iPhone 5 Unboxing und die Geschichte einer Nacht vor dem Apple Store

21. September 2012 Kategorie: Hardware, iOS, geschrieben von: caschy

Willkommen in der Welt des Kommerzes. Testgeräte, die ich hier im Blog vorstelle sind entweder von mir gekauft oder werden mir zu Testzwecken von den Firmen für einen bestimmten Zeitraum überlassen. Dieses Mal war alles anders. Ich war in London beim Apple Event dabei und entschloss mich, dass iPhone 5 zu meinem nächsten Gerät zu machen.

Wobei – Moment -ich nutze grundsätzlich auch Android und auch Windows Phone. Macht die Themenwahl als Blogger einfacher. Als Normalo nutze ich das iPhone, wie ich hier niederschrieb. Ich wollte mir das Spektakel vor dem Apple Store mal selber anschauen. Magie? Oder einfach nur ein Haufen Bescheuerter?

Nun fuhr ich also gestern Abend los. Nexus, iPad, Decke, Akkus und Regenschirm im Gepäck. Gegen 19.30 Uhr war ich in Bremen und traf mich mit Blogger-Kollege Andrzej. Bier. Danach in den Metronom nach Hamburg. Gleichgesinnte erkannte man am Klappstuhl. Im Zug schnell noch ein Blogpost zu den finalen Windows 8-Preisen.

In Hamburg angekommen, versorgte ich mich noch mit einem Sixpack. Sollte ja nicht zu langweilig werden. Gegen 22.00 Uhr trafen wir vor dem Apple Store in Hamburg am Jungfernstieg an. Die ersten? Von wegen, knapp 200 Konsumopfer waren schon vor uns da. UM ZWEIUNDZWANZIG UHR.

Wir reihten uns in die Schlange ein, bekamen von der angeheuerten Security Infos. Pinkeln und Platz verlassen innerhalb eines 10 Minuten Zeitfensters – und auch nur, wenn einer der Bouncer ein Kärtchen mitgab. Mit einem Blick auf mein Sixpaxck wusste ich – das konnte was werden. War aber ganz easy alles.

Vor mir: Freunde aus dem osteuropäischen Ausland. Im gebrochenen Englisch fragte man mich, ob ich einen Hotspot aufmachen könne. Konnte ich. Man kam ins Gespräch. Die Jungs standen da, um iPhones zu kaufen. Klar. Aber nicht für sich. Zwei Geräte darf jede Person kaufen, die Jungs aus Russland, von denen einer frappierende Ähnlichkeit mit einem jungen, mageren Dolph Lundgren hatte, fragten herum, wer nur ein Gerät kaufen wolle. Der Grund? Die wollten die maximale Menge an iPhones haben. Ab nach Russland und dann das iPhone für 3000 Schleifen an den geneigten reichen Russen verticken. Kein Scherz.

Die kaufen für zwischen 700 und 900 Euro die iPhones und bekommen in Russland da drei große Scheine für. Nun gut dachte ich – so ist das eben. Wäre da nicht eine Tatsache gewesen: die Jungs vor mir waren zu dritt und machten einen relativ normalen Eindruck. Die zwei Busladungen voller Menschen aus Osteuropa, die noch kommen würde, war anderen Schlages. Da scheint man alles aufgelesen zu haben, was noch stehen konnte.

Kein normaler Käufer eines iPhones, sondern Handpuppen in Masse, die in Manier einer Drückerkolonne vor dem Apple Store warteten, um für ihre Auftraggeber das iPhone zu kaufen. Auch der Deutsche, der sein “freies, zweites Gerät” als Platzhalter an die Jungs verkaufte, konnte etwas verdienen. Satte 15 Euro. Na immerhin. Allem Anschein nach hatten auch viele andere ein Geschäft gemacht. Einige Menschen hatten wohl Bekannte zum Einkauf geschickt. Zur Stärkung gab es die eine oder andere Flasche Fusel. Sollte ja kalt werden die Nacht.

Vereinzelte Passanten rufen der Menge zu “Get a life!”. Älterer Herr winkt mit seinem Samsung-Smartphone und fragt, ob so etwas nicht reichen würde. Ja sicher würde es. Doch wir haben halt die Auswahl.

