HTC U11 getestet: Das deutlich bessere U Ultra

11. Juli 2017 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Benjamin Mamerow

Es ist noch nicht wirklich lange her, da durfte ich HTCs U Ultra ausgiebig im Alltag testen und war am Ende mit gemischten Gefühlen unterwegs. Technik und Kamera überzeugten, der Preis, ein anfälliges Design und ein zum Testzeitpunkt fehlender Sense Companion hingegen ließen mich dann aber doch maulen. Mittlerweile hat HTC den direkten Nachfolger – das U11 – in die Läden gebracht. Ob sich meine Problemchen vom U Ultra hier nun in Luft aufgelöst haben und ob HTC dem U11 ausreichend Kaufargumente in die Verpackung gelegt hat, das wollte ich in einem Test herausfinden.

Designed to Stand Out – so das Motto des HTC U11. Und das Design ist es, was auch wirklich als erstes ins Auge springt, wenn man die Geräte-Verpackung öffnet.

Ein glänzendes und vor allem wirklich edel aussehendes Stück Technik, für das man keineswegs eine Schutzhülle verwenden möchte.

„Durch die Schichtung kostbarer lichtbrechender und reflektierender Mineralien über die hintere Abdeckung des Smartphones haben wir atemberaubend lebendige Farben geschaffen, die das Licht mit jeder Deiner Bewegungen verwandeln.“

Tatsächlich schafft es das sogenannte Liquid Surface Design, dass das Gerät in immer wieder anderen Farbnuancen erstrahlt – je nachdem, wie das Licht gerade fällt und in welchem Blickwinkel man es betrachtet. Das wird euch hier auch bei meinem Fotos vom Gerät immer wieder auffallen, da gleicht kaum eine Farbe der anderen.

Doch habe ich „keineswegs eine Schutzhülle verwenden“ geschrieben? Vergesst es, auch das HTC U11 leidet wie schon das U Ultra aufgrund seines Designs an einer fiesen Fleckenkrankheit sobald man das Gerät auch nur einmal in die Hand genommen hat.

Es ist glatt, rutscht beim Aus-der-Hosentasche-Ziehen gern aus den Händen und bekommt bei wirklich jeder Berührung sofort Fingerabdrücke aufgestempelt. Das ist bei einem eigentlich so dermaßen hübschen Gerät einfach nicht hinnehmbar. Da der gesamte Korpus des HTC U11 aus Glas besteht, ist es allerdings auch wenig verwunderlich.

Spezifikationen HTC U11
  • SuperLCD5 – 5,5 Zoll QHD-Display (2.560 x 1.440)
  • Corning Gorilla Glass 5
  • Qualcomm Snapdragon 835, Octa-Core 64-bit, mit bis zu 2,45 GHz getaktet
  • 4 GB RAM (auch als 6 GB RAM/128 GB Speicher-Variante in Asien erhältlich)
  • 64 GB Speicher (bis zu 2 TB erweiterbar per microSD)
  • Hauptkamera: 12 MP – f/1.7 Blende – Dual-LED-Blitz – OIS
  • Frontkamera: 16 MP, Beauty-Filter
  • Android 7.1 Nougat
  • HTC Sense
  • HTC Sense Companion (persönlicher Assistent ähnlich Google Assistant oder Amazon Alexa)
  • 3.000 mAh Akku, QuickCharge 3.0-Support
  • wasser- und staubdicht nach IP67
  • Maße 153,9 x 75,9 x 7,9 mm bei rund 169 g Gewicht
  • Farben: Amazing Silver, Saphire Blue, Brilliant Black, Ice White (später auch noch als „Solar Red“)
  • Bluetooth 4.2, USB 3.1 Gen. 1 Typ-C, WLAN: Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac (sowohl 2,4 als auch 5 GHz), NFC und HTC Connect
  • 2G/2,5G – GSM/GPRS/EDGE: 850/900/1800/1900 MHz // 3G UMTS: 800/900/1900/2100 (B5/B8/B2/B1), HSDPA 42, HSUPA 5,76 // 4G LTE (bis zu 800 Mbps, dienstabhängig) FDD: Bänder B4/B12/B17/B28/B20/B5/B8/B3/B1/B7/B32 – TDD: Bänder B39/B40/B38/B41 mit 2CA, 3CA, 4CA Carrier-Aggregation // VoLTE, Wi-Fi-Calling // Gerät unterstützt Cat 15 LTE, Download bis 800 Mbps, Upload bis 75 Mbps
  • Besonderheiten: Fingerabdrucksensor, Edge Sense-Feature, HTC USonic Kopfhörer mit Active NC

