Angetestet: Apple Watch Series 2

13. November 2016 Kategorie: Apple, Wearables, geschrieben von: caschy

Apple_logo_black.svgNoch immer gehören sie nicht zum Alltag vieler Menschen. Smartwatches. Diverse Hersteller gibt es da, die um Kundschaft buhlen. Pebble, Tizen-Lösungen von Samsung, Android Wear oder eben auch Apples Series 2. Mit einem solchen Wearable – eine klassische Fitnesslösung mal außer Acht gelassen – ist man immer noch in einer verschwindend geringen Minderheit. Und wer will es den Menschen verdenken, die vielleicht noch nie mit einem solchen Wearable in Berührung kamen? Man hört eher von den Nach- als von den Vorteilen. Kurze Akkulaufzeit, hoher Anschaffungspreis und ein fragwürdiger Mehrwert. Und ja, alles Punkte, über die man reden kann – hierbei sollte man aber nicht den Nutzen des Einzelnen infrage stellen. Was der eine Anwender vielleicht mit „Das braucht kein Mensch“ abtut, ist für den anderen vielleicht das nützlichste Gadget seit Erfindung des Smartphones.

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Nun also die Apple Watch Series 2, die sich in unsere Berichterstattung rund um das Thema Wearables schleicht. Rein optisch hat sich wenig getan, Apple bleibt beim Design, während andere Hersteller sich schon mit diversen Formfaktoren ausprobierten. Das erinnert an das iPhone und auch hier ist es natürlich Geschmacksache, wie ein jeder Nutzer die Smartwatch von Apple findet. Doch natürlich fanden unter der Haube Verbesserungen statt – nicht nur in Sachen Hardware, denn auch die Software hat Neuerungen erhalten. Rein technisch hat Apple mit der Watch Series 2 eine Nische für sich erschlossen: Die Schwimmer.

50 Meter ist die neue Apple Watch wasserdicht. Zwar nutzten den Vorgänger schon einige unter der Dusche, die Series 2 kann aber auch bedenkenlos langfristig im Wasser genutzt werden. Nun mag man meinen, dass das Schwimmen die totale Nische ist – ich als Mann einer Schwimmtrainerin sehe das etwas anders. Dass man sich überhaupt Gedanken um die Wasserdichtigkeit eines Wearables machen muss, das passt so gar nicht ins Jahr 2016.

In Sachen Hardware hat man zudem noch am Prozessor und der Grafik gearbeitet, dies sorgt für spürbar schnellere App-Starts. Apps können seit watchOS nativ sein, ein extremer Vorteil gegenüber alten Software-Varianten, hier ging mancher Mehrwert durch vertrödelte Wartezeit flöten. Doch das war nicht alles, denn die Apple Watch Series 2 hat ein helleres, 1000 nits starkes Display erhalten, zudem sorgt unter der Haube GPS dafür, dass auch ohne iPhone mittels Navigations-Apps Wege gezeigt werden können, bzw. Trainings aufgezeichnet werden können.

Nach Anlegen der Apple Watch Series 2 – ich habe mich für das 42 mm große Testmodell aus Edelstahl mit einem Sportarmband entschieden – ging es erst einmal an das Einrichten „meiner“ Apps. So gehörte es bei uns im Haus zur Selbstverständlichkeit, die Hue-Lampen per Siri an- oder auszuschalten (mittlerweile übernimmt aber Amazon Echo diesen Part). Kleinigkeiten, die eben über die Apple Watch möglich sind.

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Wenn man einen Sinn für sich gefunden hat, einen echten Bedarf, dann geht die Nutzung halt in Fleisch und Blut über. Timer für diverse Anlässe stellen (Gold wert, wenn man am Grill steht und keine Hände für das Smartphone frei hat) , Nachrichten verschicken, Nachrichten lesen, Sprachnachrichten oder sogar telefonieren. Das alles, ohne das iPhone dabei zu haben. Das ist echt ein toller Mehrwert, wenn natürlich einer, der sich bezahlen lässt. Sind für mich die liebsten und meist genutzten Funktionen.

