Ausprobiert: Vorwerk Kobold VR200 Staubsauger-Roboter

14. September 2014 Kategorie: Hardware, geschrieben von: caschy

Am 15. September kommt der Vorwerk Kobold VR200 auf den Markt. Er ist eine Weiterentwicklung des Kobold VR100, welchen wir hier bereits in einem Testbericht vorgestellt haben.2014-09-14 17.24.18

Wir waren im Rahmen der IFA 2014 mit Vorwerk-Managern und -Entwicklern im Gespräch, sodass ich für mich da noch einige Zusatz-Informationen herausziehen konnte. Ich fange mal bei diesem Testbericht rückwärts an.

Das Gerät kostet einfach mehr als sein Vorgänger. Der Vorwerk Kobold Staubsauger-Roboter wird 749 Euro kosten. Hier muss man einmal einfach für sich rechnen: wie lange hält so ein Gerät, wie viel muss ich saugen? Wie lange muss ich saugen, um das Geld reinzuholen und vor allem: kann das Gerät bei mir überhaupt nützlich sein?2014-09-14 17.24.31

Das sind so die Vorab-Fragen, die man auf dem Schirm haben sollte. Das Gute an den Geräten von Vorwerk: man kann sie mal locker für 30 Tage nach Hause bestellen und bei Nichtgefallen tauscht man sie um. Definitiv eine Zeit, in der man mitbekommen haben sollte, ob das Gerät für einen passt oder nicht.

Bei mir ist es eine ganz einfache Rechnung: durch schwarze Glanzfliesen und mehrere Vögel im Wintergarten ist regelmäßiges Saugen Pflicht. Würde ich täglich nur knapp 10 Minuten investieren, dann bin ich im Monat auf 300 Minuten, im Jahr bei 3600 Minuten.

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Lege ich einen Stundenlohn von 10 Euro zugrunde, dann bin ich bei 600 Euro im Jahr. Diese Saugzeit ist bei mir noch schön gerechnet, weil ich (haha, genau! Ich! OK, ist gelogen, meistens die Frau) bei den Vögeln eigentlich zwei Mal am Tag „vorstellig“ werden muss.

Ist alles eine Sache des Rechnens, wer viel arbeitet und /oder unterwegs ist, der benötigt beim wöchentlichen Saugen der Wohnung sicherlich keine Hilfe im Form eines Staubsauger-Roboters – das wäre dann vielleicht schon ein Luxus.

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Im Lieferumfang

Im Lieferumfang des Vorwerk Kobold VR200 befindet sich die Dockingstation, das Handbuch, eine Fernbedienung und natürlich der Sauger selber. Weiterhin finden wir vier Meter Magnetband vor, dies ist dazu gedacht, um dem Sauger Zugang zu Bereichen zu versperren. Er fährt nicht über dieses Band. Für zukünftige Firmware-Updates ist noch ein microUSB-Kabel enthalten, der dazugehörige Anschluss befindet sich am Sauger.

Die Optik

Für mich unwichtig, aber wenn man sich den VR200 im Vergleich zum VR100 anschaut, dann könnte man zur Erkenntnis kommen, dass es sich hierbei um einen Sprung vom Terminator T800 zum T1000 handelt. Klassischer, robuster Vorwerk-Stil ohne irgendwelche Klavierlackoberflächen. Ein schlichter Arbeiter in zeitlosem Design.

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Die neue Optik und die verbesserte Verarbeitung sorgen dafür, dass der Vorwerk Kobold VR200 einen Zentimeter flacher ist. Das kann – je nach Wohnungseinrichtung – entscheidend sein. Manche haben Sockel in der Küche, alternativ ist da ja noch immer das Bett oder die Couch in der Wohnung – Dinge mit einer gewissen Grundhöhe.

Die Einzelteile

Der Vorwerk Kobold VR200 hat einen Griff, sodass man ihn vielleicht von Raum zu Raum oder in eine andere Etage tragen kann. Dies hatte der Vorgänger nicht. Clever gelöst: nutzt man den Griff, so hält man den Roboter schräg, sodass man den Dreck nicht in der Bude verteilt.

