Netflix schickt „Queer Eye Germany“ ins Rennen

Netflix spendiert seiner Show „Queer Eye“ einen deutschsprachigen Ableger mit eigenem Moderationsteam. „Queer Eye Germany“ soll 2022 starten und erhält ein eigenes Team von „Fab 5“: Work/Life-Coach Leni Bolt, Mode-Spezi Jan-Henrik Scheper-Stuke, für Beauty verantwortlich, David Jakobs, Veganer-Aktivist Aljosha Muttardi und Design-Interessent Ayan Yuruk.

Wie glaubhaft die Qualifikationen dieser fünf Spezialisten sind, ist so eine Sache, alle wurden sicherlich eher wegen ihrer Kameratauglichkeit und nicht wegen ihres beruflichen Lebenslaufs ausgewählt. Die fünf Experten sollen jedenfalls laut Netflix „mit ihrem Wissen, viel Einfühlungsvermögen und vor allem geballter queerer Energie“ das Leben ausgewählter Schützlinge in positive Bahnen lenken.

Das US-Original „Queer Eye“ ist sehr populär und auch in der LGBTQIA+-Gemeinde angesehen. Deutschland erhält nun als erstes Land einen eigenen Ableger beim Streaming-Anbieter Netflix. Ob man an die Erfolge des Originals anknüpfen kann, muss sich dann natürlich zeigen. Wie im US-Pendant krempeln die oben genannten Experten in Deutschland den Alltag von Menschen in schwierigen Situationen um und konzentrieren sich auf Themen wie Selbstliebe und mentale und körperliche Gesundheit.

In fünf Folgen liefern die deutschen Fab 5 Inspiration für positive Veränderung bei u. a. einem jungen Fußball-Trainer beim Coming-out, einem alleinerziehenden Vater, der zurück ins Dating-Leben will und einer vom Schicksal gebeutelten jungen Frau. Ich selbst frage mich da, ob Menschen ohne pädagogische und psychologische Ausbildung für solche emotional aufgeladenen Situationen als „spaßige Ratgeber“ geeignet sind. Oder ob am Ende nicht im schlimmsten Fall mit „gut gemeinten“, möglichst für den Zuschauer unterhaltsamen, Maßnahmen langfristig mehr Schaden verursacht wird als etwas Positives zu bewirken. Aber das ist sicher schwer zu beantworten.

Vielleicht sollte man die Sache auch nicht zu eng sehen und am Ende kommt ein unterhaltsames, positives Format heraus. Werdet ihr bei „Queer Eye Germany“ denn einschalten? Wie beurteilt ihr das Konzept?

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16 Kommentare

  1. Queer Eye ist ein feuchter Traum für Produzenten: viel Gewinn mit möglichst wenig Einsatz.

    Irgendwie anders und individuell zu sein, aber trotzdem einem „Club“ anzugehören, ist ja in. Und so ist eine solche Sendung für Sender natürlich auch eine Art „rainbow-washing“, als Äquivalent zum „green-washing“. Also quasi eine win-win-Situation. Ach nein, es ist eine win-win-win-win-Situation. Gute Einschaltquoten für wenig Geld, queer-washing, dazu kommt noch eine hervorragende Möglichkeit des Product Placement im Sinne von Fast Fashion (yeah, break the world) und – noch ein „win“ – jede Menge neue Follower für die Insta-Profile der „Experten“. Die können dann fleißig Dinge empfehlen, die sie natürlich nur empfehlen, weil sie sie so meeeegaaaa! (das war ein Stück „geballte queere Energie“…) finden. Und der Kreislauf scheint sich fast zu schließen. Bei wie vielen „wins“ sind wir nun? Ach was, sagen wir einfach win im Quadrat. Insofern kann die Serie eigentlich nur gut laufen. Denn entweder man ist dafür oder man hat wahrscheinlich was gegen queere people. Immer diese Intoleranz…

    • Alexander Kray says:

      Hast du die Serie nur eine Minute gesehen? Es ging dabei um Personen mit größtenteils psychischen Problemen, denen versucht wurde ihnen Selbswert wieder zu geben durch verschiedene Maßnahmen. Inwiefern die queer waren war meistens gar nicht groß das Thema.
      Was in meinen Augen dagegen wirklich schlecht war ist der deutsche öffentlich-rechtliche Nachbau ‚Queer 4 You‘

      • Und weshalb muss man psychische Probleme anderer der Öffentlichkeit zur Schau stellen? Aber passt ja in den Netflix-Kosmos: Mehr Masse als Klasse und statt Richtung Qualität geht man Richtung RTL/RTL2, um die Massen zu befriedigen und bringt derartige Schicksals-Voyeurshows.

      • Gegenfrage: hast Du Dich neben dem Ansehen der Serie mit der Diskussion in den USA beschäftigt, wie fake die Sendung ist? Tipp: in deutschen Gerichten sitzt auch nicht Barbara Salesch und spricht Recht. Und noch ein Tipp, weil Die das offenbar nicht aufgefallen ist: die Experten sind queer… ich weiß Mind Blowing! 😉

        Ansonsten hat Mule den Rest treffend formuliert.

  2. Die Intention dahinter ist lediglich Leute dazu zu bewegen ein Abo abzuschließen.
    Netflix hat queer ja schon länger als Verkaufsargument für sich entdeckt. Und der Anbieter ist ja auch keine Lebensberatung sondern ein Unterhaltungsprogramm.

    Zu der abschließenden Frage, ich werde mir die Show nicht ansehen. Ich bin weder die Zielgruppe, noch ist das mein Genre.
    Mir dürstet es nach dem Witcher.

