Verfügung gegen Facebook: keine Klarnamenpflicht in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein scheint gerade die Klarnamenpflicht bei Facebook arg zu bröckeln. Generell besteht Facebook darauf, dass wir unsere Klarnamen verwenden, wenn wir das Social Network nutzen wollen. Das passiert in vielen Fällen nicht, muss den Verantwortlichen aber auch nicht immer auffallen. Sobald jedoch festgestellt wird, dass hier nicht der echte Name verwendet wird, macht Facebook eine solche Seite aber auch gerne mal dicht. In Schleswig-Holstein scheint Facebook damit jedoch nicht länger durchzukommen. Das ULD (Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz) in Schleswig-Holstein hat Facebook per Verfügung dazu verpflichtet, anstelle von vollen Namen (und Geschlecht, Geburtstdatum, E-Mail-Adresse) auch die Anmeldung per Pseudonym zuzulassen.

Facebook-Logo

Das  bedeutet nicht nur, dass man sich in diesem Bundesland nun jeden x-beliebigen Namen geben darf, sondern hat logischerweise auch Auswirkungen auf diejenigen, deren Profile aufgrund eines Pseudonyms gesperrt wurden – die müssen wieder entsperrt werden. Letzteres ist sogar unmittelbar umzusetzen, wie Anwalt Thomas Stadler ausführt.

Man beruft sich dabei auf das Telemediengesetz. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, ob man mit dieser Nummer durchkommt gegen den Dienst mit über einer Milliarde Nutzern. Der Knackpunkt hierbei: der entsprechende Passus im Telemediengesetz sieht lediglich vor, dass man Facebook auch anonym bzw unter Pseudonym nutzen darf. Dabei ist allerdings nicht die Rede davon, dass Facebook nicht auf die Registrierung per Klarnamen beharren darf. Geht mal davon aus, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist und Facebook sich mit seiner Schar an Anwälten sicher nicht so leicht geschlagen gibt.

Quelle: Datenschutzzentrum via TechCrunch

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25 Kommentare

  1. @Jens: Zugegeben, viele Dienste werden durch Anonymität unbenutzbar. Viele funktionieren aber auch: Beispiel Wikipedia, Ubuntuusers.de, Caschy 😉 …

    Ich sehe halt mit einem Realnamen folgende Probleme: Meiner Schwiegermutter möchte anders gegenübertreten wie meinem besten Kumpel oder meinem Chef. Das mache ich im Real Life so, und das finde ich auch gut so. In FB geht das nicht so einfach. Wenn ich da sowohl „Schwiegermutter“ als auch „Kumpel“ und „Chef“ als Freunde haben will, ist es wirklich schwierig, die unterschiedlichen Posts von mir nur unterschiedlichen Personen zugänglich zu machen. Klar, es gibt Benutzergruppen etc, aber die Einstellungsmöglichkeiten werden von Facebook ständig geändert und sind nicht wirklich intuitiv. Und ich kenne mich besser aus als alle meine Bekannten, wie ist es erst bei Leuten mit IT-Phobie? Da kommt es schon mal dazu, dass Leute gefeuert werden etc…
    Im Real Life mache ich meine Handlungen/Äußerungen nur bestimmten Leuten zugänglich und kann leicht „umschalten“. In FB geht das imho effektiv und sicher nur mit Pseudonymen.

  2. @Karl
    Nö, wer das will, ist bei Facebook falsch – offensichtlich, wenn man sich die Nutzungsbedingungen anschaut, implizit durch das, wofür Facebook da ist. Derjenige hat zu verschwinden, statt den Dienst zu zerstören. Gibt genug andere Dienste. Soll zu 4chan gehen. Tschüss.

    @Holger
    Sobald es um Einzelaspekte, insbesondere technische, geht, kann es funktionieren. Das ist aber nur ein sehr enger Spezialfall. Ausgerechnet die Wikipedia würde ich aber nicht anführen, der Umgangston ist da dermassen saumässig, dass es gute Autoren abschreckt und nur die hartnäckigen bleiben – die nicht immer inhaltlich die besten sind. Ich habe da ein paar Themengebiete im Blick, wo die deutsche Wikipedia komplett unbrauchbar ist, und meist liegt es an einzelnen, die das Thema besetzt haben. Es sind natürlich nie die ganz falschen Fakten, aber groteske Wertungen und Gewichtungen, subtil in hunderten Artikeln untergebracht. Nö, die deutsche Wikipedia nutze ich nicht mehr. Die englische hat mehr Augen, die drauf schauen, dadurch geht das ein bisschen besser. Caschys Kommentare sind natürlich ein extremes Gegenbeispiel, die sind von so dermassen hoher Qualität, die Kommentierenden sollten an den Milliardeneinnahmen des Blogs beteiligt werden. Mindestens. Facebook hat ja (pseudonyme) Foren nicht komplett getötet. was ja auch einige erwartet hatten. Die gibt es immer noch und für sensible Themen sind die ja auch durchaus vorzuziehen. Für einiges allerdings ergeben sie auch keinen Sinn mehr. Aber da hat ja man die Wahl und die Freiheit. Man muss ja nicht jeglicher sonstiger Internetnutzung abschwören, wenn man auch bei Facebook ist – bei einigen klingt das so.

    Dein geschildertes Problem der Empfänger ist mir nicht klar geworden. Du tritts den Empfängern doch immer als „Holger“ entgegen, Du änderst doch nur Deinen Ton oder die Themen. Klar, wenn man immer alles öffentlich macht, wie es am Anfang ja Standard war, dann ist das problematisch. Aber das macht man analog im realen Leben doch auch nicht.

    Dass die Einstellungen und die Klarheit, wer was sieht, nicht optimal sind, sehe ich allerdings auch so. Das muss watscheneinfach sein, ist es aber längst noch nicht. Auch bei der Konkurrenz nicht, obwohl da das Versprechen am Anfang ja in genau die Richtung ging. Aber das ist für mich ein komplett anderes Problem als das der Identität.

  3. Google Translate muss jetzt in Bayern sowohl Fränkisch als auch Ober- und Unterbayrisch anbieten. Und Amazon darf in Berlin, per einstweiliger Verfügung, bei Kauf eines Waffeleisens keine „Berliner“ mehr als „andere kauften auch…“ anbieten…
    @Jens: Genau 🙂 Anscheinend hat man in den Bundesländern keine anderen Probleme…
    Wo sind wir hier??? Schilda?

  4. das problem nennt sich facebook durch metamorphose und mutation infiziert es soziale strukturen. die infrastruktur des landes vormals auch aus telefonetzen und direkter komunikation bestehend wird durch diesen parasiten spürbar sukzesive immer mehr geschädig. bei manchen individuen dringt dieser parasit direkt ins gehirn. dann fordern jene geschädigte subjekte, das jeder, der in Facebook nicht seinen richtigen namen angibt unmittelbar denuziert und gelöscht gehört

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