Gaffen tötet: Mit QR-Codes gegen Schaulustige und Sensationsgier

Eine gesteigerte Sensationslust ist wohl in unserer Gesellschaft kaum zu bestreiten. Soziale Netzwerke tragen dazu bei, denn sie lassen andere ständig, überall und an allem teilhaben. Eine entsprechend starke Verbreitung diverser Aufnahmen inklusive. Doch bei vielen hört das „Alles-in-sozialen-Netzwerken-teilen“ nicht beim Mittagessen auf. So nehmen in den letzten Jahren verstärkt auch Fälle von Gaffern zu. Das Teilen von Einsatzszenarien ist da wohl das eine Übel, gravierend wird es vor allem dann, wenn Schaulustige sogar Rettungskräfte behindern. Beispielsweise, wenn die Rettungsgasse aufgrund der Sensationsgier nicht richtig gebildet wird oder Passanten im Weg stehen. Hier entscheiden Minuten über Leben und Tod.

Unter der Initiative „Gaffen tötet!“ versuchen Johanniter Schaulustige mit „ihren eigenen Waffen“ zu schlagen bzw. zumindest ohne personelle Ressourcen an deren Vernunft zu appellieren. Hierzu erprobt man QR-Codes am Rettungsfahrzeug sowie auf der Aufrüstung der Einsatzkräfte. Jene sollen beim Fotografierenden automatisch aufploppen mitsamt Verlinkung auf die Kampagnen-Webseite. Jene klärt zudem darüber auf, dass „Gaffen“ eine Straftat ist: seit Jahresbeginn kann es mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Zum 1.1.2021 hat man in Paragraf 201a des Strafgesetzbuches das Fotografieren oder Filmen eines Unfalls mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren verankert.

Vorerst ist man bei den Berliner Johannitern mit dem Pilot-Projekt gestartet und hat acht Rettungswagen und einen Intensivtransportwagen mit dem QR-Design ausgestattet. Die Erfahrungen wolle man daraufhin auch mit anderen Organisationen teilen. Man erhofft sich durch bewusst machen der Tat ein Umdenken zu erreichen. Befürchtung meinerseits: Wer so skrupellos ist, der lässt sich auch dadurch nicht seine Taten und die Auswirkungen vor Augen führen. Bei vielen dürfte ein Umdenken daher leider ausbleiben.

Zudem: Nicht jede Kamera-App hat einen automatischen QR-Code-Scan verankert (zum Beispiel OnePlus oder Xiaomi). Bei iOS-Geräten und Samsung-Smartphones ist er allerdings beispielsweise die Default-Option, entsprechend dürfte man da einige Nutzer durchaus erreichen – wenn der Blickwinkel auf den QR-Code denn stimmt.

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Baujahr 1995. Technophiler Schwabe & Studienreferendar. Unterwegs vor allem im Bereich Smart Home und ständig auf der Suche nach neuen Gadgets & Technik-Trends aus Fernost. Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: felix@caschys.blog

Neueste Beiträge

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.

32 Kommentare

  1. elknipso says:

    Ganz ehrlich wer aktiv einen Rettungseinsatz verzögert weil er den Sanitätern im Weg steht um ein besseres Bild für sein Video zu bekommen, während er eine hilflose verletzte Person auf dem Boden filmt -> Mindeststrafe 1 Jahr ohne Bewährung.

    In Fällen bei denen es aufgrund dieser Behinderung zu Folgeschäden oder gar dem Tod von jemand geführt hat entsprechend höhere Strafen.

  2. Finde ich sehr löblich den Ansatz.
    Ich würde es gerne sogar soweit ausdehnen, dass alle Kamera-Apps auf einen festgelegten QR-Code anspringen und sich einfach deaktivieren sollten.
    Alternativer Vorschlag: Wie wäre es mit „Geofencing“, dass rund um Unfall-Orten pauschal alle Handy-Kameras deaktiviert werden? Ich denke technologisch wäre es machbar.

    • Dann kommt der Bankräuber oder Schläger, beklebt sich mit dem QR-Sperrcode (bzw sendet ein Sperrssignal) und kann unentdeckt entkommen…Beweisaufnahmen für die Fahndung gibt es nicht.

      Gaffer soll man aus dem Verkehr ziehen, nicht aber die normalen Menschen.

