Apple gegen Qualcomm: Showdown in San Diego – es geht um 30 Milliarden Dollar


Qualcomm gegen Apple, Apple gegen Qualcomm. Beide Seiten haben ihre jeweiligen Angriffspunkte. Die einen wollen zu viel Geld, die anderen zahlen nicht. Vielerorts wird da vor Gericht gezogen, in Deutschland wurde zeitweise sogar ein Verkaufsverbot für ältere iPhone-Modelle von Qualcomm durchgesetzt. Das sind natürlich keine allzu guten Voraussetzungen für gute Geschäftsbeziehungen und so treffen sich die beiden Streithähne nun in San Diego vor Gericht, in einem Fall, dessen Dimensionen bisher unerreicht sind.

Bis zu 30 Milliarden Dollar könnte ein Urteil Qualcomm kosten, so viel möchten Apple und vier Zulieferer zugesprochen bekommen. Geld, das quasi durch überzogene Forderungen für Lizenzen zu viel bezahlt wurde. Qualcomm sieht das natürlich nicht so und fordert seinerseits 7 Milliarden Dollar für nicht geleistete Zahlungen von Apple sowie weitere Milliarden als Entschädigung.

30 Milliarden Dollar, das stellt alle bisherigen Patentstreitigkeiten in den Schatten. Damals beim „großen“ Streit Samsung gegen Apple, musste Samsung eine Milliarde Dollar an Apple zahlen, das war schon „viel“. Der Prozess ist aber nicht nur wegen der Höhe der Summe interessant, er könnte auch die Weichen für Qualcomms Zukunft stellen. Denn sollte das Gericht feststellen, dass Qualcomm für die Lizenzen zu viel verlangt, werden andere Hersteller sicher sehr schnell hellhörig.

Für Qualcomm lohnen sich die Patente. 64 Prozent des Gewinns werden damit eingefahren, dieser belief sich 2018 auf 5,7 Milliarden Dollar. Dass sich in dem Prozess so eine große Summe ergibt, liegt einfach daran, dass es um mehrere Jahre geht.

Apple könnte aber dennoch irgendwie als Verlierer dastehen, egal wie das Ganze ausgeht. Dabei geht es um 5G-Modems. Intel kann wohl noch nicht liefern und ein weiterer Streit mit Qualcomm kann dann dafür sorgen, dass Apple 2020 – was schon später als die Konkurrenz ist – als Ziel für ein 5G-iPhone nicht einhalten kann. Gerade auf dem eh schon schwierigen chinesischen Markt könnte das für weitere Probleme sorgen.

Interessant ist auch ein ähnlich gelagerter Fall. Die US Federal Trade Commission unterstellt Qualcomm, dass das Unternehmen Apple gezwungen habe, Wireless-Chips abzunehmen, um niedrigere Lizenzgebühren zahlen zu müssen. Hier entscheidet Richterin Lucy Koh aktuell darüber, ob dies gegeben ist. Sollte hier ein Urteil vor Beendigung des Prozesses in San Diego fallen, könnte das ebenfalls Einfluss auf den Prozess in San Diego nehmen. Immerhin scheint sich einmal ein Ende der Streitigkeiten abzuzeichnen.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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2 Kommentare

  1. „Hier entscheidet Richterin Lucy Koh aktuell darüber, ob dies gegeben ist.“

    Mit Apples Hofrichterin Koh am Start stehen die Chancen für Apple dort ja nicht schlecht.

    Jetzt vielleicht noch mal in Apple Aktien investieren?

  2. Vor 2021 wird es doch eh nix mit 5G.
    Hier in Deutschland hapert es hier und da an 3G und 4G

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