Nokia 3 im Kurztest: Auch das Nesthäkchen will mitspielen

24. Juli 2017 Kategorie: Hardware, Mobile, geschrieben von: André Westphal

Die Nokia 6 und Nokia 5 haben euch Caschy und Benni schon vorgestellt. Doch dann ist da ja auch noch das Einstiegsmodell, das Nokia 3. Es speckt in vielen Punkten die technischen Daten ab, kostet mit ca. 159,90 Euro aber natürlich auch am wenigsten. Ich habe mich mit dem Smartphone für euch etwas eingehender beschäftigt und ergründe im Test, für wen sich das Nesthäkchen der drei eventuell lohnen könnte.

Das Nokia 3 ist das neue Einstiegsmodell von Nokia HMD Global Oy. Somit sind die Spezifikationen natürlich unterhalb derer der Nokia 5 und Nokia 6 angesiedelt. Dafür kosten die beiden anderen Geräte auch eine ganze Stange mehr: 209,90 bzw. 249,90 Euro sind für die beiden Geschwister gefordert, während das Nokia 3 bei 159,90 Euro liegt.

Für meinen Erfahrungsbericht habe ich mir die Dual-SIM-Variante vorgenommen, welche mit folgenden, technischen Daten aufwartet:

Auszug technische Daten Nokia 3
Display: 5 Zoll IPS, 1.280 x 720, 16:9
Abmessungen und Gewicht: 143,4 x 71,4 x 8,5 mm / 140 Gramm
Speicher: 16 GB, erweiterbar mit microSD um weitere 256 GB
Prozessor: MediaTek MT6737, Quad-Core (ARM Cortex-A53) mit 1,3 GHz Takt und GPU Mali-T720MP1
Arbeitsspeicher: 2 GB LPPDDR 3
Kamera: 8 Megapixel, Blende f/2.0
Front-Kamera: 8 Megapixel, Blende f/2.0
Akku: 2.630 mAh
Betriebssystem: Android 7.0 Nougat
SIM-Karte: Nano-SIM (Dual-SIM; Triple-Slot-Design)
Weiteres: Micro USB (USB 2.0), 3,5 mm Klinke, Gyroskop, NFC, Wi-Fi 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 4.0, GPS, 4G LTE

Damit wirft das Nokia 3 also einen durchaus nicht unerheblichen Punkt in die Waagschale: ein Triple-Slot-Design. Richtig gelesen, ihr könnt sowohl zwei SIM-Karten als auch eine microSD-Speicherkarte parallel nutzen. Das ist eine feine Sache, die selbst viele Flaggschiffe nicht bieten. Gibt es in dieser Preisklasse allerdings auch bei einigen Konkurrenzmodellen, wie dem technisch ähnlichen Gigaset GS170, das 149,90 Euro kostet.

Ausstattung und Verarbeitung

Von einem Smartphone für weniger als 160 Euro kann man keine neuen Standards im Bezug auf die Materialien und die Beigaben erwarten. Doch es ist ganz interessant, dass das Nokia 3 zum einen an einigen Stellen klar punktet, an anderen wiederum Schwächen aufweist, die man von Konkurrenzmodellen so nicht kennt.

Fangen wir mit dem Gemecker an: Die Rückseite des Nokia 3 besteht aus Polycarbonat. Ich finde das per se ok, denn das hat durchaus Vorteile: Fingerabdrücke sieht man lange nicht so schnell wie etwa auf dem gläsernen Honor 9, das man im Minutentakt abwischen könnte. Allerdings knackt die Rückseite leicht, wenn man draufdrückt. Klingt, als ob das Plastik nicht zu 100 % passgenau sitzen würde bzw. sich hereindrücken lässt. Dadurch kann man schnell die Obsession entwickeln auf der Rückseite herumzutasten, um sie quasi festzudrücken. Klar, das ist für den einen vielleicht keine große Sachen, kann den anderen (wie mich) aber nerven. Wäre verständlich, wenn die Rückseite für einen austauschbaren Akku abnehmbar wäre – ist sie aber nicht.

