Spotify personalisiert die Werbung, tratscht Daten weiter

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Spotify und die Werbung: Ich nutze den Streaming-Dienst nahezu täglich – als kostenlose Variante. Mich persönlich stört die Werbung nicht, vielmehr finde ich die Spots immer noch unaufdringlicher als Radiowerbung. Radio ignoriere ich übrigens schon mein Leben lang, da es für mich dort als Fan von Singer- / Songwriter, Indie-Pop / Rock, Trip Hop und etwas Progressive Rock bzw. Metal eh kaum etwas zu holen gibt. In der Vergangenheit fragte ich mich allerdings des Öfteren, welchen Sinn es ergibt, dass Spotify mir wieder und wieder die gleichen Spots zeigt, die mich nicht die Bohne interessieren. Genau das will der Streaming-Anbieter nun über personalisierte Werbung ändern.

Spotify selbst nennt es „Programmatic Audio“, meint damit aber im Grunde die Auswertung eurer Nutzerdaten wie Geschlecht, Alter und eure bevorzugten Playlists. Die Daten gehen dabei an externe Anbieter wie AppNexus, Rubicon Project und The Trade Desk. Werbekunden werden dann mithilfe der Daten gezielt mit ihren Spots die Nutzer ansprechen können, die sich möglicherweise für ihre Produkte interessieren. Ich bin schon gespannt, was bei mir dann so aufploppt.

Ganz ehrlich, ich bin wohl Weltmeister darin Werbung komplett zu ignorieren – kommt bei Spotify Werbung höre ich komplett weg. Soll laut Spotify-Quengeln ein Video laufen, damit die nächsten 30 Minuten keine andere Reklame erscheint, bejahe ich jenes stets. Dann landet mein Phone mit Display nach unten auf dem Schreibtisch. Gegen personalisierte Werbung habe ich aber per se nichts – passende Angebote sind mir darüber aber nur selten begegnet. Ich bin eher der Typ, der für Krempel wie 5-Euro-Pizza-Gutscheine und ähnliche Schnäppchen-Geschichten empfänglich ist.

Mich wundert vielmehr, dass Spotify erst jetzt mit der personalisierten Werbung und dem Anbieten der Daten loslegt. Einige von euch werden das aber sicherlich wesentlich kritischer sehen als ich und wenig begeistert sein, dass Spotify Kundendaten nun freizügiger für Werbetreibende herausgibt. Als Beispiel nennt Spotify, dass nun möglicherweise ein Londoner Modelabel gezielt nach männlichen Kunden suchen könnte, die zwischen 18-25 Jahren alt sind, in London leben und Smooth Jazz hören. Individuelle Daten gibt Spotify also wohl nicht heraus, sondern eher quasi Daten-Bündel interessanter Zielgruppen.

Ich habe mich längst damit abgefunden, dass ich mir mit meinen Daten heute den Zugang zu manchen Diensten und modernen Kommunikationsmitteln „erkaufe“. Gut finde ich das auch nicht immer, aber will man heute Teil der digitalen Welt sein, kommt man kaum drum herum. Etwa kann ich meinem Bekanntenkreis ellenlange Vorträge über Datensicherheit und Privatsphäre bei WhatsApp und Facebook halten – zu Threema wechselt deswegen aber niemand. Entweder ich schicke mir also mit einem deutlich reduzierten Freundeskreis Nachrichten, oder ich gebe mich WhatsApp hin.

Klar, es ist auch die Bequemlichkeit: Werde ich Spotify weiter nutzen? Ja, dafür ist der Streaming-Dienst schon zu sehr Bestandteil meines Alltags. Finde ich das Daten-Tratschen gut? Weniger. Vielleicht überlege ich mir, was wohl naheliegt, auch einfach mal das kostenpflichtige Abonnement. Wie sieht es bei euch aus?

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

16 Kommentare

  1. Gilt das auch für die Abo Variante?

  2. @Daniel: Gibt’s bei der abo variante werbung?

  3. @Daniel: Heise schreibt „Die etwa 30 Millionen zahlenden Abonnenten sind derzeit nicht von dem Targeting betroffen, das datenschutzrechtliche Fragen aufwirft.“

  4. derlinzer says:

    Es gibt kein ‚kostenlos‘.

  5. Marcus Lelle says:

    Ich bin ein großer Verfechter des Datenschutzes, aber wenn man kostenlos etwas haben will, was normalerweise kostet, muss man damit leben, dass Daten gesammelt werden.

    Wem das dann nicht passt, der muss eben aufhören den Dienst zu nutzen (oder zahlen).

  6. und ihr meint im Ernst, dass vom zahlenden Kunde keine profilierten Daten erhoben werden, die womöglich anderweitig Verwendung finden könnten, natürlich nur komplett anonymisiert und strikter Einhaltung der Datenschutzgesetze?

  7. Ich bin da wohl deutlich schmerzfreier als viele andere, wenn ich einen Dienst nutzen kann, ohne das tatsächlich eine Bezahlung mit Geld von mir verlangt wird, dann mache ich das – so einfach kann das Leben sein. Letztlich weißt Du als Verbraucher sowieso nie, ob nicht doch irgendwer im Hintergrund irgendwas mit Deinen Daten anstellt. Das gilt im Internet, aber eben auch in jedem anderen Bereich des Lebens.

