Xbox One: Microsoft will Festplattenkapazität sparen und Downloadgrößen reduzieren

17. September 2017 Kategorie: Games, Hardware, geschrieben von: André Westphal

Microsoft hatte sich zum Launch der Xbox One in vielerlei Hinsicht in die Nesseln gesetzt: Noch heute müssen die Redmonder die Schlappen der Anfangszeit wieder aufarbeiten. So reagierten die Gamer auf den anfangs angekündigten Online-Zwang, die zunächst angedachten Sperren für den Verkauf von Gebrauchtspielen und auch die Auslieferung ausschließlich im Bundle mit Kinect ziemlich allergisch. Das Resultat ist, dass die PlayStation 4 dominiert. Doch Microsoft ist mittlerweile auf den rechten Weg zurückgekehrt und will das nun auch mit neuen Techniken beweisen, welche die Downloadgrößen von Spielen verkleinern sollen.

Schon die Xbox One X empfinde ich als einen neuen Trumpf von Microsoft: Die Konsole verspricht ein 1a Stück Technik zu werden – zum fairen Preis für die gebotene Leistung. Nun haben die Redmonder aber noch ein As im Ärmel, das mich beeindruckt hat: Man will die Downloadgrößen von Spielen und damit auch den Speicherplatz, den jene auf der Festplatte belegen, an der Konsole reduzieren. Die Ideen dazu klingen wirklich super. Denn ich erinnere mich noch gut an die 90 GByte, die ich trotz im Laden gekaufter Variante von „Halo: The Master Chief Collection“ erst einmal herunterladen musste.

Auch Microsoft hat bemerkt, dass das nicht ideal ist. Denn durch die Xbox One X werden die Spielegrößen noch wachsen: Zusätzliche 4K-Assets sind notwendig, um die Konsole auszureizen. Und jene benötigen auch mehr Speicherplatz. Dabei werden viele Besitzer einer Xbox One S aber stöhnen, denn sie können jene 4K-Assets ja gar nicht nutzen. Warum sollten sie jene dann also auf die Festplatte hieven? Das sieht auch Microsoft ein und will deswegen ermöglichen, dass die Spiele in Chunks aufgeteilt werden. Das wird etwa bei „Forza Motorsport 7“ so gehandhabt. Deswegen braucht ihr an einer Xbox One S die erwähnten 4K-Assets eben nicht herunterzuladen – und spart dadurch Festplattenspeicherplatz bzw. könnt den Download schneller beenden.

Microsoft hat Entwickler bereits über dieses System informiert, das man „Intelligent Delivery“ nennt. Übrigens soll das umgekehrt z. B. auch für Besitzer einer Xbox One X Vorteile haben: Denn sie können etwa auf die 1080p-Assets für die Xbox One S verzichten und müssen jene dann folglich nicht herunterladen. Das System arbeitet dabei schlauer, als man denken sollte: Denn wer das Spiel z. B. auf eine externe HDD installiert und dann von einer Xbox One S zu einer Xbox One X wechselt, soll dann eine Aufforderung erhalten die 4K-Assets noch zu beziehen. Microsoft scheint also an alle Szenarios zu denken.

Etwa sind weitere Optionen geplant: Beispielsweise könnten in vielen Games nur die Sprachen heruntergeladen werden, die wirklich benötigt werden. Ist euer System auf Deutsch eingestellt, lädt die Xbox One dann etwa nicht für „FIFA 18“ auch noch die spanischen Texte und Audio-Kommentare herunter, sondern tut jenes nur, wenn ihr das später noch wünscht. Auch das kann reichlich Daten sparen – speziell bei Sportspielen, wo es viele, unterschiedliche Kommentarsprachen gibt.

Microsoft stellt sogar noch mehr Möglichkeiten für die Chunks in Aussicht: Sagen wir, ihr habt ein Spiel gekauft, das einen Level-Editor bietet. Ihr benutzt jenen aber sowieso nicht – dann kann über Intelligent Delivery eingerichtet werden, dass der Editor nur auf eurer Festplatte landet, wenn ihr das möchtet. Oder ihr kauft ein Spiel mit Single- und Multiplayermodus, wollt aber nur einen von beiden zocken. Auch hier können die Entwickler das Spiel so in Chunks aufteilen, dass dann z. B. der Multiplayermodus nicht bezogen wird.

Umgekehrt ist auch machbar, dass ihr in einem Spiel meinetwegen beide Modi herunterladet, nach dem Durchspielen des Singleplayers aber nur noch im Multiplayer zockt. Dann könnt ihr den Singleplayer wieder von der Platte kicken. Voraussetzung ist jedoch immer, dass die jeweiligen Entwickler Intelligent Delivery auch für ihre Titel nutzen. Das könnte teilweise schwieriger sein, als es sich anhört: Etwa sind Singleplayer- und Multiplayer-Modi oft etliche Assets gemeinsam, so das eine klare Trennung vermutlich in vielen Fällen nicht ohne Weiteres möglich ist. Hier muss man sehen, wie die Entwickler mit den Potentialen umgehen.

Da die Datenmengen größer werden, unterstützt die Xbox One übrigens dann bald auch Retail-Spiele auf bis zu 15 (!) Disks. Das ist eine starke Nummer, denn bisher waren alle Games für sowohl die Sony PlayStation 4 als auch die Xbox One auf eine Disk beschränkt. Spiele auf über zehn Disks werden wir aber wohl trotzdem erst einmal nicht zu sehen bekommen: Entwickler, die ihre Games auf mehr als zwei Scheiben ausliefern wollen, müssen das nämlich erst mit Microsoft absprechen. Intelligent Delivery kann aber auch hier zum Zug kommen – dann könnte etwa der Singleplayer-Modus auf einer Disk landen und der Multiplayer-Modus auf einer anderen.

Laut Microsoft können die Entwickler ihre Disks für unterschiedliche Länder dann auch unterschiedlich mastern lassen – selbst wenn grundlegend die gleichen Daten enthalten sind. Beispielsweise könnte in Deutschland dann die deutsche Sprachausgabe bei einem JRPG auf der ersten Disk landen und sofort mitinstalliert werden, während der japanische Ton auf der zweiten Disk als Alternative wartet. In Japan könnte es dann umgekehrt laufen.

Klingt alles naheliegend und gut durchdacht: Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler später in der Praxis Intelligent Delivery auch intelligent nutzen. Beispielsweise würde ich mir schon wünschen, dass ich bei einem Sportspiel vielleicht erst einmal die englische Sprachausgabe installiere, die deutsche aber trotz englischsprachiger Systemeinstellungen dennoch noch nachinstallieren kann – ohne meine ganze Systemsprache zu ändern. Ich bin jedenfalls gespannt und begrüße die neuen Schritte von Microsoft sehr.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei
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