Moto 360 (2015) ausprobiert: Sie nannten ihn Plattfuß

2. November 2015 Kategorie: Wearables, geschrieben von: Pascal Wuttke

moto_03_webWir nähern uns in großen Schritten dem Jahreswechsel und wenn man rückblickend auf den Markt der Smartwatches blickt, dürfte dieser – zumindest gemessen am Hype – ganz im Zeichen der Apple Watch stehen. Verkaufszahlen sind wieder ein anderes Thema. Doch auch im Bereich Android Wear waren die Hersteller nicht untätig. Nimmt man ein paar Schritte Abstand und betrachtet das gesamte Angebot von Android Wear, so merkt man zunehmend, dass die Anbieter mehr Wert auf Design als auf Funktionalität legen.

Huawei hat beispielsweise erst kürzlich mit der Huawei Watch nicht nur die erste Smartwatch des Unternehmens herausgebracht, sondern direkt ein Designerstück, welches in der Wahl der Materialien kaum Wünsche offen lässt (hier unser Testbericht dazu). Auch Samsung hat die Nachfrage nach runden Smartwatches erkannt und brachte jüngst mit den Modellen Gear S2 und Gear S2 Classic die ersten runden Wearables auf den Markt, die auf dem hauseigenen Tizen-Betriebssystem basieren.

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Doch der allererste Hersteller, der eine runde Smartwatch veröffentlichte, die aufgrund ihrer Materialien und der Gesamtoptik an eine klassische Armbanduhr erinnerte, war Motorola. Im Jahr 2014 war die Moto 360 eine der begehrtesten Smartwatches und auch ich war mehr als gespannt, die Uhr zu testen.

In meinem damaligen Review war ich insgesamt überzeugt von der Uhr, auch wenn ich den recht schwachen Prozessor verteufelt habe, der zu häufigen Rucklern in der Bedienung sorgte. Der „Plattfuß“ der Moto 360, welcher spezifische Display-Treiber beherbergt, hatte mich damals nicht sonderlich gestört. Für die meisten Interessenten war dies jedoch ein absolutes No-Go und ein schlimmer Design-Fauxpas. Auch wirkte die erste Moto 360 sehr klobig und hoch, was mich aber ebensowenig störte.

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Pünktlich zur IFA stellte Motorola im September schließlich die zweite Generation Moto 360 vor, bestehend aus der Moto 360 Sport und der klassischen Moto 360, die so vieles besser machen sollte. Das Design kann nun noch umfangreicher über den Moto Maker angepasst werden, die Uhr selbst schrumpft in ihren Dimensionen zusammen und auch ein zeitgemäßer Prozessor kommt endlich zum Einsatz. An sich klingt das nach einer perfekten Versöhnung mit der angesäuerten Android Wear-Fanbase – wenn Motorola nicht schon wieder den Plattfuß verbaut hätte.

Doch bevor wir weiter in die Tiefe gehen, schauen wir, was unter der Haube der Moto 360 (2015) steckt:

  • Prozessor: 1,2 GHz Qualcomm Snapdragon S400 (Quad-Core), Adreno 305 mit 450MHz GPU
  • Arbeitsspeicher: 512 MB RAM
  • Gerätespeicher: 4 GB
  • Akku: 300 mAh (42mm-Modell), 400 mAh (46mm-Modell)
  • Display: 1,37 Zoll (35mm) LCD (42mm-Modell) bei einer Auflösung von 360 x 325 Pixel (263ppi), 1,56 Zoll (40mm) LCD (46mm-Modell) bei einer Auflösung von 360 x 330 Pixel (233ppi) / Corning Gorilla Glass 3
  • Abmessungen: Herren-Modell: 46mm Durchmesser mit 11.4mm Höhe, 42mm Durchmesser mit 11.4mm Höhe / Damen-Modell: 42mm Durchmesser mit 11.4mm Höhe
  • Konnektivität: Bluetooth 4.0 LE, WLAN 802.11 b/g
  • Sonstiges: Zwei Mikrofone im Gehäuse für Sprachbefehle, Beschleunigungssensor, Umgebungslichtsenosr, Gyroskop, Herzfrequenzmesser, Staub- und Wassergeschützt nach IP67 Zertifikat

Wie Ihr seht, gibt es in diesem Jahr mehrere Modelle zur Auswahl. Motorola hat sich dazu entschieden, eine filigranere 42mm Variante für schmale Herren- und Damenhandgelenke zur Auswahl zu stellen. Die größere 46mm-Version verfügt dabei über einen marginal größeren Akku (300 mAh vs. 400 mAh), der je nach Nutzung bis zu zwischen 1,5 Tage und 2 Tage aushalten soll. Die größere 46mm-Variante verfügt zudem über eine etwas größere Auflösung, unterm Strich jedoch über eine geringere Pixeldichte. In meinem Fall hatte ich zu Testzwecken das 42mm-Modell um mein Handgelenk geschnallt.

