Nuki Smart Lock ausprobiert: Zu Recht ein Kickstarter-Erfolg?

25. Juni 2016 Kategorie: Android, iOS, Smart Home, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_nukiDas vernetzte Zuhause, der feuchte Traum der Hardwarehersteller, ist oft ein Usability-Albtraum für die Nutzer. Hardware, die zu hohen Preisen verkauft wird trifft hier – natürlich gibt es auch positive Ausnahmen – in der Regel auf Apps, die zwar ihren Zweck erfüllen, aber alles andere als hübsch oder gar intuitiv sind. Umso erfreulicher ist es wenn Crowdfunding-Projekte, die genau dieses Problem angehen, dann auch erfolgreich abgeschlossen werden. So ist es bei Nuki der Fall, der smarte Schlossaufsatz für die Haustür ist mittlerweile verfügbar, was das Teil so kann, habe ich mir die letzten Tage angeschaut.

Regelmäßige Leser wissen, dass dies nicht mein erstes Smart Lock ist, das Danalock hatte ich bereits im Einsatz, es hat mich allerdings nicht vollends überzeugt. Letztendlich zu viel Aufwand für zu wenig Nutzen. Da Nuki auf einem sehr ähnlichen Prinzip basiert, war ich skeptisch. Vielleicht bin ich auch gar nicht der Typ für ein Smart Lock?

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Nuki hieß am Anfang seiner steilen Karriere noch Noki, hatte aber keinerlei Probleme, die geforderte Finanzierungssumme über Kickstarter zusammenzubekommen. Im Gegenteil, selbst Stretch-Goals wurden erreicht, sodass man zum Beispiel die Nuki-Bridge, eigentlich eine zusätzliche Hardware, die Nuki auch ins Netz bringt, einfach über ein altes Android-Smartphone realisieren kann. Tolle Sache, zumal die Bridge noch gar nicht verfügbar ist.

Kommt Nuki an, fällt sofort auf, dass nur wenige Teile kommen. Für handwerklich weniger begabte Menschen wie mich ist dies ein positives Zeichen. Das Ganze wird dann noch positiver, wenn man der Schnellstartanleitung entnimmt, dass man tatsächlich keinen Beutel mit Schrauben übersehen hat, sondern Nuki offenbar schneller an der Tür befestigt ist als man für möglich halten würde.

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Zwei „Trägerplatten“ sind im Lieferumfang. Während eine einfach geklebt wird (anzuwenden, wenn der Schließzylinder weniger als 3 mm aus der Tür herausragt), wird die andere mit drei Schrauben am Schließzylinder direkt befestigt. Werkzeug liegt bei, bei mir war keine „Umbaumaßnahme“ am Schloss nötig. Platte aufsetzen, Schrauben anziehen, das war es auch schon.

Auf die Trägerplatte wird Nuki dann nur noch aufgesteckt und kann im Anschluss auch schon eingerichtet werden. Beim Aufstecken ist darauf zu achten, dass der Schlüssel steckt, Nuki ist quasi nur ein Antrieb für ein vorhandenes Schloss samt Schlüssel. Zeitaufwand bis zu diesem Punkt: Großzügig aufgerundet war es wohl eine Minute, man kann irgendwie auch gar nichts falsch machen. Und da habe ich schon die „kompliziertere“ Variante mit Schrauben gewählt, die Klebeplatte sollte das sogar noch einmal beschleunigen oder vereinfachen.

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Nun muss Nuki natürlich noch eingerichtet werden. Dies erfolgt über die Nuki-App, verfügbar für iOS und Android. Auch an dieser Stelle erwartete ich nicht viel, wirklich. Danalock hat mich da ein ganzes Stück geerdet, warum sollte das bei Nuki anders sein? Also App heruntergeladen, geöffnet und gestaunt.

Man wird durch die Einrichtung geführt, mehr als Anweisungen folgen ist da nicht nötig. Die größte Entscheidung, die man während der Einrichtung treffen muss, ist die Angabe, ob die Tür auf der Außenseite einen Knauf oder eine Klinke hat. Pro-Tipp, wenn Ihr das nicht aus dem Stegreif wisst, macht die Tür auf, dann seht Ihr es.