    • Alexander Kray says:

      Die Intention dahinter ist lediglich Leute dazu zu bewegen ein Abo abzuschließen.
      Netflix hat Fantasy ja schon länger als Verkaufsargument für sich entdeckt. Und der Anbieter ist ja auch keine Zauberberatung sondern ein Unterhaltungsprogramm.

      Zu der abschließenden Frage, ich werde mir Witcher nicht ansehen. Ich bin weder die Zielgruppe, noch ist das mein Genre.
      Mir dürstet es nach Expanse.

      • Der Unterschied zwischen Fantasy und einer Voyeurshow ist schon enorm.
        Aber ja, es soll Leute geben die sich gern am Elend anderer ergötzen.

        Zu Expanse kann ich dir nur zustimmen.
        Das steht auch auf der Liste.

  3. BearLover1982 says:

    Ich denke, ihr solltet die Kommentarfunktion lieber direkt sperren, bevor wieder alles eskaliert

  4. Ach…Netflix normalisiert jetzt auch in Deutschland. Vielleicht endet es ja wie Cowboy Bebop. Veganer Aktivist; Design Interessent. Gute Anlagen. Work-Life-Coach klingt auch nach Kultur-Wirt.

  5. Was soll das sein?
    Hilfe für Menschen in Lebenskrisen, durch Leute die zwar keine passende Ausbildung aber dafür jede Menge Geltungsbedürfnis haben, und das auch noch vor Dutzenden Zuschauern (mehr werden sich so einen Stuss ja hoffentlich nicht anschauen) ausgewalzt?

    Na Danke.

  6. Ich habe bis vor ein paar Tagen nichts von diesem Format mitbekommen. Werde aber mal in die erste Folge reinschauen, da ich Aljosha lange auf seinem Youtube-Channel abonniert hatte. Schade, dass der Kanal wegen dieses Projekts (unter anderem) eingestellt wurde.

  7. Nein, werde ich mir nicht ansehen. Das ist bestimmt wieder voll mit Klischees.
    Es gibt viele schwule, da würde man nie drauf kommen. Aber das sind hier bestimmt wieder extrem schrille Typen.
    Und wer mit seiner Orientierung oder etwas anderem in seinem Leben ernste Probleme hat, sollte sich garantiert nicht an das Fernsehen wenden und ernsthaft glauben, es gehe da um etwas anderes als die Einschaltquote.

  8. Schade, dass LQBTXYZ#&-betroffene in der Öffentlichkeit immer noch nicht hinreichend sichtbar sind. Zum Beispiel im Bundestag. Warum kein:e Trans-Minister:In? Warum kein Ministerium für geschlechtsneutrale vegane Ernährung? Zumindest einen Ausschuss für queere Lifestyle und Beauty-Fragen? Die Legislaturperiode ist noch lang genug, da erwarte ich schon noch etwas Bewegung. Wenn es freiwillig nicht klappt dann über eine Quote, hat bei Frauen ja auch gut geklappt. Manchmal muss man die Gesellschaft eben zu ihrem Glück zwingen…

    • > hat bei Frauen ja auch gut geklappt

      Was hat geschlechtsspezifische „positive“ Diskriminierung von Männern gebracht, außer dass eine kleine Gruppe von sowieso schon überprivilegierten Frauen in Wirtschaft, Politik und höherem Lehrbetrieb an Unis jetzt Quoten haben? Damit meine ich ganz konkret solche Projekte: https://de.wikipedia.org/wiki/Professorinnenprogramm

      Was linke wie rechte nicht verstehen: wer Kulturkampf in Form von übertriebener Identitätspolitik bestellt, bekommt von der anderen Seite Kulturkampf geliefert.
      Sahra Wagenknecht hat zu dem Thema ein gutes Buch geschrieben: Die Selbstgerechten. Zwei Zitate daraus haben mir besonders gut gefallen: „Die Identitätspolitik läuft darauf hinaus, das Augenmerk auf immer kleinere und immer skurrilere Minderheiten zu richten, die ihre Identität jeweils in irgendeiner Marotte finden, durch die sie sich von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden und aus der sie den Anspruch ableiten, ein Opfer zu sein.“ und „In ihrem Beharren auf Diversität, Antirassismus, Cancel Culture und eine lockere Einwanderungspolitik propagiert die Lifestyle-Linke die Entsolidarisierung mit dem unteren Drittel unserer Gesellschaft und zieht statt Gesellschaftsanalyse die Denunziation Andersdenkender und der Vergangenheit vor.“

    • „Manchmal muss man die Gesellschaft eben zu ihrem Glück zwingen…“

      Da schaudert es mich von Kopf bis Fuß.

      Gleichberechtigung ist es, wenn z.B. die sexuelle Neigung, das Geschlecht oder die geografische Herkunft eben KEINE Rolle dabei spielen, ob jemand einen Job oder eine Aufgabe in der Gesellschaft bekommt. Vielmehr soll die Eignung das ausschlagende Argument sein. Zu behaupten, eine Person aus dem LGBTQAI+-Umfeld sei per se besser für einen Ministerposten geeignet, als zum Beispiel ein Cis-Mann, ist eine glasklare Diskriminierung und ein Rollenklischee, was man beides ja eigentlich abschaffen will.

      Deshalb sind mir solche Formate wie die hier beschriebene Serie auch so suspekt. Denn sie macht Cash mit Klischees und Vorurteilen, die wir als Gesellschaft eigentlich mindern und nicht fördern sollten.

  9. „konzentrieren sich auf Themen wie Selbstliebe“

    Bin fassungslos …

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