Nvidia GeForce Now RTX 3080 im Ersteindruck: Die beste Cloud-Gaming-Option?

Nvidia hat kürzlich mit RTX 3080 einen neuen Tarif für GeForce Now vorgestellt. Die neue Stufe kostet für sechs Monate 99,99 Euro und bindet neben Ray-Tracing und 7.1-Surround-Sound auch 4K bei HDR an der Nvidia Shield TV ein. An anderen Geräten, wie den Apple iMacs sind maximal 1440p möglich. Ich selbst habe mir das neue Cloud-Gaming-Angebot einmal für euch im Ersteindruck angesehen.

Für den Vorabzugriff sorgte Nvidia selbst, die mir dafür auch die beiden Games „Cyberpunk 2077“ (hier mein Test) sowie „Marvel’s Guardians of the Galaxy“ zur Verfügung gestellt haben. Beide Titel habe ich bereits ausgiebig an der Xbox Series X bzw. PlayStation 5 gezockt, was mir direkte Vergleiche erlaubt, denn das Spielgefühl an den Konsolen kenne ich sehr gut. Auf die Berichterstattung hat Nvidia natürlich keinerlei Einfluss genommen.

Als Hardware hielt für meinen Test die Nvidia Shield TV Pro (2019) in Kombination mit einem LG C9 und einem Xbox-Wireless-Controller der aktuellen Generation her. Ich nutze Vodafone Kabel im Gigabit-Tarif und habe das Glück, die Geschwindigkeit in der Regel voll ausnutzen zu können. Wer meine Posts zum Gaming-Bereich schon länger verfolgt, kennt eventuell meinen Hintergrund: Ich zocke seit den Zeiten des C-64 und war lange Zeit als PC-Gamer unterwegs, habe aber auch Plattformen wie den ersten Game Boy, die PlayStation, den Game Cube oder eben aktuell die Xbox Series X und PlayStation 5 bespielt.

Cloud-Gaming finde ich grundlegend interessant, ist für mich aktuell aber (noch) keine ernsthafte Alternative zu einer Konsole oder einem PC. Das liegt daran, dass die Videostreams aufgrund ihrer Komprimierung eben doch schlechter aussehen, als ein lokal berechnetes Spiel. Dazu kommt eine erhöhte Eingabeverzögerung. Vorneweg: Auch Nvidia GeForce Now RTX 3080 konnte mich nicht vom Gegenteil überzeugen. Allerdings finde ich Nvidias Modell aktuell am sympathischsten, da man keinen eigenen Spiele-Store betreibt, sondern Nutzer bestehende Sammlungen von Steam, dem Epic Games Store und Co. anbinden können. Das heißt nämlich, dass die Games weiter uneingeschränkt in voller Qualität nutzbar bleiben, selbst wenn man sein Abonnement mal aufgeben sollte oder Nvidia den Dienst wider Erwarten einstellen sollte.

GeForce Now RTX 3080 an der Nvidia Shield TV Pro ausprobiert

GeForce Now könnte meiner Ansicht nach noch etwas benutzerfreundlicher gestaltet sein. Man merkt Nvidia an, dass die Wurzeln eben im PC-Lager liegen und man eher mit Bastlern Erfahrungen hat als mit Gelegenheitsspielern. Ich persönlich will beim Cloud-Gaming möglichst direkt in ein Spiel einsteigen und eben nicht wie am PC erstmal in Konfigurationsmenüs wühlen. Hat man sich mit seinen Kontodaten eingeloggt und die externen Stores verknüpft, was je nach euren Authentisierungsmethoden auch eine Weile dauert, begrüßen einen nach dem Starten der Spiele aber doch erst wieder Menüs mit Grafikeinstellungen. Das ist eben der Nachteil daran, dass es quasi keine spezielle für GeForce Now optimierte Variante des Spiels gibt – ihr hantiert im Grunde über die Cloud mit der PC-Version.

Das In-Game-Benchmark zu „Marvel’s Guardians of the Galaxy“ zeigt die Specs von Nvidia GeForce Now RTX 3080.

Also wurschtelt ihr dann doch in Menüs rum, in denen ihr DLSS, anisotropische Filterung, Texturqualität und Co. optimiert und eure Einstellungen in In-Game-Benchmarks prüft. PC-Gamer werden es begrüßen, als Konsolenspieler war ich eher abgeneigt. Das ist aber eine Frage der subjektiven Vorliebe: Direkt loszocken ohne Drumherum? Oder wollt ihr möglichst viel Anpassungsfreiheit? Es gibt aber auch kleine Ärgernisse. „Cyberpunk 2077“ etwa forderte mich an der Shield TV beim allerersten Start auf, ein Konto bei GOG.com anzulegen oder es abzulehnen. Blöderweise reagierte der Controller hier dann nicht mehr. Bleibt nichts anderes übrig, als das Spiel einmal am PC zu installieren, eben jene Anfrage abzulehnen und danach gelangt man dann auch an Shield TV ins Spiel – umständlich.