Wie beim Vorgänger ist eine rotierende Bürste angebracht, die leicht entfernt werden kann. Sie hat einen Magnetmechanismus und kann nach der Verschleisszeit ausgetauscht werden, beim Vorgänger gab es beim Vorwerk Onlineshop Ersatz.

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Ebenfalls leicht abnehmbar: die Hauptbürste mit den Gummi-Lamellen und den Bürsten. Beim Vorgänger fand ich das System schwieriger zusammengesetzt, nun lässt sich alles leicht auseinandernehmen, wie meinem Kaffee-Vollautomaten lasse ich auch dem Sauger in regelmäßigen Abständen eine Grundreinigung angedeihen.

Das Auffangfach für Schmutz. Ebenfalls eine Verbesserung zum Vorgänger: das Fach kann nicht nur einfach herausgenommen werden, sondern auch ausgesaugt werden. Schlauch eines anderen Saugers an die vorgesehene Öffnung halten, fertig.

Findet meine Frau total toll, während ich das Fach einfach flott aus dem Vorwerk Kobold VR200 nehme und durch Abnahme des Filters entleere. Wäre ja noch schöner: einen Sauger mit einem Sauger reinigen. Aber: „leider“ nur 530 ml Fassungsvermögen. Reicht locker für zwei Vollfahrten, ich selbst reinige täglich, da durch die Hülsen vom Vogelfutter viel anfällt.

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Womit wir beim Filter wären. Es handelt sich dabei um einen Feinstaubfilter der Klasse F7. F7 sagt einen mittleren Wirkungsgrad von 80 Prozent bis 90 Prozent gemessen an 0,4 µm Partikeln aus.

Diese Filterklasse finden wird zum Beispiel als Endfilter in Klimaanlagen für Verkaufsräume – oder aber als Vor- und Umluftfiltrierung in Lüftungszentralen. Hier müssen Allergiker für sich entscheiden, ob dies ausreicht – für viele wäre wohl F8 oder F9 noch eine Ecke besser. Wie es bei anderen Staubsaugerlösungen automatischer Art aussieht, ist mir nicht bekannt.

Vor dem Saugvorgang

Wie ich oben bereits schrieb: es nützt der beste Staubsauger-Roboter nichts, wenn eure Wohnung nicht entsprechend ist. Anschlussleitungen, Kabel und auch Vasen und Gardinen sind für einen Staubsauger-Roboter nichts.

Die kleinen Biester haben schon genug Power, um eure Vasen durch die Bude zu schieben. Was bei mir auf Fliesen vielleicht glimpflich ausgeht, kann auf einem Teppich einen Wasserfleck durch eine umkippende Vase verursachen. Ebenfalls sollte man Ladekabel, an deren anderen Ende ein Smartphone hängt, nicht unbedingt in Reichweite eines Staubsaugers baumeln lassen.

Auch Teppiche mit langen Fasern sind nichts für einen Staubsauger-Roboter. Hier kommt dann das Magnetband zum Einsatz, so kann man den Teppich abschirmen. Im Falle des Vorwerk VR200 wird von einer maximalen Faserlänge von 20 Millimeter gesprochen.

In meinem Fall fährt der VR200 ganz normal über eine Stromverlängerung mit dickem Kabel, da passiert nichts, aber wenn er mal vielleicht bei euch einen Strang Lautsprecherkabel erwischt, dann könnte er sich festfahren.

Hat er sich festgefahren, dann geht nichts mehr – aber er „schreit“ um Hilfe, macht also mittels piependem Alarm auf sich aufmerksam. Nützt nur nichts, wenn ihn dann keiner befreit.

Warum er fahren kann, wenn doch keiner da ist? Richtig, wie fast alle Staubsauger-Roboter der neueren Generation hat auch der Vorwerk Kobold VR200 einen von euch einstellbaren Timer. Hierbei gibt es nicht nur das tägliche Reinigen zu einer bestimmten Uhrzeit, sondern auch die Möglichkeit, den Sauger nur an bestimmten Tagen fahren zu lassen.

Wer sonntags um 5:00 Uhr saugen möchte, der kann dies tun. Übrigens: die Nachbarn sollten dadurch nicht gestört werden, der VR200 ist wesentlich ruhiger als sein Vorgänger, der VR100. Wer hauptsächlich Laminat oder Fliesen hat, der kann zudem noch den sparenden ECO-Modus aktivieren.