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Selbst die Kalibrierung (inklusive Schlossfalle ziehen) von Nuki erfolgt automatisch und vor allem korrekt. Vom Auspacken bis zur betriebsfertigen Montage und Einrichtung von Nuki vergingen keine 5 Minuten, in dieser Hinsicht wurde so viel von Nuki richtig gemacht. So müssen solche Gadgets auch funktionieren. Auspacken, anschließen, nutzen.

Die Verwaltung von Nuki erfolgt über die App. Die App wirkt sehr übersichtlich, was allerdings auch den wenigen verfügbaren Funktionen geschuldet ist. „Wenige Funktionen“ soll dabei aber gar nicht negativ klingen, denn auch eine Überladung mit Funktionen kann zu einem semiguten Eindruck verhelfen. Man darf den Nutzer nicht überfordern, muss ihm aber die Dinge an die Hand geben, die er nutzen möchte. Das schafft Nuki durchaus.

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Aber was macht Nuki denn nun eigentlich genau? An der Innenseite der Haustür angebracht, wird Nuki quasi zum ferngesteuerten Schlüssel. Zuschließen, Aufschließen und Tür Öffnen sind die drei Grundfunktionen. Nuki kann allerdings nicht nur über die App angesprochen werden, sondern verfügt auch direkt am Gerät über eine Taste, die unterschiedliche Aktionen ausführen kann.

So bewirkt ein doppelter Druck auf die Taste zum Beispiel ein Aufschließen, Öffnen und anschließendes wieder Zuschließen der Tür. Perfekt, wenn man das Haus verlässt. Nach 20 Sekunden wird automatisch abgesperrt. Je nach Schlosszustand wird hier auch der erste Schritt, das Aufsperren an sich, weggelassen. Man muss also nicht zwingend wissen, in welchem Zustand sich Nuki gerade befindet, wobei dies auch über den LED-Ring feststellbar ist.

Ob über App oder über Nuki direkt bedient (letzteres funktioniert logischerweise nur von innen), der Öffnungs- und Schließvorgang läuft sehr zuverlässig und auch relativ flott ab. Der Motor, der von 4 AA-Batterien angetrieben wird, ist etwas laut, stört mich nicht, die Haustür ist weit ab vom Schuss. Sobald Zwischentüren im Spiel sind, sollte Nuki aber nicht mehr als störend wahrgenommen werden.

Das Ganze funktioniert in der Kombination Nuki + App über eine Bluetooth-Verbindung. Das hat den Nachteil, dass sich Smartphone und Schloss erst wieder verbinden, wenn man in der Nähe ist. Das kann einen Moment dauern, was wiederum nervig ist, falls man gerade vom Einkaufen kommt und eigentlich nur schnell die Tür öffnen möchte. Ein paar Sekunden warten mag nicht viel klingen, aber alles was länger dauert als den Schlüssel in das Schloss zu stecken und aufzusperren, ist keine große Hilfe.

Ob sich die „langsame“ Verbindung mit Software-Updates lösen lässt, kann ich nicht sagen, ich habe aber für mich eine akzeptable Lösung gefunden: Die Nuki Bridge. Diese gibt es als Hardware, muss allerdings zusätzlich gekauft werden. Dank Stretch-Goal gibt es aber auch eine Bridge-App für Android-Smartphones. Die App ergibt jedoch nur Sinn, falls man ein ungenutztes Android-Smartphone zur Verfügung hat. Man muss dieses nämlich in der Nähe von Nuki platzieren und auch permanent mit Strom versorgen.

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Die Verbindung der Bridge-App mit Nuki erfolgt ebenso einfach wie die Einrichtung des Schlosses über die Nuki-App. Man muss keinerlei Daten eintragen oder irgendwelche komplizierten Einstellungen vornehmen, einmal aufgesetzt läuft das Smartphone dann als Bridge. Was so reibungslos funktioniert, verwirrt anfangs allerdings auch.

Das liegt daran, dass die Bridge (welche in diesem Fall ja dann ein Smartphone mit App ist) nicht als solche von der Nuki-App erkannt wird. Man hat also weiterhin den Menüpunkt „Bridge verwalten“, auch wenn sie schon läuft. Ob die Bridge läuft, lässt sich am einfachsten ausprobieren, indem man Bluetooth auf dem „Schlüssel“-Smartphone deaktiviert.

