Ultra-HD-Filme am Samsung UE55KS8090: Augenweide oder Augenwischerei?

12. März 2017 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: André Westphal

Ich habe vor geraumer Zeit über meine Eindrücke vom HDR-Gaming mit dem Samsung UE55KS8090 berichtet. Das ist jetzt auch schon wieder anderthalb Monate her. Damals versprach ich großmäulig für die nächste Zeit einen Folgebeitrag über meine Erfahrungen mit Ultra HD Blu-rays und Streaming. Nun ist es endlich soweit: Ich habe mir an Samsungs TV mit Ultra HD Premium zahlreiche Filme in Ultra HD angesehen, mit den Bildeinstellungen gespielt und mir übere mehrere Wochen einen recht guten Eindruck verschaffen können.

Klar, mittlerweile haben sowohl Samsung mit den QLED als auch LG mit seinen neuen Geräten der Signature Edition noch eine Schippe raufgelegt – im Grunde entspricht der UEKS8090 also nach dem aktuellen Stand der Dinge im Jahr 2017 einem Mittelklasse-Gerät. Letztes Jahr zählte der TV aber definitiv zur gehobenen Klasse – die Ultra-HD-Premium-Kennzeichnung gab es auch 2016 nicht geschenkt. Auch dank echtem 10-bit-Panel, was ich für obligatorisch halte, hat mich der Fernseher nach und nach beim Testen immer mehr begeistert.

Allerdings werde ich in diesem Beitrag nicht nur spezifisch auf den UE55KS8090 eingehen, sondern eher allgemein über meine aktuelle Meinung zu 4K und Ultra HD. Zunächst poste ich aber für euch an dieser Stelle einmal meine TV-Einstellungen, denn danach wurde auch beim letzten Mal hier gefragt:

Bildeinstellungen am Samsung UE55KS8090

Bildmodus Film

Hintergrundleuchtung 2 (maximal bzw. 20 bei HDR-Wiedergabe)

Helligkeit 45

Kontrast 100

Schärfe 0

Farbe 50

Farbton G50 / R50

Digital Aufbereiten Aus

Auto Motion Plus Aus

Smart LED Gering

Filmmodus Aus

HDMI-Schwarzpegel Auto

Optimalkontrast Aus

Farbton Warm 1

Nur RGB-Modus Aus

Farbraum Auto

Jene Einstellungen gelten für Filme. Beim Gaming habe ich, auch aufgrund des etwas anderen Umgangs mit HDR, etwas abgewandelte Settings angelegt. Genutzt habe ich den Samsung UE55KS8090 in einem meist gut abgedunkelten Raum mit ca. 2 Metern Sitzabstand. Das ist übrigens eigentlich schon zu viel um Ultra HD bei dieser Diagonale voll auszunutzen – sollte man im Kopf behalten. An dieser Stelle dazu einmal eine Grafik des Kollegen Carlton Bale, mit dem ich zum Thema auch persönlich Kontakt hatte. Ich nehme diese Skizze gerne als Richtlinie, da sie auf Daten zum menschlichen Sehvermögen basiert und auch auf einigen Herstellerseiten tatsächlich in ähnlicher Form auftaucht.

Mein Tipp: Lest euch unbedingt seinen kompletten Artikel zum Thema durch: Does 4K Resolution Matter? Toller Post, dem ich 1:1 zustimme. Klar, wird es wieder einige Leute geben, die meinen sie sehen trotzdem bei 10 Metern jeden einzelnen Pixel, selbst wenn dies beim normalen menschlichen Sehvermögen gar nicht möglich ist. Bale vertritt übrigens genau wie ich, und mittlerweile ist das ja auch das Marketing-Argument der Hersteller, die Ansicht, dass HDR der eigentliche Fortschritt von UHD-Geräten ist. Wenn ihr mich fragt, ist es gerade deswegen so wichtig einen TV mit 10-bit-Panel und ausreichender Helligkeit zu kaufen. Von 4K-TVs ohne HDR würde ich direkt die Finger lassen.

