Returnal im Test: Der „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Shooter

Die Next-Gen-Konsolen sind nun schon ein Weilchen am Markt und haben immer noch mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. Ab und an tauchen hier und da mal kurz ein paar Chargen der Xbox Series X oder PlayStation 5 auf, die sind aber genauso schnell wieder weg, wie sie eingelagert wurden.

Wer bisher noch keine Konsole von Sony oder Microsoft abbekommen hat, kann sich mit dem Gedanken trösten, dass es aktuell sowieso noch relativ wenig exklusives Material dafür gibt. Die PlayStation 5 hat mit Spider-Man Miles Morales und Demon’s Souls schon ein paar schöne Titel hervorgebracht und nun kommt mit Returnal das nächste Exklusiv-Spiel.

Returnal ist ein Shooter, der von dem finnischen Studio Housemarque entwickelt wurde und seinem Namen alle Ehre macht. Warum ich wiederum in meiner Headline diesen ungewöhnlichen Titel gewählt habe? Nun, ähnlich wie bei dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wacht ihr in Returnal immer wieder im gleichen Szenario auf. Es gibt nur einen Unterschied. Ihr lebt, spielt euch durch die Karte, sammelt Waffen, pimpt eure Ausrüstung und werdet über kurz oder lang das Zeitliche segnen.

Nach dem Sterben wacht ihr wieder auf und fangt von fast ganz von vorne an. Ohne gescheite Waffe, ohne Anzugupgrades erlebt ihr wieder und wieder die gleiche Welt in unterschiedlicher Reihenfolge beziehungsweise unterschiedlich zusammengepuzzelt. Daher auch der Name Returnal: Ihr kommt immer wieder, bis ihr irgendwann mal das ganze Spiel erledigt habt.

Das Studio Housemarque ist dem einen oder anderen sicher ein Begriff. Wer nichts damit anfangen kann, kennt vielleicht den Titel Resogun, ein Arcade-Raumschiff-Spiel, bei dem man mit Partikeleffekten nicht geizte und das zum Start der PS4 veröffentlicht wurde. Fesselt, sieht nett aus, macht auch Spaß. Doch nach einer gewissen Zeit ist es meiner Meinung nach auch sehr anstrengend.

Housemarque adaptiert viel von Resogun, dazu gleich mehr. Ich habe nun viele Stunden in dem Spiel verbracht und mir eine Meinung bilden können. Mit Returnal schafft man es, einen wirklich guten Next-Gen-Titel aufs Parkett zu legen. Die Grafik sieht wirklich sehr gut aus, man merkt aber deutlich, dass Housemarque unbedingt die 60 fps erreichen wollte und daher hier und da Abstriche in der Auflösung macht. Die Karte ist liebevoll gestaltet und sorgt für ordentliche Atmosphäre. Überall sind Pflanzen und Reste einer damaligen Welt intelligent platziert und man merkt, dass hier nicht wahllos irgendwas zusammen geklimpert wurde. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, sieht man an einigen Stellen die Schwächen der grafischen Umsetzung und auch die Probleme der Checkerboard-Auflösung. Sich bewegendes Gras schimmert leicht grobpixelig und Kanten sehen nicht immer sauber aus.

Auch bei einigen Models war man nicht immer konsistent was die Qualität betrifft. Während einige Gegner richtig gut aussehen und auch die Protagonistin einen sehr schönen und detailliert aufgemachten Anzug erhält, war man bei anderen Gegnern eher gröber zugange und verzichtet auf saubere Übergänge und Details. Kann aber auch Absicht sein und ein Stilmittel. Da bin ich mir selbst noch nicht so sicher.

All diese Macken fallen im Eifer des Gefechts nicht wirklich auf und sind Jammern auf hohem Niveau. Hier und da gibt es leuchtende Pflanzen und andere Dinge, die für Atmosphäre sorgen. Auch Raytracing wurde verwendet, obwohl man auch davon nicht viel mitbekommt. Reflexionen etc. gibt es wenig und wenn vorhanden, dann sieht es mir nicht nach RT aus. Ich habe mal nachgelesen und herausgefunden, dass man wohl hauptsächlich aufgrund des Renderings und der Performance auf RT setzt und weniger Effekte davon umgesetzt hat. Hin wie her, die Grafik, Lichteffekte und Atmosphäre sind wirklich gut.