GeForce RTX mit 4K und HDR sowie 60 fps lief an der Shield TV einwandfrei. Wer allerdings DLSS zuschaltet, wird doch feststellen, dass das Bild detailärmer und weicher aussieht, als ein nativ berechnetes Bild – auch im Modus „Quality“. Ich denke hier tun sich Videokompression und DLSS zusammen, dann an einem lokalen Gaming-PC fällt DLSS nicht so stark auf. Schaltete ich etwa im erwähnten „Marvel’s Guardians of the Galaxy“ auf natives 4K ohne Skalierung oder dynamische Auflösung, sah das Bild deutlich (!) besser aus. Bei einem Sitzabstand von 2 m zu einem 55 Zoller wird des dann schon schwierig den Unterschied zu einem lokal berechneten 4K-Bild zu erkennen. Auf dem 65-Zoller (LG OLED  E9) fiel es mir aber wieder bei gleichem Abstand sofort auf. Da wirkt das 4K-Bild von Nvidia GeForce Now in etwa wie lokales 1440p.

Die Eingabeverzögerungen variierten dabei in meinem Test. Manchmal schlotterte es bereits in den Menüs, andere Male fühlte es sich so an, wie das Spielen außerhalb des Gaming-Modes meines Fernsehers, ohne den die Eingabeverzögerungen ja auch bei PS5 und Xbox Series X deutlich erhöht, aber im Rahmen sind. Hier kann das Ergebnis natürlich durch viele Faktoren beeinflusst werden. Generell hielten sich diese Probleme aber in Grenzen und besonders das Ray-Tracing machte schon im Vergleich mit den Konsolenversionen einiges her. Im Ergebnis sah „Marvel’s Guardians of the Galaxy“ bei ruhigen Momenten via GeForce Now RTX 3080 teilweise den Konsolen sogar überlegen aus. Sobald schnelle Bewegungen dazu kamen, welche die Videokompression mehr fordern, ergab sich aber ein eindeutiger Vorteil zugunsten von PS5 und Xbox Series X.

Insgesamt ist man hier aber schon weit gekommen und ich bin durchaus beeindruckt: GeForce RTX 3080 ist nun in Sachen Bildqualität dank 4K, HDR, 60 fps und Ray-Tracing an der Nvidia Shield TV am nächsten an dem dran, was ich mir so als Mindestvoraussetzung vom Cloud-Gaming erhoffe, um lokale Hardware irgendwann abzulösen. In Sachen Sound wiederum ist Luft nach oben: Zwar gibt es Surround-Sound, da hört man aber die stärkere Audiokompression ebenfalls raus. Gerade bei den Guardians of the Galaxy, die eine sehr voluminöse Soundkulisse mit vielen lizenzierten Songs nutzen, fiel das auf. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau.

Fazit

Nvidia GeForce Now bietet euch im Tarif RTX 3080 eine beeindruckende Grafikqualität, die aber nicht per se näher an einem Gaming-PC ist als eine Spielekonsole. Zocke ich an PS5 und Xbox Series X, sehen die lokal berechneten Titel letzten Endes schärfer und vor allem bei schnellen Bewegungen sauberer aus, weil die Videokompression immer noch eine erhebliche Rolle für das Cloud-Gaming spielt. Das fällt mir persönlich stärker auf, als das Mehr an Effekten bzw. die erhöhte Weitsicht und Co., die ich durch GeForce Now RTX 3080 erhalte. In ruhigeren Momenten sieht die gestreamte Version manchmal aber sogar besser aus, als die an der Konsole lokal berechnete.

Komplex ist es auch mit der Eingabeverzögerung. Bei einem „Cyberpunk 2077“ stört dies nicht so sehr und selbst bei „Marvel’s Guardians of the Galaxy“ geht es voll in Ordnung. Bei rasanteren Shootern oder insbesondere Geschicklichkeitsspielen wird man aber im Gameplay Abstriche hinnehmen müssen. Ich sage mal einen Titel wie „Ori and the Will of The Wisps“, der bockschwer sein kann und extrem schnelle Reaktionen erfordert, möchte ich nicht über die Cloud spielen. Auch gab es in meinem Test eben Varianzen: Mal erhöhte sich die Verzögerung eine Weile stark, dann war wieder alles super.

Auch ist GeForce Now RTX 3080 mit 99 Euro für ein halbes Jahr kein Schnäppchen – Spiele und Controller müsst ihr euch ja auch noch separat anschaffen, wenn nicht schon vorhanden. Und wirklich profitiert man auch nur mit entsprechender Hardware wie der Shield TV, welche derzeit die einzige Möglichkeit ist, in dem Tarif mit 4K zu spielen. Da kommen wir dann bei Gesamtkosten an, die schon an eine Xbox Series S heranreichen. Zumal GeForce Now eben doch etwas Frickelei voraussetzt, was daran liegt, dass hier letzten Endes die PC-Versionen über die Cloud zu euch gestreamt werden und keine gesondert angepassten Portierungen.

