Facebook reagiert auf Kritik an Klarnamen-Politik

artikel_facebookFacebooks Klarnamen-Pflicht sorgt seit Monaten für Kontroversen im sozialen Netzwerk selbst sowie in anderen Communities. Jetzt geht das Unternehmen wieder ein wenig auf seine Nutzer zu: In einem offenen Brief verspricht Facebooks Vizepräsident für Wachstum, Alex Schultz: „Wir wollen die Anzahl derjenigen reduzieren, die bei uns ihren Namen verifizieren sollen, obwohl sie bereits den Namen verwenden, unter dem ihre Freunde sie kennen.“

So müssen nun Anwender, die andere Facebook-Nutzer verpetzen, mehr Informationen zur Verletzung der Klarnamen-Bestimmung angeben. Umgekehrt haben herausgepickte Pseudonym-Menschen mehr Optionen sich zu ihrem Namen zu äußern. Trotzdem bleibt die Kritik bestehen, dass Facebooks Klarnamen-Strategie die Nutzer zu sehr unter Druck setze. Besonders Datenschützer in Deutschland sind von der Regelung seit jeher wenig angetan.

Immerhin haben gemeldete Nutzer nun mehr Spielraum, um sich zu erklären und so möglicherweise zumindest Spitznamen als Vornamen durchzuboxen. Schultz ergänzt: „Das neue Procedere wird uns auch helfen die Gründe besser nachzuvollziehen, aus denen manche Menschen ihren richtigen Namen möglicherweise aktuell nicht bestätigen können.“ Wiederum sorgen die höheren Anforderungen an „Petzen“ dafür, dass weniger Racheakte entstehen sollen. So melden einige Facebook-Nutzer wahllos andere Personen, weil ihnen deren Profile nicht passen.
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In Kraft treten sollen die Veränderung für die Klarnamen-Überprüfungen aber erst ab Dezember 2015. Generell bleibt Facebook somit dieser Politik treu, will aber den potentiellen Ärger in seiner Nutzerbasis etwas dämpfen. Schultz begründet die Regelung abermals: „Wenn Menschen ihren echten Namen benutzen, unter dem sie bei anderen Personen bekannt sind, fühlen sie sich verantwortlicher für das, was sie tun und sagen. Das erschwert es, sich hinter Anonymität zu verstecken und andere Leute zu bedrohen, zu schikanieren oder zu betrügen.“

Auch in meiner eigenen Freundesliste befinden sich zahlreiche Personen, die sich für Pseudonyme entschieden haben und diese teilweise seit Jahren benutzen – allzu streng setzt Facebook seine Klarnamen-Politik nach meinem Eindruck also ohnehin nicht durch. Trotzdem ist die Kritik für mich verständlich, da auch ich in den meisten Communities lieber unter einem Pseudonym unterwegs bin – es muss einfach nicht jeder direkt meinen Realname erfahren. Umgekehrt verstehe ich auch Facebooks Argumente. Nun darf man gespannt sein, ob die kleinen Veränderungen die Community zumindest ein wenig versöhnen oder eher als Tropfen auf den heißen Stein wahrgenommen werden.

(via Buzzfeed)

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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19 Kommentare

  1. Zu gut Deutsch, alles beim alten und nicht wirklich neues.

  2. Facebook ist ein US-Unternehmen. Ist FB eigentlich klar, daß sie mit ihrer Klarnamenpolitik den Gründervätern ins Gesicht spucken?
    Daß manche sich anonym daneben benehmen ist doch kein Grund den anderen die Anonymität zu nehmen, es verbietet auch keine Autos, obwohl damit auch in Menschenmassengefahren wird oder sich zu Autobomben mißbraucht werden. Sich anonym daneben zu benehmen wird auch nicht gelöst, man behandelt nur das Symptom, nicht die Ursache.
    Anonymität gewährt immer das Recht auf freie Meinungsäußerung. Zur Zeit sieht man dies im aktuellen Tagesgeschehen der Flüchtlingsdebatte. Wer nicht ohne Wenn und aber pro Flüchtling ist, ist ausländerfeindlich. Dabei gibt es trotz aller wünschenswerter Hilfe eben auch Kritikpunkte (persönlich bin ich sehr für die Hilfe, aber nicht so, wie sie jetzt abläuft). Aber wehe man spricht sie an, dann ist man gebrandmarkt. Und genau deswegen braucht man Anonymität, weil eine freie Meinungsäußerung eben nicht ohne Schade möglich ist. Und das ist der Grund, warum FB an die US-Gründerväter und deren Absichten bei der US-Verfassung denken sollten. Leider ist die gute Idee der Verfassung nämlich nie wirklich richtig umgesetzt worden (Beispiel: Schwarze in den USA hatten bis in die 60er keine vollen Rechte und sind heute auch noch sehr oft benachteiligt).