Wenn der Roboter unterwegs ist

Der VR200 kann niedrige Objekte wie Türschwellen eigenständig überwinden. Hierfür hat man ihm eine Kletterhilfe an die Hand gegeben, die er auch gerne nutzt. Vorwerk gibt an, dass er so Objekte von bis zu 20 Millimeter Höhe überwinden kann. In meinem Untergeschoss nimmt er so alle Hindernisse von Fliese über Parkett und Wechsel auf die Teppiche.

Wie eingangs erwähnt: der Sauger, der bis zu 90 Minuten (Eco-Modus!) durch die Bude saugt und dabei bis zu 120 Quadratmeter schaffen soll, hat einen normalen und einen Eco-Modus, zudem gibt es wieder diverse Saug-Modi, die sich manuell oder per Fernbedienung aktivieren lassen. Der Eco-Modus ist noch etwas leiser und sparsamer und sollte vor allem bei Fliesen- und Laminat-Nutzern gute Arbeit leisten.

Ihr könnt dem normalen Modus „Alle Räume“ aktivieren, hierbei saugt der Roboter alles raumtechnisch weg, wohin er kommt. Übrigens: ist der Akku zwischendurch leer, so fährt der Vorwerk Kobold VR200 zurück zur Ladestation und nimmt nach dem Ladevorgang seine Arbeit wieder dort auf, wo er sie zwischenzeitlich beendete.

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Zusätzlich gibt es eine Spot-Reinigung. Hierbei setzt man den Roboter irgendwo aus und reinigt eine ungefähre Fläche von 1,5 x 1,2 Meter. Hierbei fährt er stumpf in parallelen Linien über die zu saugende Fläche. Ist er damit fertig, macht er dort Halt, wo ihr ihn ausgesetzt habt. Ideal für die schnelle Reinigung einer kleineren Fläche, vielleicht, weil etwas umkippte oder so.

Die Sensoren

Der VR200 verfügt über verschiedene Sensoren, die ihm die Arbeit erleichtern. Nice to know, dürfte aber ungefähr 99 Prozent der Nutzer nicht interessieren, sofern das Gerät seine Arbeit verrichtet. Da hier die 1 Prozent sicherlich mitlesen: 3 Bodensensoren, 1 Wandfolgesensor, 2 Kontaktsensoren am LDS-Bumper, 4 Kontaktsensoren am Stoßfänger, 3 Ultraschallsensoren und 1 Laserscanner.

Die Bodensensoren sorgen zum Beispiel dafür, dass der Roboter nicht eure Treppe hinunter plästert. Interessant ist der Laserscanner. Er sitzt oben auf dem VR200 und rotiert 5x pro Sekunde um 360°. Hierbei erfasst er im Umkreis von ca. 4 Metern eure Bude. Doch der Laserscanner erkennt nicht alles, mit transparenten Dingen wie Glas oder einem Spiegel kann er nicht umgehen. Praise the lord – hier greifen die Ultraschallsensoren.

Diese Bundle an Sensoren sorgt dafür, dass der Roboter nicht mit voller Wucht gegen Hindernisse stößt. Erkennt er etwas, wird er langsamer und stoppt vor einem Widerstand. Nun kommt der Knackpunkt! Während einer Fahrt an der Wand entlang, ist der Ultraschall deaktiviert, in seltenen Fällen kann der Roboter bei einer Randreinigung so die Hindernisse nicht direkt erkennen.

Lösung? Richtig, die Bumper, die recht feinfühlig eingestellt sind – aber eben auch nicht so fein, um nicht eine Vase über meine Fliesen zu schieben.

Die Fahrt mit der Fernbedienung

Man kann den Sauger nicht nur automatisiert durch die Bude saugen lassen, man kann auch per Fernbedienung aktiv werden, vielleicht, weil eine Spot-Reinigung nicht reicht. Das Ganze funktioniert per Infrarot und neben den üblichen Start- und Stop-Geschichten könnt ihr den Sauger so fernsteuern.

Der Reinigungsvorgang

Wie erwähnt: es nützt die geilste Technik nichts, wenn sie nicht das erledigt, was sie soll. Wenn ein Gerät, welches einen stolzen Preis hat, nicht gut arbeitet, dann ist der Konsument enttäuscht.