Abendbrot. Pizza von Joeys. Das Bier war alle. 2 Uhr. 350 Menschen. Der Klappstuhl rief. Dicke Jacke an, Basecap ins Gesicht und Decke rüber. Aufwachen um kurz nach 5. Ein Mitschlangesteher, mit dem wir uns gut verstanden, hatte Kaffee für uns geholt. Ich war nach 3 unruhigen Stunden Schlaf ein dankbarer Abnehmer. Laut geschnarcht hätte ich. War mir egal, hatte es ja nicht mitbekommen.

6 Uhr. Starbucks verteilt gratis Kaffee in halbvollen Bechern – wobei vielleicht Apple den Spaß gelackt hat. Besser als nichts. Gespräche der Schlangesteher sind allgemeiner Natur. Normale Technik. Das Leben des anderen. Wenig über die Geräte. Was soll man auch erzählen? Sind ja alle gleich. It just works. Alles war vertreten. Arbeiter. Schüler. Studenten. Rentner.

Blaubehemdete Apple Store-Mitarbeiter verteilten Karten. Maximal zwei für jeden, notiert auf der Karte: das gewünschte Gerät. Wer die Karte hat, der weiss:er bekommt sein Gerät. Presse-Aufmarsch. Kurz nach 7 Uhr morgens. Der Pulk ist auf über 2500 Menschen angewachsen. In den meisten Fällen Menschen wie du und ich. Mit der Ausnahme, dass sie seit Stunden für ein verdammtes Telefon anstehen. Ein bekanntes Gesicht läuft an der Schlange entlang. WTF! Mein ehemaliger Arbeitskollege, mittlerweile an der Genius Bar bei Apple beschäftigt. So klein ist die Welt.

8 Uhr. Es wird geklatscht, anscheinend geht es los. Gruppe für Gruppe wird man in die heiligen Hallen geholt. Von netten Verkäufern. Ja, wirklich – ich glaube, ich habe eine einigermaßen brauchbare Menschenkenntnis. Die Jungs waren einfach nett. Geld könnten die wohl mehr verdienen, aber dafür haben die keine typischen “Meckerkunden” und Feilscher, mit dem die armen Kollegen im Einzelhandel zu kämpfen haben. Ich stehe vor riesigen Bergen von Geräten. 16 GB iPhone 5 für die Verlosung und 32 GB für mich.

Ich bezahle, werfe die Pakete in den Rucksack und verschwinde. Keine Freude. Keine Begeisterung. Warum auch? Ich habe ein Telefon gekauft – da kommt bei mir kein Feeling auf, als hätte ich den ersten in meinem jungen Leben wegege….. aber lassen wird das. Nach einem Abstecher zum Spiegel geht es zum Hauptbahnhof. Über zwei Stunden Bahnfahrt warten noch auf mich. Müde bin ich. Ausgelaugt. Und ja, lange duschen – das wäre jetzt was. Das iPhone? Vor diesem Beitrag ausgepackt – für ein Video. Mehr nicht. Das Ausprobieren kommt am Wochenende. Viel Neues ist nicht zu tun. Altes Backup einspielen – fertig.

Tja, was lernte ich nun daraus, welches Fazit ziehe ich aus meiner Nacht vor dem Apple Store? Ich verstehe immer noch nicht, wo die Magie herkommt. Wir stehen für ein Konsumprodukt Schlange. Ein Produkt, dass man auch später kaufen kann, ohne sich die Nacht um die Ohren zu schagen. Und nicht nur ich scheine mich zu fragen – die meisten meiner Leidensgenossen wissen es auch nicht. Man macht es. Es ist nicht die Bescheuertheit. Man macht es, weil man es kann. Eventismus. Gleichgesinnte treffen. Ich habe viel Geld ausgegeben. Es war anstrengend. Aber auch irgendwie witzig.

Übrigens: Apple hat anscheinend ein Problem. Viele Geräte hatten Kratzer, auch mein neues Gerät hat einen Schönheitsfehler. Wir sehen: Apple ist keine Überfirma, keine Religion – man stellt Hardware- und Softwarelösungen her. Nicht mehr und nicht weniger. Ich schaue mal inwiefern ich mein Gerät tauschen werde…Macken wird es mit der Zeit eh bei mir bekommen – aber ich kaufe keine Geräte mit Lackschaden vorab.

Hier noch einmal der Ticker von gestern Abend & der Beitrag zur Umfrage nach eurem nächsten Smartphone. Über 3000 Teilnahmen, interessante Ergebnisse.

Euch ein schönes Wochenende!


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