Gut gefällt mir hingegen der Rahmen aus Aluminium, welcher sich haptisch absolut sauber anfühlt und das Nokia 3 dadurch im wahrsten Sinne des Wortes spürbar aufwertet. Auch die Lautstärkewippe und der Powerbutton, beide ebenfalls aus dem gleichen Aluminium, sitzen perfekt und wackeln nicht.

Im Lieferumfang des Nokia 3 findet ihr neben dem Smartphone an sich noch eine SIM-Nadel, eine Kurzanleitung, ein passendes USB-Kabel plus Netzteil sowie sogar (Überraschung!) Kopfhörer. Letztere sind als Dreingabe ja heute nicht mehr gerade selbstverständlich. Allerdings spielt deren Qualität dann auch nur knapp über den Dingern, die man so im Flieger auf dem Sitz vorfindet.

Das Design des Nokia 3 ist ansonsten relativ schnörkellos: Erwähnenswert ist, dass HMD Global Oy auf kapazitive Tasten für Zurück, Home und den App-Switcher setzt, was ich immer begrüße, da somit mehr vom Bildschirm frei bleibt. Die bereits angesprochene Plastikrückseite ist zudem etwas „angeraut“, wodurch sie gut in der Hand liegt. Man hat den Nokia-Schriftzug etwas eingestanzt, was noch mehr dazu verleitet auf der Rückseite herumzudrücken.

Leistung

Das Nokia 3 ist ein Einstiegs-Smartphone. Wie viel Sinn es da ergibt Benchmarks aufzufahren, ist eine Frage, die jeder für sich beantworten muss. Damit etwas Vergleichbarkeit gegeben ist, habe ich das Gerät jedenfalls durch 3DMark (Slingshot Extreme), PC Mark Work 2.0 und AnTuTu bugsiert.

Oben seht ihr die Ergebnisse aus AnTuTu – wenig überraschend sind sie jetzt nicht gerade überragend, für den SoC MediaTek MT6737 und 2 GByte RAM aber auch nicht gerade untypisch.

Es folgt 3DMark mit Slingshot Extreme. Die Punktzahl von 108 ist… nun ja ziemlich mager, selbst für ein Einstiegsgerät. Also 3D-Spielchen solltet ihr mit dem Nokia 3 eher meiden.

Auch durch PCMark Work 2.0 musste sich das Nokia 3 kämpfen. Auch hier ist das Ergebnis, wie zu erwarten, typisch für ein Einstiegsgerät am unteren Ende angesiedelt.

Im Alltag muss man sich übrigens durchaus auf einige Abstriche gefasst machen. Ich weiß, dass viele von euch die Chinaphones kritisch sehen. Aber an dieser Stelle geht es mir nicht um die Randbedingungen, sondern erst einmal nur um die Technik an sich: Und so liefern etwa Geräte wie kürzlich von mir gemusterte Vernee Thor E mit dem MediaTek MTK6753 eine deutlich bessere Performance ab, als das Nokia 3. Der schwache Prozessor macht sich in Kombination mit dem für heute Verhältnisse geringen Arbeitsspeicher in der Nutzung bemerkbar.

So dauert etwa nach einem frischen Neustart schon einmal der Start des Google Play Store ca. 4 Sekunden. Gut, da werden auch viele Bilder geladen und ruft man den Store erneut auf, geht es fix – aber generell kommt das Nokia 3 eben an seine Grenzen wenn man oft zwischen Apps wechselt. Speziell der Start des Phones verläuft nach dem Motto „gut Ding will Weile“ haben.

Erinnert man sich daran, dass es hier um ein Einstiegsgerät geht, ist das alles im Rahmen. Wer allerdings ohnehin manchmal den Blick nach China schweifen lässt und mit den bekannten Einschränkungen (keine Garantie, kein Support, möglicher Sprachenmix) leben kann, wird sich mit dem Nokia 3 etwas schwer tun. Und gerade bei günstigen Geräten dieser Art werden die potentiellen Käufer ja immer experimentierfreudiger.