Wie eingangs erwähnt: Vorwerk sagt: 30 Tage kann getestet werden, bei Unzufriedenheit gibt es das Geld zurück. Ich kann nur jedem raten, bei Unzufriedenheit so zu agieren. Dafür gibt es das Angebot.

Härtester Kritiker ist bei manchen Dingen meine Frau. Die knappe Frage „Bist du mit dem Gerät zufrieden?“ bejahte sie. Ich selber habe mir den Spaß auch genau angeschaut, besonders wichtig waren mir die Ecken, in die er freie Fahrt hatte. Gerade beim Vogelkäfig ist da zwei Mal am Tag ein Durchmarsch angesagt.

Kein Problem, macht er fehlerfrei, ich kann da nicht meckern. Mein Untergeschoss reinigt der Vorwerk Kobold VR200 so, dass es stets sauber ist, seine Informationen zu meinen baulichen Begebenheiten hat das Gerät in einer Virtual Map, die auf Basis von SLAM (Simultaneous Localization And Mapping) erstellt wurde. Wie so etwas aussieht, zeigt das Video, welches schon 2010 erstellt wurde und einen Prototypen zeigt. Mittlerweile sind ja noch ein paar Jahre ins Land gegangen.

Der Roboter hat folgende Maße 34 cm x 34 cm x 9 cm (L x B x H). Er selbst wiegt knapp über vier Kilogramm, mit Basisstation ist man bei rund fünf Kilo. Laut Vorwerk verbraucht das Gerät 70 Watt im Normalbetrieb und 50 Watt beim Eco-Einsatz. Weil in unserem Livestream auf der IFA 2014 in Berlin gefragt wurde: es ist ein 84 Wattstunden starker Li-ion-Akku verbaut. Dieser kann auch ausgetauscht werden, einen Preis konnte man aber zur IFA noch nicht nennen.

Ein Fazit? Der Vorwerk Kobold VR200 ist im Grundeinsatz schon leiser als sein Vorgänger und der Eco Modus ist noch einmal minimal leiser. Alle Schwächen sind aber nicht weg: Kabel können auch den VR200 (und wahrscheinlich jeden anderen Robo) ins Schwitzen bringen, weiterhin sollte man bei anstehenden Saug-Touren darauf achten, dass am Esszimmertisch die Stühle nicht zu einem Labyrinth für den Robo werden.

Ebenfalls etwas enttäuscht bin ich vom verwendeten Material des Gummis an der Hauptbürste. Auch der Vorgänger hatte nicht das strapazierfähigste Material, sodass der Robo nun nach knapp zwei Wochen erste Auflösungserscheinungen am Kunststoff hat, sieht leicht angefleddert aus. Wird im jetzigen Zustand nichts machen, bei großräumigen Ausfleddern könnte aber die Performance leiden. Sollte allerdings nicht im Normalbetrieb passieren, liegt einfach am Kabelfraß, wenn der Sauger sich festsetzt. Ihr solltet also optimieren.

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Auch ist der Preis natürlich so eine Sache. Machen wir uns nichts vor: das ist ne dicke Stange Geld. Hier muss jeder selber wissen und wie oben erwähnt rechnen, wie sich das amortisiert. In seine Entscheidung sollte man Faulheit, Kosten / Nutzen und eingesparte Zeit rechnen. Und letzten Endes kann ich euch an die Hand geben: alles wird euch kein Staubsauger-Roboter der Welt abnehmen: mal den manuellen Sauger in die Hand nehmen, um in entlegene Winkel zu kommen.

Es sei, ihr wohnt wie Jony Ive in einem weißen Raum ohne Möbel. Greift man allerdings zum Vorwerk Kobold VR200, so bekommt man ein gutes Gerät – ich persönlich sehe ihn vor dem VR100 und dem Moneual, obwohl letzterer sogar wischen kann. Mehr Vergleiche kann ich bisher nicht nennen, da ich persönlich nur diese drei Geräte im Einsatz hatte. Von daher: selber ausprobieren oder einschlägige Foren besuchen. Und beim VR200 gilt: bei Fragen fragen.



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Über den Autor: caschy

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