1&1 muss freie Routerwahl bei DSL-Bestellungen gewähren

Der Verbrauchezentrale Bundesverband (vzbv) hat vor Gericht einen Sieg über den Provider 1&1 davongetragen. So klagte man vor dem Landgericht Koblenz erfolgreich gegen eine „irreführende Gestaltung der Online-Bestellung“. So werde laut vzbv fälschlicherweise der Eindruck erweckt, dass einer der durch 1&1 angebotenen Router zwingend zur Nutzung des gewünschten Tarifs notwendig sei.

Das Telekommunikationsgesetz in Deutschland schreibt aber eine freie Wahl des Routers vor. 1&1 suggeriere Kunden, dass sie einen der vom Provider angebotenen Router bei der Buchung eines DSL-Tarifs dazu kaufen / mieten müssten. So lautete der Text zu den Routern auf der Website des Unternehmens: „Zu dem gewählten DSL-Tarif benötigen Sie einen der folgenden DSL-Router.“ Dann sind Kunden gezwungen einen von drei Routern auszuwählen, sonst lässt sich die Bestellung nämlich gar nicht abschließen.

Fairerweise sei gesagt, dass 1&1 auch eine kostenlose Option im Repertoire hat, das 1&1 DSL-Modem. Man wurde also nicht zwangsweise zur Kasse gebeten. Allerdings bot der Provider im gleichen Atemzug auch das 1&1 HomeServer Speed+ für 4,99 Euro im Monat an. Wer keinen der Router auswählten wollte, konnte seine Bestellung nicht fortsetzen. Auch wenn es nichts schadet, die kostenlose Variante mitzunehmen, hatte der vzbv beanstandet, dass Kunden hier etwas Falsches vorgegaukelt werde.

Auch das Landgericht Koblenz kam zu dem Urteil, dass der Bestellvorgang bei 1&1 irreführend sei. Denn am Ende entstehe für Laien der Eindruck, dass einer der drei Router zwingend benötigt werde, um einen Tarif bei 1&1 zu nutzen. Dieser Eindruck werde nicht nur durch die Formulierungen der Website unterstützt, sondern auch dadurch, dass kein Abschluss des Bestellvorgangs ohne Routerwahl möglich sei.

Tatsächlich war und ist es natürlich auch bei via 1&1 gebuchtem DSL-Tarif möglich, andere Router zu verwenden. 1&1 hatte sich vor Gericht mit dem Argument verteidigt, dass man das an anderen Stellen auf seiner Website, in der Rubrik „Tarif-Details“, auch erwähnen würde. Auch ein Anruf bei der Hotline könne diese Information zutage fördern. Die Richter folgten allerdings der Argumentation des vzbv. Denn ein Kunde, dem gesagt werde, dass einer der abgebildeten Router erforderlich sei, glaube eindeutige Informationen erhalten zu haben und werde kaum auf die Idee kommen die Hotline anzurufen.

Das Urteil des LG Koblenz könnt ihr auf Wunsch auch hier herunterladen. Es ist aber noch nicht rechtskräftig.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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33 Kommentare

  1. Mit was für einem Unsinn unsere Unternehmen Zeit der Gerichte verplempern…
    Als wäre es ein so großes Problem, auf der Seite einfach eine Option „Ich verwende einen eigenen Router“ o.ä. einzubauen.

    • Es gibt einen Routerzwang bei 1und1, der auh kräftig kostet: bei den Verträgen OHNE Mindestlaufzeit. Da muss man mindestens das Modem nehmen, welches zwar monatlich 0€ kostet dafür aber EINMALIG happige 149€. Und das ist die Frechheit.

  2. Wo ist denn der Unterschied zu den ganzen anderen Anbietern. Dort wird man doch auch immer vor die Routerwahl gestellt. Hab noch nirgends gesehen, dss man den Tarif komplett ohne buchen kann. Meist ist der kostenlose halt die voreingestellte Standardoption.

    • Bei der Telekom konnte ich den Router tatsächlich abwählen, bei Vodafone nicht (siehe anderer Kommentar)

    • Bin vor zwei Monaten zu o2 DSL. Dort konnte ich genau die von dir gesuchte Option bei der Bestellung anhaken.

      • Ok das ist aber auch die einzige kostenfrei Option bei O2.
        Ich wollte vor allem darauf abzielen, dass es meistens ein kostenloses Modem dazugibt, welches ich im Zweifel halt irgendwo im Keller bunker, wenn ich meine eigene Hardware nutzen will.
        Nur sollte man eben nicht verpflichtet sein für Hardware zu zahlen, die man eh nicht braucht.

    • @Florian Beim der Telekom oder Netcologne kann man zB problemlos einen Tarif ohne Router buchen. Das Gericht hat absolut korrekt ventschieden.