Vielleicht noch ein paar kurze Infos, damit ihr meine Meinung besser einordnen könnt: Ich bin jemand, der ein neutrales Bild bevorzugt – möglichst nahe an der Intention der Filmemacher. Meinen Wohnzimmer-TV, einen Panasonic TX-P65VT50E Smart Viera Neo Plasma, habe ich anno dazumal deswegen professionell kalibrieren lassen – mittlerweile müsste er allerdings sicherlich nachkalibriert werden, muss ich zugeben. Mein Ziel ist es grundsätzlich jedenfalls, ein neutrales Bild zu erreichen.

Das sage ich, da es auch Zuschauer gibt, denen es relativ wurscht ist, ob das Bild dem Eindruck nahe kommt, den die Filmemacher erzielen wollten. Meine ich völlig wertfrei. Jeder soll daheim so Filme und Serien anschauen, wie er Bock hat. Und es gibt eben auch die Klientel, die auf knallige Farben, übertriebene Kontraste und gleißende Beleuchtung steht – mag ich selbst bei Animationsfilmen auch, muss aber eben nicht bei einem Thriller sein, welcher eigentlich unterkühlt und matt wirken sollte.

Theoretisch dürfte HDR deswegen übrigens für mich nichts sein: Denn die nachträgliche Ergänzung von HDR bei vielen Filmen, die ursprünglich nicht darauf ausgelegt gewesen sind, ist in der Cineasten-Community ein kontroverses Thema. Es gibt Stimmen, die sehen darin eine ähnlich drastische Veränderung, wie das Herumschnippeln am Bildformat. Letzteres lehne ich selbst ebenfalls ab, bin bei HDR aber noch unschlüssig. Ich denke es kommt auf die Herangehensweise an und wie behutsam vorgegangen wurde.

Augenweide oder Augenwischerei ? – Die Auflösung

Ich habe mir am Samsung UE55KS8090 folgende Filme als Ultra HD Blu-ray angesehen – wiedergegeben mit einer Xbox One S:

Pets (Upscale, 2K-Intermediate)

X-Men: Apocalypse (Upscale, 2K-Intermediate)

Star Trek: Beyond (Upscale, 2K-Intermediate)

Ghostbusters (Natives 4K)

Ghostbusters 2 (Natives 4K)

The Amazing Spider-Man 2 (Natives 4K)

The Revenant (Natives 4K)

Wie ihr seht, habe ich also bewusst hauptsächliches natives Material gesichtet. Viele aktuell auf Ultra HD Blu-ray erscheinende Titel sind nämlich nur intern bei den Studios hochskaliert worden. Ursache ist, dass die Digital Intermediates, also die digitalen Zwischenstufen, mit denen in der gesamten Post-Production gearbeitet wird, nur in 2K-Auflösung vorliegen. Das ist immer noch üblich, um Kosten und Zeit zu sparen. Denn gerade CGI in 4K rendern zu lassen, bedeutet heute immer noch deutlich mehr Aufwand, als mit 2K zu arbeiten.

Wie habe ich verglichen? Ideal wäre im Grunde eine utopische Situation: Ich müsste zwei TVs mit exakt (!) gleicher Ausleuchtung haben, sie müssten perfekt kalibriert sein und am besten würde ich dann zeitgleich von ein- und demselben Film einmal eine Blu-ray in 1080p und einmal eben die Ultra HD Blu-ray wiedergeben. Da komme ich freilich nicht ganz ran. Ich habe allerdings beispielsweise einen Film wie „Ghostbusters“ einmal als Blu-ray und einmal als Ultra HD Blu-ray via Xbox One S wiedergegeben, um zu vergleichen. Auch habe ich z. B., um schnell umschalten zu können, den selben Film zeitgleich via PS4 Pro (Blu-ray) und einmal via Xbox One S (Ultra HD Blu-ray) abgespielt. Auch da kann es aufgrund der unterschiedlichen Konsolen zu leichten Abweichungen kommen, aber für einen groben Vergleich ist das sehr wohl nützlich.

Damit nicht nur zwei Augen hinsehen, habe ich zudem einen Kumpel herbeordert, der ebenfalls interessiert seine Blicke über das Gebotene schweifen ließ. Unsere Eindrücke waren dabei identisch zu denen des oben erwähnten Carlton Bale: Die Vorteile der Auflösung sind bei „kleinen“ Diagonalen wie 55 Zoll bei gängigen Sitzabständen marginal bis nicht wahrnehmbar. „Ghostbusters“ etwa ist für einen Klassiker eine super UHD-Umsetzung, doch bei einem regulären Sitzabstand erkenne zumindest ich keinerlei Vorteile durch die reine Auflösung. Der Film eignet sich gut für einen Vergleich, da für Blu-ray und Ultra HD Blu-ray exakt das gleiche Master zum Einsatz kam. Außerdem arbeitet die Blu-ray mit einer vergleichsweise hohen Bitrate.