Dazu kommt ein richtig guter Sound, der vor allem mit einem passenden Headset ein echter Ohrenschmaus ist. Man nehme die Grafik, den Sound und runde das Komplettpaket mit einem Controller-Feedback ab, das ich so noch nirgendwo erlebt habe. Es ist wirklich unglaublich was sich Sony bei diesem Controller gedacht hat, wenn man erlebt, welche Möglichkeiten der Entwickler hat, Feedback zum Spieler zu schicken. Waffenstöße, Sprünge, Aufschläge auf dem Boden, eingesteckte Treffer, das alles wird mit einer Präzision in eure Hände gehämmert, dass mich das mit am meisten an dem Spiel fasziniert hat.

Auch nach 20 Stunden Spielen ist die Euphorie bezüglich des Controllers noch nicht verflogen. Dazu kommen die Adaptive Trigger, die ebenfalls intelligent verwendet werden. Der linke Trigger wird – wie in anderen Spielen auch – zum Zielen verwendet. In der Mitte stoppt der Motor die Bewegung, da beim vollen Durchdrücken der Sekundärmodus der Waffe aktiviert wird. Das hindert euch vor versehentlichem Auslösen der zweiten Waffenfunktion und ist auch während der Benutzung ziemlich beeindrucken.

Wo wir bei Waffen sind. Davon gibt es ein paar und jede kommt mit einem einfachen und einem sekundären Modus daher. Waffen werden während des Kämpfens durch die Maps automatisch ab und an gedroppt und dann im Level auch besser. Je nachdem welche Waffe ihr findet, hat diese eventuell einen anderen Sekundärmodus und vielleicht auch eine Spezialeigenschaft, die ihr über Kills freischalten könnt. Mehr Stabilität, Rüstungsdurchschlagung oder ähnliches könnte da dabei sein. Geheilt wird über ein Material, das ihr in den Karten findet und außerdem gibt es noch eine Währung namens Obolith, mit der ihr euch an bestimmten Apparaten Updates kaufen könnt.

Dann ist da noch der Äther: Mit dem könnt ihr verfluchte Gegenstände reinigen und somit dafür sorgen, dass euch keine Anzugfehlfunktionen ereilen, die euch schwächen. Mit Äther kann man sich außerdem an bestimmten Apparaten ein weiteres „Leben“ erkaufen, denn wenn ihr sterbt, fangt ihr normalerweise ganz von vorn beim abgestützten Raumschiff an. Eine bestimmte Apparatur verhindert das und ihr könnt mit dem aktuellen Equipment einen neuen Versuch wagen. Es ist aber so, dass es viel zu wenig Äther gibt, als dass man damit ordentlich umgehen könnte und sich regelmäßig einen zusätzlichen Versuch organisieren würde.

Wobei wir auch schon beim Problem wären. Das immer wieder von vorne anfangen hat einen gewissen Charme, da man somit eine Lernkurve absolviert und immer cleverer durch die Map streift. Dennoch ist es auch frustrierend, wenn man 2,5 Stunden gespielt hat, beim zweiten Boss angelangt ist und dann dort hoffnungslos versagt, weil man über zu schlechtes Equipment verfügt.

Das immer wieder neu erleben hat einen Charme und ist auf der einen Seite motivierend, auf der anderen Seite aber auch ermüdend. Man hat irgendwann alles schon gesehen, weiß dann wirklich genau, wie man strategisch vorgehen muss und macht bestimmte Dinge nur, damit man mit ordentlichem Equipment beim Boss landet. Klassisches Grinding könnte man schon fast sagen.

Dabei sind die Gegner im Großen und Ganzen gut besiegbar und setzen auf immer wieder dieselben Muster, was die Kampfstrategie betrifft. Damit könnt ihr euch die Gegner ausgucken und niederstrecken. Es ist aber auch so, dass Housemarque wie gesagt auch Dinge von Resogun recycelt hat, und zwar ist das diese teilweise schier unfassbar hohe Zahl von Projektilen, die euch entgegengeschleudert werden. Große Kugeln oder kleine Nadeln aus Licht fliegen euch in geometrischen Mustern oder Spiralen um die Ohren und man ist nur damit beschäftigt, irgendwo Zwischenräume auszumachen, um nicht doch wieder die Biege zu machen.

Ja, vielleicht bin ich zu alt und einfach zu langsam dafür, aber dieses Tohuwabohu auf dem Bildschirm wird mit der Zeit auch anstrengend. Ich musste zwischendurch mal pausieren, da die Konzentrationsfähigkeit auch arg leidet. Eine weitere Krux ist die Tatsache, dass man ja nicht speichern kann. Einen Zyklus (Leben -> Sterben) also auch zu Ende bringen muss. Da gibt man ungern die letzten 2 Stunden einfach so auf.