  3. Bei vodafone ist das nicht anders. Ich wollte meinen Pflichtrouter zurück schicken, aber die Retoure wurde retourniert, weil kein Widerruf oder Kündigung vorliegt.

    Jetzt bewahre ich den zwei Jahre auf und muss dann rechtzeitig zurückschicken, um nicht für ~100€ noch den Router abkaufen zu müssen.

  4. Mäuseturm says:

    „Fairerweise sei gesagt, dass 1&1 auch eine kostenlose Option im Repertoire hat, das 1&1 DSL-Modem. Man wurde also nicht zwangsweise zur Kasse gebeten.“

    Das ist leider nicht richtig. Zwar wird diese kleine Fritz!Box dem Kunden kostenlos überlassen, aber man muss dafür noch 9,90 Euro Versandkosten bezahlen. Und wenn man einen der DSL-Tarife ohne Mindestvertragslaufzeit haben möchte, wird für diese kleine Fritz!Box sogar zwangsweise 149,99 Euro (!) in Rechnung gestellt. Dafür kriege ich bei Amazon oder MediaMarkt schon eine ausgewachsene 7490 oder 7530 (die wäre sogar deutlich billiger).

    Ich bin gerade selbst in größere Diskussionen mit dem 1&1-Support verwickelt und bin schon drauf und dran (weil ich gerade umziehe), meinen künftigen DSL-Anschluss direkt bei der Telekom zu buchen.

    Da kommt das Urteil meiner Argumentation, dass das Vorgehen von 1&1 mit der Router-Zwangsbeglückung Mist ist, sehr entgegen…

    • +1

      Ich wollte mal früher einen DSL-Tarif ohne Mindestvertragslaufzeit bei 1&1 abschließen, aber dann … die Vertragslaufzeit beträgt mindestens 3 Monate und man muss noch 150€ für „kostenlosen“ Modem dazu zahlen. Abzocke ist das …

  5. BiBaButzemann says:

    Übrigens: https://cweiske.de/tagebuch/1und1-dsl-vertragsauswahl.htm

    1und1 bietet als kostenlosen Router eine beschnittene FritzBox an, bei der die WLAN-Funktionalität softwareseitig ausgeschaltet wurde. Mit der passenden Firmware lässt sich das WLAN dann allerdings wieder aktivieren.

  6. Bei der Bestellung per Hotline kann man immerhin sagen dass man ein eigenes Modem/einen eigenen Router verwenden möchte. Das ist dort gar kein Problem; hab ich selbst so gemacht. Unkomfortabel ist das aber trotzdem.

  7. Solche Vorgehensweisen seitens der Dienstleister ist in meinen Augen wenig transparent gestaltet und hinterlässt ein gewisses Geschmäckle. Werden die Endgeräte womöglich auch für wenigstens fragwürdige Analysemethoden eingesetzt?

  8. zählt das auch für die Abo’s ohne Laufzeit?
    1&1 lässt sich da für das DSL-Moden (FB7412) 150€ zahlen! Bei Verträgen mit Laufzeit ist doeser umsonst, und Wlan deaktiviert (Lässt sich aber ändern).

    • Ganz schön dreist für ein Gerät, dass selbst bei Amazon für 60€ verscherbelt wird.
      Da hat 1&1 eine schöne Einnahmequelle gefunden.
      Ohne nun das Urteil lesen zu müssen, wäre es interessant, ob es auch einen rückwirkenden Einfluss hat. Ich vermute, dass einige Leute Geld für diese Zwangsbox gelassen haben…

    • Mäuseturm says:

      Das war übrigens noch vor wenigen Jahren anders. Meinen 1&1-DSL-Tarif ohne Mindestvertragslaufzeit hatte ich 2015 mit dieser Zwangs-7412 bekommen, damals aber kostete der Router noch nichts. Heute sind es 149,99 Euro. Und dann kommen noch 9,90 Euro Versand drauf – das alleine finde ich schon frech.

      Und damals ließ sich die 7412 wenigstens noch für ein paar Euro bei eBay verscherbeln. Heute ist eBay zugemüllt damit und die Masse dieser Router scheint nicht mal für einen Euro wegzugehen.

  9. Und einem Unternehmen, das einen potentiellen Kunden schon versuchen zu verarschen, bevor er überhaupt Kunde geworden ist, dem soll ich dann vertrauen?

