Gut und günstig: Xiaomi Mi Robot Vacuum im Test

17. Dezember 2017 Kategorie: Android, Hardware, iOS, Smart Home, geschrieben von:

Im August dieses Jahres durfte ich erstmals persönlich einen Staubsaugerroboter testen – ein Gerät, das ich vorher nie im Leben hätte anschaffen wollen. Immerhin bin ich immer der Meinung gewesen, dass das manuelle Staubsaugen einfach nicht abzulösen ist. Am Ende meines Tests musste ich feststellen, dass ich da nicht ganz richtig liege. Zwar saugen wir auch weiterhin vorrangig per Hand, hin und wieder wäre es aber schon klasse, wenn ein elektronischer Helfer einfach mal „hinter uns her saugen“ würde.Bei GearBest war man nun so freundlich, uns einen dieser Helfer aus dem Hause Xiaomi zur Verfügung zu stellen. Der Mi Robot Vacuum Cleaner gilt im Netz als eine Art Geheimtipp, wenn man nicht bereit ist, über 500 € auszugeben und trotzdem einen hervorragend reinigenden Staubsaugerroboter im Haus zu haben. Zwar ist das Gerät schon eine Weile auf dem Markt, dennoch kann er sich auch heute noch gegen die teure Konkurrenz behaupten – heißt es zumindest 😉 Ob das stimmt, möchte ich euch hier gerne berichten.

Spezifikationen und Ausstattung
  • Lieferumfang: Gerät, Ladedock inkl. Netzkabel (chinesischer Anschluss), Kamm-Tool mit Klinge zur Reinigung, Anleitungen
  • Maße und Gewicht: 345 mm x 96 mm bei 3,8 kg
  • Material: ABS-Kunststoff (weiß)
  • Akku: 5.200 mAh Li-Ion (14,4 V/55 Watt) – Laufzeit von bis zu 2,5 Stunden laut Hersteller
  • Konnektivität: WLAN
  • Saugkraft: 1.800 Pascal
  • Behälter: 400 ml
  • Sprache: Mi-Home-App inzwischen genau wie die Sprachausgabe auf Englisch nutzbar
  • Sensoren: insgesamt zwölf (diverse Ultraschallsensoren, Gyroskop, Beschleunigungssensor, E-Kompass, Sensor zur Erkennung von Abgründen wie Treppen und ein Laser-Sensor zum Messen von Abständen), arbeitet mit SLAM-Algorithmus während seines Betriebs
  • Preis: rund 290 € (Stand: 17.12.2017)

Der rotierende Laser-Sensor des Mi Robot Vacuum Cleaner misst Abstände zu Hindernissen

Meine größte Sorge galt zu Beginn ja noch der vom Gerät verwendeten Sprache, denn nach dem ersten Einschalten begrüßte mich der Mi Robot direkt fröhlich auf Chinesisch. Doch bereits beim Einrichten über die Mi Home-App erkannte ich schnell, dass auch das internationale Publikum ohne Probleme damit arbeiten kann, da die App direkt auf Englisch eingestellt war und ich über diese dem Roboter auch ein entsprechendes Sprachpaket installieren konnte. Versteht mich nicht falsch: ich finde die chinesische Sprachausgabe durchaus niedlich, allerdings bringt es mir gar nichts, wenn ich ein eventuell auftretendes Problem während meiner Anwesenheit nicht verstehen kann 😉 Daher erfreue ich mich dann doch eher an der englischsprachigen Variante.

So gelingt die Einrichtung des Roboters ausgesprochen schnell. Das einzige Problem dabei war, dass ich die regionalen Einstellungen für einen Moment auf „Amerika“ setzen musste, damit ich den Roboter überhaupt auswählen konnte. Für den europäischen Raum steht dieser (im Moment) nicht zur Verfügung. Ob am Ende wirklich noch einmal eine deutsche Lokalisierung angedacht ist, wage ich zu bezweifeln. Wer also des Englischen nicht mächtig ist, sollte von vom Mi Robot Vacuum Cleaner besser die Finger lassen.

Die Theorie

Mit 1.8oo Pascal Saugkraft sollte der Roboter durchaus in der Lage sein, Tierhaare und auch größere Krümel problemlos aufzunehmen. Die 400 ml des Staubbehälters sind dabei zwar nur noch fast halb so groß wie einst beim Botvac D5, allerdings dürften diese noch immer ausreichend genug sein, um unser Erdgeschoss ein- oder zweimal ausgiebig abzusaugen. Ausgeleert ist dieser wirklich schnell mit zwei Handgriffen.