Gefreut hatte ich mich auch auf „The Amazing Spider-Man 2“, den ich im Gegensatz zu den meisten Spidey-Fans sehr cool finde. Hier ist das Ergebnis für mich aber noch ernüchterner. Der Film wirkt auf mich fast ein wenig verwaschen und älter als er eigentlich ist. Vielleicht liegt an dies der für HDR angepassten Farbgebung. Vorteile durch die Auflösung sind auch hier nicht wirklich wahrnehmbar. Für Upscales wie „Star Trek: Beyond“ oder „X-Men Apocalypse“ gilt dies übrigens doppelt. Hier sollte man als Käufer sehr genau überlegen, ob man die aktuellen Aufpreise von mehr als 10 Euro für die UHD Blu-ray gegenüber der Blu-ray berappen möchte.

Am ehesten vermeinte ich dann bei „The Revenant“ einen Schärfe- und Detailgewinn zu erkennen, selbst bei meinem relativ hohen Sitzabstand von zwei Metern. Jedoch ist dieser Titel schlecht für einen direkten Vergleich geeignet, da die Farbgebung der Ultra HD Blu-ray drastisch von jener der Blu-ray abweicht. Mein Fazit ist daher auch nach wochenlangem Ausprobieren: Falls ihr hofft damals wie nach dem Umstieg von SD zu HD hier mit einem klar erkennbaren Schärfe- und Detailgewinn überwältigt zu werden – das wird nur zutreffen, wenn ihr mit sehr hohen Diagonalen hantiert (Beamer!) oder ungewöhnlich nah vorm TV hockt. Die Auflösung von 3.840 x 2.160 Bildpunkten schadet natürlich nicht. Aber die Vorteile sind in der Praxis schlichtweg gering – wie gesagt nehmen wir hier die Beamer-Besitzer mit Leinwänden jenseits der 100 Zoll aber aus, da sieht es anders aus.

HDR bei der Filmwiedergabe – Die Erleuchtung?

Kommen wir nun zu HDR, denn tatsächlich ist es genau wie beim Zocken: Der Effekt von HDR ist auch bei der Filmwiedergabe deutlich merklicher als jener der erhöhten Auflösung an sich. Den „Wow-Effekt“ wie beim Gaming habe ich aber zugegebenermaßen am Samsung UE55KS8090 beim Filmschauen mit HDR nicht in der gleichen Form erlebt wie beim Spielen. Als am prägnantesten nahm ich HDR bei „The Revenant“ sowie „Pets“ wahr. „Ghostbusters“ habe ich unzählige Male gesehen, egal ob auf VHS, im Fernsehen, auf DVD oder auch auf Blu-ray und nun Ultra HD Blu-ray. Für mich ist das einer der besten Filme aller Zeiten Punkt. Und dieser Film sieht nun auf Ultra HD Blu-ray besser aus als je zuvor… Aber gegenüber der Blu-ray ist das eben kein Quantensprung. Eher sind es die letzten 1 bis 2 % in der Wertung, wenn ihr versteht, was ich meine.

Klar, HDR wertet z. B. auch einen Film wie „Ghostbusters“ und stärker noch „Ghostbusters 2“ auf. Man sieht durchaus auch die Vorteile des erweiterten Farbraums und die verbesserten Kontraste, die feineren Unterschiede in den Helligkeitsabstufungen. Doch wechsele ich wie ein Bekloppter hin und her zwischen Blu-ray und Ultra HD Blu-ray, dann wischt letztere mit ersterer eben nicht so den Boden auf, wie die Blu-ray mit der DVD. Natürlich sehen die Ultra HD Blu-ray bei den von mir getesteten Filmen allesamt besser aus, als die jeweiligen Blu-rays – wäre aber ja auch schlimm, wenn es nicht so wäre. Aber der Sprung ist in meinen Augen ganz subjektiv aktuell immer noch gering – auch bei der HDR-Wiedergabe.