Ok, das Design ist nicht neu und immer noch mit denselben Tücken behaftet, die mich bereits am Vorgänger störten. Wie ihr den Specs bereits entnehmen könnt, hat sich bei der Hardware hingegen durchaus ein wenig getan, was als positiv zu bewerten ist – dazu aber ein wenig später mehr. Erwähnenswert ist auch, dass der Nutzer hier dank Hybrid Dual-SIM die Möglichkeit hat, entweder eine zweite SIM-Karte oder aber eine zusätzliche microSD einlegen kann, die den Speicher dann auf bis zu 2 TB erweitern kann.

Drück mich, befehl‘ ich dir…

Was das Gerät wirklich vollkommen neu einführt ist das sogenannte Edge Sense. Hierbei handelt es sich um ein Eingabe-Element für diverse vordefinierbare Aufgaben und Apps. Standardmäßig ist an dieser Stelle die Kamera-App verknüpft. Ein etwas kräftigerer Druck mit den haltenden Fingern und dem Handballen auf beide Seiten öffnet auch im gesperrten Zustand die Kamera-App. Innerhalb dieser führt ein erneutes Auslösen von Edge Sense dazu, dass der Kamera-Auslöser gedrückt wird. Kommt vor allem dann wirklich gut, wenn man doch einmal unter Wasser (wasserdicht gemäß IP67) oder eben mit ordentlich Regentropfen auf dem Display Fotos machen möchte. Hier weigert sich die Toucheingabe ja auch gerne einmal zu reagieren. Mit Edge Sense kein Problem. Folgendes Video zeigt das Feature noch einmal in Bewegung:

Tatsächlich ist Edge Sense eine Innovation, die HTC gerne weiter verwenden/ausbauen darf, andere Hersteller sich gern ein Scheibe von abschneiden können.

HTCs anderes Zusatzfeature – der Sense Companion – agiert als persönlicher Helfer, der sich immer wieder zwischendurch mit mehr oder minder nützlichen Tipps zu Worte meldet. Er misst gelaufene Schritte, erinnert ans Aufladen des Geräts und warnt auch schon mal vor zu schlechtem Wetter, dass mich erwarten könnte. Hier handelt es sich im Grunde um „angepasste Erinnerungen und Empfehlungen basierend auf der Gerätenutzung und dem Standort“. Das funktioniert soweit gut, ist nun aber in Zeiten von Google Assistant / Now und Co. auch kein wirkliches Novum mehr, zumal gerade Googles Assistent dort deutlich umfangreicher daherkommt.

Technik & Performance

In Sachen Hardware hat es HTC im Gegensatz zu einigen anderen Smartphone-Herstellern geschafft, den Snapdragon 835 als Premium-SoC in seinem Flaggschiff zu verbauen. Gepaart mit den 4 GB Arbeitsspeicher sollte hier bereits auf dem Papier ordentlich Leistung herauszukitzeln sein. Und so ist es dann auch kein Wunder, dass ich hier mal so überhaupt keine Kritik am Gerät lassen kann. Wirklich keine Aufgabe in meinem Test hat es geschafft, das HTC U11 ins Stocken zu bringen. Die Software läuft einfach nur flüssig und selbst aufwändige Games packt das Gerät ohne Murren und Knurren. Sowohl der AnTuTu-Benchmark als auch der PCMark sprechen dann auch für sich:

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Ich persönlich lasse nur ungern Benchmarks für meine Käufe entscheiden, das U11 schaffte es allerdings zu jeder Zeit, sich in Sachen Performance in meine Rangliste nach oben zu arbeiten.

Wo viel Power vorherrscht, da sollte auch ausreichend Akkukapazität vorhanden sein, damit der Spaß nicht binnen weniger Stunden schon wieder vorbei ist. Hier greife ich zu Beginn erst einmal auf einen synthetischen Test zurück – den PC Mark mit seinem Work 2.0 Akkutest. Das WLAN blieb aktiviert, die Bildschirmhelligkeit auf 50 % festgelegt. Bei diesem Benchmark wird die Laufzeit ermittelt, indem allerlei Anwendungsszenarien durchgespielt werden, während der Bildschirm die ganze Zeit aktiv bleibt. Zu Anfang beträgt die Ladung 100 % und sobald nur noch 20 % verbleiben ist Schluss.

