Corona-App: PEPP-PT wird als Basis dienen

Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich für eine Technologie entschieden, auf welcher die kommende Corona-Warn-App basieren soll: PEPP-PT (Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing). Zuvor waren auch noch DP-3T und eine Lösung der Accenture GmbH im Rennen, welche in Österreich Verwendung findet. Der nun gewählte Ansatz ist durchaus umstritten.

So hatten viele Forscher abgeraten PEPP-PT zu verwenden. Bekanntermaßen ist das aber mit der Politik und den Expertenmeinungen so eine Sache: Im Zweifelsfall zieht man immer sein eigenes Ding durch, kennen wir ja leider auch aus der Klima-Krise, in welcher die Wissenschaft ebenfalls wenig zu melden hat.

So kritisierten Sicherheitsexperten, dass PEPP-PT leider eine Missbrauchsgefahr innewohne und auch zur Überwachung verwendet werden könnte, da leider die Daten zentral gespeichert werden. Das ist bei dem ausgeschiedenen DP-3T anders, einer dezentralen Lösung. Entsprechend wurde diese Variante von IT-Experten präferiert, ist aber eben aus dem Rennen.

Auf die Kritik an der zentralen Speicherung der Nutzerdaten wollte das Gesundheitsministerium aber nicht mehr eingehen. Der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz zeigte sich ebenfalls enttäuscht und kommentierte die Entscheidung: „Das Vorgehen der Bundesregierung ist nicht nur tödlich für die Akzeptanz einer App-Lösung, es zeugt auch von mangelndem Respekt gegenüber dem Parlament.“

Der CDU-Digitalpolitiker Tankred Schipanski hingegen ließ verlauten, dass es um die beste Wirksamkeit gehe: „Dass dabei Daten zentral gespeichert werden, ist kein rechtlicher oder politischer Hinderungsgrund.“ Man wolle sich keinem „technologischem Schönheitswettbewerb“ hingegen, sondern in der Krise effektiv handeln. Doch die Frage ist eben, ob das hier wirklich der Fall ist, wenn viele Menschen eventuell nun skeptisch sind und die App deswegen meiden.

Auch betonen weitere CDU-Politiker, dass es nicht darum gehe personenbezogene Daten oder Standortverläufe zu erfassen, denn man erhebe nur pseudonymisierte Informationen. Derzeit laufen allerdings ohnehin noch Gespräche mit Apple und Google, damit die Schnittstelle und Datenspeicherung erfolgreich angepasst werden könne. Apple weigert sich bisher für die App seine notwendigen APIs zu öffnen, Google habe sich bereiterklärt.

Ende Mai könnte die Corona-Warn-App fertig sein und auf Smartphones heruntergeladen werden. Sie könnte dann eine anonymisierte Warnung an Menschen senden, die möglicherweise Kontakt zu Infizierten hatten. Das soll über den Datenaustausch zwischen den Smartphones funktionieren, welche die App verwenden. Je flächendeckender die App verwendet würde, desto verlässlicher wäre das Spielchen natürlich.

Während die Verwendung wohl für die meisten Menschen freiwillig sein wird, soll sie in einigen Bereichen Pflicht werden – etwa in besonders systemrelevanten Betrieben. Warten wir mal ab, wie sich das alles weiter entwickelt.

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92 Kommentare

  1. Was habt ihr für ein Problem mit dieser App. Selbst wenn sie verpflichtend ist, dann habt ihr sicher noch ein altes Smartphone in der Schublade… (Wink mit dem Zaunpfahl)

  2. Es ist schon interessant, dass Mensch = Smartphone gedacht und ein Mensch ohne Smartphone schon gar nicht mehr möglich erscheint. Wenn das mit dem Datenschutz ein Problem werden sollte: Smartphone kann man auch liegen lassen. Ich hab noch ein Nokia 6700 – Akku läuft, SIM passt.

    • Der Schlüssel zum Verständnis des Erfolgs der Strategie ist: Wenn die Policy richtig implementiert wird wollen die von der Überwachung Betroffenen die Überwachungs-App selbst. Sie lieben sie förmlich.

