Revell X-Spy Quadcopter mit Live-Videostream zum Smartphone ausprobiert

23. Juni 2015 Kategorie: Hardware, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Revell ist so eine Firma, die ich noch aus Kindertagen kenne. Unzählige Modelle, meist im Maßstab 1:144 habe ich meist notdürftig zusammengekleistert und mehr als stümperhaft bemalt, man war halt noch viel zu jung für solche filigrane Arbeiten. Wie das im Leben so ist, verliert man irgendwann das Interesse an den Dingen und somit auch an der Firma. Umso überraschter war ich, als ich einen Quadcopter von Revell bekam und ausprobieren durfte. Auch wenn technisch nicht korrekt, bezeichne ich das Fluggerät als Drohne, man möge es mir für den Rest des Beitrags verzeihen.

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X-Spy nennt sich der Quadcopter. Leider – oder zum Glück, das kommt ganz auf die persönlichen Umstände an, kommt die kleine Drohne komplett zusammengesetzt, man muss also nicht mehr selbst Hand anlegen, sondern kann direkt losfliegen. Im Paket sind neben dem eigentlichen X-Spy noch eine Fernbedienung und Ersatzpropeller, falls einmal einer kaputt geht sowie entsprechendes Werkzeug.

Die Drohne selbst ist recht klein, allerdings nicht so klein wie beispielsweise ein Hubsan X7 (meine andere Drohne, die mittlerweile beim Nachbarn im Baum hängt, Caschy machte hier sehr ähnliche Erfahrungen). Die Hubsan X7 Drohne muss hier als Vergleich herhalten, nicht nur weil es die ist, mit der ich bereits Erfahrung sammeln konnte, sondern weil sie dem X-Spy sehr ähnlich ist.

Die Fernbedienung bietet neben der Steuerkonsole auch eine Aufnahme für Smartphones. Aus gutem Grund, X-Spy kann nämlich ein Livebild der Kamera übertragen und auch Videos oder Fotos aufnehmen. In die Halterung passen so gut wie alle Smartphones, allerdings ist die Breite des iPhone 6 Plus schon hart an der Grenze. Im Prinzip braucht man die Fernbedienung gar nicht, die Drohne lässt sich nämlich auch per App steuern. Empfehlenswert ist das aus meiner Sicht allerdings nicht, eine präzisere Steuerung ist eindeutig mit der Fernbedienung möglich, aber dazu später noch mehr.

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Wie bereits erwähnt, entfällt der Zusammenbau. Lediglich den Akku der Drohne muss man laden. Ein Geduldsspiel, das dauert über das mitgelieferte Kabel gerne einmal zwei Stunden. Immerhin bietet der Akku eine Kapazität von 700 mAh, sodass trotz Übertragung des Videos und der damit einhergehenden WLAN-Verbindung zwischen Smartphone und Drohne, eine für diese Größe akzeptable Flugzeit erreicht wird.

Bevor man seine ersten Flugversuche unternimmt, sollte man sich mit dem Thema Quadcopter ein bisschen beschäftigen. Zu schnell kann es passieren, dass sich das kleine Fluggerät auf Nimmerwiedersehen verabschiedet oder man es selbst gegen ein Hindernis steuert und beschädigt. Normale Unfälle, also Abstürze aus nicht allzu großer Höhe und auch diverse Crashs gegen Wände und Pflanzen haben dem durchaus robust gebauten X-Spy allerdings nicht an. Hier macht sich auch die Größe bemerkbar.

War es bei meinem Hubsan X7 so, dass ein Crash an die Wand oder auf den Boden in der Regel einen Austausch der Rotoren – weil kaputt – benötigte, steckt X-Spy solche Unfälle problemlos weg. Die Rotoren sind sehr stabil, der Schutzring um diese bietet zusätzliche Sicherheit. In der Tat habe ich bis heute kein einziges Teil austauschen müssen und der X-Spy ist schon eine ganze Weile bei mir im Einsatz. Das ist ein verdammt großes Plus, vor allem für Anfänger.