    Was die Frage eines kostenpflichtigen Abos bei z.B. Spotify angeht, sind mir persönlich rund 10 EUR pro Monat einfach zu teuer. Das liegt aber auch sicher an meiner Art der Nutzung. Ich höre viel Musik, aber ich nehme es eben, wie es kommt, und wenn mit ein Titel nicht gefällt, nehme ich das ein paar Minuten in Kauf oder wechsel den „Kanal“. Ich habe weder Zeit noch Lust, mir persönliche Playlisten o.ä. zusammenzustellen. Darum bin ich wohl auch mit den zu tausenden kostenfrei verfügbaren Internetstationen, die ich auch nach meinen persönlichen Vorlieben auswählen kann, ganz gut bedient. Mir reicht es völlig aus, nach Genre oder Stimmung auswählen zu können.

  8. Also wenn ich mir überlege, dass die meinen Musikgeschmack mittlerweile besser als ich selbst kennen müssten, und dann höre, was die mir für unerträgliche SCHEI$$E als „musst Du unbedingt folgen!!eins!elf!!“ antun wollen, dann werden die aufgrund dieser Daten dort werbetreibenden Firmen schnell pleite sein.
    Wie sagt die Ische da (gern auch 3x hintereinander den selben Spot)? „Jetzt fehlen nur noch Deine Freunde!“. Ja, das kann sein, denn wenn ich den Empfehlungen gefolgt wäre, hätte ich keine mehr.

  9. Spotify ist eben ein gewinnorientiertes Unternehmen und nicht der Caritas. Umsonst gibt es da nichts. Wer nicht mit Euros bezahlt, zahlt eben mit seinen Daten. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, solange Kunden die den Dienst aboniert haben, nicht auch noch mit Werbung traktiert werden. Mir persönlich macht es nichts aus 10 Euro dafür zu bezahlen, das ich von diesen Werbemüll verschont bleibe. Wenn allerdings Spotify auf die Idee kommt, die zahlende Kundschaft auch noch zu „bewerben“, war ich die längste Zeit Kunde.

  10. ich mag das eingestreute “ ICH! ERWARTE FORTAN KOSTENLOS PIZZA ZU ESSEN!“ 🙂 und bevor es falsch verstanden wird, nicht trollig gemeint 🙂

  11. und konstruktiv, diese Family-abos für mehrere funktionieren preislich und voll funktionsfähig super. Aber da erzähle ich wahrscheinlich nix Neues.

  12. @Patrick: danke die Info hilft schon mal (ein wenig) weiter. Da kommt wieder das Vertrauen ins Spiel. Nachprüfen kann das wohl keiner.

  13. „Ich habe mich längst damit abgefunden, dass ich mir mit meinen Daten heute den Zugang zu manchen Diensten und modernen Kommunikationsmitteln „erkaufe“. Gut finde ich das auch nicht immer, aber will man heute Teil der digitalen Welt sein, kommt man kaum drum herum.“

    Diese Einstellung ist genau der Fehler der aktuellen Gesellschaft. Statt dagegen anzugehen, einfach resigniert. Ich könnte echt heulen wenn ich sowas lese, gerade in einem Technik-Blog könnte man doch etwas mehr Kompetenz und Bewusstsein über die Risiken erwarten. Spotify, Facebook und Co. könnten auch problemlos kostenfrei mit Werbung angeboten werden ohne so massiv Daten zu sammeln und zu verkaufen.

  14. Faby, Botschafter des Lächelns says:

    Ich denke da wie borstie67, wenn Spotify die Werbung so schlecht personalisiert, wie sie mir jetzt gerade Playlisten vorschlagen, dann wird das nichts mit personalisierter Werbung.

  15. André Westphal says:

    @Overkee

    Das Problem ist halt, dass man mit viel Idealismus rangehen kann – dann aber weitgehend von der Kommunikation ausgeschlossen bleibt. Den Preis möchte ich persönlich nicht bezahlen. In meinem Freundeskreis zieht jemand das durch: Der hat ein Uralt-Handy und eine E-Mail-Adresse – das wars. Er nutzt keinen Messenger, er ist in keinem sozialen Netzwerk. Aber ihn zu erreichen ist auch extrem nervig, da er nur via Telefon dranzukriegen ist. Dadurch bleibt er wiederum auch von viel Gruppenkommunikation ausgeschlossen.

    „Kompetenz und Bewusstsein über die Risiken“ ist eine Sache – die Realität ist eine andere Sache. Daher schrieb ich ja: Ich kann in meinem Bekanntenkreis lange auf dergleichen hinweisen – aber dann bin ich der nervige IT-Freak. Und WhatsApp benutzen sie dann trotzdem alle weiter ;-).

  16. @Overknee: Vielleicht sind auch gerade die Kompetenz und das Bewusstsein für die Risiken, die Nutzer auch zu solchen Diensten greifen lassen. Um was für Risiken geht es denn hier eigentlich? Welche konkreten Gefahren bestehenden für den Einzelnen? Und ich meine solche, deren nachteilige Auswirkungen man im normalen Leben auch tatsächlich spürt, nicht nur jene, die generell auftreten könnten. Und da bleibt nun mal nicht viel übrig. Das ganze Leben ist ein Risiko, das kann man auch nicht komplett ausschließen. Das mag im digitalen Bereich durch Verzicht möglich sein, aber dann steht man in der Tat auch recht schnell alleine da. Ist es das wert? Das muss wohl jeder für sich beantworten.