  3. §13 Telemediengesetz, Pflichten des Diensteanbieters:
    (6) Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.

    Gehts noch eindeutiger? Wo bleiben hier die Datenschutzhanseln? Man kann zu FB stehen wie man will, hier verstoßen sie gegen ein deutsches Gesetz und sollten entsprechend zur Ordnung gerufen werden.

  4. Vor allem wie wollen die das Prüfen?
    Karl Müller ist das nun ein Fake oder nicht. Bekommen die nie raus.

    Wenn man sich nicht gerade Dumm anstellt ist das nicht zu prüfen.

  5. Besucherpete says:

    Solche Prüfungen sollten eigentlich gar nicht erst nötig und die Verwendung des richtigen Namen eigentlich selbstverständlich sein. Denn nur so macht die Nutzung eines solchen Netzwerks Sinn. Aber auch das ist wieder ein typisch deutsches Problem …

  6. Öhm, es gibt noch Menschen, die facebook und anderen social Rotz nutzen? Man, das ist so… 1900 und so, absolut nicht mehr zeitgemäß.

  7. „Aber auch das ist wieder ein typisch deutsches Problem …“

    Klar alle Fakes kommen aus Deutschland. LOL

  8. Besucherpete says:

    Ich habe das Gefühl, manch einer denkt immer noch, dass solche sozialen Netzwerke nur dafür da sind, mitzuteilen, wie oft man auf dem Klo war oder was man gerade gegessen hat. Klar, bei vielen Postings kann man auch genau diesen Eindruck bekommen. Aber die Möglichkeiten gehen noch sehr viel weiter, und das wird auch von vielen so genutzt. Das vielfach nur banale Dinge geteilt werden, bedeutet ja nicht, dass das grundsätzlich nur dafür gut ist.

  9. Besucherpete says:

    @John: Nein, natürlich nicht alle. Aber ein beachtlicher Teil. Und dieses Problem wird vor allem in Deutschland derart öffentlich und umfassend diskutiert. In vielen anderen Ländern wird Facebook einfach genutzt, da stellen sich viele Anwender die Frage erst gar nicht, ob sie nun ihren echten Namen benutzen oder einen ausgedachten. Und das nicht, weil sie nicht auf Datenschutz bedacht wären, sondern weil sie erkannt haben, dass der Sinn eines solchen Netzwerkes nicht nur darin besteht, irgendwelches dummes Zeug mitzulesen, sondern auch für den einzelnen oder andere sinnvolle Informationen zu verbreiten oder auch schlicht und einfach gefunden zu werden.

  10. Chrono Meridian says:

    Meinen Pseudonym den ich gerne verwendem steht seit einem Vorfall dort bei facebook auf einer „Wird sofort wieder gelöscht“ Liste, so scheint mir, ein wenig ärgerlich ist das schon.

  11. @Besucherpete: wenn ich aber als Einzelner gar nicht über das Netzwerk gefunden werden will? Es gibt Menschen, die haben in FB nur Kontakte, die sie auch über das RL kennen. Über den RL Kontakt kann man den Namen austauschen. Ich finde das völlig legitim. Genauso, wie manche Menschen eventuell kein Foto von sich reinstellen. Alles soll immer geregelt sein und seine Ordnung haben… dies widerspricht auch völlig dem Prinzip des Internets der freien Entfaltung. Und in Zeiten von „stalkenden“ Personalabteilungen und anderen Institutionen finde ich es völlig legitim, soetwas zu tun. Kein potentieller Arbeitgeber wird 20 Sportvereine anrufen und fragen, ob jemand da oder dort Mitglied ist. Aber in FB ist der Aufwand extrem niedrig, Menschen zu finden und viele Informationen zu erhalten. Deine Wohnungstür steht doch auch nicht Tag und Nacht offen. Und wenn du von den Blicken deiner Nachbarn genervt bist, machst du auch das Rollo runter. Das ist schlicht und einfach Selbstbestimmung. Wir können den Spieß sogar umdrehen: in anderen Ländern ist man bereits so naiv und manipuliert, dass die Leute gar nicht mehr auf Privatsphäre und Datenschutz achten.