Für Anfänger ist auch die Fernbedienung gemacht. Sie bietet drei Empfindlichkeitsstufen. Wer bereits einmal mit einem Multicopter geflogen ist, wird sofort auf die empfindlichste Stufe gehen, alles andere fühlt sich träge an. Anfänger sollten allerdings ruhig mit den niedrigeren Stufen anfangen, im Zweifelsfall wird so ein unbeabsichtigtes Abhauen der Drohne durch eine falsche Steuerung verhindert.

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Das Wetter hier im Erzgebirge ist nicht sehr drohnenfreundlich, vor allem wenn man mit den kleineren Modellen im Außenbereich fliegen will. Da reicht schon ein laues Lüftchen und die Drohne wird davongetragen. Bis zu einem gewissen Grad kann man da entgegen steuern, reagiert man aber zu langsam oder falsch, ist das Gadget weg.

X-Spy ist aber auch klein genug, um innerhalb von Räumen geflogen zu werden. Auch dies erfordert einiges an Übung, zudem sind die Steuerungsstufen mit niedriger Empfindlichkeit zu träge für ein präzises Fliegen durch die Bude. Für die automatisch ausführbaren Flips empfiehlt sich zudem eine gewisse Flughöhe, die in einer Wohnung mit normaler Deckenhöhe nicht erreicht werden kann. Sollte X-Spy in ruhiger Lage, also ohne Betätigung der Fernbedienung, dennoch in eine Richtung abhauen, kann man dies direkt an der Fernbedienung justieren (sogenannte Trimmung).

Entschließt man sich dazu, seinen X-Spy woanders fliegen zu lassen, zum Beispiel über einer Wiese mit ausreichend Platz, wird man zudem schnell Akkufrust bekommen. Spart man sich die Verbindung zum Smartphone – und damit auch die Möglichkeit zur Video- oder Foto-Aufnahme – erreicht X-Spy eine Flugzeit von ca. 8 Minuten. 8 Minuten fliegen, 2 Stunden laden. Uncool, aber das Problem gibt es mit allen Multicoptern dieser Größe. Nutzt man die Kamera und verbindet X-Spy mit dem Smartphone, verringert sich die Flugzeit auf ca. 6 Minuten.

Zusätzliche Akkus sind natürlich eine Möglichkeit, um diesem Problem ein Ende zu bereiten, allerdings kostet so ein Akku auch einmal rund 15 Euro, sodass man sich kaum mit zig dieser Dinger eindecken wird. Wie gesagt, kein Problem dieses Modells, sondern aller kleinen Flugkünstler.

Das Fliegen mit dem X-Spy macht großen Spaß, egal ob innen oder außen. Dazu tragen auch die automatischen Flips bei, die man per Fernbedienung auslöst. Button drücken und dann eine beliebige Richtung mit dem Steuerknüppel wählen und schon dreht sich das Ding um die eigene Achse. Extrem cool wäre hier eine Möglichkeit, das Video in Zeitlupe aufzunehmen, diese gibt es aber nicht. So lassen sich Flips in einem Video nur erahnen, sie könnten auch einfach nur Ruckler sein. Das Instagram-Video beinhaltet zum Beispiel einen solchen Flip, könnt Ihr ihn entdecken?

Was Ihr in dem kurzen Video auch sehen könnt: die Qualität der Aufnahme ist eher so naja. Dennoch ist sie besser als die Qualität der Kamera im Hubsan X7 (hier gibt es zig unterschiedliche Modelle bei den Kameras, meine war jedenfalls noch einmal wesentlich schlechter). Man wird mit der Kamera keine kinoreifen Aufnahmen erstellen können, aber gerade für so kurze Dinger wie Instagram oder mal eben ein Video via Twitter und Facebook geteilt, durchaus akzeptabel. Die Kamera kann zudem in verschiedene Winkel gebracht werden. Zwar manuell, aber dennoch schön, dass sie in dieser Hinsicht flexibel ist.

