Huawei Watch Testbericht: Das Schmuckstück unter den Android Wear-Smartwatches

11. Oktober 2015 Kategorie: Android, Wearables, geschrieben von:

04Huawei hat in diesem Jahr richtig Gas gegeben und ist, nicht zuletzt durch das neue Smartphone Mate S, auf dem Radar aller Endkunden angekommen. Als Marke hat man sich auch hierzulande unlängst etabliert und nun sucht das Unternehmen neue Wege, um sich und seine Produkte attraktiv zu machen. Ein guter Schritt in diese Richtung ist der Sprung ins Smartwatch-Becken. So stellte Huawei auf dem Mobile World Congress 2015 in Barcelona im März die erste Smartwatch des Unternehmens auf Android Wear-Basis vor. Und für viele, mich eingeschlossen, war direkt klar: diese Smartwatch ist ein echter Hingucker.

Android Wear ist nun seit gut anderthalb Jahren am Markt und viele Hersteller haben sich mit Eigeninterpretationen auf das Feld gewagt. Hiervon konnten mich bislang wenige komplett überzeugen. Wenn es um das Thema Uhren oder insbesondere Smartwatches geht, muss es rund gehen – wortwörtlich. Mit eckigen Uhren konnte ich nie sehr viel anfangen, auch wenn beispielsweise die ASUS ZenWatch da eine Ausnahme bildet.

Da ich, trotz des „Plattfußes“ und der inneren Schwächen ein Fan der klassischen, nahezu edlen Erscheinung der Moto 360 bin, war ich sehr gespannt, was die Huawei Watch hergeben würde. Schließlich wirkt die erste Huawei Smartwatch vergleichbar edel und als technisches Gadget beinahe unauffällig im Alltag. Glücklicherweise hatte ich nun etwas Zeit, mich mit der Huawei Watch auseinanderzusetzen und sie zu testen.

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Allem voran war ich positiv vom Packaging der Huawei Watch überrascht. In der Regel haben die Hersteller von Smartwatches sich bislang kaum große Gedanken um eine ansprechende Verpackung der Smartwatch gemacht, da schließlich das Produkt selbst glänzen soll. Huawei legt hier jedoch die Messlatte ganz weit nach oben: mit einer Klappbox, die beim Öffnen die Huawei Watch wie bei einem Edeljuwelier präsentiert. Chapeau!

Doch nicht nur die Verpackung ist ansehnlich gestaltet, denn die Uhr ist in der Realität tatsächlich so hochwertig gestaltet, wie man sie sich vorstellt. Die Edelstahl-Lünette sowie das obere Uhrengehäuse sind auf Hochglanz poliert, während die Unterseite der Smartwatch, ebenso wie der Knopf und das seitliche Gehäuse aus gebürstetem Edelstahl bestehen. Dazu kommt ein schwarzes Lederarmband, welches sich von Anfang an um das Handgelenk schmiegt.

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Die Smartwatch wirkt mit ihren 60,5 Gramm schwer, doch nicht zu schwer – wertig eben. Der Tragekomfort ist jedenfalls absolut gegeben und die Uhr hat nicht eine Sekunde gestört. Einzig und allein etwas schade ist, dass Huawei keine breiteren Armband-Optionen zur Verfügung stellt, da das Verhältnis zwischen 42mm Uhrengehäuse und 20,5 mm Armbandbreite nicht für jedes Handgelenk geeignet ist. Ich habe ziemlich breite Handgelenke und während das Gehäuse gut proportioniert aussah, wirkte das Armband viel zu schmal. Eine Option für ein verbreitertes Armband ist leider nicht gegeben.

Das Uhrengehäuse könnte auf einige Menschen etwas zu wuchtig wirken, auch wenn sie zumindest in der Höhe mit 11,3 mm angemessen dick ist. Daher sei jedem geraten, sich die Uhr bei Möglichkeit vorab beim Händler anzusehen oder zumindest anhand analoger Uhren im Ansatz einen Größenvergleich zu machen.

