Spotify personalisiert die Werbung, tratscht Daten weiter

22. Juli 2016 Kategorie: Mobile, Streaming, geschrieben von: André Westphal

Spotify Artikel Logo

Spotify und die Werbung: Ich nutze den Streaming-Dienst nahezu täglich – als kostenlose Variante. Mich persönlich stört die Werbung nicht, vielmehr finde ich die Spots immer noch unaufdringlicher als Radiowerbung. Radio ignoriere ich übrigens schon mein Leben lang, da es für mich dort als Fan von Singer- / Songwriter, Indie-Pop / Rock, Trip Hop und etwas Progressive Rock bzw. Metal eh kaum etwas zu holen gibt. In der Vergangenheit fragte ich mich allerdings des Öfteren, welchen Sinn es ergibt, dass Spotify mir wieder und wieder die gleichen Spots zeigt, die mich nicht die Bohne interessieren. Genau das will der Streaming-Anbieter nun über personalisierte Werbung ändern.

Spotify selbst nennt es „Programmatic Audio“, meint damit aber im Grunde die Auswertung eurer Nutzerdaten wie Geschlecht, Alter und eure bevorzugten Playlists. Die Daten gehen dabei an externe Anbieter wie AppNexus, Rubicon Project und The Trade Desk. Werbekunden werden dann mithilfe der Daten gezielt mit ihren Spots die Nutzer ansprechen können, die sich möglicherweise für ihre Produkte interessieren. Ich bin schon gespannt, was bei mir dann so aufploppt.

Ganz ehrlich, ich bin wohl Weltmeister darin Werbung komplett zu ignorieren – kommt bei Spotify Werbung höre ich komplett weg. Soll laut Spotify-Quengeln ein Video laufen, damit die nächsten 30 Minuten keine andere Reklame erscheint, bejahe ich jenes stets. Dann landet mein Phone mit Display nach unten auf dem Schreibtisch. Gegen personalisierte Werbung habe ich aber per se nichts – passende Angebote sind mir darüber aber nur selten begegnet. Ich bin eher der Typ, der für Krempel wie 5-Euro-Pizza-Gutscheine und ähnliche Schnäppchen-Geschichten empfänglich ist.

Mich wundert vielmehr, dass Spotify erst jetzt mit der personalisierten Werbung und dem Anbieten der Daten loslegt. Einige von euch werden das aber sicherlich wesentlich kritischer sehen als ich und wenig begeistert sein, dass Spotify Kundendaten nun freizügiger für Werbetreibende herausgibt. Als Beispiel nennt Spotify, dass nun möglicherweise ein Londoner Modelabel gezielt nach männlichen Kunden suchen könnte, die zwischen 18-25 Jahren alt sind, in London leben und Smooth Jazz hören. Individuelle Daten gibt Spotify also wohl nicht heraus, sondern eher quasi Daten-Bündel interessanter Zielgruppen.

Ich habe mich längst damit abgefunden, dass ich mir mit meinen Daten heute den Zugang zu manchen Diensten und modernen Kommunikationsmitteln „erkaufe“. Gut finde ich das auch nicht immer, aber will man heute Teil der digitalen Welt sein, kommt man kaum drum herum. Etwa kann ich meinem Bekanntenkreis ellenlange Vorträge über Datensicherheit und Privatsphäre bei WhatsApp und Facebook halten – zu Threema wechselt deswegen aber niemand. Entweder ich schicke mir also mit einem deutlich reduzierten Freundeskreis Nachrichten, oder ich gebe mich WhatsApp hin.

Klar, es ist auch die Bequemlichkeit: Werde ich Spotify weiter nutzen? Ja, dafür ist der Streaming-Dienst schon zu sehr Bestandteil meines Alltags. Finde ich das Daten-Tratschen gut? Weniger. Vielleicht überlege ich mir, was wohl naheliegt, auch einfach mal das kostenpflichtige Abonnement. Wie sieht es bei euch aus?



Anzeige: Infos zu neuen Smartphones, Tablets und Wearables sowie zu aktuellen Testberichten, Angeboten und Aktionen im Huawei News Hub.

Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 1445 Artikel geschrieben.