Die Video- und Foto-Aufnahme wird direkt per App gesteuert, das ist durchaus komfortabel. Bilder und Videos landen in der Camera Roll und können von dort aus direkt auf dem Smartphone weiterverarbeitet werden. Finde ich sehr gut. Bei meinem Hubsan X7 musste man eine Speicherkarte einlegen, die Kamera aktivieren und dann wurde aufgenommen bis der Akku leer war. Zudem wusste ich nie genau, was ich aufnehme, da es keine Verbindung zum Smartphone gab. Das macht schon groß Spaß mit dem X-Spy.

Die Verbindung – X-Spy stellt zur Videoübertragung ein eigenes WLAN zur Verfügung – ist mit einer Reichweite von 50 Metern angegeben. Das mag im Fall der Fernbedienung zutreffen, die Bildübertragung wird aber zunehmend schlechter, je weiter das Smartphone von der Drohne entfernt ist. Es ist sicher nicht optimal, dies in einem Wohngebiet mit zig WLANs zu testen, war aber ein Punkt, der mir auffiel.

Ein Problem des X-Spy möchte ich Euch allerdings nicht verschweigen. Kam ich gerade erst wieder drauf, als ich mir die Bewertungen im Online-Shop anschaute. Der Akku wird in das Gehäuse eingeführt. Dieses ist mit einer Klappe versehen, die sich direkt beim ersten Öffnen schon verabschiedet. Verbindet man die Kabel und platziert den Akku im Gerät, war es mir nicht mehr möglich, die Klappe neu anzusetzen. Zu wenig Platz. Für mich allerdings kein Problem, weil ich seit Tag 1 einfach ohne die Fummelkappe fliege. Nachteile ergeben sich daraus nicht wirklich, nur bei einem Crash kann es passieren, dass der Akku ein Stück aus der Drohne kommt.

Insgesamt betrachtet ist der Revell X-Spy Quadcopter ein feines Spielzeug. Spielzeug deshalb, weil durch die Kamera eben keine „Hochglanz“-Aufnahmen entstehen. Die Flugeigenschaften sind jedoch super und durch die anpassbare Steuerungsempfindlichkeit auch für Anfänger geeignet. Anfängerfreundlich ist auch die Verarbeitung, die doch den ein oder anderen Absturz unbeschadet übersteht. Das hat mich nach meiner Erfahrung mit dem Hubsan X7 doch sehr überrascht.

Im Revell Online-Shop kostet X-Spy inklusive Fernbedienung und Ersatzteilen 109 Euro (bei Amazon für rund 90 Euro zu haben). Sicher nicht die billigste Mini-Drohne, ich finde den Preis aber durchaus gerechtfertigt. Man bekommt ein Komplettpaket mit Live-Übertragung des Bildes an ein Android- oder iOS-Smartphone, das lassen sich andere Hersteller ganz anders bezahlen, auch wenn die Qualität der Aufnahmen dann vielleicht besser ist. Wer sich für so kleine Fluggeräte begeistern kann, macht mit dem X-Spy keinen Fehlgriff. Wer bereits Erfahrung mit Multicoptern hat, kann aber auch zu anderen greifen, der Markt gibt ja einiges her. Für Fluganfänger eignet sich das Fluggerät von Revell aber auf jeden Fall, ohne dafür allzu tief in die Tasche greifen zu müssen.

Die dazugehörige App, die für Android und für iOS zur Verfügung steht, macht einen recht altbackenen Eindruck, erledigt ihre Aufgaben aber zuverlässig. Sie dient ja nicht nur als Fernbedienung für die Drohne, sondern aktiviert eben auch die Videoaufnahme und kann Fotos schießen.

Am wichtigsten ist bei all dem Spaß jedoch, dass man sich vor der Nutzung schlau macht, wo und wie man damit fliegen darf. Auch sollte eine Versicherung in Betracht gezogen werden, falls es doch einmal dumm zugeht und durch die Flugkünste Schäden verursacht werden.



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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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