Sollte Euch das glänzende Leder nicht zusagen, so gibt es von Huawei einige alternative Möglichkeiten zur Auswahl. Mir persönlich hatte das glänzende Leder nicht so zugesagt, daher hätte ich höchstwahrscheinlich zu einem matten Wildlederarmband gegriffen. Für etwas mehr Extravaganz hat Huawei aber auch braune Lederarmbänder, die an eine Art Krokodilleder-Imitat erinnern. Des Weiteren gibt es noch Edelstahlarmbänder in Silber, Schwarz und Roségold sowie ein silbernes Edelstahl-Milanaise Armband. Diese können jederzeit für einen Preis zwischen 79,99 Dollar und 169,99 Dollar nachgekauft werden. Die Auswahl der Gehäuse selbst reichen von normalem Edelstahl über schwarzen Edelstahl bis hin zu vergoldetem Edelstahl mit Verzierungen.

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Auf der Unterseite der Uhr befindet sich nebst Pin-Konnektor für die magnetische Lademöglichkeit noch ein Herzschlagsensor, der manuell ausgelöst werden kann. Am Gehäuse der Huawei Watch befindet sich auf 1-Uhr-Stellung ein Bedienungsknopf, über den das Display ein- und ausgeschaltet sowie das Android Wear-Menü bei längerem Drücken aufgerufen werden kann.

Soweit zur äußeren Erscheinung. Wie sieht es im Inneren der Huawei Watch aus? Sehr gut, möchte man meinen. Das Display ist ein 1,4 Zoll großes AMOLED Display mit einer Auflösung von 400 x 400 (286 ppi). Offensichtlich nicht das schärfste Display auf dem Markt, jedoch ausreichend scharf, um Schriften und Bilder klar genug darzustellen. Zudem sind die Farben dank AMOLED-Technologie knackig, der Schwarzwert echt – was schließlich auch der Akkulaufzeit zugutekommt – und die Helligkeit des Displays ist ausreichend, um es auch bei Tageslicht ablesen zu können. Leider fehlt der Huawei Watch ein entsprechender Umgebungslichtsensor, um die Helligkeit automatisch zu regeln.

Unter dem Display taktet ein 1,2 GHz Qualcomm Snapdragon 400 Prozessor, der von 512 MB RAM unterstützt wird. Die Smartwatch besitzt zudem 4 GB Gerätespeicher. Nebst besagtem Herzschlagsensor befinden sich außerdem ein Gyroskop, ein Beschleunigungssensor und ein Barometer an Bord. Zur drahtlosen Verbindung nutzt die Huawei Watch sowohl Bluetooth 4.1 als auch WLAN. Sollte sich die Smartwatch also etwas weiter von Eurem Smartphone befinden, während ihr dennoch mit dem gleichen Drahtlosnetzwerk verbunden seid, erhaltet Ihr trotzdem Benachrichtigungen auf die Uhr.

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Die Huawei Watch ist nicht nur mit allen Smartphones ab Android 4.3 kompatibel, sondern neuerdings auch mit allen iPhones ab iOS 8.2.

Der Akku der Huawei Watch ist mit 300 mAh nicht gerade der stärkste Akku, wollte man die Uhr doch sicherlich nicht noch dicker machen, als sie schon ist. Dennoch kam ich während des gesamten Testzeitraums stets über zwei volle Tage und meist noch ein wenig mehr hin. Hier spielt aber auch logischerweise das Nutzerverhalten eine große Rolle. Habt Ihr das Display alle zwei Sekunden an und bekommt zig verschiedene Nachrichten am Tag auf die Uhr, so ist die Akkulaufzeit eben geringer.

Ich würde mein Nutzerverhalten zwischen gering und normal einstufen, habe ich die Huawei Watch auch viele Stunden am Tag aufgrund der Arbeit am Computer beiseite gelegt. Außerdem habe ich ausgeschaltet, dass das Display immer an ist, sprich im gedimmten Modus trotzdem die Uhrzeit anzeigt.

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Und ist der Akku einmal leer, hat sich Huawei Watch für eine edle Variante der Aufladung entschieden. Man liefert der Huawei Watch nämlich einen runden, magentischen Konnektor mit, der vom Design her schon sehr an das Ladegerät der Apple Watch erinnert. Das Ladegerät ist dezent, doch leider auf lange Sicht, meiner Meinung nach, nicht sehr praktisch.

Während andere Hersteller nämlich auf eine modulare Lösung setzen, bei der ein Micro USB-Kabel an das Ladegerät angeschlossen wird, ist der magnetische Konnektor von Huawei ein einzelnes Teil. Liegt hier ein Kabelbruch vor, kann nicht so einfach das Kabel getauscht werden, man braucht gleich einen neuen Konnektor, der schlappe 39,99 Dollar kostet.

