Ausgepackt und angefasst: Die Nextcloud Box in Aktion

nextcloud-logo-white-squareVor etwas mehr als zwei Monaten berichteten wir über die Nextcloud Box, die einen weiteren Ansatz darstellt, Eure private Cloud in die heimischen vier Wände zu holen. Wer ein Freund des ownCloud-Ablegers ist, hat selbstverständlich auch viele andere Möglichkeiten. Ob gehosted beim Provider der Wahl oder aber unter anderem auf einem fähigen NAS: Die Wege zur eigenen Cloud-Lösung sind zahlreich. Nun ist die Nextcloud Box erhältlich und wir haben einfach einmal einen Blick auf die all-in-one-Lösung geworfen, die irgendwo zwischen allen bisherigen Ansätzen liegt. Was ist gut, was ist schlecht und vor allem: Für wen macht diese Lösung überhaupt Sinn?

70 EUR inklusive Versandkosten veranschlagt man für das in Zusammenarbeit mit den WDLabs und Ubuntu entstandene Cloud-Wohlfühl-Paket. Den zusätzlich benötigten Raspberry Pi 2 müßt Ihr Euch noch selbst beschaffen – die Erst-Investition für Interessierte liegt dann so um die 100 EUR. Mitgeliefert werden neben einer 2,5″-Festplatte des Typs WD10JMVW (im Übrigen eine WD My Passport Ultra) natürlich das komplette Gehäuse in dezentem Schwarz, eine 4 GB Micro SD-Karte mit dem Betriebssystem, Montagematerial für den Raspberry Pi 2, diverse USB-Kabel und die Stromversorgung. Verpackungs-Fetischisten werden möglicherweise enttäuscht werden, ist die Verpackung doch schlicht, aber immerhin funktional. Auf den Inhalt kommt es schließlich an!

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Einmal ausgepackt und arrangiert, sieht das Ganze dann so aus – die beiliegende Schnellstartanleitung wird Ihrem Namen durchaus gerecht und deckt definitiv eine Basis-Einrichtung der Box ab. Dazu dann aber mehr in einem Folgebeitrag, denn natürlich läuft das gesamte Konstrukt auch out-of-the-box schon prima, aber Linux wäre ja nicht Linux, wenn man nicht mindestens ein wenig Individualisierung ins Spiel bringen könnte. Hier kommt es nachfolgend ganz darauf an, wie weit Ihr Euch mit dieser privaten Cloud-Lösung beschäftigen wollt.

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Hatte ich im Artikel seinerzeit über einen „Mac mini mit Nextcloud-Logo“ gesprochen, so kann die schwarze Kunststoff-Box optisch durchaus damit verglichen werden.

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Gefühlt ist das hier aber recht dünner Kunststoff, der halt nur optisch ein wenig an das Produkt angelehnt ist – aber allein die Kunststoff-Gewinde, in die vier Schrauben zur Fixierung des Raspberry Pi 2 greifen, strahlen nicht das größte Vertrauen aus: Mehr als einmal möchte man den Pi dort nicht hereinschrauben und wo wir gerade dabei sind: Spart Euch den Ärger mit dem kleinen beiliegenden Werkzeug und greift stattdessen zu einem vernünftigen Torx-Schraubendreher (T7) – das erspart direkt anfänglichen Frust und fixiert den Raspberry Pi 2 definitiv besser, auch die Schraubenköpfe werden es Euch danken!

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Ist das Herzstück der Nextcloud Box somit fixiert, darf man sich nun an die Verlegung der einzelnen Kabel begeben. Am Ende kommt einfach ein Deckel drauf und alles ist gut, bei den Kabelwegen darunter läuft mein innerer Monk jedoch Amok: „Eng“ und „fummelig“ geben sich hier die Klinke in die Hand und wohl bedingt durch Konstruktion der Anschlüsse am Raspberry Pi 2 und den Aussparungen der Nextcloud-Box hatte ich zumindest unter der Haube ein recht abenteuerliches Kabel-Tête-à-Tête.