Die Fitness-Funktionen? Wer mich kennt, der weiss, wie es um meine Fitness-Aktivitäten bestimmt ist. Aber so eine Apple Watch kann, wie eigentlich jedes Fitness-Gadget – auch motivierend wirken. Wir haben eine kleine Gruppe von Nutzern, die gegenseitig ihre Trainingserfolge freigegeben haben. Verwunderlich ist hier Kollege Ostermaier, der sich tatsächlich teilweise weniger bewegt als ich – sprich: eigentlich klinisch tot ist. Aber für ihn gilt eh: Der Fitness-Aspekt zählt nicht.

Dennoch ist aus meiner Beobachtung heraus für viele Nutzer ein allumfassendes Wearable ein beliebter Begleiter. Statt Uhr und Sporttracker diverser Arten wird zu einer Lösung gegriffen. Das haben mittlerweile alle Hersteller erkannt und bauen aus diesem Grunde Fitnessfunktionen in Sachen Software ein, dazu GPS für die nötige Unabhängigkeit. Wer sich bewegen will, der findet weiterhin bei der Apple Watch diverse Trainings vor, darunter auch Schwimmen. Das funktioniert losgelöst vom iPhone gut, je nach Intensität ist aber mit weniger Akkulaufzeit zu rechnen.

Übrigens: Kurz einmal ein kleiner Plot aus dem Bereich des Schwimmens, vielleicht für den einen oder anderen ganz interessant zu wissen: Beckenschwimmer können sich nicht – im Gegenzug auf Outdoor-Freischimmer – auf GPS verlassen. Der Nutzer muss hier die Bahnlänge eingeben, das Erfassen der durchgezogenen Bahnen wird aber in den meisten Fällen korrekt erkannt. In den meisten Fällen bedeutet: Es kam vor, dass nach Anschlag am Beckenende die letzte Bahn nicht erschien.

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Deshalb einfach mal noch ein paar Meter ranhängen. Hat man sein Bahnen durchgezogen, so kann man sein Training beenden (Krone + Seitentaste) und die Watch 2 wieder zur Benutzung freimachen – einfach auf den Wassertropfen drücken, der auf dem Bildschirm visualisiert ist. Hierbei vibriert die Uhr das Restwasser aus dem Lautsprecher und vermeldet dann, dass sie nun wieder einsatzbereit sei.

Verbesserte Akkulaufzeit. Die neue Watch Series 2 arbeitet durch größeren Akku länger. Das finde ich persönlich gut, denn in meiner Welt gibt es gelegentlich Trips über Nacht und ich bin oftmals nicht gewillt, den Apple Watch-Lader mitzuschleppen. Wenn ich morgens aus dem Haus komme und die Uhr nur klassisch für Benachrichtigungen und deren Beantwortungen nutze, dann komme ich fast auf zwei Tage. Heißt: Morgens um sieben Uhr umschnallen und danach am nächsten Tag gegen 20 Uhr ca. muss ich die Uhr an die Ladestation hängen. Ob man die Uhr über Nacht umlassen will ist Geschmacksache, man kann sie als Uhr auch wunderbar am Nachttisch laden.

Während meines Tages ermahnt mich die Uhr. Stell dich hin. Atme mal ruhig. Du hast so und so viel geschafft. Deine Kollegen haben ihr Ziel erreicht. Informationen, auf die jeder anderes reagiert, die zum Glück aber optional sind. Wer das für sich ausprobieren will – nur zu. Gerade das ruhige Atmen kann interessant sein, während es auch deutsche Wissenschaftler gibt, die der Meinung sind, man solle im stillen Kämmerlein mal alle paar Stündchen ein Minütchen in sich hineingrinsen, um seinen Körper auf wohligem Trapp zu halten. So weiss ich dann am Ende des Tages, was ich geschafft habe – oder eben nicht. Interessant dabei übrigens die zurückgelegten Schritte: Wie einige Tracker ist auch die Apple Watch gelegentlich doch der Meinung, dass ich beim Zähneputzen oder ähnlichen Abfolgen mit der Hand Schritte gehe.

