„It Takes Two“ angespielt: Koop-Spiel voller Kreativität

Mit „It Takes Two“ hat Electronic Arts kürzlich ein neues Game unter dem Banner seiner EA Originals veröffentlicht. Darunter versammeln sich Spiele abseits der großen Triple-A-Naturgewalten, die oftmals mit Konzepten glänzen, die etwas aus dem Rahmen fallen. Als echte Perlen möchte ich da „Unravel“ und „Unravel 2“ empfehlen. Aber auch „It Takes Two“ profitiert von einem ungewöhnlichen Spielprinzip und einer enormen Dosis an Kreativität.

So könnt ihr „It Takes Two“ nicht allein spielen, sondern ausschließlich kooperativ mit einem anderen Mitspieler. Letzterer kann euch entweder direkt auf der Couch im lokalen Koop aushelfen oder auch via Online-Multiplayer. Der Clou: Es reicht, wenn einer der beiden Spieler das Game gekauft hat. Der zweite kann über den kostenlosen Friend Pass mitmachen. Selbst kann derjenige, der nur den Friend Pass verwendet, „It Takes Two“ aber logischerweise nicht komplett mit anderen zocken. Dann fungiert der Friend Pass als Trial und das erste Kapitel ist gemeinsam erkundbar.

Dabei stammt „It Takes Two“ von den Entwicklern Hazelight Studios, die mit „A Way Out“ schon zuvor ein reines Koop-Spiel ins Rennen geschickt hatten. Der leitende Entwickler, Josef Fares, scheint Gefallen an diesem Prinzip gefunden zu haben, denn auch sein zuvor für Starbreeze Studios gestaltetes „Brothers: A Tale of Two Sons“ schlug in diese Kerbe. Selbst wer jene beiden Titel jedoch weniger mochte, sollte „It Takes Two“ eine Chance geben. Denn Fares nutzt all seine Erfahrungen und liefert mit diesem Koop-Titel nun den Feinschliff, der den Vorgängern noch etwas fehlte.

So konnte etwa bei „Brothers: A Tale of Two Sons“ rasch eine gewisse Monotonie einkehren. „It Takes Two“ hingegen ist extrem abwechslungsreich: Die beiden Hauptfiguren, ein zerstrittenes Ehepaar, das auf wundersame Weise in die Puppen seiner kleinen Tochter transformiert wurde, muss sich regelmäßig mit neuen Fähigkeiten aushelfen. Mal muss der eine Wespen zukleistern, während der andere auf explosive Weise nachhilft, dann gilt es sich mit Verkleinern und Vergrößern der Spielfiguren gegenseitig auf Trab zu halten. Es kommen schon nach kurzen Abständen jeweils frische Aktionen und Ideen ins Gameplay. Dadurch wird die Neugierde des Spielers immer wieder neu geweckt und man ruht sich niemals zu sehr in seiner Komfortzone aus.

Zumal auch für viele Aktionen das Timing eine große Rolle spielt: Da sollte man sich mit seinem Mitspieler stets absprechen. Nicht nur im Spiel, auch in der Wirklichkeit kann es da zum humorvollen „Beziehungskrach“ kommen, wie ich mit meiner Freundin erfahren musste, wenn wir aneinander vorbeiredeten und deswegen z. B. einen Abgrund herunterrauschten. Nein, das artete nie in ernstes Drama aus, aber in der Hitze des Gefechts wird da sicher der ein oder andere Fluch fallen. Ein kleiner Kritikpunkt betrifft da die Nebenaufgaben: In den Levels gibt es immer wieder kleine Zusatzrätsel, die allerdings alles andere als selbsterklärend sind. Ich schätze es zwar, wenn ein Entwickler dem Spieler nicht alles komplett vorkaut, hier hätte man aber zumindest manchmal einen kleinen Schubser geben können.