  12. Gibt es wirklich Menschen die sich mit ihrem Realnamen dort herumtreiben? Um Spaß zu haben reicht doch ein Fakeaccount völlig aus. Mir scheint das viele Leute dieses Facebook viel zu ernst nehmen. Himmel, wie konnten wir nur vor Facebook existieren?

  13. Interessante Frage. Damals konnte man sich mit seinen Bekannten noch real treffen, etwas essen oder ins Kino gehen.

    Heute hängen diese facebook Dödel, wenn sie sich denn dazu herablassen mit jemandem ins Kino zu gehen, nonstop an ihren „Allnet Flats“ Smartphones im Kino und posten, wie geil der Film ist – während der Besucher daneben entweder dasselbe tut oder nur fassungslos den Kopf schüttelt.

    Krönung gestern war wieder im Supermarkt an der Kasse am Förderband… da hängt ’ne Tussi – wirklich mit allerbilligsten Lebensmitteln (chemische Seuche?) auf dem Förderband, aber dickes Eiphone in der Hand und WhatsApp / facebook multikasking posten.

    Meine Fresse…

  14. besucherpete says:

    @Tester: Ich habe dort auch nur „echte“ Kontakte (und räume auch regelmäßig auf), das ist also kein Argument. Und wenn Du dort nicht gefunden werden willst, steht Dir das natürlich frei, aber dann sind solche Sozialen Netzwerke m.E. nicht das richtige Medium für Dich. Die „stalkenden Personalabteilungen“ u.ä. mögen zwar auf den ersten Blick ein Argument sein, aber eben kein gutes. Man muss eben schon mal drauf achten, was man so von sich gibt. Im Netz und auch im echten Leben. Und Äußerungen, die anonym oder unter falschem Namen getroffen werden, so wahr sei auch sein mögen, sind für mich im Grunde gar nicht getroffen. Wenn man was zu sagen hat, sollte man dazu auch stehen.

  15. Facebook müsste nur einstellen dass man bei den Kontaktinformationen (die nur für Kunden und FB lesbar ist ) den Klarnamen eingeben muss und unter Pseudonym handeln kann. Es ist doch eh nur für Kundenprofile und Ermittlungsbehörden relevant…

  16. Es gibt ja wohl durchaus Gründe, sich auch unter einem anderen Namen als dem echten in FB anzumelden. Warum schreiben viele Schriftsteller wohl unter einem Pseudonym? Warum gibt es Künstlernamen?
    Meine Ziehtochter zum Beispiel will nicht von ihrem Erzeuger gefunden werden – ihre Kontakte kennen sie unter ihrem FB-Namen. Sie will nicht einmal, dass er ein Profilbild oder ähnliches von ihr hat. Ich finde ihren Wunsch durchaus legitim.

  17. @sean: aber dann sind die Daten trotzdem offiziell verknüpft und FB hat sie auf dem Silbertablett. Datensparsamkeit!

    @besucherpete: Herzlichen Glückwunsch! Du bist bereits Opfer des Systems von großflächiger Überwachung und verdachtsloser Speicherei geworden. Ich finde leider nicht mehr auf Anhieb den Begriff/die Quellen dazu aber es ist so: wenn Menschen offensichtlich permanent überwacht werden, passen sie sich dem System an. Sie sagen weniger und verändern teilweise auch ihr denken. Willkommen bei Orwell! Und das nennt sich dann „Meinungsfreiheit“.
    Wenn du jetzt mit dem Argument kommen willst, dass Trolle durch Klarnamenzwang reduziert werden: das hat in Asien überhaupt nichts gebracht. Dort wurde bereits versucht, mit Klarnamenzwang Trolling und Flaming etc. zu reduzieren.
    Bzgl. soziales Netzwerk und nicht so viel Sinn: mag sein. Aber auch hierbei habe ich mal einen interessanten Artikel zu einer Studie gelesen, dessen Erkenntnis bei Freunden und mir Bestätigung fand. Dabei wurden Leute zu ihren Zielen und Nutzungsverhalten in sozialen Netzwerken gefragt. Ergebnis: FB wird kaum zum Knüpfen neuer Kontakte genutzt sondern größtenteils nur zur Kontaktpflege und Kommunikation. Dazu braucht man wiederrum keine/kaum Klarnamen, trotzdem kann man das Medium erfolgreich nutzen. Für das Bewerben von Veranstaltungen, Produkten etc. brauchen die Interessenten auch keine Klarnamen.

  18. Markus Wünsch says:

    Datenschutz ist doch seid dem 11. Sep komplett ausgehebelt, auch wenn in den Gesetzen was anderes steht.
    Alles unter dem Deckmantel „Schutz vor Terr…“

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