      Schlicht weil du einfach gemobbt wirst, wenn du sie nicht hast. Beispiele dafür findet man zu Hauf in China, z.B. bei deren App für Uighuren.

      Wir würden die Leute hier aber anders als die Chinesen vermutlich nicht hauen oder arrestieren, sondern bloß mobben. Also z.B. keine Geschäfte oder ÖPNV. ..so etwas eben.

      • hismajesty says:

        Genau, weil wohl jeder zukünftig beim Betreten des Bäckers erstmal sein Smartphone vorzeigen muss und keine Brötchen erhält, wenn er ohne kommt. Und Senioren/Menschen ohne Smartphone werden wohl verhungern müssen. Genau die Gefahr sehe ich auch.

        Auf die Barrikaden, jetzt!

        • Ich weiß du versuchst die Befürchtung zu diskreditieren in dem du sie mit dem Verhungern ins absurde überspitzt, aber gegeben, dass solche Maßnahmen in anderen Ländern im Kontext von covid-19 bereits umgesetzt werden nimmt dem Versuch ein bisschen den Wind, meinst du nicht? 😀

          • Deutschland und irgendein diktatorisch regiertes Land auf eine Stufe zu stellen, ist ein Grund, dein ganzes Geschwafel hier lieber nicht weiter zu verfolgen.

            • Naja demokratisch geht in Deutschland schon seit Jahren nichts mehr. Alle mit anderen Meinungen werden diskreditiert oder ausgegrenzt, das ist hier im Blog nicht anders!
              Und so wie es aktuell mit der Gieskannenzahlsystem und der Überwachung ausschaut hat Erich doch gewonnen. Viele andere Länder haben auch schon den „verbesserten“ Sozialismus ausgerufen und sind kläglich gescheitert. Mal sehen was übrig bleibt davon…
              …wer es zahlen darf weiß ich jetzt aber schon!

      • „Der Schlüssel zum Verständnis des Erfolgs der Strategie ist: Wenn die Policy richtig implementiert wird wollen die von der Überwachung Betroffenen die Überwachungs-App selbst. Sie lieben sie förmlich.“

        So kann man es auch sehen. Der gute Herr Minister Spahn will gar keine App und gar keine Überwachung. Deshalb kommuniziert er so miserabel und baut quasi eine Firewall auf. Politikberatung at it’s best… 🙂

  3. Bei Pepp-PT bin ich raus!

  4. Der mit dem Aluhut says:

    War ja klar, dass definitiv eine zentrale Variante durchgesetzt wird. Das ist keine Überraschung. Generell etabliert Vater-Staat alles, was der Überwachung dienlich ist.

    Die Herrscher sollen endlich mit dem Kasperletheater aufhören und nicht mehr herumeiern. Sollen sie doch ganz klip und klar den Untertanen verkünden, dass jeder Mensch gechipt wird. Basta!!! Die neue Weltordnung soll jetzt halt schnell durchgepeitscht werden. Da ist es verständlich, dass jetzt Schrittweise immer mehr Überwachung installiert und Freiheit deinstalliert wird. Das ist in einem Herrschaftssystem ein ganz alltäglicher Vorgang und nix besonderes. Dass sich die Prozedur aber sooo lange hinzieht kann oftmals als sehr zermürbend von den Untertanen empfunden werden. Vielleicht wäre es doch einfacher die Untertanen klip und klar vor vollendete Tatsachen zu stellen und zwangsweise zu chippen. Dann wüssten die Untertanen wenigstens wo sie dran sind und wer das Sagen hat, und wer eben NICHT das Sagen hat.

    Vielleicht werden zukünftig Personen verpflichtet sich ein Smartphone zuzulegen und beim verlassen des Hauses immer mitzuführen. Solche Gedanken sind gar nicht abwägig und diese Maßnahmen lassen sich schnell umsetzen. Ganz einfach: SMartphone-Pflicht für ALLE! Nach einer Weile obligatorisches Chip-Implantat für ALLE! Fertig!

  5. Vielleicht fällt es dem Herrn Spahn ja noch irgendwann auf, dass es SO nicht funktioniert.

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