Bekommt man dann eine Verbindung zu Nuki, läuft auch die Bridge-App korrekt. Wird übrigens auch in der Bridge-App angezeigt, aber so eine richtige Bestätigung, ob das nun funktioniert oder nicht, gibt es nicht. Soll sich aber durch App-Updates verbessern, wie mir mitgeteilt wurde.

Nun noch einen Blick in die Nuk-App selbst, verfügbar für iOS und Android denn sie ist schließlich die Schlüsselzentrale. Öffnet man die App, bekommt man den Status seines Nuki angezeigt. Man kann auch mehrere Nuki verbinden und Favoriten auswählen (mit einem Nuki für mich schlecht ausprobierbar). Hat man noch keine Einstellungen vorgenommen, kann man aus diesem Bildschirm heraus mit einem Wisch die Tür öffnen oder schließen, je nach Ausgangszustand.

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Tippt man hingegen auf den aktuellen Status, bekommt man vier Optionen präsentiert. Aufsperren, Zusperren, Tür öffnen und Lock ’n‘ Go. Aufsperren und Zusperren ist selbsterklärend. Tür öffnen ist das Mittel zum Zweck, falls man außen vor der Tür steht. In diesem Fall wird sie aufgesperrt und die Schlüsselfalle gezogen, sodass sich die Tür eben auch ohne Klinke öffnen lässt. Ist die Tür bereits aufgesperrt und man wählt diese Option, wird nur die Falle gezogen.

Lock ’n‘ Go ist eine Funktion, die mich sofort überzeugt hat. Ob doppelter Druck auf Nuki selbst oder per App ausgewählt, die Tür wird bei Verwendung dieser Option aufgesperrt, geöffnet und nach 20 Sekunden wieder zugesperrt. Das schwierigste ist hier, Nuki zu vertrauen. Bleibe ich die 20 Sekunden vor der Tür stehen, um zu sehen, ob etwas passiert, habe ich nichts gekonnt.

Bei diesem Vertrauensspiel ist die Bridge sehr hilfreich, da man so jederzeit überprüfen kann, wie der Status von Nuki ist. Und im Zweifelsfall kann sogar aus der Ferne eingegriffen werden. Bisher wurde mir allerdings weder ein falscher Status angezeigt, noch verweigerte Nuki die Annahme von Befehlen, also alles geschmeidig in dieser Hinsicht.

In den Einstellungen gibt es erst einmal die drei Hauptpunkte Administration, Benutzer verwalten und Protokoll. Über die Adminsitration könnt Ihr verschiedene Dinge einstellen, Nuki einen Namen geben, den Standort festlegen (wichtig für Auto-Lock) oder auch das Bluetooth-Pairing oder den Hardware-Button von Nuki deaktivieren. Auch kann das LED-Signal an Nuki selbst deaktiviert werden, alternativ schraubt man nur die Helligkeit rauf oder runter.

Die Benutzerverwaltung ist sehr einfach. Man legt einen Namen des Nutzers fest, dem man Zugang gewähren möchte und wählt dann noch aus, ob den Zugang zeitlich begrenzen möchte. Zeitlich begrenzen heißt in diesem Fall nicht nur, dass der Nutzer Nuki bis Datum X öffnen kann. Man kann auch bestimmte Zeiten festlegen, in denen dieser Nutzer dann Zugang bekommt.

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So könnte man beispielsweise festlegen, dass die Putzfrau nur jeden Mittwoch zwischen 10 und 11 Uhr ins Haus kommt. Auch gut einsetzbar wäre diese Methode im Pflege- und Betreuungsbereich. Halt für alles, was eine Regelmäßigkeit hat, man aber keinen Vollzugang gewähren möchte. Quasi für die Menschen, denen man einen Schlüssel mit einem mulmigen Bauchgefühl dennoch in die Hand drückt.

Hat man die gewünschten Optionen ausgewählt, wird ein Einladungs-Code erstellt. Diesen kann man dann über diverse Wege teilen, ist die Person anwesend, kann er auch einfach in der App eingegeben werden. Verschickt man den Code, gibt es gleich noch einen Link zur App dazu, auch dieser Vorgang ist super geschmeidig.

