HDR-Standard fürs Fernsehen: rec.2100 verabschiedet

17. Juli 2016 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: André Westphal

ultra hd premium thumbDiese Woche hat die International Telecommunications Union (ITU) einen wichtigen Schritt getan, um High Dynamic Range (HDR) noch stärker zu verankern: Aktuell kennt ihr die Technik entweder von Ultra HD Blu-rays oder aber ausgewählten Streams bei Amazon Prime Instant Video bzw. Netflix. Samsung stellte kürzlich außerdem mit HDR+ eine Möglichkeit vor, auch SDR-Inhalte mit HDR wiederzugeben. Die ITU hat nun den Standard rec.2100 verabschiedet, der jenen Schritt in nicht allzu ferner Zukunft überflüssig machen könnte. So ebnet rec.2100 den Weg für HDR bei TV-Übertragungen.

rec.2100 ist ein Zusatz zum im Oktober 2015 herausgegebenen Standard rec.2020. Streng genommen handelt es sich nicht um verbindliche Standard, sondern um Empfehlungen. Die Verbindlichkeit ist allerdings in der Praxis durchaus groß. Zwei Übertragungswege für HDR schlägt nun rec.2100 vor: Percep­tual Quan­ti­sa­tion (PQ) bzw, Hybrid Log-Gamma (HLG). Ersteres kennt man von HDR10 und Dolby Vision, letzteres ist aktuell weniger verbreitet und soll die Kompatibilität zu SDR-Bildschirmen herstellen.

Relativ spannend ist, dass die ITU in dem rec.2100-Dokument nicht nur für Ultra HD (3.840 x 2.160 Pixel) und 8K (7.680 x 4.320 Pixel), sondern auch für 1080p (1.920 x 1.080) Bildpunkte Vorschläge für HDR unterbreitet. So könnten Sender demnach auch 1080p-Übertragungen mit HDR aufpeppen. Einen Nachteil könnte es für die sonst heiß herbeigesehnten OLED-TVs geben. So legt die ITU eine maximale Helligkeit von mindestens 1.000 cd/m2 fest. Daran scheitern alle aktuellen OLED-TVs. Selbst LGs 65OLEDG6V für rund 8.500 Euro kommt nur auf 750 cd/m2. Schaut man genauer hin, empfiehlt die ITU die genannte, maximale Helligkeit zwar in erster Linie für Mastering-Equipment, Kunden könnten bei der Wiedergabe dann aber auf Probleme stoßen.

Auch rät die ITU das Mastering für HDR nur in abgedunkelten Räumen ohne weitere Umgebungsbeleuchtung durchzuführen – indirekt gilt das dann im Grunde auch für die Wiedergabe. Wer HDR voll auskosten will, sollte demnach möglichst im dunklen Kämmerlein seinen Content konsumieren.

Falls ihr euch fragt, welche Rolle die rec.2100-Empfehlung der ITU spielt: eine immense. Das Gros der internationalen TV-Sender richtet sich nach den ITU-Empfehlungen. Das könnte auch einer der Gründe sein, warum es aktuell mit Ultra HD im Fernsehen noch düster aussieht. rec.2100 ist somit ein wichtiger Schritt, um nicht nur HDR, sondern auch allgemein TV-Übertragungen in Ultra HD voran zu bringen.



Werbung: Drohne, GoPro & Oculus Rift: Instaffo.com verlost coole Gadgets Zur Infoseite.

Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 1226 Artikel geschrieben.