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Wie gesagt: Es ist alles sehr funktional und auch hier hat man (wohl auch aufgrund der Umstände) keine Design-Meisterleistung abgeliefert. Egal – Micro-SD-Karte in den Raspberry Pi 2 eingelegt (falls noch nicht geschehen), Netzwerk angeschlossen, Stromversorgung hergestellt und Deckel drauf.

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Wer noch etwas sehen möchte, darf noch via HDMI einen Monitor anschliessen, das ist aber nicht zwingend notwendig – die Box ist nämlich sowieso erst einmal beschäftigt.

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Jetzt heisst es erst einmal geduldig abwarten – Geduld ist zwar eine Tugend, aber definitiv nicht die meine. Die acht bis zehn Minuten, die in der Schnellstartanleitung als Wartezeit angegeben sind, sind nicht zu weit hergeholt. Es dauert – das Snappy Ubuntu Core startet, partitioniert die WD-Festplatte und ist nach einer gefühlten Ewigkeit dann soweit, dass sich die Box via DHCP eine IP Eures Hausnetzes zieht und im Browser über „http://ubuntu-standard“ zu erreichen ist. Hier muss man sich halt daran erinnern, dass der Raspberry Pi 2 definitiv kein Rennpferd und auch die USB-Schnittstelle nicht der Garant für schnelle I/O-Verarbeitung ist.

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Nach der abschließenden Eingabe eines Administrator-Namens samt Kennwort Eurer Wahl ist die grundsätzliche Einrichtung abgeschlossen und Ihr könnt wie bei „anderen“ Installationen über das Backend Benutzer einrichten und Eure private Cloud konfigurieren. Nutzer, die gegebenenfalls owncloud oder Nextcloud bereits auf einem anderen Server beim Provider oder auf einem fixen NAS liegen hatten, werden von der reinen Reaktionsgeschwindigkeit höchstwahrscheinlich enttäuscht werden.

Zugegeben: Ich habe das nicht anders erwartet und genau diese Erwartungshaltung solltet Ihr auch haben: Nextcloud funktioniert auf einem NAS (bei mir ist es eine Synology) oder beim Webhoster des Vertrauens natürlich (!) deutlich (!!) performanter, hier reden wir aber auch von einer ganz anderen Hardwareumgebung und einen völlig anderen Ansatz, das Thema „private Cloud“ zu verwirklichen. Bin ich technisch wenig affin, möchte nicht basteln und sitze auch nicht mit einer Stopp-Uhr neben dem Bildschirm, ist die Box eine feine Lösung, um recht einfach und schnell seine Daten bei sich zu Hause zu parken.

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Die Performance steht hier auf einem anderen Blatt, im Fokus ist schlichtweg die Datenhaltung zuhause und die Idee dahinter. Der Raspberry Pi 2 reißt keine Bäume aus und wenn Nextcloud einmal die Unterstützung für das Modell 3 realisiert (welches aktuell in Planung ist), wird man hier wohl noch ein paar Sekündchen einsparen können.

Für Bastler und Techniker bleiben aber definitiv die Fragen der Geschwindigkeit in Sachen Festplattenzugriff, fehlendes RAID und Netzwerkanbindung im Raum stehen, aber auch die Frage der Geschwindigkeit des eigenen Anschlusses, der ins Haus geht, sollte parallel bedacht werden: Egal, wie fix die Nextcloud Box intern ist, mit einer kleinen Internet-Leitung werde ich weder damit noch mit performanterer Hardware etwas reißen können.

Persönlich sehe ich das Projekt als Fall-Studie, die auch für unbedarfte User out-of-the-box eine private Cloud bereitstellen kann und ein Fingerzeig in die richtige Richtung ist. Ob das jedem das Geld wert ist oder man dann doch in Richtung Marke Eigenbau- und Konfiguration davonzieht, wird individuell verschieden sein – eben so wie Eure Anforderungen. In einem Folgebeitrag werde ich zeitnah noch auf die weitere Konfiguration samt Servername, IP-Adressierung und SSL-Zertifikaten eingehen, die dann die oben erwähnten Stellschrauben darstellen und ich hoffe, dieser erste Einblick war zumindest ein wenig interessant für Euch!