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Die Modelle können, wie eingehend erwähnt, erneut über den Moto Maker selbst zusammengestellt werden. Dieses Mal stellt Motorola der Moto 360 (2015) jedoch weitere Anpassungsmöglichkeiten zur Seite. Die Lünette kann so beispielsweise erstmals farblich getrennt vom Uhrengehäuse angepasst werden. Hier stehen die Farben Gold, Silber und Schwarz zur Auswahl, die auch in der Variante „Micro Knurl“ zur Verfügung stehen.

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Das Gehäuse selbst kann ebenfalls in den Farben Gold, Silber und Schwarz gewählt werden. Bei den Armbändern hat man wiederum die größte Auswahlmöglichkeit. So sind die klassischen Lederarmbänder in Cognac oder Schwarz ohne Aufpreis verfügbar, aber auch Edelstahlarmbänder in Gold, Silber und Schwarz für 30 Euro Aufpreis sind zu haben. In meinem Fall wählte ich die „All Black“ Variante, die ich im Nachhinein nicht bereue.

Im Bereich Tragekomfort hat sich die Moto 360 der zweiten Generation kaum verändert. Im Gegenteil, durch die 42mm Version ist die Uhr schmaler geworden und somit auch leichter. Man merkt die Uhr beim Tragen kaum und sie stört keineswegs. Das Lederarmband ist genauso hochwertig wie bei der ersten Generation und schmiegt sich perfekt um das Handgelenk.

Ein Vorteil der zweiten Generation Moto 360 gegenüber dem Vorgänger wurde mir erst beim Tragen bewusst. Der Bedienknopf auf der rechten Seite des Gehäuses ist von einer „3 Uhr-Stellung“ auf eine „2 Uhr-Stellung“ gewandert. Somit bohrt man sich nicht immer den Knopf ins Handgelenk, sobald man es anwinkelt. Auch die Höhe des Uhrengehäuses ist um einiges geringer geworden, was sich positiv auf das Tragegefühl auswirkt.

Das Display liegt erneut unter Corning Gorilla Glass 3 geschützt und ist lediglich in puncto Auflösung aufgewertet worden. Mit 360 x 325 Pixeln ist die Moto 360 (2015) zwar immer noch nicht das schärfste Display der Welt, doch auf die Displaygröße von 1,37 Zoll mehr als ausreichend scharf. Texte werden klar lesbar dargestellt und Bilder größtenteils auch – sofern es sich nicht um Albencover von Spotify und Co. handelt.

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Doch kommen wir zum sprichwörtlichen Elefanten im Raum – dem Plattfuß. Er ist immer noch da. Für die meisten wie erwähnt eines der größten Design-Ausrutscher der Technikwelt, doch laut Motorola ein nötiges Übel. Unter der schwarzen Fußleiste liegen nämlich die Display Treiber, die unter anderem für die automatische Helligkeitsregulierung zuständig sind. Mit bloßem Auge ist so beispielsweise auch der Umgebungslichtsensor unter dem schwarzen Balken erkennbar. Motorola ist einer der wenigen Hersteller, die solch eine automatische Helligkeitseinstellung verbaut haben.

Mich persönlich störte der Balken bei der ersten Moto 360 nicht sonderlich. Doch bei der zweiten Generation mit dem kleineren Uhrengehäuse sah das Ganze irgendwie schon anders aus. Der Balken fällt einem durch die kleinere Sichtfläche einfach mehr ins Auge. Der Rest ist rein subjektives Empfinden. Ich kann mit ihm leben, aber ohne wäre die Moto 360 einfach besser. Dafür würde ich sogar den Wegfall der automatischen Helligkeitseinstellung in Kauf nehmen.

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Doch was mich mehr gestört hat, ist das geschliffene Uhrenglas an den Kanten. Dieses war auch schon bei der ersten Moto 360 vorhanden. Hierdurch werden Texte an den Rändern verzerrt und teilweise schwerer lesbar. Zudem ist bei meinem Testgerät ein kleiner Spalt zwischen Gehäuse und Uhrenglas, was eine Ansammlung von Staub und Dreck zur Folge hat. Auch wenn ich mir sicher bin, dass dieser Umstand nicht die Norm bei Motorola ist, so ist dennoch qualitativ Luft nach oben.