Versteht mich nicht falsch. Ich habe durchaus Freude an Returnal, doch die Langzeitmotivation könnte bei dem einen oder anderen Spieler darunter leiden. Dark Souls macht das etwas cleverer, da man hier und da Lagerfeuer hat und man nicht immer wieder von ganz von vorne anfängt.

Ungeachtet der kleinen Abzüge beim Spielprinzip ist Returnal meiner Meinung nach in allen Belangen ein echter Next-Gen-Titel, der bei Interessierten einiges an Herausforderung wecken kann. Wer sich schnell vom Sterben demotivieren lässt, sollte lieber die Finger davon lassen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich hartnäckig genug bin, bis zum Schluss durchzuhalten. Obwohl ich auch ziemlich neugierig bin, was mit Selene – der Protagonistin – passiert und wie es überhaupt zu diesem Szenario gekommen ist.

 

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Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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10 Kommentare

  1. „ Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich hartnäckig genug bin, bis zum Schluss durchzuhalten. “

    Ist doch traurig, dass man überhaupt so denken muss nachdem man 60-80€ für das Game bezahlt hat..

    Kann mir einfach nicht erklären wie dieses ständige Sterben und fast identische Level jemals beliebt wurde?
    Als ob ich im Buch immer wieder zurück blättere und das auch noch geil finde und gar nicht genug davon bekommen kann 🙂

    Sehr sehr seltsames Verhalten, als ob man ein Fetisch für so etwas hat bzw braucht…

    Ohne Rogue Zeugs wäre das Game längst meins.

  2. Irgendwann gibt es die Disc für 20 EUR und dann wird’s gekauft …

  3. Musste spontan an den Film Edge of Tomorrow denken. Mich würde interessieren was du nach 40-50h Spielzeit vom Spiel hältst.

  4. Ich hoffe die patchen noch eine Speicherfunktion rein. Bin irgendwie aus dem Alter aus 2,5 Stunden am Stück durch zu zocken.

    Auch schreckt mit der Preis generell ab. Gerade bei IPs die einen noch nichts sagen.

    • Wann ist dieses Alter erreicht? Bin 38 und kann noch locker 8 Stunden durchzocken.
      Ist es mit 50 so weit?

      • In dem Alter war mir das auch schon zu viel so lange zu zocken. Teilweise spiele ich tagelang nicht wegen zu viel Stress auf der Arbeit. Wenn man 8 Stunden Stress hatte, spielt man normalerweise nicht mehr ausgiebig danach. Wenn man Familie hat geht dann noch weniger. Ich spiele auch keiner Spiele in denen ich jederzeit aufhören kann und vor allem auch speichern kann.

      • Also bei mir ist mit 31 Jahren so weit. Kind vor nem. Jahr auf die Welt gekommen und wenn ich mal eine ruhige Stunde zum Zocken hab ist das schon nen Wunder.

        Wenn man keine Frau/Kinder hat kann man auch noch 8 Stunden durchzocken.

  5. Ich hatte mich auf Returnal richtig gefreut. Da wusste ich aber noch nicht nicht, dass es ein Rogue-Lite Spiel werden wird. Der nicht veränderbarer Schwierigkeitsgrad und fehlende oder wenige Speichermöglichkeiten machen das Spiel für mich unattraktiv. Der Kaufpreis tut sein übriges. Ich kann auf solche exklusiven Spiele ehrlich gesagt verzichten.

  6. Also um das ganze nochmal etwas abzuschwächen. Ich kann nach 20 Std. sagen, dass ich bereits 2x beim letzten Boss war, danach kommt noch eine Art NG+ – desweiteren gibt es nach dem ersten Akt (3 Biome / 3 Bosse) ein Checkpoint, so dass man dann immer im 4ten Biom anfängt und nicht den ganzen Fortschritt verliert. Waffenupgrades werden genauso über das Sterben hinaus gespeichert als auch weitere Items die man neu“erkundet“ und freischalten kann und somit gibt es immer etwas mehr Progress und Abwechslung. Man kommt regelrecht in einen Flow in dem Game der unglaublich motiviert. Aber ja, es ist sicher nicht für jeden etwas… die Atmosphäre, Musik/Sounduntermalung und die unglaublich gute umsetzung des Dualsense controllers sprechen aber mehr als nur für sich. Und ja, ich setzte meine PS5 manchmal auch in Ruhemodes, da man dann nicht den ganzen Progress verliert, und dann beim Aufwecken direkt weiterspielen kann.

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