Insofern sitzt GeForce Now RTX 3080 zwischen den Stühlen: Einerseits bietet man für Enthusiasten Features wie Ray-Tracing, DLSS sowie umfangreiche technische Konfigurationsmöglichkeiten. Andererseits ist man wegen der Latenzen und der Videokompression immer noch ein gutes Stück von der lokalen Berechnung an einem Gaming-PC oder einer aktuellen Spielekonsole entfernt. Und bei Kosten von rund 200 Euro pro Jahr allein für das Abo überdenkt eventuell mancher Casual Gamer die ganze Sache nochmal.

Insofern fällt es mir schwer, ein pauschales Urteil zu fällen: Für mich persönlich könnte GeForce Now RTX 3080 einen Gaming-PC oder eine Konsole (noch) nicht ersetzen. Allerdings sehe ich das ernsthafte Potenzial und denke, Nvidia ist auf einem guten Weg. Außerdem kann der neue Tarif eine tolle Überbrückung sein, bis es im Handel mal wieder Grafikkarten zu humanen Preisen zu kaufen gibt.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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10 Kommentare

  1. Ich hab am 21. Oktober vorbestellt und immer noch keinen Zugriff… so nervig! =(

  2. Aber was bedeutet 6 oder 8 Stunden Session? Das ich nur 6 oder acht Stunden am Tag spielen kann?

  3. Klaus Kleber says:

    „Allerdings finde ich Nvidias Modell aktuell am sympathischsten, da man keinen eigenen Spiele-Store betreibt, sondern Nutzer bestehende Sammlungen von Steam, dem Epic Games Store und Co. anbinden können.“

    Ist das dann wie eine Art dedizierter Cloud-PC, wie Shadow?

    Denn ich überlege Shadow zu kündigen – weil da schon ewig nichts mehr passiert ist …

    • André Westphal says:

      So vergleichbar ist das leider nicht: Bei GeForce Now landest du direkt im Spiel bzw. erstmal im angebundenen Store, z. B. bei Steam und startest dann den ausgewählten und kompatiblen Titel. Ansonsten hast du aber keinen weiteren Zugriff auf irgendwelche PC-Features.

      • Klaus Kleber says:

        ok, danke dir für die Info – demnach sind Mods nicht möglich, sondern quasi „nur“ das starten des Basisspiels.

        • André Westphal says:

          Es gab wohl mal einen recht umständlichen Workaround, bei dem man quasi das Spiel bei Steam in der Instanz deinstallierte und neu installierte – dann wurden alle Mods gezogen, die man im Steam-Konto für das Spiel angelegt hatte. Aber so weit ich weiß funktioniert das schon eine ganze Weile nicht mehr.

          Man muss auch jeden Titel einzeln starten. Beispiel: Ich habe bei Steam etwa „Cyberpunk 2077“ und „Marvel’s Guardians of the Galaxy“ via GeForce Now ausprobiert. Ich kann mich aber nicht via GeForce Now bei Steam einloggen und dann zwischen den Titeln wechseln. Vielmehr wähle ich eben erst das Spiel, lande dann in der Steam-Oberfläche, die dann für meine Bibliothek nur ein Spiel anzeigt (das vorher via GeForce Now ausgewählte) und dann kann ich es starten.

          Wechsele ich das Spiel, muss ich erst wieder in die GeForce-Now-Oberfläche und von dort das andere Game starten.

  4. „Das liegt daran, dass die Videostreams aufgrund ihrer Komprimierung eben doch schlechter aussehen, als ein lokal berechnetes Spiel.“

    Was genau heisst denn „schlechter“? Schlechter als meine RX480, die iGPU von Intel oder einer APU oder schlechter
    als mit der gleichen Karte lokal verbaut? Das soll ja der Sinn der Sache sein, dass eine eigene Gamingkarte nicht
    notwendig wird.
    Die Notwendig von Shield habe ich auch nicht verstanden. Wenn man einen PC hat,
    braucht es kein Shield für die 3080-Option laut Nvidia selbst.

    Wenn man mit den Latenzen zufrieden sein könnte, wäre GF Now ein Top-Angebot:
    in 4-7 Jahren hat man mehr als die Hälfte der Ausgaben fürs Gaming eingespart(je nachdem wieviel man zockt)
    und dabei noch nicht berücksichtig dass HW auch kaputtgehen kann.

  5. Danke für den Test. Hat mich schon lange interessiert.

  6. Bin auch seit gestern dabei. Finde es großartig, mit einer Ausnahme: Bisher ist es ca. 10x vorgekommen, dass ich beim Starten von Games auf einem 2080er-Rig gelandet bin. NVIDIA hat sich dabei sogar rechtlich abgesichert:

    „iii. Exclusive Access: GeForce NOW RTX 3080 members have Exclusive Access to the new RTX 3080 gaming rigs, typically providing instant access to the highest performing GeForce NOW rigs. In the rare occurrence that RTX 3080 gaming rigs are unavailable, RTX 3080 members will receive Priority Access to RTX 2080 servers.“

    https://www.nvidia.com/en-us/geforce-now/membership-terms/

    Der Ansturm scheint momentan sehr groß zu sein und in der EU gibt es erst 2 größere Rechenzentren, die die 3080-Pods verbaut haben:

    https://status.geforcenow.com/

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