Die Apple Watch Series 2 mag für den einen oder anderen als nicht großer Sprung im direkten Vergleich wirken. Das ist auch in gewisser Weise richtig, denn Apple hat auf beiden Modellen eine neue Software laufen, die besser ist als die vorhergehende – wenn auch mit Lernkurve für Besitzer der Erstgeneration. Das macht sich nicht nur in besserer Effizienz bemerkbar, sondern geht auch bei etwas sinnigerer Benutzung von zehn definierbaren Apps weiter, die einen schnellen Überblick verschaffen. Der neue Chip sorgt für nachweislich schnelleres Arbeiten, macht aber auch nachdenklich, ob man für Lebensdauer X Summe Y auf den Tisch legen möchte. Ich sehe es mal aus meiner Perspektive. Ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass ich Ende 2016 nicht zwingend auf ein Wearable angewiesen bin.

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Es kann Menschen helfen, die sich bewegen wollen, die sich motivieren wollen. Mir fällt da das Ignorieren leicht. Ich schaue für mich auf ein „Nutzen in Verbindung mit dem Preis“ und komme zur Erkenntnis, dass es sich für mich persönlich nicht rechnet als Bewegungslegastheniker und Am-Schreibtisch-Malocher. Anders sieht es meine Frau, die täglich auf den Beinen ist, recht beschäftigt durch die Welt- und Arbeitsgeschichte tobt und ein eifriger Nutzer ist. Das in der Handtasche verweilende iPhone wird gerne übersehen und überhört, stattdessen kommt die Apple Watch im hektischen Tag als Kommunikationszentrale zum Einsatz. Die hat sich extrem schnell an die Apple Watch gewöhnt und in ihren Tagesablauf integriert.

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Die Apple Watch 2 ist eine sinnvolle Erweiterung oder Neuerung, wenn man denn einen Anwendungsbereich für sie hat. Aus meiner Sicht wendet sie sich an aktive Menschen und solche, die es werden sollen. Wer sich einmal auf die Vorschläge einlässt, der macht einfach mehr. Und wer seine Erfolge oder Misserfolge mit Freunden teilt, der wird ebenfalls angetrieben – zumindest jedoch spricht man gelegentlich über die eigene Fitness. Wer gerne mal reinschaut, was er denn so gerissen hat, der wird die GPS-Funktion gepaart mit der Aktivitäten-App lieben. Jedes Training, jeder Spaziergang kann gesichert werden und über die Aktivitäten-App verfolgt werden.

Für mich steht fest, dass die Apple Watch 2 weiterhin für mich kein Must Have ist. Das geht bei Wearables generell vielen so, wenn ich mir Marktzahlen und mein Umfeld anschaue. Unbestritten ist aber, dass es Personengruppen gibt, die die einzelnen Funktionen wertschätzen. Und diese hat Apple sicherlich im Bereich der Bewegungstreibenden erreicht. Auf der Plusseite stehen für mich – neben den neuen Funktionen für die Software – die verbesserte Schnelligkeit, GPS und die Wasserdichtigkeit. Dennoch muss man festhalten, dass auch die Apple Watch 2 kein echtes Stand Alone-Gerät ist, sondern für einen Großteil das iPhone voraussetzt.

Die Apple Watch Series 2 ist ab 419 Euro zu haben, Apple bietet aber auch noch ab 319 Euro eine erneuerte Series 1 an. Sie besitzt einen schnelleren Prozessor, ist aber lediglich spritzwassergeschützt und nicht für Schwimmer geeignet. Wer vorher keinen Sinn in einer Watch sah, sie auch nicht im Bereich der Bewegung möchte, der wird auch weiterhin ohne sie auskommen. Aktiven Menschen im Apple- und iOS-Universum kann ich sie aber ans Herz legen, zwingend benötigtes iPhone aber vorausgesetzt.



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