Von 100 % auf 20 % innerhalb von 9 Stunden und 28 Minuten. Summa summarum kommen wir also auf eine Gesamtlaufzeit von 11 Stunden und 50 Minuten wenn wir das Gerät komplett entleeren wollen. Darauf entfallen zwischen 4 bis 4,5 Stunden reiner Screen On-Time. Ich bin mit den Werten mehr als zufrieden, die Nutzungsdauer im Alltag bestätigt mich dann entsprechend.

Die Akku-Benchmarks sollten euch generell nur einen Hinweis darauf geben, was mit dem (hier verbauten 3.000 mAh) Akku so theoretisch möglich ist. Denn eure Nutzung unterscheidet sich nicht nur von der Theorie, sondern vermutlich auch stark von der meinen. Diese besteht vorrangig aus WhatsApp– und Telegram-Chats, gelegentlichen Telefonaten, reichlich Twitter-Nutzung und ordentlich Fotografieren und Filmen. Facebook beispielsweise rödelt bei mir gar nicht erst herum. Das Ende vom Lied ist, dass ich – wie mit jedem anderen Gerät heutzutage auch – mich am Abend gezwungen sehe, das Smartphone ans Ladegerät zu klemmen, wenn ich nicht mit 30 – 40 Prozent in den nächsten Tag starten möchte. Einen zweiten Tag schaffe ich damit eben ohne Einschränkungen nicht mehr.

Software

HTC nutzt auch beim U11 wieder einmal seine eigene Interface-Anpassung namens Sense UI. Das kennen unsere Leser mittlerweile zu genüge, so dass ich hierzu wohl nicht mehr viele Worte verlieren muss. Im Hintergrund werkelt Android 7.1.1 Nougat, bei meinem Testgerät auch bis zum Schluss mit Sicherheitspatch-Level vom 01. April 2017, obwohl HTC mittlerweile ein entsprechendes Update auf den Weg gebracht hat.

Kommen wir zum Klang des U11. Diesen Bereich kann man hier deutlich breiter fächern, immerhin liefert HTC nicht nur sein BoomSound-Feature, sondern auch erneut seine USonic-Kopfhörer mit integrierter aktiver Geräuschunterdrückung an.

Der Sound

Doch vielleicht erst einmal zum wichtigsten Punkt der Gerätebasis – dem Telefon und dessen Tonqualität. Natürlich lässt sich auch mit dem HTC U11 weiterhin konventionell telefonieren und das in erwartungsgemäß hervorragender Qualität. Um ehrlich zu sein möchte man das von einem Smartphone dieser Preisklasse auch erwarten, wenn nicht sogar von jedem Smartphone. Dennoch beweisen immer wieder einzelne Geräte, dass es auch anders geht. Mein Axon 7 beispielsweise lässt seit dem letzten Patch immer wieder mal den Anrufenden nichts verstehen, während ich sein „Hä? Hallo? Orrrr, schon wieder?“ knisternd wahrnehmen kann.

Nicht so beim U11. Meine Gesprächspartner attestierten mir durchweg beste Sprachqualität, selbiges konnte ich auch von meiner Seite aus wahrnehmen. Nebengeräusche waren nur dann zu hören, wenn sie wirklich laut gewesen sind.

Nun höre ich auch gern Musik am Smartphone, gelegentlich via Radio-App, mehr aber dann via Spotify und Co. HTCs BoomSound liefert seit jeher astreinen Sound, auch wenn die Bässe noch druckvoller sein dürften. Aber hey – es handelt sich hier immer noch um Smartphone-Lautsprecher, wenn ich es noch kräftiger haben will, setze ich auf entsprechende Headsets oder Bluetooth-Speaker. Nichtsdestotrotz macht das Musikhören mit dem U11 ordentlich Spaß, lediglich zu hohe Lautstärken scheint die Hardware hier nicht ganz zu mögen und übertönt als Resultat hörbar.