Kameras

Das Nokia 3 nutzt eine Hauptkamera mit 8 Megapixeln. Knipst man mit dem Phone drauflos, muss man doch das ein ums andere Mal einen zweiten Versuch starten: So tendiert die Kamera des Nokia 3 sehr zur Überbelichtung – siehe als Beispiele die letzten beiden Bilder im Slider.

Der HDR-Modus verschlimmert diese Problematik leider, so dass ich ihn beim Fotografieren mit dem Nokia 3 letzten Endes nach einigen Experimenten ausgeschaltet habe. Wie ihr auf den Fotos seht, schärft das Nokia 3 zudem bereits bei solidem Umgebungslicht (Baumkrone) stark via Software nach und bügelt zugleich einige Details weg. Das Ergebnis sind eigentlich nur bei Sonnenlicht oder sehr starker Innenbeleuchtung gute Bilder. Für diese Preisklasse geht die Kamera aber noch „in Ordnung“.

Die Frontkamera schlägt sich spannenderweise besser – die Selfies sind durchaus zu gebrauchen. Dafür, dass ich an dem Tag mal wieder übernächtigt gewesen bin, kann das Nokia 3 ja schließlich nichts.

Akkulaufzeit und sonstige Anmerkungen

Für das Nokia 3 spricht, neben dem wirklich lobenswerten Triple-Slot-Design, auch das pure Android: HMD Global Oy hat auf Basteleien verzichtet und verspricht regelmäßige Updates. Ob das in der Praxis eingehalten wird, muss sich natürlich noch zeigen: Mein Testmuster etwa stand bei der Sicherheitspatchebene April 2017, so dass die monatlichen Sicherheitsupdates hier bisher nicht eintrudeln.

Was den Akku betrifft, so ermittelt PCMark folgende Laufzeit:

PC Mark rattert den Akku durch verschiedene Szenarien bei angeschaltetem Bildschirm von 100 bis auf 20 % runter. Ich habe dabei Wi-Fi angeschaltet gelassen und die manuelle Helligkeit auf 50 % festgesetzt. Das Ergebnis sind sechs Stunden und 59 Minuten. Rechnet man nun noch die fehlenden 20 % herauf, sollte eine kontinuierliche Akkulaufzeit von ca. 8 Stunden und 45 Minuten herauskommen, wenn das Smartphone durchgehend genutzt wird.

Natürlich wird in eurem Alltag variieren, wie lange das Nokia 3 durchhält. An Bennis Mega-Ergebnis mit dem Nokia 5 reicht das Nokia 3 also nicht heran, sollte euch aber definitiv über den Tag bringen. Zuletzt sei es nochmals betont, auch wenn ihr es in den technischen Daten vielleicht erspäht habt: Auf einen Fingerabdruckscanner verzichtet das Nokia 3. Wer den Komfort des Scanners also gewohnt ist, muss sich nach einem anderen Modell umschauen.

Fazit

Das Nokia 3 ist ein Einstiegs-Smartphone, das es auf dem Markt nicht ganz einfach haben wird. So gibt es hier neben viel Licht auch viel Schatten: Etwa überzeugt der Aluminiumrahmen optisch und auch haptisch, dafür ist die bei Druck knackende Rückseite aus Polycarbobat ein Ärgernis. HMD Global setzt wiederum zwar auf das pure Android für das Nokia 3 und verspricht regelmäßige und schnelle Updates… Dennoch steht die Sicherheitspatchebene noch beim April 2017. Dann überzeugt das Smartphone zwar mit einem Triple-Slot-Design, liefert aber im Betrieb lange Wartezeiten auf den Start von Apps und eine insgesamt sehr variable Performance.

Am Ende gibt es also für jeden großen Pluspunkt des Nokia 3 einen ebenso großen Minuspunkt. Für diese Preisklasse ist die Hauptkamera „in Ordnung“, während die Frontkamera durchaus anständige Selfies knipst , das sollte noch erwähnt sein. Wer nach einem günstigen Zweitgerät mit Triple-Slot-Design sucht, fährt hier eventuell nicht unbedingt schlecht. Zu hohe Ansprüche an eine flüssige Benutzererfahrung darf man aber leider nicht haben.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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