Drosselkom: Deutsche Telekom nutzt Verspottung für Aufklärung

Der Kunstbegriff Drosselkom dürfte den Internet-Nutzern in Deutschland im Gedächtnis sein. Mit diesem Wort verspotten Kritiker den Bonner Konzern, der seit langer Zeit nicht mehr aus den Medien kommt, da er mit Flatrate-Kappungen und seltsamen Volumen-Angeboten von sich reden macht.

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So gibt es zum Beispiel den Satire-Account Drosselkom auf Twitter, der mittlerweile über 10.000 Follower gesammelt hat. Seine Aufgabe? Satirisch in Telekom-Sprech die aktuelle Lage kommentieren. Drosselkom – davon ist die Rede, wenn man die Telekom despektierlich erwähnen will.

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Den Suchbegriff Drosselkom nutzt die Deutsche Telekom allerdings auch, um Aufklärung zu betreiben. So wird der Google-Nutzer bei der Suche nach Drosselkom nicht nur die Seiten der Kritiker finden, sondern ganz oben – prominent an erster Stelle, auch die Werbung der Deutschen Telekom. Diese hat sich anscheinend bei Google Adwords den Kunstbegriff Drosselkom geschnappt und lässt bei Klick den Benutzer auf eine Infoseite finden, über die man Aufklärung betreiben will.

Drosselkom

Die Deutsche Telekom nennt diese Seite Netz der Zukunft und zu finden ist sie hier. Zu finden sind zum Beispiel „Fakten“. So zum Beispiel auch die Aussage, dass für die meisten Kunden das Volumen-Modell passen wird, lediglich „wenige“ Vielnutzer müssen derzeit mit Aufpreisen von 10 – 20 Euro rechnen. So heißt es:  „Zusätzlich werden wir auch Vielnutzern attraktive ‚Unlimited‘-Tarife anbieten. Die Preise hierfür stehen noch nicht im Detail fest. Wir gehen aber davon aus, dass diese Tarife 10 bis 20 Euro mehr kosten werden als Tarife mit Volumengrenze. Heute Preise für das Jahr 2016 festzulegen ist sehr schwierig.“

Wie ich bereits in einem älteren Beitrag erwähnte:

Was die Telekom oder andere machen – wie die Bevorzugung von Diensten wie Spotify, Entertain und Co ist ein Untergraben der Netzneutralität. Bits dürfen nicht bevorzugt behandelt werden, dies müsste verboten werden. Gerade im Falle der Telekom wird man doch nun gezwungen, deren Dienste zu bevorzugen und vielleicht andere Anbieter nicht mehr zu nutzen, da deren Angebote in den angebotenen Traffic fallen.

Ich will faire Tarife, wer mehr will, der darf gerne mehr zahlen. Aber sagt mir doch bitte nicht, wofür ich mein Volumen verballern soll. Die Menschen wollen Auswahl, keinen Provider, der bestimmte Angebote vorrangig behandelt, nur weil ich diese über ihn beziehe. Ich will weiterhin schnell und unkompliziert Anbieter von Filmen, Musik und Co wechseln können.

Ich habe keine Probleme, als Kunde mehr für unlimitierten Traffic zu zahlen. Weder bei der Telekom, noch bei anderen Anbietern. Schäbig finde ich Bevorzugung von Diensten, die sich mit dem Telekommunikations-Anbieter in Bett legen müssen, damit ihre Bits vielleicht ohne Anrechnung auf das Volumen durch die Leitung kommen. Hier haben es etablierte Dienste unter Umständen wesentlich einfacher, als das innovative Startup, welches mit neuen Ideen um die Ecke kommt. Hier muss die Regierung eingreifen, denn auch wenn die Deutsche Telekom mittlerweile eine Aktiengesellschaft ist, hält unser Staat direkt 15 Prozent der Aktien und weitere 17 Prozent über die Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Übrigens: Die Deutsche Telekom ist nicht die einzige Firma, die vom Kunstbegriff Drosselkom profitieren will. Auch Kabel BW lässt Suchergebnisse anzeigen, die auf das eigene – natürlich ungedrosselte Angebot hinweisen.

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei LinkedIn, Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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28 Kommentare

  1. @Bine von noteboox:

    Das sagt sich so leicht wenn man irgendwo wohnt wo man die Auswahl hat. Nicht jeder hat die Möglichkeit einer Alternative und wenn dann sind es oft nur Reseller der Deutschen Telekom.

    Dazu kommt noch das man nicht von heute auf morgen wechseln kann. Man kann nur zum Ende der Vertragslaufzeit wechseln und das können bis zu 2 Jahre sein.

  2. coriandreas says:

    @PsychoHH
    willy.tel habe ich gerade gekündigt, weil es dort nicht nur ein monatliches, sondern wohl auch ein jährliches Trafficlimit gibt. Bei Alice/o2 läuft dagegen alles wie geschmiert. Ich konnte, da ich 2 DSL-Anschlüsse habe, die abgebrochenen Downloads bei o2 gleich wieder problemlos aufnehmen und weiter laden. Vor willy.tel kann ich dagegen nur warnen. Wenn man da wegen toter Leitung nachfrägt, bekommt man nur Ahnungslosigkeit oder bekloppte Gegenfragen wie: „Ist etwa ihre Festplatte voll?“

  3. Das diese Entwicklung nicht auf viel Zustimmung beim Nutzer trifft ist klar. Am liebsten wäre es die große Mehrheit wenn Sie demnächst sogar alle eine VDSL 50 Anschluss mit Telefon Flat für gerade einmal 20 Euro im Monat erhalten würden.

