wenn man Root Rechte hat. Dazu ist nur noch ein komfortabler Kernel Manager nötig.

        • Richard Rosner says:

          Damit bestätigst du meine Vermutung. Du wunderst dich, dass die Kamera App langsamer wird, obwohl sie ja nur auf den langsameren laufen soll. Nur dass du alle Anwendungen auf die vier langsamen gezwungen hast, wodurch diese natürlich deutlich mehr zu tun haben. Nicht zu vergessen, dass immer noch nicht jede Anwendung von mehreren Kernen profitiert.

          Zumal ich nicht weiß, wie sehr du mit solchen spielchen die Scheduler und anderes wichtiges aus dem Takt bringst. Ich weiß nicht, ob die darauf ausgelegt sind, mit variabler Kernzahl zurecht zu kommen.

          Für einen verwertbaren Beweis müsstest du schon Logs sammeln, in denen steht welche Kerne von der Kamera App genutzt werden. Oder zumindest protokollieren, auf welchen Kernen die Last steigt, wenn die App geöffnet wird. Natürlich wenn alle Kerne aktiv sind.

          • Nein, ich kann deine Vermutung nicht bestätigen. Ich wundere mich nicht, dass die Camera App auf dem Little Paket langsamer läuft. Wieso sollte es auf den langsameren Kernen auch gleichschnell oder gar schneller laufen?

            Welche anderen Anwedungen? Wie viele laufen bei mir im Hintergrund? Wie viel CPU load erzeugen diese auf dem Little Paket?

            Das Prozedere mit welcher Kern stützt die Camera App habe ich beim OnePlus 6T schon mal durchlaufen lassen, immer wird einer der Big Kerne genutzt. Das habe ich beim OnePlus 9 Pro nicht gemacht, aber wenn die Hintergrund-Prozesse (oder nennen wir es „alle Anwendungen“) auf dem Little Paket etwa 10% verbrauchen, verteilt auf 4 Kerne, kann die Camera App mit nahezu Volleistung auf einem kleinen Kern laufen.
            Aber der kleine Kern reicht bei weitem nicht aus. Probier’s selber aus, da bist du weit weg vom normalen Verhalten. Dabei kannst du dir auch deine nötigen Logs aufzeichnen.

            • Im Originaltitel wird auf Chrome Bezug genommen. Dort werden für die blacklisted Apps tatsächlich die Big Cores genutzt: „Monitoring the CPU’s behaviour during the run points out that the system is never loading the Cortex-X1 core of the Snapdragon 888, and instead is running the benchmark on the Cortex-A78 cores. Furthermore, these are running at only 2GHz instead of their maximum 2.41GHz.“ Dort steht auch noch mehr Information, auf die Kamera wird nicht speziell eingegangen, aber dürfte gleiches Verhalten an den Tag legen.

            • Richard Rosner says:

              Du willst offensichtlich nicht verstehen…

              Angenommen die Kamera App darf grundsätzlich nur auf little laufen. Dann ist es logisch, dass sie schlechter performt, wenn du sämtliche anderen Prozesse zwingst, gleichzeit dort zu laufen und dem Scheduler nicht die Wahl lässt.

              Ich kann dir natürlich nicht sagen, was bei dir alles im Hintergrund läuft, das musst du schon selbst herausfinden. Aber aus deinen Beobachtungen diese Schussfolgerungen zu ziehen ist schlichtweg falsch, dafür gibt es zu viele Variablen, die das Ergebnis verfälschen können. Und noch dazu zu sagen, beim OP7 war es so, da muss es jetzt immer noch so sein, ist schlichtweg naiv.
              In Sachen faktenbasiertem argumentierten musst du offenbar noch sehr viel lernen.

              Und selbstverständlich kann ich diese Messungen nicht für dich durchführen, ich habe um OP einen großen Bogen gemacht, seit sie existieren.

              • Du hast Recht. Und du bringst plötzlich ein OP7 ins Spiel, weil warum auch nicht. Auch die deutlich zu niedrige Performance auf den Little Kernen spielt keine Rolle.
                Und dass andere Apps (z.B. Chrome) der Blacklist die Big Kerne nutzen, ist unerheblich. Das steht im Artikel bei AnandTech, den du offenbar gelesen hast und daher eine fundierte Aussage triffst. 😀

  10. Find ich genial, wenn auch etwas inkonsequent. Wenn die selbst ihre eigene Kameraapp bremsen scheint hier wohl das Problem das Energiemanagement des SD888 zu sein. Hab zumindest noch nirgends gelesen das die Kamera zu langsam reagieren würde im op9pro…

    Perfekt wärs wenn ich als Enduser selbst die CPU drosseln könnte oder zumindest den zugriff auf schnelle cores unterbinden.

    Mag meine Cam im Mi11u aber die cpu ist unnötig schnell und energiefressend.

    • Drosseln kannst du das mit Root Rechten und einem Kernel Manager sehr komfortabel. Es dürfte auch reichen, wenn du einen oder zwei Kerne des Big Pakets abschaltest. Ich habe jetzt durch den Artikel zwei schnelle Kerne (1x Cortex-X1 + 1x Cortex-A78) abgeschaltet – es fühlt sich nicht langsamer an, werde es aber ein paar Tage testen.

      Viel wichtiger wäre mir, wenn man diese Blacklist selber bearbeiten könnte, schön unter System Settings -> Utilities -> App Performance. Ein-/Ausschalten und die Verteilung auf die Kerne und die Taktungen… naja, schön wär’s :).

      Und die Kamera ist nicht langsam, da ruckelt nichts. Nur was ich feststellen konnte: Die GCam kann deutlich schneller Fotos schießen, als die OnePlus Camera App.

      Für mich immer mehr ein Grund, weg von Oxygen OS und hin wieder zu Custom ROMs.

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