Die USonic-Kopfhörer, die sich im Lieferumfang befinden, durfte ich ebenso erstmals beim U Ultra ausprobieren. Dank spezieller Technologie vermessen sie das Innenohr des Trägers und passen den Sound so ideal an diesen an. Das klappt weiterhin genial schnell und einfach und sorgt tatsächlich für einen deutlich hörbaren Unterschied, gerade wenn man sonst nur „einfache“ In-Ear-Kopfhörer zum Laufen oder ähnliches trägt. Verbunden werden die USonic via USB Typ-C, ein Typ-C auf 3,5 mm-Klinke-Adapter sorgt dafür, dass ihr auch weiterhin eure alten Kopfhörer verwenden könnt. Sollte man sich aber dennoch überlegen, schließlich bieten HTCs In-Ears zusätzlich aktive Geräuschunterdrückung. Diese ist zwar nicht derart umwerfend, wie man sie vielleicht von den Bose QC35 oder ähnlichen kennt, funktioniert aber dennoch ausgesprochen gut. Gerade Bahnfahrten lassen sich so sicherlich deutlich entspannter angehen 😉

Die Kamera als Glanzstück

Das wohl allergrößte Highlight in meinem Test dürfte die Kamera des HTC U11 darstellen. Bereits im Vorfeld sahnte das Gerät im DxOMark die bisher beste Punktzahl ab, was mich aber normalerweise noch lange nicht davon überzeugt, dass sie meinen Ansprüchen und Erwartungen dann auch wirklich gerecht werden muss. Schließlich bewertet und gewichtet hier jeder für sich anders.

Fange ich mit den negativen Aspekten an – das sind nämlich nicht sonderlich viele. Der Auslöser der Kamera benötigt in Einzelfällen gelegentlich bis zu 2 Sekunden. Das ist gerade für Nutzer wie mich, die gerne Quickshots aus der Hüfte machen eher hinderlich. Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass mich das nach einer Woche noch gestört hat. Man gewöhnt sich daran und hat dann schnell den richtigen Rhythmus raus. Bei schlechten Lichtverhältnissen muss man schon allerdings hier und da schon mal in den manuellen Modus wechseln, da es den Fotos sonst an Details mangelt.

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Die Frontkamera löst mit 16 Megapixel auf, allerdings sind die Ergebnisse auch mehr gehobener Durchschnitt. Ein zuschaltbarer Beauty-Filter macht die Haut ein wenig weicher und bessert Unreinheiten dezent aus. Alles in allem reicht die Frontkamera garantiert für Selfie-Freunde, die wirklich starken Bilder macht man dann am Ende eh mit der Hauptkamera.

Im Gegensatz zur vorn angebrachten Linse liefert diese nämlich keinen Einheitsbrei, sondern wirklich Premiumkost. Die Farben sind natürlich und kräftig, nichts wirkt übersättigt. Der UltraPixel 3-Sensor – wie ihn HTC hier nennt – arbeitet mit einer f/1.7-Blende und bringt obendrein auch noch OIS mit. Sämtliche in meiner Beispielgalerie aufgezeigten Fotos (hier als *ZIP) sind per Quickshot entstanden. Ich denke, dass die meisten von euch ihre Fotos auf ähnliche Weise aufnehmen. Der Autofokus reagiert blitzschnell, lediglich das Auslösen kann wie bereits oben erwähnt gelegentlich länger dauern.

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Ich kann mich also am Ende tatsächlich nur der allgemeinen Meinung anschließen, dass das HTC U11 (zumindest aktuell) den Primus in Sachen Kamera zu stellen scheint. Der sauschnelle Fokus, knackig scharfe Bilder und eine sehr umfangreiche Kamera-App runden das Gesamtpaket sauber ab.

Fazit

Kann ich euch das HTC U11 daher am Ende uneingeschränkt empfehlen? Nun ja, die Hardware sollte euch für lange Zeit glücklich machen, die Software funktioniert ausgesprochen gut, auch wenn sicher nicht jeder für das Sense UI zu haben sein wird. Die Kamera ist für mich persönlich DAS Highlight überhaupt, Edge Sense ein wirklich bemerkenswertes Feature, das es so bisher nirgends gibt. Doch was HTC wieder einmal verbockt ist der Preis. 749 € Einführungspreis. Das ist ein ordentliches Sümmchen, dafür dass die Konkurrenz nicht lange brauchen wird, um die derzeitigen Vorzüge des U11 zu toppen.

Ich denke dennoch, dass das Gerät eine recht große Zahl Abnehmer finden wird und HTC sich hiermit einen großen Gefallen getan hat – war ja auch bitter nötig.


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Über den Autor: Benjamin Mamerow

Blogger, stolzer Ehemann und passionierter Dad aus dem Geestland. Quasi-Nachbar vom Caschy (ob er mag oder nicht ;D ), mit iOS und Android gleichermaßen glücklich und außerdem zu finden auf Twitter und Google+. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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