Für das Nuki selbst kann man festlegen, ob es in der Favoriten-Ansicht angezeigt werden soll, man kann Auto-Unlock aktivieren und man kann die ortsabhängige Warnung aktivieren. Macht man dies, erhält man eine Benachrichtigung, falls das Schloss noch aufgesperrt ist, man selbst aber nicht mehr zuhause ist. Übrigens erhält man auch eine Warnung, wenn man das Schloss via Bridge aus der Ferne aufschließt. Man muss hier dann noch einmal bestätigen, dass man das Schloss tatsächlich aufsperren möchte, da man sich nicht in der Nähe befindet.

Auto-Unlock befindet sich noch im Beta-Stadium. Mit dieser Funktion wird die Tür automatisch aufgesperrt, wenn man sich in der Nähe befindet. Das hat beim Ausprobieren funktioniert, aber mir kommt es etwas träge vor. Alternativ kann man Auto-Unlock mit Lock ’n‘ Go belegen, die Tür wird also geöffnet und danach wieder automatisch versperrt. Kleines Zeitfenster, falls man sich für gewöhnlich länger im „Einzugsbereich“ von Nuki aufhält.

Die Wischgesten in der Übersicht können ebenfalls selbst belegt werden. Ein Swipe nach links oder rechts kann auf „Intelligent“ (stellt den gegenteiligen Status her), Aufsperren, Zusperren, Tür Öffnen und „Keine Funktion“ eingestellt werden. Habe ich bei mir so eingestellt, dass ein Swipe nach links die Tür öffnet und der Swipe mach rechts intelligent ist. Warum ich hier allerdings kein Lock ’n‘ Go auswählen kann, ist mir unklar.

Die App bietet noch die Funktionen Smart Lock hinzufügen, Bridge verwalten, Personen einladen (gleiche Funktion wie Nutzerverwaltung), eine Hilfe und App-Einstellungen. Hier lassen sich Rückmeldungen und Benachrichtigungen konfigurieren, alles selbsterklärend.

Was Nuki fehlt, da bin ich allerdings erst durch den Hinweis eines anderen Nuki-Nutzer drauf gekommen, ist eine Zeitsteuerung. Dass man zum Beispiel sagen kann, ab 19 Uhr wird zugesperrt und ab 6 Uhr ist aufgesperrt. Aber das ist sicher etwas, was noch kommen wird.

Die App ist super übersichtlich aufgebaut und hier wiederholt sich auch das Erlebnis, das man mit der Hardware bereits hatte. Direkt nach Start ist die App nutzbar, aus der Grundkonfiguration heraus. Man kann das komplette System innerhalb von ein paar Minuten erfolgreich nutzen, alles andere kann man hinterher feinjustieren, ohne sich unter Druck gesetzt zu fühlen. Das ist heutzutage leider viel zu selten geworden, gerade im Smart Home-Bereich.

Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, was Nuki ist und was nicht. Wie habe ich es meiner Frau erklärt? Es ersetzt praktisch den (bei uns immer) innen steckenden Schlüssel und kann von außen bedient werden. Wurde so akzeptiert und wird auch genutzt. Ob man für sich einen praktischen Nutzen von so einem System hat, muss man natürlich selbst eruieren.

Mit 199 Euro ist Nuki natürlich auch nicht gerade etwas, das man mal eben nebenbei kauft. Für die Bridge werden noch einmal 99 Euro fällig (279 Euro im Set), falls man sich nicht selbst behilft oder komplett darauf verzichtet. Als Schlüssel können auch Nuki Fobs dienen, die Bluetooth-Fernbedienungen kosten 39 Euro pro Stück. Alles kein billiger Spaß, aber ein Spaß, der sehr gut funktioniert.

Wie eingangs erwähnt, war ich skeptisch. Nuki hat mich aber eines Besseren belehrt, sich als Gadget präsentiert, das man nutzen möchte. Es gab keinerlei Frustrationsmomente in der täglichen Nutzung, etwas, das ich bisher von keinem Smart Home-Produkt sagen könnte. Ab August soll Nuki dann samt Bridge und Fobs ausgeliefert werden, bestellen kann man die Geräte bereits.

Falls ihr es nicht zwischen den Zeilen herausgelesen habt: Ich bin begeistert von Nuki. Und einen Großteil dieser Begeisterung machen nicht einmal die Funktionen selbst aus, sondern dieses super einfache Onboarding, vom Anbringen der Hardware bis zur Feinjustierung der App. Für das Endprodukt einer Kickstarter-Kampagne ein super Ergebnis, in das künftig hoffentlich genauso viel Energie gesteckt wird wie bisher.


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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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