Nokia 5 im Test: Gute Ausdauer, maue Performance

23. Juli 2017 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Benjamin Mamerow

Nokia – Connecting People. Ein Slogan, den man in meiner Jugend noch ausgesprochen oft in der Werbung hörte. Im Jahre 2017 verbindet man das Unternehmen zwar immer noch mit Mobilfunk, denkt dabei aber automatisch eher noch an die alten und unkaputtbaren Knochen wie 5210, 3210 und 3410, inklusive Snake. Smartphones bringt kaum jemand mit der Marke in Verbindung. Das möchte HMD Global mit seinen Geräten Nokia 3, Nokia 5 und Nokia 6 nun endlich ändern. Ob das gelingen kann, wollte ich anhand des Nokia 5 einmal herausfinden.

Das Nokia 5 reiht sich als Mittelklasse-Smartphone zwischen seinen beiden „Gerätebrüdern“ ein, wirkt auf dem ersten Blick allerdings doch schon sehr hochwertig und nicht einfach nur lieblos hinzuaddiert. Das aus einem Guss gefertigte Aluminiumgehäuse wird lediglich an den oberen Kanten von den Antennenstreifen unterbrochen und ganz ehrlich – allein das „NOKIA“-Logo auf der Rückseite wertet das Gerät schon um einiges auf 😉

Auszug technische Daten des Nokia 5
  • Maße: 149,7 x 72,5 x 8,05 mm (8,55 mm mit Kamerarelief)
  • CPU: Qualcomm Snapdragon 430, Octa Core
  • RAM: 2 GB
  • OS: Android 7.1.1 Nougat
  • Display: 5,2 Zoll HD-IPS-Display (1280 x 720)
  • Speicher: 16 GB intern, erweiterbar um bis zu 128 GB per microSD-Karte
  • Farben: seidenmatt Schwarz, seidenmatt Silber/Weiß, seidenmatt temperiertes Blau, Kupfer
  • Audio: 3,5 mm-Klinkenanschluss
  • Kamera: Hauptkamera 13 MP PDAF, 1,12 µm, f/2-Blende, Dual-Tone-Blitz; Frontkamera 8 MP AF, 1,12 µm, f/2-Blende, 84 Grad Bildfeld
  • Akku: 3.000 mAh, nicht austauschbar
  • Konnektivität: Micro-USB 2.0, USB OTG, WLAN, Bluetooth 4.1
  • Sensoren: Beschleunigungssensor (G-Sensor), Umgebungslichtsensor, e-Kompass, Fingerabdrucksensor, Gyroskop, Näherungssensor, NFC
  • Netze: GSM: 850/900/1800/1900; WCDMA: Bänder 1, 2, 5, 8; LTE: Bänder 1, 3, 5, 7, 8, 20, 28, 38, 40
  • Besonderheiten: sowohl mit einfacher als auch mit doppelter SIM-Karte erhältlich, unterstützt Google Assistant
  • Preis: knapp 200 €

Haptik und Verarbeitung

Nimmt man das Nokia 5 in die Hand, so schmiegt es sich direkt angenehm in selbige. Das 5,2 Zoll große Gerät ist – wie bereits erwähnt – sehr schön verarbeitet und gehört zu den Smartphones, die man ungern in eine Hülle quetschen möchte.

Obendrein werkelt auf dem Gerät pures Android. Keine UI-Anpassungen oder sonstige Spielereien, an die sich Nutzer erst wieder gewöhnen müssten. An dieser Stelle gibt es von meiner Seite ein dickes Plus für diese Entscheidung. Immerhin sollte, so zumindest in der Theorie, auch die Möglichkeit gegeben sein, dass das Nokia 5 recht zeitnah mit neuen Updates der Software aus dem Hause Google versorgt wird.

An der Unterseite des Gehäuses lagern der Mikro-USB-Anschluss sowie der Lautsprecher. Die rechte Seite beherbergt die Lautstärkewippe und den Powerbutton. Beide sind mir einen Tick zu wackelig. An der Oberseite des Geräts winkt einsam der 3,5 mm-Klinkenanschluss. Auf der linken Seite befinden sich die beiden Schächte für die SIM-Karten und die microSD-Karte.

Der Homebutton fungiert auch gleichzeitig als Fingerabdrucksensor, wie es zuletzt auch beim Xiaomi Mi6 oder auch dem HTC U11 der Fall war. Für mich persönlich genau an der richtigen Stelle, aber das sieht ja bekanntlich jeder anders. Der Sensor funktioniert sehr zuverlässig und hat mich im Test kein einziges Mal hängen lassen – ein dezentes Vibrieren bestätigt das Scannen des Abdrucks.

Irgendetwas bremst doch hier?

Was mir während des gesamten Testzeitraums immer wieder aufgefallen ist, war, dass das Nokia 5 meinem Empfinden nach zu lahm auf Eingaben und Wischgesten reagierte. Nun bin ich sicherlich von den heutigen Geräten arg verwöhnt und sollte nicht zu voreilig urteilen, dennoch fühlt sich die Bedienung dadurch wie ausgebremst an. Das Gerät soll rund 200 € kosten und will ja auf dem Markt den ein oder anderen Käufer überzeugen. Ob nun die nur 2 GB vorhandener Arbeitsspeicher Grund genug dafür sind, dass die Software lahmt, mag ich nicht zu beurteilen. Dennoch gaben mir zumindest die synthetischen Tests mit dem PCMark und dem AnTuTu-Benchmark Recht:

Denn was die gemessene Leistung angeht, rutscht das Nokia 5 ganz schnell auf die hintersten Plätze ab. Wie ich aber immer wieder anmerke, sollte man sich nicht allein auf diese Tests verlassen. Ein Snapdragon 430 mit acht Kernen, gepaart mit 2 GB RAM sollten doch ein wenig mehr überzeugen, als es die Testergebnisse zunächst andeuten.