An der Bedienung der Uhr habe ich nicht viel auszusetzen. Die Oberfläche läuft rund und sehr flüssig, wie man es vom Prozessor auch erwarten dürfte. Die einzigen Sonderfeatures, die Huawei anbeigelegt hat, sind eine Reihe an Gesundheitsmessungen. Solltet Ihr also Eure Fitness-Daten nicht unbedingt zu Google Fit auslagern, so habt Ihr in der Huawei Watch eine Suite, die Eure Bewegungen wie Schritte, Laufen und „Klettern“ (hiermit dürften erklommene Stufen gemeint sei) aufzeichnet und über die Ihr auch Euren Herzschlag messen könnt. Viel mehr an Software-Funktionen liefert Huawei in der Watch nicht mit.

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Doch kommen wir zu den Kritikpunkten an der Huawei Watch. Diese sind zwar nicht viele, doch einer hat mit einer Kernfunktionalität zu tun: Der Google Suche. Ist das Display angeschaltet, so könnt Ihr jeder Android Wear-Smartwatch fragen stellen, sobald Ihr den Auslösesatz „OK Google“ sprecht. Dies funktioniert eigentlich auf jeder Android Wear Watch. Die Huawei Watch ist hier eine der größten Zicken, die ich bislang erlebt habe. Mal wird die Suche überhaupt gar nicht gestartet, weil entweder der Prozessor oder das Mikrofon den Auslösesatz nicht anerkennen wollen, oder die Suche wird nicht erkannt.

Ich habe den größten Teil damit verbracht, die Uhr anzuschreien, damit sie mich und meine Suche überhaupt versteht und selbst dann wollte sie nicht immer reagieren. Und falls die Suche mal funktioniert hat, stürzte die Google Suche auch häufiger mal ab mit der Meldung „Die Google-Suche wurde beendet“. Für eines der Kernfunktionen einer Android Wear Smartwatch sehr nervig.

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Der andere Kritikpunkt ist ein vergleichbar kleinerer. Der Vibrationsmotor ist nicht sonderlich stark. Entweder das, oder er kommt durch das robuste Edelstahlgehäuse nicht gut zur Geltung. Hatte ich vorher mit anderen Smartwatches eigentlich nie Probleme auf neue Nachrichten aufmerksam zu werden, so verpasste ich häufig welche auf der Huawei Watch.

Als Fazit kann ich sagen, dass mir die Huawei Watch sehr gut gefallen hat. Huawei hat sich meiner Meinung nach richtig entschieden, nicht nur einen simplen Plastikbomber als Smartwatch-Erstling auf den Markt zu werfen, sondern lieber eine ansprechende, edle Smartwatch zu kreieren. Das Gesamtkonzept der Huawei Watch ist sehr stimmig und die Materialien, die verwendet wurden und zur Auswahl stehen, untermalen das klassische Image.

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Die Uhr ist sehr komfortabel – auch über den ganzen Tag hinweg – zu tragen, sodass man schnell vergisst, dass man überhaupt eine Uhr um das Handgelenk trägt. Die Bedienung der Uhr selbst ist flüssig und macht Spaß, bis auf besagten Fehler mit der Suche. Hier hoffe ich auf ein schnelles Software-Update von Huawei, welches den Fehler behebt.

– Wer also auf runde Smartwatches steht, die selbst im Business-Alltag durchgehen, sollte die Huawei Watch definitiv genauer ansehen. All diejenigen, die einer Motorola Moto 360 abgesagt haben, da sie der Plattfuß störte, sollten erst recht einen Blick auf die Huawei Watch werfen. Leider ist die Huawei Watch keine günstige Smartwatch, da sie momentan bei Amazon beispielsweise ab 389 Euro losgeht und je nach Konfiguration, beispielsweise in Gold mit Lederarmband, bis zu 1.188,81 Euro kostet.

Nimmt man besagten Kritikpunkt des Ersatz- oder Zweitkonnektors zur Aufladung der Huawei Watch hinzu, müssen wir weitere 39,99 Dollar (Euro-Preis steht noch aus) in die Rechnung einfließen lassen. Doch für sein Geld bekommt man mit der Huawei Watch wirklich eine der edelsten und hochwertigsten Smartwatches auf dem Markt geboten. Die Huawei Watch schießt sich somit ganz klar im Ranking nach vorne, was meine persönlichen Smartwatch-Favoriten angeht.


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