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Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant.

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16 Kommentare

  1. Deliberation says:

    Hm… also erst einmal vielen Dank für den ersten Einblick. So ganz verstehe ich noch nicht, wo der Markt für so eine Lösung sein soll. Wer einfach ein Datengrab benötigt, kauft sich eine WD My Cloud. Wer mehr Features und wenig Handarbeit will, kauft sich etwas von Synology, Qnap, Asustor o.ä. Wer absolut alle Möglichkeiten haben will, kauft sich einen HP Server für schmales Geld und installiert das OS der eigenen Wahl. Wofür also so eine Box?

    • Gerne! Das ist ja auch die allgemeine Frage – meiner Meinung nach steht hier die Idee mit dem Produkt NextCloud im Vordergrund, quasi ein schlüsselfertiges Konzept. Ist immer die Sache, wer was genau braucht oder was für den einzelnen ausreicht. Der HP-Server muss ja auch installiert und konfiguriert werden, spielt aber (selbst wenn es ein MicroServer) in einer anderen Liga, zumal man das ja nicht jedem Otto-Normalverbraucher so etwas abverlangen kann. Ich denke, die Box zeigt einfach, wie es gehen könnte plus Einschalten und loslegen 🙂 !

  2. Habe ich geändert, danke 🙂 !

  3. 70 Flocken für eine 1TB Festplatte und ein billiges Plastik Gehäuse. Rpi noch nicht mal inbegriffen. Mal im Ernst, die Einzelteile kann ich doch genauso gut seperat kaufen. Mal davon abgesehen das der Raspberry aufgrund recht der Schnittstellen nicht die erste Wahl für so ein Projekt ist. Übrigens, wer eine FritzBox sein eigen nennt hat in der Regel und meist unwissend so ein Teil schon Zuhause, damit geht das nämlich ähnlich.

  4. Ich habe weniger ein Problem damit, ein Loch per Portforwarding zu konfigurieren, als die FB extern erreichbar zu machen. Bei der FB kommt noch hinzu, daß selbst eine 7490 bei verschlüsselter Kommunikation deutlich in die Knie geht und ich daher SSL&Co lieber einen Rechner hinter der FB den Job machen lasse. Geht es beim Thema Cloud nur darum, Dateien vorzuhalten, mag ja die FB reichen, aber Own/NextCloud können wesentlich mehr und das ein Raspi aufgrund seiner weiterhin eingeschränkten Schnittstellenauswahl wenig zur Performance beiträgt, ist ja hinreichend bekannt.
    Auch gehen die 70 Euro für das Gesamtpaket in meinen Augen absolut in Ordnung. Momentan wird allein die WD-MyPassportUltra mit 1TB über Geizhals bei Saturn als günstigsten Anbieter zu 69 Euro gelistet und selbst ein billiges Raspi-Gehäuse, das auch nicht viel stabiler ist, kostet bereits 5 Euro.

  5. Sehr guter Artikel. Ich denke die entscheidenden Punkte sind genannt, hier steht Komfort über Performance, ganz klar. Die Entwicklung der armbasierten SBC geht schnell voran so dass es immer besser wird. Übrigens hat Nextcloud und auch Owncloud Probleme mit großen Dateien auf 32 Bitsystemen – der rPi3 auf 64 Bit hilft dahingehend. Letztlich benötigt Nextcloud halt CPU Power und Bandbreite.

  6. Aber für die Fritzbox gibt es doch keine PC Software zum synchronisieren oder liege ich hier falsch? Das ist doch mehr ein NAS auf das ich auch via Browser zugreifen kann. Aber in keinem Fall eine Cloud Lösung.

  7. Frag mch auch, warum soll man sich das antun? Hab für kleines Geld (unter 5 Euro/Monat) mit ein Office 365 – Paket über die Telekom gebucht. 1 TB Cloudspeicher und einen vernünftiges Exchange-Konto für Mail. Caldav, Cardav, Rechner (Stromverbrauch) zu Hause etc.. das kann doch nur nervig sein.