    • Christian says:

      Selten so eine „komische“ Idee gehört, wie mit dem Geo Fencing. ‍♂️

  3. Carlsson says:

    Sorry, aber das ist mal wieder nichts anderes als eine total verkopfte »Awardidee« einer Werbeagentur. Und dieser Casefilm dazu, der von »innovativem« Design spricht und einer Message die laut Film direkt auf dem Display auftaucht … Ein QR-Code und der muss dann noch angeklickt werden. Herrlich umständlich. Man könnte ja auch direkt »Gaffen tötet« draufschreiben, aber dafür kann man sich dann eben nicht auf der nächsten Award-Party abfeiern.

  4. Sinnlose Sache. Jeder weiß das es verboten ist zu filmen oder gaffen. Da braucht man die Rettungswägen nicht mit QR Codes veschandelt. Nutzen hätte es nur, wenn man die Leute die Filmen/Gaffen via QR Code zu melden.

  5. Prinzipiell finde ich die Idee gut, befürchte nur, dass die Wenigsten daraufhin einsichtig wären.
    Spaß: Der Code müsste die Kamera für eine Minute deaktivieren oder gleich das ganze Smartphone einfach neu starten 😉

  6. Finde die ganze Entwicklung rund ums „Gaffen“ sehr problematisch.

    Erstmal zu diesem QR Gimmick: Wessen Kamera macht denn kein Photo oder Video bloß weil da ein QR Code sichtbar wird? So eine Default Konfiguration ist mir ja noch nie begegnet.

    Und zum „Gaffen“: Problematisch ist das Verletzen von Persönlichkeitsrechten und das Behindern von Rettungskräften, nicht das Beobachten und/oder dokumentieren von Rettungseinsätzen. Hier wurden weder im Gesetzgebungsprozess noch in der diesen Prozess reflektierenden öffentlichen Debatte inhaltlich sauber gearbeitet.

    Strafen dafür, bei der Videodokumentation von Rettungseinsätzen gefasst zu werden sind genau so kritisch wie Strafen für das Dokumentieren von Polizeieinsätzen. Das ist im Grunde ein Angriff auf Transparenz im öffentlichen Raum.

    Das darf man icht vermischen mit dem Verletzen von Persönlichkeitsrechten von Opfern, Beteiligten und Rettungskräften …oder dem Behindern von Einsätzen. Haben wir aber gemacht und jetzt haben wir so ein Gaffer Gesetz. .. auch noch mega wackelig mit Menschenwürde begründet; als wären wir Zweitsemester Soziologiestudenten 😀

    • Felix Frank says:

      Wo steht denn dass die Kamera kein Foto machen dann? Es gibt lediglich einen Hinweis auf den Inhalt / Link im QR Code „Gaffen tötet“.

    • Vielen Dank für diesen Beitrag!
      Heutzutage findet man in vielen Foren eine fast automatische Empörung für ein Thema unabhängig
      davon, wieviele Facetten tatsächlich dazu gehören.
      In einer rechtsstaatlichen Demokratie kann man Berichterstattung eben nicht einfach per se verbieten.
      Dazu ist sie eine zu wichtige Säule unserer Demokratie. Und eine Unterscheidung in Journalisten und Nicht-Journalisten gibt es schlicht nicht. Jeder Blogbetreiber ist ein Journalist.
      Natürlich finde ich, genauso wie die meisten Menschen, Gaffen eine verabscheuungswürdige Handlung.
      Hinsichtlich der strafrechtlichen Ahndung muss man aber genau abwägen. Sicher kein einfacher Job, den ich gerne den Experten, z. B. den Juristen auf dem Verkehrsgerichtstag, überlasse.

  7. Weder meine Kamera (sprich die App, mehrere zur Auswahl) noch mein QR-Code-Scanner können mit dem Code etwas anfangen. Wobei meine Kamera auch bei QR-Codes nur ein kleines Symbol am Rand anzeigt, welches ich bewusst anklicken muss.
    Egal, ich stehe eh meist hinter der Absperrung und habe es nicht nötig zu filmen bzw. habe im Rahmen der Einsatzdokumentation das Recht dazu 😉

  8. Christian says:

    Gaffen, behindern, aggressives Auftreten gegenüber Rettungskräften jeglicher Art: kurze Haft, Geldbuße die wehtut, alternativ durch Haft abzusitzen. Menschen mit Anstand behindern keine Rettungskräfte. Geltungssüchtige schon

    • Christian says:

      Oder noch besser.. Aussetzung der Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse. Sollen die Menschen die andere Leben gefährden obwohl gerade Rettungskräfte ihr bestes geben doch einfach Mal schauen wo sie bleiben.