Bei der Reinigung funktioniert der Xiaomi-Roboter nach demselben Prinzip wie die teure Konkurrenz. Der Mi Robot bedient sich hier der sogenannten SLAM (Simultaneous Localization and Mapping)-Technologie, erstellt also für sich eine eigene Karte der Umgebung und erkennt in dieser seine aktuelle Position. Das macht er sich spätestens dann richtig zunutze, wenn ihm während einer größeren Reinigungsfahrt einmal droht, der Saft auszugehen und er selbstständig an die Dockingstation fährt. Ist er wieder aufgeladen, so findet er ziemlich genau seine vorherige Position wieder und setzt seine Arbeit fort. Das funktionierte schon beim Botvac D5 im Test ausgezeichnet und klappt auch hier beim Xiaomi-Pendant hervorragend. Im Screenshot unten könnt ihr gut erkennen, wie der Staubsauger unser Wohnzimmer in den ersten Anläufen abgescannt hat und so eine gut erkennbare Raumskizze angefertigt hat. Anhand dieser kann er sehr gut seine eigene Position erkennen und markiert die Dockingstation beispielsweise als gelben Fleck.

Größere freie Flächen werden dann in den bekannten Schlangenlinien abgefahren, die restlichen Areale scannt der Kleine detailliert ab und fährt so sauber unter Stühlen und Tischen hindurch. Selbst unser Sofa scheint dieses Mal gar kein Hindernis mehr zu sein. Der nur 4 Millimeter höhere Botvac D5 hat sich vehement geweigert, unter dieses zu fahren. Der Mi Robot hingegen kümmert sich nun auch um diese Fläche – sehr gut. Wie man allerdings auch erkennen kann, gibt es ein paar Bereiche, die der Roboter einfach gemieden hat. Das sind die blauen Areale auf der Karte ohne Linienmuster. Ganz unten befindet sich die Terrasse, da mache ich ihm keinen Vorwurf :D. Allerdings befindet sich dort ziemlich mittig im Bild unter Kurzflor-Teppich, der im Grunde eine recht geringe Höhe besitzt. Der Botvac D5 hat diesen ohne Probleme befahren und gereinigt, der China-Sauger hingegen weigert sich ob der außen angebrachten Stoßdämpfer rigoros. Diese lösen nämlich bei Berührung sofort aus und lassen ihn kehrt machen.

Was mich dahingegen dann allerdings noch viel mehr verwundert ist, wie umgänglich er mit dem Langflor-Teppich vor der Couch ist. Dieser war für den D5 noch der ultimative Endgegner, der sich nur unter Verwendung des Magnetbands umgehen ließ. Das Band fehlt dem Mi Robot zwar leider, jedoch machen ihm die langen Haare des Teppichs nicht ansatzweise zu schaffen. Er frisst sich lieber mal am Kurzhaar fest – verkehrte Welt.

Saugleistung und Lautstärke

Was nützt der beste Staubsaugerroboter, wenn er nichts aufgesaugt bekommt? Wie bereits erwähnt, arbeitet der Mi Robot Vacuum mit 1.800 Pascal und sollte somit mit den üblichen Verschmutzungen in Form von Tierhaaren, Fusseln, Staub und Krümeln sehr gut klarkommen. Und genau das tut er auch. Die Bürste hebelt sogar kleine Legosteine und ähnliche Objekte in den Behälter, ein Glück, dass man diesen nicht nur gut von außen einsehen kann, sondern dass man diesen auch zur Not von entsprechenden Gegenständen befreien kann.

Apropos befreien: Der im Lieferumfang enthaltene Kamm mitsamt Klinge hilft recht gut, wenn die Bürste mal einen längeren Faden verschlungen hat, der diese dann blockieren kann. In Sachen Ersatzzubehör muss man sich allerdings wieder umständlich um die bekannten Shops bemühen, die die Geräte auch vertreiben. Heißt also auch, dass es durchaus ein paar Wochen dauern kann, bis eine Austauschbürste eintrifft. GearBest bietet beispielsweise direkt ein Zubehör-Set an, das neben den Austauschbürsten unter anderem auch ein 2 Meter langes Magnetband zum Abgrenzen beinhaltet und rund 50 € kostet – hier lohnt sich immer mal wieder ein Blick nach Angeboten.