Die Story des Spiels ist dabei zwar charmant, stellt jedoch im Kern nur ein Alibi dar, um das Spielprinzip zu rechtfertigen und euch mit einem kleinen roten Faden durch die Levels zu lotsen. Wer hier also ein bisschen Tiefgang oder überraschende Twists und Einblicke in die Psyche und Konstellation der beiden Partner erwartet, wird eher enttäuscht sein. Auch dürften die Reaktionen auf den Klischee-Charakter Dr. Hakim, ein sprechendes Ratgeber-Buch, gemischt ausfallen.

Dafür ist gut gelöst, dass es in den unterschiedlichen Abschnitten immer wieder Verstecktes zu entdecken bzw. kleine Ablenkungen gibt. Da zeigt sich viel Liebe zum Detail. So könnt ihr auf umherstehenden Musikinstrumenten herumklimpern oder das weitläufige Terrain erkunden und Minispiele entdecken, die ihr später auch separat auf Abruf zocken könnt. „It Takes Two“ zückt da immer wieder seine Trumpfkarte „Abwechslungsreichtum“. Dabei ist das Game gar nicht mal so kurz: Je nach euren Skills, die ihr als Team an den Tag legt, könnt ihr so ca. 12 Stunden unterwegs sein.

Gespielt habe ich den Titel an der Xbox Series X, wo das Spiel mit angemessenen 60 fps und nach meinem Eindruck dynamischer 4K-Auflösung läuft. Generell wirkt „It Takes Two“ sehr scharf, profitiert aber auch von seinem Art Design im Cartoon-Stil, das ein wenig an die Filme von Pixar erinnert, wenn man sie mit „Coraline“ (grandioser Stop-Motion-Film) kreuzen würde. Auch der Soundtrack gefällt, allerdings kommen viele Abschnitte fast gänzlich ohne Musik aus. Die (ausschließlich englischsprachige) Sprachausgabe spielt qualitativ ebenfalls auf einem hohen Niveau. Deutsche Untertitel sind ebenfalls an Bord.

Was bleibt, ist „It Takes Two“ unbedingt für all diejenigen zu empfehlen, die sich bereits einen Mitspieler bzw. eine Mitspielerin auserkoren haben und richtig Bock auf ein spaßiges Geschicklichkeitsspiel haben, dessen Schwierigkeitsgrad immer fair bleibt. Technisch ist dieses kleine, aber feine Game zwar kein Brecher wie mancher Triple-A-Rivale, lässt aber kaum Wünsche offen. Im Koop-Bereich gibt es aktuell meiner Meinung nach, insbesondere an den Next-Generation-Konsolen, wirklich keine bessere Alternative. Insofern hoffe ich, dass Josef Fares den verdienten Erfolg einfahren wird und uns auch weiterhin mit derartig charmanten Titeln versorgen darf.

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6 Kommentare

  1. Kann man das auch zu zweit an einer Konsole spielen?

    • André Westphal says:

      Klar, lokaler Koop funktioniert – läuft dann im Splitscreen :-).

      • Sebastian says:

        Auch auf einen PC? Ich habe einen 49 Zoll Widescreen Monitor. Wäre eigentlich perfekt dafür. Genug Power sollte die 3080 haben

        • Pixelstrudel says:

          Jepp, am PC gibt es ebenfalls lokalen Koop.

          Wenn es so läuft wie bei A Way Out sollte das Spiel übrigens auch auf Ultra Widescreen perfekt skalieren.

          Ansonsten kannst du es ja mit dem Freundespass ausprobieren.

  2. Pixelstrudel says:

    Kleine Korrektur: Brothers war kein Koop-Titel.

    Hier bestand der Clou darin, dass die beiden Brüder durch einen Spieler gesteuert werden. Linker Analogstick für den einen Bruder und der Rechte für den anderen. Ein Koop-Modus existierte nicht.

    Erst „A Way Out“ war dann wie It Takes Two ein reiner Koop-Titel.

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