Digitalpakt Schule: Bildungsministerin möchte noch im Oktober Grundgesetzänderung


Die Digitalisierung von Schulen geht insbesondere in Deutschland eher schleppend voran. Das liegt mitunter an der Politik, die seit über zwei Jahren mehr Geld dafür verspricht. 5 Milliarden Euro möchte der Bund den Ländern für die Digitalisierung der Ausbildungsstätten zur Verfügung stellen, passiert ist bislang aber nichts.

Der Grund dafür liegt in der Angst der Länder, die dadurch zuviel Einfluss des Bundes befürchten. Also muss eine Grundgesetzänderung her. Diese soll es dem Bund rechtssicher erlauben, Geld für Tabletcomputer oder WLAN an die Länder auszuzahlen. Das soll auch noch recht schnell passieren, wie Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) mitteilt. Noch im Oktober rechne sie mit dem Beschluss durch eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag.

Wer in der Schule aufgepasst hat, wird feststellen, dass dies nicht ausreicht, denn auch der Bundesrat muss einer Gesetzesänderung mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen. Der Bundestag ist nur der erste Schritt. Ist also nicht so, dass dann schon sehr bald Gelder fließen werden. Ein Armutszeugnis für das deutsche Bildungssystem, das sich immer weiter abhängen lässt, nicht nur im digitalen Bereich.

Spannend ist ja auch: Selbst wenn Mittel zur Verfügung gestellt werden, fehlt in vielen Fällen immer noch die passende Lehrerschaft, die das den Schülern auch vermitteln kann. Vielleicht sollte man auch erstmal da ansetzen, da gibt es viel zum wenige fähige Leute (die aber glücklicherweise immer mehr werden).

Wer sich die Aussagen der Bildungsministerin im Interview anschauen möchte, wird beim ZDF fündig.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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17 Kommentare

  1. Kleiner Fehler im Text:
    „Ist als ich so, dass dann schon sehr bald Gelder fließen werden.“ sollte wohl heißen „Ist also nicht so, dass dann schon sehr bald Gelder fließen werden.“ oder?

  2. mMn ist eins der Probleme im deutschen Bildungssektor sowieso, dass der Bund zu wenig Einfluss hat und die Länder alle mehr oder weniger ihr eigenes Süppchen kochen – sowohl bei der Ausbildung der Schüler selbst als auch bei den Abschlüssen. Eine zentrale Koordination hier ist zwar auch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber wäre schon mal ein Schritt in die Richtung, das ganze System etwas zu vereinfachen.

  3. Ich habe 3 inklusiv beschulte Kinder in der Klasse und sehe in nur vier Stunden einen Förderschullehrer, der mich unterstützt. Die Flüchtlingskinder, die erstmal Drutsch lernen müssen, kann ich im Englischunterricht der 9. Klasse auch nur ansatzweise angemessen bedienen. Hier wünsche ich mir Unterstützung in Form von flexibleren Möglichkeiten, diese Schüler für angemessenen Intensivkursen aus dem Regelunterricht aus dem Unterricht nehme zu können, damit sie nicht die anderen ausbremsen. Das ist rechtlich möglich, aber es fehlen die Ressourcen.

    Die 16000er-Leitung für die gesamte Schule, weil der Schulträger sich weigert, etwas Schnelleres zur Verfügung zu stellen, und fehlende Tablets sind gerade das kleinste und unwichtigste Problem der Schulen. Womit ich nicht dagen will, dass das unwichtig ist, im Gegenteil, aber es gibt wesentlich dringendere Probleme.

    • Dicke Finger und ein iPhone SE sind keine günstige Kombination. Ich bitte die Fehler zu entschuldigen.

      Drutsch=Deutsch
      angemessenen=angemessene
      dagen=sagen

  4. das macht doch vorne und hinten keinen sinn. wozu tablet computer und wlan? für die normalen unterrichtsinhalte sicherlich nicht. zum lernen von mathe, sprache, naturwissenschaften etc. reichen papier und lehrer völlig aus.

    erst recht braucht man für informatik keine tablets. durch rumwischen auf einem ipad wird garantiert niemand zum informatiker.