  8. Hab das Ding auch, weil ne 1TB Platte woanders teuer war.
    Das Image auf der SD ist gesichert und nun läuft darauf fröhlich OMV & ein Backup-Server für die Dektops und Androiden.
    Im gelben Sack fand sich das Plastikgehäuse wieder und im Gegenzug hat der noch rumliegende Pi nun eine Zukunft.

  9. @Jens
    Ich glaube die Zielgruppe sind hier Leute dir zu paranoid sind ihre Daten in die Hände fremder Menschen zu geben. Ich stimme dir zu.

  10. Vielleicht wäre es einen Versuch wert, seafile statt Nextcloud zu testen. Das läuft auf meinem 1er Raspberry mit externer Festplatte ausreichend gut um einzelne Ordner auf 3 Computern abzugleichen. Nebenbei läuft er noch als Mediaserver. Also zwei Aufgaben gleichzeitig. Das sollte auf Basis eines zweier Raspi deutlich besser laufen.

  11. Wie ist denn der Geschwindigkeitsverlgeich mit einer preiswerten (2-Bay) j-Version der Synology-NAS-Geräte? Da hätte ich das wenigstens schon mal RAID für die Ausfallsicherheit und kann einfach eine externe Festplatte via USB anklemmen. Anstatt 100 EUR bin ich dann bei 200, aber das dürfte doch etwas performanter & frickelfreier sein, oder?

  12. Was mich mal zum Thema NAS/Nextcloud interessiert: Wie handhabt ihr das mit einer Spiegelung der Daten bzw einem Backup? Mal ganz paranoid gedacht: Was ist, wenn die Bude abfackelt? Meine Idee ist es, mit Freunden ein Cloud-Netzwerk zu haben. Ich lege meine Daten auf eine NAS oder in Nextcloud (einige der Dateien sollen vllt auch mit einem Kollegen geteilt werden) und eine weitere NAS steht bei einem Freund. Wie kann man gegenseitig die Daten am besten spiegeln? Einfach eine Cloud aufbauen bei der jeder seinen Account hat und die Daten von der einen NAS auf der anderen als verschlüsseltes Backup liegen?
    Für gute Vorschläge bin ich sehr dankbar!

    • @Chris – Ein bißchen Paranoia schadet nicht, deswegen liegen meine Daten (überwiegend Fotos) hauptsächlich auf meinem Rechner, von dem aus ich sie auf die Synology kopiere (jeweils ganze Ordnerstruktur nach Monaten unterteilt). Von dort aus werden diese über CloudSync auf die Nextcloud-Box geschoben, die ich dreisterweise bei meinen Eltern stehen habe. Die wohnen 40 km entfernt, fertig. Ansonsten halt wirklich zu Anbieter X und/oder Y synchronisieren, eben mit Verschlüsselung – wie gesagt: Die Nextcloud ist ja nur ein Ansatz, habe auch mit OneDrive oder Google Drive gute Erfahrungen gemacht, nur steht dann halt der Speicherort nicht zuhause. Zig Anforderungen, zig Lösungen 🙂 !

  13. Die Frage kommt ja wieder auf:
    Was dieses Produkt bietet? Einfacher Datei-Server.
    Was ein Datei-Server zuhause bringt und vernünftig abgesichert? Sicherheit über die eigenen Daten.

    Natürlich kann man seine Daten auch völlig unkompliziert mit allen Geheimdiensten der Welt teilen (du hast nix zu verbergen? also darf jeder mitlesen?). Da jeder idr ne alte Festplatte hat und vllt auch alten PC / Raspberry kaufen kann, ist der Server schon so gut wie fertig.

    Neben diesen Gründen, gibt es auch einfach Leute die aus Interesse mal nen Server aufsetzen ^^

    Guter Artikel, überlegte nämlich Nextcloud.com auf den Raspi 3 zu packen.

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