Meine Vermutung: In Games kann HDR viel effizienter genutzt werden, da man als Spieler eben selbst die Kontrolle über die Kamera hat. Wenn ich in „Uncharted 4: A Thief’s End“ Nathan Drake aus einer Höhle in die warme Sonne blicken lasse, dann kann ich diesen tollen Effekt mit HDR so lange genießen wie ich will. Laufe ich dann selbst bewusst aus der Höhle heraus und erlebe den Übergang von Hell und Dunkel – dann bin ich in dem Moment Nathan Drake, und der HDR-Effekt wertet Atmosphäre und Grafik zeitgleich auf. Es ist für Entwickler in Games mehr möglich mit dem Effekt zu spielen, die Beleuchtung ist nunmal in einem Spiel auch generell anders als in einem Film – viel dynamischer.

Also HDR ist auch bei Filmen klasse – und auch bei Serien! Mangels Disks habe ich mir beispielsweise „Red Oaks“ via Amazon Prime Video in Ultra HD mit HDR angesehen. Sieht klasse aus und wirkt deutlich besser als der stärker komprimierte 1080p-Stream. Dank der knallbunten Farben und des 1980er-Settings ist HDR für „Red Oaks“ geradezu ideal. Trotzdem blieb ich hier einfach nicht so extrem beeindruckt zurück wie nach meinen Gaming-Sessions. Vielleicht bin ich eben auch zu verwöhnt, da ich von einem extrem guten 1080p-Gerät komme mit meinem Panasonic TX-P65VT50E Smart Viera Neo Plasma.

Fazit

Wenn ich ehrlich bin, sehe ich bei Ultra-HD-TVs aktuell vor allem für Gamer Mehrwerte. Wer es auf Filme abgesehen hat, sollte zum einen definitiv auf ein Gerät mit sauberer HDR-Wiedergabe achten und zum anderen eine möglichst große Diagonale bei möglichst geringem Sitzabstand wählen. Um es klarzustellen: 2 Meter bei 55 Zoll sind eigentlich zu weit weg. Das ist aber ein Sitzabstand, den die meisten Otto-Normalverbraucher auch bei kleineren TVs deutlich überschreiten. HDR bringt trotzdem Vorteile – die Auflösung von 3.840 x 2.160 Bildpunkten bis auf vielleicht einen Placebo-Effekt aber in jenem Szenario nicht mehr.

Gespannt bin ich übrigens nach dem ausgiebigen Ausprobieren des Samsung UE55KS8090 auf die neuen QLED. Jene haben ja die Helligkeit nochmals gesteigert, was für die HDR-Wiedergabe ein deutlicher Mehrwert sein sollte. Obwohl ich mich selbst als Film- und Serienliebhaber beschreiben würde, bin ich aber gegenüber dem Upgrade meines Wohnzimmer-TVs, des Panasonic TX-P65VT50E, weiterhin sehr gelassen. Es ist schon 2017 so, dass man jetzt die Technik der 2016er-Oberklasse in der Mittelklasse zu entsprechenden Preisen bekommt. Ich warte deswegen gerne noch etwas länger, bis sich HDMI 2.1 und Dynamic HDR etabliert haben. Denn die Mehrwerte von Ultra-HD-Geräten sind da. Aber sie sind für mich persönlich deutlich geringer, als damals beim Umstieg von SD zu HD. Das gilt jetzt aber eben nicht spezifisch für den Samsung UE55KS8090, sondern generell für Ultra-HD-TVs.

Mir ist bewusst, dass ich mit diesem Artikel nicht der erste bin, der HD und Ultra HD vergleicht und seinen persönlichen Senf dazu gibt. Vielleicht kann ich einigen Unentschlossenen aber ja so etwas helfen, die es wie mich in den Fingern juckt. Auch ich habe mir vorher bei Freunden in Märkten und auf Messen immer lange UHD-Geräte angeschaut – aber nichts ist am Ende mit dem ausgiebigen Ausprobieren in den eigenen vier Wänden vergleichbar. Ich bin gespannt, wie es mit Ultra HD weitergeht – ob die Ultra HD Blu-ray etwa noch zu DVD und Blu-ray aufschließen kann oder eher (halte ich für realistischer) ein Premium-Medium für Enthusiasten bleibt.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 2375 Artikel geschrieben.