  5. Prima! Tabletcomputer oder WLAN aber 40 Jahre alter, verdreckter Teppichboden und defekte Fenster in den Räumen.
    Dazu noch zu viele Schüler in den Klassen und zu wenig Lehrer. Ist doch nur wieder eine andere Sau, die durch das Dorf getrieben wird. Bei der Bildung soll alles sein aber es darf nichts kosten.

  6. Momentan ist es bei uns leider so, dass man gerne den Bestand halten möchte. Viele haben Angst etwas zu verändern, allerdings lässt sich die „Digitale Revolution“ nicht aufhalten. Es ist absolut sinnvoll technische Geräte auch in der Schule einzusetzen. Es muss dazu aber ein gesamt Strategie für alle Fächer bestehen. Wenn digitale Inhalte nur in Informatik genutzt werden, ist dies definitiv zu wenig.
    Estland hat da einen recht guten Weg:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/digitale-schule-estland-als-vorbild-fuer-deutschland-15831375.html

    • estland hat weniger einwohner als die stadt münchen. da kann man schon mal was ausprobieren. kostet ja nichts … für die paar schüler.

      aber ob sich das auf ein land mit 80 mio. einwohnern übertragen lässt? nur mal so zum vergleich: hier werden jahr für jahr 700.000 kinder neu eingeschult.

  7. Schaufensterpolitik.

  8. Steckt die 5 Mrd. doch lieber erst einmal in die Anstellung und Bezahlung guter Lehrkräfte und in die Qualität der Gebäude und Möblierung. Danach kann Deutschland immernoch versuchen die 3. Welt bei der Digitalisierung einzuholen.

  9. In meinen Augen liegt das Grundübel im deutschen Bildungssystem weniger an fehlenden Computern, sondern grundsätzlich am föderalen Aufbau. Sprich jedes Bundesland kocht hier sein eigenes Süppchen. Es ist teilweise leichter mit Kindern schulisch ins Ausland zu wechseln als von Bayern nach Hamburg (G8, G9, etc.) – habe ich persönlich alles bereits mit den eigenen Kids erlebt. Vor einer „digitalen Aufrüstung“ sollten bitte erst einmal die Hausaufgaben bzgl. Qualität der Gebäude und des Mobiliars in öffentlichen Schulen gemacht werden. Sorry, aber es klingt für mich wie der üblich inszenierte Sturm im Wasserglas vor nahenden Landtagswahlen … 🙁

  10. Das System scheitert zunehmend daran, Grundwissen wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln. Teils weil Experimente mit den Kindern durchgeführt werden, vor allem aber weil es zu wenig Lehrer gibt und die Wenigen es nicht mehr schaffen, die Lernenden für den Stoff zu begeistern. Die Gebäude verrotten von innen und außen.
    Was macht es besser, Breitband und Tablets an die Schulen zu bringen? Warum nicht gleich Spielkonsolen?
    Wie viele hier vor mir bereits schrieben, die 5 Milliarden sollten in Lehrer und Gebäude investiert werden. Ein Netz und Geräte brauchen auch wieder Administration, diese braucht fähige Administratoren und die müssen auch erst gefunden werden. Sonst rennt nach 10 Minuten der erste Porno auf den neuen Geräten über das Breitband.

    • chaca chaca says:

      Es ist ja nicht nur das „eigene Süppchen kochen“…seit Jahrzehnten sind es auch Ideologien
      die zu einem breitflächigen Bildungsverfall und Qualitätsverlust im Bildungssystem geführt
      haben. Solange daran nichts geändert wird, solange helfen auch Breitbandanschlüsse und
      Tablets nicht wirklich, den Bildungsrückstand zu anderen Ländern aufzuholen.

  11. Das Problem ist, das dafür schon Mrd in den letzten Jahren geflossen sind aber von den Ländern dann andersweitig genutzt werden wie z.B Straßenbau oder Landwirdschaftsmsubventionen. Die müssen zweckgebunden werden und dann muss sich auch jemand drum kümmern wollen, da Habert es ja auch immer, mrd da aber keiner der abruft, weil das Fachpersonal fehlt

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