    Das erinnert mich an diese Schreiben, die uns vom örtlichen UnityMedia Shop immer in den Briefkasten flatterten. Da wurde man gebeten, doch bitte noch die Nutzung seines Kabelanschlusses zu bestätigen. Oder eben zu bestätigen, dass man ihn bereits abgemeldet hatte. Letzteres möge man doch bitte auf der Rückseite eintragen, mit Adresse etc, damit das nachprüfbar sei. War schlüssig argumentiert. Das rückseitige Formular war jedoch tatsächlich ein Bestellformular für einen Kabelanschluss. Das Layout war nur so aufgebaut, dass man das nicht gleich erkannte. Erst kurz bevor ich das unterschreiben wollte, fiel mir auf, dass ich damit einen Vertrag abschließen würde. Seit dem kommt UM bei uns definitiv nicht infrage.

    • Das ist krass. Kennst Du eine Seite, wo vielleicht ein Bild davon existiert? Würde ich als Warnbeispiel nutzen 🙂

      • Schwierig…
        Das ist mindestens acht Jahre her und ich weiß nicht mit Sicherheit, ob der Mist auf den Betreiber eines lokalen Shops gewachsen war, meine aber, die Umschläge waren nie frankiert, was auf eine Verteilung außerhalb der Post hindeuten würde. Und zusätzlich eben ein Indiz für einen lokalen Shop war. Ich meine auch, ich hätte mal die Absenderadresse in Gmaps überprüft und festgestellt, dass es sich dabei eben um einen Shop in unserer damaligen Wohnstadt handelte. Ob UM solche Methoden bekannt sind, sie nur duldet oder gar unterstützt, kann ich nicht sagen. Die Shops laufen schließlich alle über Franchise.
        Ob es also Bilder davon gibt, weiß ich nicht. Ich könnte zu Hause mal in meine Unterlagen schauen, ob ich einen solchen Brief mal aufgehoben habe, um eben einen Beleg dafür zu haben. Müsste ich nachschauen.

  10. Jo das 1&1 Kabelmodem ist ein tolles Beispiel
    für verarsche am Kunden. Arbeite selber in der Branche das Kabelmodem ist eigentlich die 7412 WLAN Variante nur die WLAN Funktion ist Firmwareseitig deaktiviert. Selbst auf dem Karton steht WLAN Modem drauf nicht mal da wurde sich die Mühe gemacht. Aber wenn man weiß wie kann man die Box sehr schnell WLAN fähig machen…

  11. Welcher Router ist denn aktuell zu empfehlen? Zu versorgen wäre ein normales Einfamilienhaus. Vom Routerplatz liegt eine LAN-Verkabelung in die meisten Räume vor.

  12. Der Router “ohne Wlan“ ist für 9,90€ aber relativ fair. Reicht für vdsl und ein Telefon plus Fax, das wlan kann man durch einfaches einspielen der avm firmware aktivieren. Für mich reicht die privat aus, funktioniert auch mit o2. Gibt sicherlich bessere, wo dann noch ein nas und 5ghz drin ist, aber für nen Singlehaushalt mit 50er Leitung kann man sich nicht beschweren.

  13. TimeBandit says:

    Ich habe bei solchen Verbraucherschutz Maßnahmen und Urteilen immer das Gefühl der ständig fortschreitenden Verdummung. Es ist wie bei Werbeprospekte, man muss bei einer angebotenen Pfanne ernsthaft dazu schreiben dass die Spiegeleier die darin braten nicht zum Angebot gehören.

    • Äpfel und Birnen und so. Warum soll man 10 Euro Versandkosten zzgl. unnötig produziertem CO2 zustimmen wenn man es nicht braucht? Dein Vergleich hinkt, wäre eher so, daß Du die Eier mitbestellen mußt ob Du willst oder nicht.

  14. Einfach über die Hotline statt online abschließen und man kann einen Vertrag ohne Router bekommen.
    Ist jetzt echt nicht schwer.

    • Hat bei mir nicht funktioniert, zumindest nicht bei dem Tarif ohne Vertragslaufzeit. Ich müsste einen Router dazu buchen ansonsten kann ich den Vertrag nicht abschließen. Es gibt hier also doch einen Routerzwang.

  15. Freie Router Wahl ist so eine Sachen bei den Telekom Hybrid Anschlüssen kannst auch nur den Mist Router der Telekom nutzen da es keinen anderen Hybrit Router gibt außer den von der Telekom. Was die sich auch bezahlen lassen den 400€ ist das ding definitiv nicht Wert. Der hängt sich schon bei mehr als 15 Geräten per DHCP auf bzw. Versucht dann IPs neuen Geräten zu geben die schon vergeben sind. Habe dann irgendwann ein anderes gerät konfiguriert was jetzt DHCP macht.

  16. OT
    Mein Vertrag bei 1 & 1 endet im September. Ende des Jahres gibt’s Glasfaser [anderer Anbieter].
    Kann man bei 1 & 1 auch nur paar Wochen verlängern?

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