Während seines Saugvorgangs lässt sich der Mi Robot Vacuum zwar von unserem Kurzflor-Teppich stoppen, unter der Couch fährt er hingegen zu Höchstleistungen auf. Da werden dann nicht nur Notebooks begattet (siehe obiges Bild) sondern auch gern mal lose herumliegende Kabel mitgenommen. Ich behaupte aber mal, dass das auch andere Geräte tun, die es unter unsere Couch schaffen würden.

Weil immer wieder die Frage aufkommt, wie laut so ein Gerät dann eigentlich im Betrieb ist, habe ich ein paar Videos von unterschiedlichen Szenarien aufgenommen, so unter anderem vom Start:

Tatsächlich empfinde ich die Lautstärke in den Videos als wesentlich lauter, als es der Roboter in Wahrheit ist. Ich kann hervorragend nebenbei Bloggen ohne mich gleich gestört fühlen zu müssen und da wo mein Sohn beim Botvac D5 noch immer das Zimmer verlassen hat, weil dieser ihm zu laut war, stört ihn das Xiaomi-Pendant so gut wie gar nicht. Das ändert sich allerdings umgehend, wenn ich den Sauger über die App in den Turbo-Modus versetzte, in dem er dann mit voller Leistung und deutlich weniger Ausdauer loslegt.

Gute und umfangreiche (wenn auch englischsprachige) App

Im Übrigen gibt es in der App auch noch eine klasse Funktion für alle, bei denen der Sauger sich mal unterhalb von Möbeln (wie unserer Couch) festfahren sollte. Dann nämlich fungiert die App als eine Art Fernbedienung, mit der man dem Mi Robot Richtungskommandos gibt, die er auch einigermaßen akkurat befolgt. Einigermaßen deswegen, weil halt leider noch ein wenig zu viel Zeit zwischen Eingabe und Ausführung des Befehls besteht.

Auch Funktionen wie den „Bitte nicht stören“-Modus zu festgesetzten Zeiten oder auch feste Zeitpläne, zu denen der Roboter regelmäßig losgurken soll, sind in der App zu finden. Man kann verschiedene Räume festlegen, die der Sauger dann nach und nach kennen- und unterscheiden lernt und wie bereits eingangs erwähnt diverse Sprachausgabe-Profile herunterladen und aktivieren. Was mich allerdings ein wenig störte war, dass ich die App zwar sowohl auf iOS als auch Android nutzen kann, der Roboter hingegen muss erst resettet werden, damit eine auf einem weiteren Smartphone installierte App diesen finden kann. Wenigstens behindert das anschließend nicht die Funktionalität zwischen vorher bereits verbundenen Smartphones und dem Roboter. Natürlich lässt sich der Sauger auch komplett ohne App nutzen, indem man ihn über die Power-Taste startet und zur Not zwischendurch jederzeit (SLAM-Technologie sei Dank) über die Home-Taste zurück an seine Dockingstation schicken kann, aber irgendwo nimmt man sich damit auch ein großes Maß Komfort 😉

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Mein Fazit

Am Ende des Tages bin ich mit dem Xiaomi Mi Robot Vacuum Cleaner (entschuldigt, dass ich den Longtitle möglichst oft versucht habe zu umgehen) ausgesprochen zufrieden. Er kostet bedeutend weniger als die „große“ Konkurrenz, ist mit außerordentlich vielen, gut abgestimmten Sensoren ausgestattet, die ihn wirklich intelligent durch die Räume treiben und er saugt (im Modus „Balanced“) angenehm leise und doch kräftig. Die Haare unserer Katzen und auch die Krümel, die nach unserem Frühstück gerne mal liegen bleiben haben keine Chance, außer sie haben sich ganz fies in einer Ecke versteckt – bis in den letzten Millimeter kommt nämlich auch die Seitenbürste leider nicht. Schade finde ich, dass er nun ausgerechnet den zentralen Punkt unseres Wohnzimmers – den Kurzflor-Teppich – umgeht. Meiner Meinung nach macht er dennoch eine enorm gute Figur im Vergleich mit Neato und Co. Allerdings sind bei denen Zubehör- und Ersatzteile in der Regel schneller besorgt als hier beim Produkt aus China. Wer hingegen direkt 50 € mehr für das fünf-teilige Set ausgibt, der dürfte auch eine geraume Zeit damit auskommen.


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