Vault 7: Wikileaks öffnet die Spionage-Grabbelkiste der CIA

7. März 2017 Kategorie: Android, Apple, Internet, iOS, Linux, Windows, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Ein paar Jahre nach den NSA-Enthüllungen von Edward Snowden geht es dem nächsten Geheimdienst enthüllungstechnisch an den Kragen. Wikileaks veröffentlichte heute den ersten Teil von „Vault 7“, so wurde das bisher größte Archiv vertraulicher Dokumente der Behörde getauft. Eigentlich sollten diese Enthüllungen keinen mehr groß überraschen. Interessant sind sie dennoch, wollen sie doch beispielsweise belegen, dass jegliche Smartphones abgehört werden können oder Smart TVs zum Mikrofon umgewandelt werden. Zu diesem Zweck wurde reichlich Malware entwickelt, das Ganze scheint aber außer Kontrolle geraten zu sein.

Der erste Schwung des Leaks umfasst bereits 8671 Dokumente und Dateien aus einem isolierten Netzwerk der CIA. Außer Kontrolle geraten bedeutet in diesem Fall, dass die Malware und die Hacking-Tools nicht mehr nur im Besitz der CIA sind. Ich möchte gar nicht ins Detail gehen, das würde ja gar kein Ende nehmen.

Aber man sollte sich einmal mehr bewusst machen, dass staatliche Behörden durchaus in der Lage sind, Dinge zu bewerkstelligen, die einem Anwender vielleicht nicht so gefallen. So sollen zum Beispiel auch die Verschlüsselungen von WhatsApp, Telegram und den von Kommentatoren immer wieder als Vorzeige-Sicherheits-Messenger gelobpreisten Signal für die CIA kein Problem darstellen, da die Daten bereits abgegriffen werden, bevor sie verschlüsselt sind.

Windows, iOS, Android, Linux, macOS? Angeblich keine Hürde für die CIA, die das Ganze weltweit einsetzt, um die Informationen zu erhalten, die man möchte. Anti-Viren-Programme? Viele angreifbar. Schon die Pressemitteilung von Wikileaks lässt einen nur noch mit dem Kopf schütteln, da muss man nicht einmal einen Blick in die veröffentlichten Dokumente werfen.

Was besonders sauer aufstößt sind dann allerdings Details wie das Sammeln von „Zero Day“-Lücken, die dann natürlich auch ausgenutzt werden. Nach den Snowden-Leaks wurde zwischen der damaligen Regierung und den Geheimdiensten ein Abkommen getroffen, dass gefundene Lücken an die Unternehmen weitergegeben werden. Denn wenn die Lücke einer findet, kann sie jeder finden, so werden alle Nutzer der Gefahr ausgesetzt, angegriffen zu werden, auch wenn sie vielleicht nicht auf dem Schirm der CIA sind.

Aber wie gesagt, ins Detail möchte ich gar nicht gehen. Wer sich für die „Vault 7“-Enthüllungen interessiert, wird bei Wikileaks fündig, lest das aber besser zu einem Zeitpunkt, zu dem Ihr eh schon schlechte Laune habt, besser wird sie dadurch garantiert nicht.

Was ich mich bei solchen Veröffentlichungen immer nur frage: Wenn die Geheimdienste tatsächlich so toll alles abhören können, warum es dann so viele Ereignisse gibt, die ach so überraschend kommen. Liegt es an den gesammelten Datenmengen, die nicht rechtzeitig ausgewertet werden? Liegt es am Desinteresse der Regierung an den eigenen Bürgern? Sind die Behörden vielleicht doch nicht so gut aufgestellt, wie uns die Leaks glauben machen wollen?


Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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