  9. Warum nicht einfach einigermaßen starke IR-Scheinwerfer an die Autos montieren? Beispielsweise als zusätzliche RKL auf dem Dach. Damit würde jedes Bild unbrauchbar.
    Vielleicht nicht so medienwirksam aber dafür 100% funktional. Vielleicht denke ich aber auch einfach zu einfach

    • checkit53 says:

      Soweit mir bekannt hatten zumindest die iPhones einen IR-Filter.
      Testen kann man das relativ einfach, indem man versucht die IR-Diode von der Fernbedienung bei Betätigung zu Filmen.

    • Es gibt auch einen Anspruch der Medien auf eine angemessene Berichterstattung. Diese darf zwar ebenfalls keine Rettungsarbeiten behindern und auch keine Persönlichkeitsrechte verletzen, den grundsätzlichen Anspruch wird man aber nicht verwehren können.
      Und natürlich gibt es einen Anspruch über Rettungstätigkeiten auch im Fernsehen zu berichten. Extremes Beispiel wäre wohl 9/11.

  10. Ist eine nette Aktion, wird aber die Vollpfosten, die Einsätze fotografieren (ausdrücklich ausgenommen, die dazu von offizieller Seite einen Auftrag haben =absolute Minderheit) bzw. meinen fotografieren zu müssen, leider nicht abhalten.
    Wenn die Aktion aber auch nur einen Idioten davon abhält, künftig zu gaffen, war sie bereits erfolgreich. Drücke die Daumen. Gehe aber davon aus, dass nur stärkere Sanktionierungen dauerhaft helfen werden. Die Möglichkeiten dazu gibt es, ist nur sehr personalintensiv und das hat vor Ort wichtigeres zu tun.

  11. Für mich ist das eine unausgegorene Idee einer Werbeagentur. Aus technischen Gründen wird nur bei einem Teil der Smartphones überhaupt einen Hinweis generiert, dieser muss dann aktiv angeklickt werden. Soll das nur bei Fotos oder auch bei Video-Aufnahmen funktionieren? Um den verlinkten Hinweis zu sehen, muss das Smartphone auch im Netz sein. Am Patienten darf ich den Notfallrucksack nicht aufklappen, da sonst der Code nicht mehr sichtbar wäre.

    Außerdem werden hier zwei Problemfelder vermischt, die zwar miteinander zusammenhängen, aber sich nicht unbedingt decken: Behinderung von Rettungsdiensten bei der Anfahrt oder am Einsatzort und die Verletzung der Persönlichkeitsrechte der beteiligten Personen. Insofern ist der Slogan „Gaffen tötet“ ungenau. Die Kampagnen zum Thema Rettungsgasse haben in den letzten Jahren sensibilisiert und die Situation verbessert. Beim Thema Gaffen muss auch ein Umdenken in der Gesellschaft passieren. Nicht den Filmenden für seine tollen Aufnahmen loben, die Bilder/Videos nicht verlinken oder weiterleiten. Zum Nachdenken anregen, wie wäre es, wenn du oder deine Angehörigen/Freunde das Opfer wären?

    Durch § 201a StGB ist nur ein kleiner Teil des Gafferproblems abgebildet.
    http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__201a.html

    Die großflächigen QR-Codes auf den Fahrzeugen erinnern mich an die geometrischen Muster, mit der die Autoindustrie ihre Prototypen tarnt (Erlkönig). Ich befürchte, dies reduziert die Erkennbarkeit der Rettungsmittel im Straßenverkehr. Selbst der umlaufende leuchtrote Streifen (Bauchbinde) wurde dafür unterbrochen.

    • Gnuzifer says:

      Es gibt auch noch ein drittes Phänomen, was dabei auftritt. Die Autofahrer, die auf der Autobahn von der Gegenspur aus fotografieren, und dann dort einen potentiell gefährlichen Stau verursachen.

      Aber ich bin auch der Ansicht, dass diese Idee selten zum Tragen kommen wird, da nicht jede Kamera-App QR-Codes überhaupt erkennt/anzeigt – und wenn, dann nur ein Icon oder den Inhalt irgendwo am Rand einblendet.

  12. werner54 says:

    Das einzige was helfen würde: auf jedem Krankenwagen eine Security Person, die die Gaffer in gewahrsam nehmen kann. Der Krankenwagen würde rundherum filmen, vollautomatische Gesichtserkennung mit direktem Kontakt zu den Strafverfolgungsbehörden.