    Wer aber ein wenig Menschenverstand einsetzt, dem war es schon seit langen bewusst das die Preise hier bei ALLE ANBIETER NICHT MEHR SINKEN WÜRDEN.

    Zwar wir immer mit den Argumen gekommen das, die Provider Traffic wahnsinnig billig einkaufen können. Dies stimmt auch aber damit ist es alleine nicht getan.

    Vor allen die bei über 80% der Haushalte noch vorhandene einfach Kupfer Leitungen die noch aus die 70er und 80 er stammen als kein Mensch an schnelles Internet denken könnte, ist der wahre Grund warum so viele Nutzer in Deutschland immer noch mit wenig Bandbreite unterwegs sind.

    Um dies aber zu ändern muss massiv investiert werden. Hierbei reden wir über Summen von mehrere hundert Milliarden Euro die neben die allgemeine Kosten dazu kommen.

    Das die Telekom manche Dienst bevorzugt ist nicht gut. Hier glaube ich aber das diese Vorgehen durch Gerichte gestoppt wird.

    Zu die Aussage „dann wechselt doch zu ein anderen Anbieter“

    Zuerst muss klar gestellt werden das dies für viele Nutzer kaum eine Alternative ist. Wer auf den Land wohnt erhält oft gerade nur bei die Telekom eine gute Bandbreite. Wer wechselt bekommt, dann oft statt eine 16 000 er Anschluss oft nur ein 2000er.

    Auch kann keiner genau sagen wie die anderen Anbieter in Bezug auf Datenvolumen umgehen werden. Es kann durchaus sein, das die jetzt hoffen das viele von die Telekom kommen um dann eine ähnliche Drosselung einzuführen.

    Glaubt bitte keine mündliche oder schriftliche Aussage von heute das ein Anbieter nicht irgendwann drosselt.

    In viele andere Länder sind ähnliche Modelle wie die Telekom jetzt vorhat seit Jahren gang und gebe. Auch in Bezug auf die Preise steht Deutschland in internationalen Vergleich meist im sehr günstigen Bereich.

  4. @Peter

    Ich glaube du unterschätzt den Wunsch der Landbevölkerung nach höheren Bandbreiten um endlich auch mal das nutzen zu können was in gut ausgebauten Gebieten schon mögilch ist.

    Ich zahle zur Zeit 50€ für einen LTE Anschluß und für einen VDSL 50 Anschluß wäre ich bereit da sogar noch was draufzulegen. Um VDSL 50 in unserer Gemeinde flächendeckend verfügbar zu machen wären Investitionen in Höhe von 750000€ nötig.

    Um das mal in Relation zu setzen. René Obermann, der Vorstandsvorsitzende der Telekom, hat sich 2012 einen Bonus von 1,5 Millionen € gegönnt zusätzlich zu seinem Jahresgehalt von ca. 4,1 Millionen €.
    Mit anderen Worten ein Bruchteil des Jahresverdienstes von ihm würde reichen um ca. 1500 Haushalte mit schnellem Internet zu versorgen.

  5. ich frage mich, warum im Zusammenhang mit DSL-Drosselung auch immer wieder Spotify genannt wird. Dieser wird doch (bisher) nur im Mobilfunk angeboten, oder? Doch es gibt im Mobilfunk-Bereich schon seit mehreren Jahren Dienste, deren Traffic bevorzugt behandelt wird. Warum gab es bisher keine große Diskussion dazu? Erst wenn Ähnliches im Festnetz eingeführt wird, wird ein bevorzugter Mobilfunk-Dienst immer wieder genannt…

  6. @Alex

    Soweit ich weiß wird Spotify immer als Beispiel von der Telekom selbst für eine Managed Service herangezogen. Da bisher noch garnicht gedrosselt wird kann keiner sagen ob Spotify auch im Festnetz die gleichen Privilegien haben wird wie im Mobilfunknetz aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch das es so ist.

    Übrigens ist das mit Spotify im Mobilfunkbereich ein bisschen anders gelaufen als das hier mit der Dosselgeschichte im Festnetz mit Managed Services läuft.

    Volumentarife waren bei Mobilfunk von vornherein gegeben im Gegensatz zu Festnetz Internet mit den Flatrates. Daher war es eher positiv als die Telekom bekanntgab das der Traffic von Spotify in Zukunft nicht mehr angerechnet wird. Von Managed Service war da keine Rede sondern eher von einer Partnerschaft.

    Als jetzt die Drosselgeschicht aufkaum hies es von der Telekom „Wenn ihr uns nicht bezahlt dann drosseln wir eueren Dienst“.

  7. @Andreas,

    Ich gebe dir recht das viele auf den Land höhere Bandbreite gerne hätten. Und gerade hier gibt es viele die kaum eine Alternative zu Telekom haben.

    Oft ist es gerade die Telekom die in diese Regionen die höchste Bandbreite zu Verfügung stellt.

    Wer dann zu Vodafone, O2 oder sonst noch will der erhält dann oft ein sehr langsame Anschluss.

    Einzig Ausnahme sind ländliche Bereiche wo es Kabelfernsehen gibt. Deren Anbieter bieten dann eine hohe Bandbreite an. Nur leider haben nur knapp 10% der ländliche Regionen in Deutschland überhaupt so eine Möglichkeit

    Und neue große Ausbaupläne für Kabelfernsehen wird es in Zukunft nicht mehr geben.

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