Frankreich mit eigenem Prism-Skandal

Die Überwachung der Kommunikationswege scheint auch in Frankreich große Kreise zu ziehen. Milliarden an Datensätzen, die miteinander verknüpft werden. Das Ausmaß soll groß sein, die Legalität nicht gegeben. Aber was genau macht Frankreich?

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Metadaten sammeln. Inhalte von Konversationen sollen nicht Gegenstand der Datensammelei sein. Die Daten werden anonymisiert erhoben, eine Zuordnung dürfte allerdings trotzdem nicht allzu schwer sein. Soll es auch nicht, da so die Arbeit der Behörden erleichtert wird. Gespeichert wird alles, Anrufe, Faxe, SMS, Emails, Facebook Kommunikation, Twitter.

[werbung] Aus den Daten ergeben sich dann Verbindungsgraphen. Daraus wird ersichtlich, wer mit wem, wann und wo kommuniziert hat. Auch der Datenverkehr ins Ausland wird so aufgezeichnet – und im Zweifelsfall an fremde Geheimdienste weitergegeben. Wie das Ganze genau abläuft, erklärt Le Monde in einem Video. Wer sich die drei Minuten Zeit nimmt und etwas Französisch versteht, bekommt alles noch einmnal aus erster Hand aufbereitet. Überraschend kommt dies freilich nicht, allerdings macht es das nicht unbedingt besser. Seit 2009 wird in Frankreich angeblich bereits gesammelt.


"Il y a un vrai 'Prism' à la française" von lemondefr

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Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

16 Kommentare

  1. Im Grunde kann man doch längst davon ausgehen, dass alle Dienste alle Daten speichern und verarbeiten, die sie bekommen können. Ohne Rücksicht auf Recht, Gesetz oder fremder Länder Befindlichkeiten.
    Eine echte Überraschung wäre höchstens, wenn ein Land/Dienst tatsächlich nur in Ausnahmefällen und unter Einhaltung der Gesetze Daten erhebt.

  2. Christian says:

    Langsam sollte man sich mal die Frage stellen ob das alles überhaupt was bringt. Beim Boston Marathon war das alles eher suboptimal.

  3. Ja, bald wird Watch Dogs vermutlich Realität…

  4. Bin schon auf unseren eigenen „Skandal“ gespannt, kann ja nicht mehr lange dauern bis das raus kommt.

  5. @Christian Genau das ist das Problem mit der anlasslosen und vor allem maßlosen Datensammlung: die Auswertung. Wenn man nicht weiß, wonach genau man sucht, wird man alles mögliche finden. Erst wenn ein konkretes Ereignis die Suchparameter stark eingrenzt, wird man auch gezielt fündig werden. Und das ist eben oft genug erst im Nachhinein der Fall, aber nicht, bevor etwas passiert.
    Wobei eben auch ganz schnöde Wirtschafts- und Politikspionage Ziel der Überwachung sind. Genau deshalb sammelt man ja erstmal alles: man weiß halt nie, wozu man es mal gebrauchen könnte.

  6. Was ich mich ja frage ist, wie sie an SSL gesicherte Verbindungen ran kommen…

  7. Da jede CA für jeden CN ausstellen kann, sowie ggf. die CA einfach den private Key den Behörden bereitstellt, ist SSL nur eine Illusion und ewig als Manko bekannt. Vertraust du wirklich TurkSSL? Okay vermutlich nach der letzten Aktion eh nicht mehr beglaubigt, aber da hilft nur strict Check auf eigene CAs.

  8. Bald kommt sicher wieder eine Zeit, in der der Terror (wiedermal) von „innen“ kommen wird… wenn die Regierungen es mit Überwachung (wiedermal) übertreiben…. hatten wir ja schon alles… und genau darauf läufts doch derzeit wieder hinaus….

  9. Was für eine Verschwendung von Ressourcen. Jeder hört jeden ab. Jeder speichert alles. Was für eine Datenredundanz. Ironie: Warum machen die ganzen Länder nicht eine Kooperation und bauen ein Rechenzentrum. Das würde viel Steuergeld sparen.

  10. Es dauert keine 2 Wochen bis rauskommt das der BND auch „spioniert“. Aber mal ehrlich, wer dachte denn wirklich seine Daten sind geschützt?!

  11. Hans Peter says:

    Bei solchen Geschichten, wirkt das was Google und Co für eigene Zwecke machen, geradezu harmlos.

  12. „Die Daten werden anonymisiert erhoben, eine Zuordnung dürfte allerdings trotzdem nicht allzu schwer sein.“
    Das wäre dann pseudonymisiert, nicht anonymisiert.

  13. komm(t) schon, skandalisiert doch bitte auch mal was, was aus Deutschland kommt oder seid ihr wirklich so patriotisch und glaubt an das Gute im Deutschen?! 😀 😀
    http://www.heute.de/Neues-Gesetz-Wird-jetzt-noch-mehr-geschn%C3%BCffelt-28593142.html
    husch husch, macht die Pferde scheu, neuer riesiger SKANDAL und das direkt vor der Haustür, braucht man nichtmal nach Übersee oder zu den verhassten Franzosen fahren 😉 :))

  14. Wie hier alle eine baldige Lüftung eines Skandals beim BND ankündigen…
    Der BND arbeitet doch fast genauso, das hat der gute Herr Wieck (Ex-BND-Chef) schon am Beginn der Snowden-Affäre in einem Interview ganz offen zugegeben.

  15. @loilo92 Ich kündige den skandal nicht an, der besteht schon. Ein paar Politiker Kommentatoren und Journalisten freuen sich aber, die nächste antiamerikanische (und ohh, welch wunder eine antifranzösische) Sau durchs Dorf treiben zu können. Mir geht es auch nicht um die Verharmlosung von PRISM, TEMPORA und das was in Frankreich passiert. Es nervt mich aber nur über Geheimdienstaktionen des (zudem befreundeten) Auslands zu hören, wenn das selbe hier passiert. Daran kann ich nämlich eher etwas ändern 😉
    Übrigens, Sascha Ostermaier, werden die Ergebnisse der französischen Geheimdienste nicht an „fremde Geheimdienste“ weitergegeben, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit an andere westliche, befreundete Geheimdienste, die alle auch ihre Ergebnisse mit deutschen Geheimdiensten teilen (und diese teilen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ihre Ergebnisse mit den anderen befreundeten Geheimdiensten).