Kartellrechtliche Ermittlungen gegen Google: Einsatz für die Privatsphäre sei Blendwerk

In den USA laufen aktuell einige Ermittlungen gegen Google, welche mögliche Verletzungen des Wettberwebsrechts als Grundlage haben. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet nun, dass Google gut darin sei, seine wahren Absichten hinter Blendwerk zu verbergen, das Einsatz für Datenschutz und Privatsphäre jedoch nur vorgaukele. Stein des Anstoßes ist da unter anderem die Privacy Sandbox des Google-Browsers Chrome.

Aufgegriffen wurde das Thema von The Verge, welche übrigens auch die komplette (englischsprachige) Klageschrift zur Verfügung stellen, falls ihr da einmal hereinlesen wollt – ist jedoch naturgemäß sehr trocken. In den USA laufen aktuell drei kartellrechtliche Untersuchungen, die Google ins Visier nehmen. Neben Chrome spielen auch die Suchergebnisse eine Rolle und der damit verknüpfte Markt für Werbung. So wird insgesamt argumentiert, dass Google seine marktbeherrschende Stellung im Bereich Suchmaschinen missbrauche, um auch den Markt für Online-Werbung und -Vermarktung zu dominieren. Andere Player hätten faktisch kaum eine Chance und Geschäftskunden seien darauf angewiesen mit Google zu kooperieren.

Im Bezug auf die Privacy Sandbox stört man sich nun daran, dass dadurch zwar wie bei anderen Browsern Tracking-Cookies blockiert würden, Googles eigentliches Ziel aber nur sei, dadurch noch mehr Kontrolle an sich zu reißen. So würde dies nur dazu führen, dass Google als Mittelsmann für Vermarkter und Werbetreibende noch essenzieller wäre, um Chrome-Nutzer noch zu erreichen. Die Privacy Sandbox sei also am Ende nur vorgeschoben, um das Tracking und Targeting abseits von Tracking-Cookies durch Drittanbieter noch stärker zu kontrollieren und die Abhängigkeit der Partner von Google zu stärken.

Google selbst ist sich freilich keiner Schuld bewusst und argumentiert, es liege ein Missverständnis vor. Man wolle die Nutzer besser schützen und das eigene Geschäftsmodell werde von der Staatsanwaltschaft falsch dargestellt. Was am Ende nun das Ergebnis ist, wird sich erst auf lange Sicht herauskristallisieren. Die kartellrechtlichen Verfahren gegen Google werden sich sicherlich noch Monate, wenn nicht Jahre, hinziehen.

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3 Kommentare

  1. Die Staatsanwaltschaft hat sicher vollkommen recht. Letztendlich geht es Google nur darum nachweisen zu können gegen keine Gesetze verstoßen zu haben und dadurch Strafzahlungen zu vermeiden.
    Das Google den Werbemarkt dominieren will ist ja keine neue Erkenntnis. Das ist wie das sammeln von Daten ihr Geschäftsmodell.
    Mich wundert eher das die Staatsanwaltschaft jetzt auf einmal darauf reagiert. Das ist ja nicht erst seit gestern so.

  2. Wenn die Amerikaner ihr Kartellamt mal wieder entdecken sollten wäre das ein Tag zum feiern. Nur ist es dann immer noch untauglich für Informationstechnologie, bis in Europa was passiert sind schnell mal 5 oder 10 Jahre vergangen. Die Behörden arbeiten so wie gegen Exxon, vor 100 Jahren.

    Eigentlich sah das alles mal gut aus, als die AT&T – kontrolliert – haben ist UNIX entstanden und wir haben dadurch einen Quantensprung erlebt. Dann haben sie der Aufteilung (freiwillige Zerschlagung in Baby Bells) zugestimmt vieles zerstört. Wir haben quellgeschlossen Software bekommen, die Unixkriege und Microsoft hat mit DOS den PC geprägt. Danach ist nichts mehr passiert, Clinton hat sowieso weggesehen.

    Könnte uns Inspiration sein. Google AMP ganz einstellen. Die Kontrolle über Chrome nehmen:
    1.) Einstellung von Chrome zu gunsten von Chromium
    2.) Alle Defaults auf Googledienste raus
    3.) Werbeblocker per Default eingebaut
    4.) Verpflichtene Kooperation mit Firefox und WebKit

    Das Geschäft mit Geräten für Android genau so. PlayServices aufgeben, alle Default Apps autark nutzbar machen (Mail kann dann alle E-Mails abspeichern, Push für alle Mailserver, WebDAV, CalDAV…). Google würde wahrscheinlich immer noch riesige Gewinne einfahren.

    Bei einer Zerschlagung hat man womöglich nach fünf Minuten wieder das Monster oder es wird noch schlimmer.

  3. Data-Scraping leicht gemacht – aber Google ist nicht die übelste Bude. Facebook und Amazon haben gewiss vollkommen altroistische Ziele im Blick auf das Internet. Offenbar ist die Machtfrage geklärt und wir brauchen ein neues Netzwerk – ohne Kommerz.

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