Also habe ich mir einfach mal ein paar „aktuellere“ Games wie Asphalt 8 und Co. installiert, um herauszufinden, ob Gamer mit dem Nokia 5 nun wirklich völlig in die Röhre schauen würden. Und siehe da: Gerade Asphalt 8 (ohne etwas in den Einstellungen verändert zu haben), aber auch Modern Combat 5 laufen auf dem Gerät ohne großartiges Ruckeln. Sicherlich, es geht immer besser. Dennoch möchte ich mich hier nicht dazu hinreißen lassen, das Nokia 5 als Low-Performance-Gerät abzustempeln.

Klang

Der Sound des Nokia 5 lässt sich ebenfalls in die Kategorie „Mittelklasse“ einordnen. Gerade in höheren Lautstärken wirkt alles zu blechern und übertönt, als dass man hier lange zuhören möchte. Mit Kopfhörern kommt hingegen ein durchaus akzeptabler Klang zustande, Höhen, Mitten und Tiefen sind gut getrennt voneinander wahrzunehmen. Die Bässe könnten noch einen Deut kräftiger sein. Beim Telefonieren gab es gar keine Schwierigkeiten – ich konnte mein Gegenüber immer deutlich verstehen, andersherum war das auch der Fall.

Der Akku

Die Ausdauer des Nokia 5 hat mich durchaus überrascht. Ich habe den PCMark-Akkutest bewusst erst nach einigen Tagen Nutzung gestartet, da mir auffiel, dass ich gute zwei Tage ohne nachzuladen hingekommen bin. Auch hier sei wieder erwähnt, dass die Nutzung natürlich bei jedermann anders aussieht und die Akkulaufzeit daher selbstverständlich auch für jeden anders ausfällt. Ich telefoniere gelegentlich am Tag, arbeite viel mit Twitter und chatte via WhatsApp und Telegram. Außerdem geht viel Zeit beim Knipsen von Fotos drauf.

11 Stunden und 6 Minuten lang hat es gedauert, bis der Akkutest des PCMark den Akku des Nokia 5 von 100 auf 20 Prozent runter gewerkelt hat. Rechnet man die restlichen 20 Prozent noch dazu, dann kommt das Gerät auf fast 14 Stunden Gesamtlaufzeit. Das wird unter anderem dem nicht so hoch powernden SoC und dem „nur“ in HD auflösenden Display geschuldet sein.

Die Kameras des Nokia 5

Natürlich kann man mit dem Nokia 5 auch Bilder und Videos aufnehmen. Auf der Rückseite ruht ein 13 MP-Sensor, der dank PDAF auch einigermaßen flott fokussiert und somit Fotos „aus der Hüfte“ am Ende immer noch gut aussehen lässt. Die aufgenommenen Bilder sind ausreichend scharf und fangen immer noch genügend Details ein. Trotzdem darf man hier natürlich kein HTC U11-Äquivalent erwarten – die Kamera ist gut, nicht überragend. Die Frontkamera löst mit 8 MP auf, was für durchaus akzeptable Selfies sorgen kann. Hier hatte ich lediglich Schwierigkeiten damit, dass das Sonnenlicht egal aus welchem Winkel für zu viel Belichtung sorgte. Schaut euch einfach meine gesammelten Snaps in der folgenden Galerie an, ich finde: für ein Gerät in der Preisklasse geht das Ergebnis durchaus in Ordnung.

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Vorläufiges Fazit

Mein vorläufiges Fazit zum Nokia 5 fällt am Ende dann auch eher nüchtern aus. Es handelt sich hier nicht unbedingt um ein Gerät, das den Namen Nokia nun mit einem Mal zur Vorzeigemarke auf dem Smartphone-Markt machen wird. Die Kamera ist gut, die Ausdauer überzeugt und pures Android ist meiner Meinung nach immer klasse. Dennoch lahmt mir die Software auf dem Gerät gefühlt zu sehr, als dass ich mich daran gewöhnen möchte. Für Einsteiger sieht es mit dem Nokia 5 dennoch gut aus, da will man ein Smartphone erst einmal kennen lernen und ist von vor Hardware-strotzenden Geräten noch nicht derart verwöhnt. Die Optik des 5 gefällt mir wirklich gut und auch die Haptik hat es mir angetan. Ob das am Ende reicht, um eine große Anzahl Menschen davon zu überzeugen, knapp 200 € hierfür auszugeben, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln.


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Über den Autor: Benjamin Mamerow

Blogger, stolzer Ehemann und passionierter Dad aus dem Geestland. Quasi-Nachbar vom Caschy (ob er mag oder nicht ;D ), mit iOS und Android gleichermaßen glücklich und außerdem zu finden auf Twitter und Google+. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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