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Hardwareseitig kann ich dafür Motorola nur applaudieren. Mit dem Snapdragon S400 Quad-Core-Prozessor macht die Moto 360 endlich Spaß in der Bedienung. In der ersten Generation verbaute man hier noch einen TI OMAP 3630, der zu einigen Rucklern in der Oberfläche sorgte. Dies war der wohl größte Kritikpunkt an der ersten Moto 360 von meiner Seite, den Motorola glücklicherweise behoben hat.

Nun, dank des zeitgemäßen Prozessors und der Firmware basierend auf Android Lollipop, ruckelt und zuckelt nichts an der Moto 360 (2015). Im Gegenteil, alles läuft butterweich und flott. Lediglich die Spracherkennung hakte hier und da, was jedoch an der aktuellen Firmware liegen könnte. Alles in allem hatte ich aber auch hier keine Beanstandungen.

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Die Akkulaufzeit hingegen hat sich quer durch die Android Wear-Bank weg innerhalb eines Jahres deutlich verbessert. Hatte ich mit der ersten Moto 360 teilweise größere Probleme über den Tag zu kommen, lächelte mich die zweite Generation Moto 360 am Abend zumeist nur müde an. Und das nicht, weil ihr der Saft ausging, sondern weil sie zu diesem Zeitpunkt noch gute 70% Akku auf der Uhr hatte.

Hier sollte natürlich jedem klar sein, dass die Akkulaufzeit je nach Nutzung teilweise drastisch variieren kann. Ich bekomme zumindest nicht laufend Notifications aufs Handgelenk und auch das „Always on“ Ziffernblatt ist bei mir ausgestellt. Somit komme ich gut mit der von Motorola ausgegebene 1,5 – 2 Tage Marke hin. Und falls dann mal der Akku leer ist, lädt man die Moto 360 stilvoll mit der mitgelieferten Wireless Charging-Station wieder auf.

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Auch in der diesjährigen Ausführung der Moto 360 wird ein Herzfrequenzmesser auf der Unterseite der Uhr verbaut. Dieser misst dann, einmal manuell angeworfen, die Herzfrequenz und leitet die Daten auf Wunsch zu Google Fit weiter. Wer Google Fit nicht sonderlich viel abgewinnen kann, hat zudem die Möglichkeit auf Motorolas eigene App-Lösung „Moto Body“ zu setzen. Hierüber lassen sich auch die weiteren Fitness-Daten der Moto 360 sammeln wie Schritte, verbrannte Kalorien beim Gehen und Laufen, usw. Hierfür gibt es eine passende Companion-App kostenlos im Google Play Store.

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Als Fazit bleiben Licht und Schatten. Motorola hat größtenteils auf die Kritik reagiert und eine zuverlässigere Smartwatch veröffentlicht, die zudem endlich auch Spaß in der Bedienung mitbringt. Außerdem bietet Motorolas Smartwatch erneut den – aus meiner Sicht – perfekten Hybriden aus klassischem Design und technischem Gadget.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Huawei hat zuletzt mit der Huawei Watch ebenfalls eine sehr gute Smartwatch auf Android Wear-Basis herausgebracht, die ebenfalls viele Optionen für das Gehäuse und das Armband mit sich bringt. Aktuell hält Motorola alle Karten in der Hand, doch auch der Trumpf Moto Maker ist sicherlich irgendwann einmal verspielt.

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Die Sensorentechnik muss schlichtweg anders gelöst werden, als dass man immer wieder auf den schwarzen Plattfuß setzt. Viele potenzielle Käufer haben ihr Interesse an der Moto 360 geäußert, doch der Balken mindert den Kaufreiz immens.

Nichtsdestotrotz ist und bleibt die Moto 360 meine favorisierte Smartwatch und auch der Faktor, dass man sie nun mit einem iPhone verbinden kann (wenn auch nicht in vollem funktionalen Umfang) macht die Uhr attraktiver denn je. Wenn Motorola besagte Kritikpunkte erneut zu Herzen nimmt, wird aus einer guten Android Wear-Smartwatch vielleicht doch die perfekte.

Die Moto 360 (2015) ist ab sofort ab 299 Euro via Moto Maker erhältlich.


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Über den Autor: Pascal Wuttke

Nerdlicht in einer dieser hippen Startup-Städte vor Anker. Macht was mit Medien... Auch bei den üblichen Kandidaten des sozialen Interwebs auffindbar: Google+, Twitter, Xing, LinkedIn und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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