    Es sind leider überall immer die einige wenigen die für die gesamte Bevölkerung zum Problem werden.

  13. Wie wäre es, wenn die Polizei einfach mal die bestehenden Gesetze durchsetzt?
    Bei Unfällen einfach mal drei Streifenwagen und ne Wanne mehr Schicken, Gaffer kesseln, Handys kontrollieren und alle, die Fotos/Videos vom Unfall drauf haben mit Sicherstellung des Handys und Anzeige belohnen.
    Das müssen die nur am Anfang häufig machen, wenn es sich rumgesprochen hat, reicht es das gelegentlich zu machen um die Abschreckung aufrecht zu erhalten.

    • Den Aufschrei möchte ich hören.
      Ja, Gaffen ist verabscheuungswürdig aber gleich den ganzen Polizeistaat rausholen. Ich bin mir nicht sicher, ob das unserer Demokratie weiterhilft.

  14. Traurig das sowas nötig geworden ist. Kenne allerdings jemanden von der Regional-Presse bei mir Vorort, der macht wie ich finde oft Grenzwertige Aufnahmen von Schadenserignissen. Der nimmt aber nicht sein Smartphone sondern eine Action-Cam.

  15. Da die QR Codes auf dem RTW sind, bringt das ne goldene Nase für die clevere Werbeagentur rein gar nichts……. Wenn der RTW vor Ort ist, ist die Polizei auch vor Ort und kann ganz andere Maßnahmen ergreifen. Bei den meisten Smartphones muss ich den QR Code noch explizit anklicken, bevor ich sehe, was sich dahinter verbirgt.
    Ein Automatismus ist ein absolutes NoGo und ein gefundenes Fressen für Malware-Programmierer.

  16. Selbst wenn die Polizei vor Ort ist und derzeit nicht beschäftigt, greift sie nicht ein.

    Selbst wenn solche Kasper, die Sanis angreifen oder eigenhändig Rettungswagen „aus dem Weg“ fahren, mal vor Gericht landen, bleibt es bei einem „DuDuDu“ und 7 Tage Fernsehverbot.

    Vom Zu-parken über Blechschäden, Bedrohung bis Beleidigung, Umweltverschmutzung bis freilaufenden Hunden, von Ruhestörung bis Corona-Maskenkontrolle hat sich der Staat komplett aus seiner Verantwortung gestohlen.

    Wie wäre es denn mal damit, dass wir für unsere Steuergelder mal wieder was anderes bekommen als Kleinteiligkeitsverwaltungbeamte? Zum Beispiel Polizisten, die Rettungs-Einsatz-Störer über Nacht in die Zelle stecken und denen Gerichte anschliessend sagenwirmal 15.000 Euro Strafe reinbrezeln, bei Bedarf auch gern mehr?

  17. CafeGrande says:

    Verbesserungsvorschlag:
    Gleichzeitig eine automatische Spende von 50 € generieren.
    Z.B. indem eine 0900 TelNr im Hintergrund gewählt wird.
    Natürlich zu Gunsten von gemeinützigen Stiftungen mit Bezug Verkehrsopfer.

  18. Ich verstehe nicht, warum so Sachen wie Gaffen, absichtlich keine Rettungsgasse bilden, den Einsatzfahrzeugen hinterher fahren nicht genauso hart bestraft werden wie zum Beispiel Alkohol am Steuer. Solange die Menschen das bezahlen können, ist es denen nicht sonderlich wichtig. Wie wäre es mal mit einem Aufbaukurs und Strafe?

  19. PixelChris says:

    Schei?? egal ,
    Geile Aktion!!!

    #AntiGaffer
    Es ist echt schlimm!

    #Johanniter

  20. Man darf nicht vergessen dass jeder gaffer den stau verlängert.

    Also es ist nicht nur der Rettungsdienst der behindert wird, sondern auch alle im Stau stehenden Autos.

    Würden alle mit 10-20% über der geschwindigkeitsbegrenzung daran vorbeifahren, wären die Staus viel kürzer.

    Und an alle potenziellen Selbstmörder. Bitte schmeißt euch nicht vor einen Zug. Damit schadet ihr hunderten Menschen die dadurch zu spät kommen. Und der gesamten deutschen. Volkswirtschaft. In der Zeit wo die Leute im Zug oder Stau sitzen geschieht meistens keine Wertschöpfung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Es werden alle Kommentare moderiert. Lies auch bitte unsere Kommentarregeln:

Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen. Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte - gerne auch mit Humor.

Du willst nichts verpassen?

Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren.