Apple App Store: Entwickler zeigt, wie einfach es Fake-Apps haben, monatlich Geld einzusammeln

Kosta Eleftheriou ist vermutlich kein Name, der jedermann von euch geläufig ist. Es handelt sich hierbei um den Entwickler der beliebten Apple-Watch-App FlickType, zeichnet aber auch mitverantwortlich für Blind Type und Flesky. Eleftheriou hatte laut 9to5Mac mitbekommen, dass es Unternehmen gibt, welche die Idee seiner App dreist kopieren, eine kaum oder gar nicht funktionierende App im App Store platzieren und dann damit beginnen, reichlich Werbung für jene App zu betreiben. Selbst hierfür waren sich die Betreiber nicht zu schade, einfach die Werbevideos und -texte von Eleftheriou zu kopieren und nötigenfalls anzupassen. Am Ende ist nur wichtig, dass möglichst viele gefälschte Reviews im Store-Listing der App zu finden sind, damit unbedarfte Nutzer auf den Scam hereinfallen und in die Abo-Falle tappen.

Die besagte App „KeyWatch“ fuhr große Umsätze ein. Alles finanziert durch monatliche Abos

Denn: Was vielen der Nutzer gar nicht aufzufallen scheint, ist, dass sie ein wöchentliches Abo-Modell abgenickt haben und nun teils mit über 410 Dollar pro Jahr abkassiert werden. Das alles für eine App, die gar nicht funktioniert. Das Problem wird hierbei auch von anderen Entwicklern angebracht, denn Apples Darstellung für solche Abos ist leider nicht immer sehr übersichtlich und sorgt schnell dafür, dass entsprechende Fallen vielen gar nicht erst auffallen. Um beim Beispiel zu bleiben, wurden Nutzer der App beim ersten Start von einem blanken Fenster mit „Unlock now“-Schaltfläche begrüßt, die umgehend die Abo-Abschluss-Bestätigung von Apple für ein Wochen-Abo von 8 Dollar aufruft. Dies ließe sich natürlich schnell ausbügeln, wenn Apple denn wollen würde. Zwar hat das Unternehmen seit den Meldungen von Eleftheriou reagiert und sowohl die gemeldete Kopie als auch einige andere ähnliche Apps aus dem Store verbannt, dennoch ließ man den Account der Entwickler einfach bestehen. Jene farmen mit zahlreichen anderen Apps derweil weiter massig Abo-Gelder ein und werfen munter neue Apps mit demselben Konzept in den App Store.

Problematisch ist eben auch, dass Apple den Nutzern seines App Stores mit seinen Werbetexten das Gefühl vermittelt, dass hier alles mit rechten Dingen abläuft, alle eingestellten Apps ausreichend geprüft werden und Scam quasi keine Chance hat. Das sorgt sicherlich auch dafür, dass so viele Nutzer am Ende dafür sorgen, dass solche Entwickler auch weiterhin abkassieren. Hin und wieder werden dann gekaufte Reviews hochgeladen, damit das Rating der Apps entsprechend hoch bleibt. Damit ist dann zwischendurch eine ganze Weile Ruhe, damit Apple keinen Verdacht schöpft. Bleibt zu hoffen, dass das kalifornische Unternehmen solche Methoden schleunigst ausgebremst bekommt, aber das dürfte ein Kampf gegen Windmühlen werden.

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Nordlicht, Ehemann und Vater, hauptberuflich mit der Marine verbündet. Außerdem zu finden auf Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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13 Kommentare

  1. Aber wehe man erwähnt die Android-App irgendwo tief in den FAQ oder verlinkt auf eine Webseite mit einer Abooption, dann wird die App sofort gestoppt.
    Wenn Apple mit abkassieren kann, dann ist die Qualitätsprüfung großzügig.

    • Ich gehe Mal gedanklich weiter.
      Apples Store lässt ja nur geprüfte Apps zu.
      Wenn eine App also nicht funktioniert, gefaltet ist und den Abo-Hinweis „versteckt“ und Apple 30% an den Abogebühren kassiert, ist das Beihilfe zum Betrug. Also einfach Mal Anzeige erstatten.

      • Dann geh mal gedanklich zurück zum Anfang. Abo-Hinweise kann man nicht einfach verstecken. Vor dem Abschluss einen Abos kommt als Popup dieser Systemdialog: https://images2.imgbox.com/c4/ec/tKcS8XP3_o.png

        Genau das ist auch der Grund warum In-Apps auch über den App Store gehen müssen. Damit nicht hinten rum in versteckten Dialogen Käufe abgeschlossen werden können.

        Wenn man „aus Versehen“ doch ein Abo abgeschlossen hat — keine Ahnung wie, vielleicht wenn man ein Gerät in einer fremden Sprache verwendet — kommt direkt nach Abschluss des Abos ein weiteres Popup mit Hinweisen und mit einem Link in die Einstellungen. Dort sind alle Käufe gelistet.

        Vor dem Hintergrund frage ich mich auch ob Benjamin ein iPhone nutzt. Denn für mich klingt das nach etwas Stimmungsmache zum Abend um den „Dialog“ anzuheizen. Sorry, aber die Geschichte ist bereits über eine Woche alt.

        • Und bei jeder Abbuchung kommt zusätzlich noch eine E-Mail: Ihr Abo wurde verlängert. Bei einem Abo, das einem wöchentlich 8 $ aus der Tasche ziehen will, kommt also jede Woche eine neue Mail von Apple.
          Tut mir leid, aber ich weiß nicht, was Apple noch unternehmen soll.

          • Das thematisiert ja nur das Thema Abos.

            Ein anderer Kritik-Punkt ist doch, dass Beschreibungen kopiert werden und die App nicht das tut wofür sie beschrieben ist. Und das darf bei einer angeblichen Qualitätskontrolle jeder App eigentlich nicht geschehen.

            • Die Keyboard-App war nicht funktional bevor man ein Abo abschloss. Das ist was anderes. Wenn das Thema aufkommt dann hat man nie die komplette Geschichte. Vielleicht hat sie einfach nur das Flicktype SDK verwendet, mit dem man das Keyboard in andere Apps einbinden kann.

              Die Person, die Apps testet, ist auch kein Rechtsbeistand oder Richter. Woher soll man wissen, ob Marketingmaterial usw an anderer Stelle im Internet verwendet werden? Oder ob man eventuell Copyrights verletzt? Der Reviewer kann nur testen, ob Funktionalität mit der Beschreibung übereinstimmt, ob Screenshots stimmen, usw.

        • Finde das auch alles mehr als klar. Und noch eine Ergänzung: Unter Probleme Melden kannst du ein Abo sogar rückgängig machen, wenn du es „aus versehen“ abgeschlossen hast.

          Also irgendwann ist auch mal gut. Wenn der Mensch am Handy zu blöd ist, kann der Hersteller auch nichts mehr machen.

          • Wieso sollte den der Benutzer die Arbeit von Apple machen? Man zahlt viel Geld, das Apple seine Arbeit erledigt und dann soll es der Benutzer für sie richten, weil sie nicht einmal die banalsten Tricksereien erkennen. Bei aller Liebe irgendwann ist dann auch mal gut mit dem Verteidigen von Apple.

  2. Oliver Dötsch says:

    Fairerweise muss man aber auch sagen, dass wenn jemand auf solche Fake-Apps rein fällt und sich bei Apple beschwert, gibt es normalerweise das Geld zurück. Habe ich immer so erlebt, dass Apple auf Betrug ziemlich kulant reagiert. Und es gibt da ab einem bestimmten Punkt reale Menschen im Support. Was ich bei Android noch nie erlebt habe …

    • Bei Google (abseits AdWords) grundsätzlich. Selbst wenn dein Account gelöscht wird oder oder oder… du erreichst einfach keinen und bekommst nur irgendwelche automatischen Prozesse augfgedrückt. Warum das legal ist, zumal Google auch aktiv verkauft, verstehe ich nach wie vor nicht.

  3. Uff. Hätte ich nicht erwartet. Apple möchte sicher keine Schadsoftware auf den iPhones und Konsorten, dass schadet der Reputation und Nutzung. Vermutlich tun die eher was als Google.

    Apple bekommt auch 100 Euro Entwicklergebühr und 30% Schutzgeld für jede Transaktion im App Store. Die Rechtsstreitigkeiten zwischen Dritten betreffen Apple nicht und sind ein juristisches Risiko – für Apple. Hauptsache keine Zahlung am AppStore vorbei und keine GPL lizenzierten Anwendungen mit diesem Copyleft! Davor hat Apple Angst. Die Unterscheidung eines iPhones von einem Allzweckcomputer ist für Apple kritisch.

    Pontius Pilatus und Apple haben hier Gemeinsamkeiten? Ähnlich bei Twitter, statt Apps gibt es da Influencer. Einer hieß Trump. Das Hausrecht hat Twitter wohl erst erwägt, als der mögliche Ertrag die Risiken nicht mehr gerechtfertigt hat.

  4. Krass finde ich, wieviel Einnahmen so ein relativ kleiner Entwickler generieren kann. Es scheint tatsächlich eine Mähr zu sein, dass halbwegs erfolgreiche Apps ihren Entwickler nur so grade satt kriegen. Das veranlasst mich dann doch, zukünftig etwas knausriger bei den Abos zu sein.

  5. Das ist bestimmt ein armer Entwickler der das Geld braucht, und Apple ist ganz froh drum Abo zu verkaufen und natürlich den EntwicklerAcc.

    ROFL

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